Kunst im öffentlichem Raum: Ausschreibung der nGbk

Infos

International offener Kunstwettbewerb 2016/17

Mitte in der Pampa
für ortsbezogene künstlerische Arbeiten im Bereich der Berliner
U-Bahnstationen auf der Linien U55 (2016) und U5 (2016/17) zwischen Hauptbahnhof und Cottbusser Platz.

Einreichung bis 5. Juni 2016
Ausschreibungstext und alle Anlagen unter
www.ausschreibung.ngbk.de
www.kunst-im-untergrund.de

Danach um 18 Uhr:
Eröffnung der Ausstellung „Sebastian Jung: WINZERLA – Kunst als Spurensuche im Schatten des NSU“ 
Der in der Großsiedlung Jena-Winzerla aufgewachsene Künstler Sebastian Jung wohnte 10 Jahre lang in Nachbarschaft zu den dort als Jugendliche radika¬lisierten NSU-Tätern Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos In seiner aktuellen Arbeit geht er der Frage nach, wie er seine Kindheit in der 12.000 Einwohner_innen zählende Siedlung erlebte, und wie sein Umfeld ihn geprägt hat. (bis 25. Juni 2016, Do–Sa 15–19 Uhr)

Ziel
Die Auslobung des international offenen Kunstwettbewerbs Mitte in der Pampa im Rahmen des langjährigen nGbK-Projekts Kunst im Untergrund hat zum Ziel, ortsbezogene künstlerische Arbeiten im Bereich von U-Bahnstationen der Linie U5 (2016 und 2017) und U55 (nur 2016) und deren Umfeld zu realisieren. Dabei sollen Fragen zum Verhältnis von Zentrum und Peripherie mit Bezug auf die Auswirkungen der Großprojekte, Bürgerbeteiligung und Freiflächengestaltung im Berliner Stadtraum behandelt werden. Wie sieht die „Pampa“ sich selbst im Verhältnis zur Mitte? Wie verhält sich „die Mitte“ in der „Pampa“? Wie lassen sich Zwischenräume wahrnehmen, wie werden die verschiedenen Stadträume gelebt und wie stehen sie untereinander in Beziehung? Fragen, die sich angesichts der Auswirkungen von Großprojekten stellen, vom Einfluss und von der Effektivität von Bürgerbeteiligungen und der Freiheit der Freiflächengestaltung im Berliner Stadtraum.

Situation
Die Linie U5 verbindet aktuell zwei Großprojekte: die U55 mit dem Neubau von drei Bahnhöfen in der historischen Mitte sowie den Umbau des künftigen Bahnhofs „Kienberg“ für die Internationale Gartenausstellung IGA 2017 im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Beide Vorhaben sind begleitet von gefragter und ungefragter Bürgerbeteiligung und haben erhebliche Auswirkungen auf ihr jeweiliges Umfeld.
Mitte in der Pampa stellt sich räumlich, sozial und politisch den Fragen, wie weiterhin in der „Mitte“ Entscheidungen gefällt werden, die sich in der „Pampa“ auswirken. Welches Verhältnis haben Zentrum und Peripherie zueinander, und welcher Eigensinn schlummert in der „Pampa“?
2017 wird die Linie U5 von April bis Oktober 2017 Zubringer für geschätzte 2,4 Millionen Besucher_innen der IGA. An beiden Enden der Linie machen sich die Bürger_innen für den Erhalt von Grünflächen stark. In Mitte stimmte die Mehrheit bei einem Beteiligungsverfahren zur Neugestaltung der großen Fläche oberhalb des U-Bhf. Berliner Rathaus für einen Erhalt des Grünzugs und gegen eine Bebauung. In Hellersdorf protestieren Anwohner_innen gegen die Bebauung des Naturschutzgebiets Kienberg durch die IGA.

Gesuchte künstlerische Arbeiten
Die künstlerischen Arbeiten sollen auf die spezifischen Gegebenheiten eines oder mehrerer Bahnhöfe bzw. deren Umfeld zwischen U-Bhf. Hauptbahnhof und U-Bhf. Cottbusser Platz Bezug nehmen und damit ortsbezogen konzipiert werden. Sie sollen ästhetische, stadträumliche sowie gesellschaftspolitische Verhältnisse zwischen Zentrum und Peripherie in Berlin bearbeiten und auf die damit verknüpften urbanistischen, kulturellen und ökonomischen Entwicklungen eingehen. Gesucht werden neue Formen von städtischen Aushandlungsprozessen – sowohl installativ für sich stehende als auch interventionistische, partizipatorische und/oder performative Arbeiten, in denen einzelne Künstler_innen und/oder Gruppen kurz- oder auch gerne langfristig vor Ort sind, auf spezifische Momente reagieren und neue Beziehungen zu lokalen Orten und Menschen aufbauen.
Die Arbeiten sollen im Bereich der Bahnhöfe (nach Abklärung der Zuständigkeiten) realisiert werden.Bevorzugt werden die U-Bahnhöfe Hauptbahnhof, Berliner Rathaus, Kaulsdorf-Nord undCottbusser Platz. Mit einer Brachfläche am U-Bhf. Cottbusser Platz sowie mit dem am U-Bhf. Kaulsdorf-Nord platzierten Arbeits- und Ausstellungsraum werden die Realisierungsorte für den Wettbewerb erweitert.

Orte
U-Bahnhöfe
Die U5  führt derzeit vom Alexanderplatz die Karl-Marx-Allee entlang durch das von Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen betroffene Friedrichshain und Lichtenberg, oberirdisch durch das Einfamilienhausgebiet Biesdorf, durch die zwischen 1977 und 1990 errichteten Plattenbausiedlungen inKaulsdorf-Nord und Hellersdorf bis zum zukunftigen, neu gestalteten IGA-Bahnhof U-Bhf. Kienberg – Gärten der Welt (z.Zt. U-Bhf. Neue Grottkauer Straße).
Im Jahr 2016 möchte der Kunstwettbewerb zusätzlich die U5-Verlängerung von U-Bhf. Alexanderplatz bisU-Bhf. Hauptbahnhof einbeziehen: drei schon in Betrieb genommene U-Bahnhöfe Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor (aktuell Linie U55) sowie die drei im Bau befindlichen U-BahnhöfeUnter den Linden, Museumsinsel und Berliner Rathaus (Projekt U5).
Im Jahr 2016 und 2017 werden auch der Bahnhof nach dem IGA-Bahnhof, der U-Bhf. Cottbusser Platzmit der direkt angrenzenden großen Freifläche zwischen Maxie-Wander-Straße und Carola-Neher-Straßezu Interventionsorten des Wettbewerbs.
In die U-Bahnhöfe Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor können Arbeiten z.B. an den Bahnhofswänden platziert werden. Die U-Bahnhöfe Unter den Linden, Museumsinsel und Berliner Rathaus sind Großbaustellen und hier kann es nur Arbeiten Ausserhalb der Baustellen geben. In den Bahnhöfen zwischen Alexanderplatz und Tierpark können Arbeiten z.B. auf Hintergleisflächen platziert werden. In den Bahnhöfen zwischen Biesdorf-Süd und Cottbusser Platz können Arbeiten z.B. in den Vitrinen der Abfertigungshäuser auf den Bahnsteigen platziert werden (ausser U-Bhf. Neue Grottkauer Straße)

Brach- und Wiesenfläche am U-Bhf. Cottbusser Platz
Zentrales Aktionsfeld des Wettbwerbs ist die großläufige, von Einwohner_innen beliebte Brach- und Wiesenfläche zwischen U-Bhf. Cottbusser Platz und der Carola-Neher-Straße. Auf der Wiese lassen sich übergreifende Widersprüche ablesen. In zeitlicher und räumlicher Nähe der Internationalen Garten-Ausstellung sollen die Begriffe „International“, „Garten“ und „Ausstellung“ aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht und hinterfragt werden: Was ist international am Ort, an dem Attacken auf Flüchtlingsheime stattfinden? International ist Hellersdorf allemal, aber neben der wachsenden Zahl von Flüchtlingen aus dem Mittelmeerraum, Asien und anderen Gegenden im Globalen Süden ist dies nicht immer offensichtlich, denn die sogenannten „Russland-Deutschen“ bleiben lieber unsichtbar. Nicht immer wollen die, die als international gelten, auch so gesehen werden. Und welches Gartenkonzept braucht eine als Gartenstadt konzipierte Siedlung? Was bedeutet die Aufstellung von Kunst-am-Bau-Skulpturen der Wohnungsunternehmen für den Stadtteil, der kaum kulturelle Einrichtungen hat? Und welche Änderungen bringen Großprojekte in den städtischen Alltag?
Besonders durch die Realisierung von prozesshaften Arbeiten auf der Brache sollen Formen lokaler Aneignungspraxen und direkter Kommunikationen befördert werden.
Die Brache ist als „Place Internationale“ für Austausch, Diskussion und Zusammenkommen der Anwohner_innen 2016 und 2017 gedacht und soll neuartige Öffentlichkeiten bilden. Dafür wird eine Grundinfrastruktur (Wasser, Strom, Vernetzung, Beschilderung) von der AG Kunst im Untergrundermöglicht und zur Verfügung gestellt. Wünschenswert ist eine künstlerische Arbeit, die einen Ideenwettbewerb mit Anwohner_innen durchführt sowie Arbeiten, die Konzeption und Realisierung unterschiedlicher Aneignungs- und Dialogformen des Areals sowie des direkten Umfelds vorsehen.

Projektzentrale station urbaner kulturen und AG Kunst im Untergrund
Die für die Begleitung aller künstlerischen Arbeiten zuständige AG Kunst im Untergrund der nGbK betreibt seit 2014 die Projektzentrale station urbaner kulturen in direkter Umgebung des U-Bhf. Kaulsdorf Nord in einem Laden am Cecilienplatz in Hellersdorf. Alle Wettbewerbseinreichungen werden hier ausgestellt. Diestation urbaner kulturen soll den ausgewählten Künstler_innen nach Absprache zudem als Büro, Aufenthalts- und Produktionsstätte zur Verfügung stehen. Die AG wird mit einem Begleitprogramm und verschiedenen Präsentationsformaten in der station urbaner kulturen die ausgewählten künstlerischen Arbeiten kontextualisieren und den Nachbar_innen, Kiezbewohner_innen und dem Berliner Kunstpublikum vermitteln. Wünschenswert sind künstlerische Arbeiten, die teilweise in der station urbaner kulturen produziert werden und/oder diese Räume als Anlaufstelle und Präsentationsraum nutzen.

Leider steht uns der Bahnhof Kienberg nicht für den Wettbewerb zur Verfügung, da dieser von den Betreibern BVG und IGA selbst bespielt wird, wohl aber das Umfeld des U-Bahnhofs.

AG Kunst im Untergrund: Jochen Becker, Anna-Marie Gogonjan, Eva Hertzsch, Folke Köbberling, Dejan Markovic, Adam Page, Valeska Peschke

Mitte in der Pampa, ein Projekt der neuen Gesellschaft für bildende Kunst, wird finanziert von Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, Kunst im Stadtraum. Unterstützt von: BVG, Berliner Fenster, Draussenwerber, Wall, Lotto-Stiftung

nGbK | neue Gesellschaft für bildende Kunst
Oranienstraße 25, D – 10999 Berlin, T:  030-6165130
www.ngbk.de

station urbaner kulturen
Cecilienplatz 5
12619 Berlin-Hellersdorf
U5 Kaulsdorf-Nord
www.kunst-im-untergrund.de