Stay With Me: Artists’ Diaries from Istanbul

Salon für Kunstbuch 21er Haus, Wien

Die Ausstellung “Stay with me” versammelt Notiz- und Tagebücher von mehr als 60 Künstlerinnen und Künstlern, die im Zusammenhang mit ihren Erfahrungen während der Gezi-Park-Proteste 2013 in Istanbul entstanden sind.

Im Frühling kam es in Istanbuls Gezi-Park zu Protesten gegen Pläne für dessen städtebauliche Zukunft. Die sich in den folgenden Wochen über den Taksim-Platz ausbreitende Welle von Demonstrationen erfasste das ganze Land. Die Menschen kamen in dezentraler Organisation auf über 5.000 Veranstaltungen zusammen und geschätzte 3.5 Millionen gingen auf die Straße. Die mit ungewöhnlicher Gewalt niedergeschlagenen Demonstrationen forderten damals 11 Tote und mehr als 8.000 Verletzte. Seit dem Sommer 2013 hat sich die innenpolitische Lage weiter verschärft. Ist es möglich, die Hoffnung von damals zu bewahren?

An den Exponaten der Ausstellung lassen sich die unterschiedlichsten Herangehensweisen ablesen, in denen eine Kunst der Selbstbehauptung sich realisiert: den singulären Zauber gemeinsamer Momente festhalten, das Bedrohende auf Papier bannen, sich an einen anderen Ort projizieren, Erlebtes durch Abstraktion erinnern.

Mit Beiträgen: Ali Miharbi, Anti-Pop, Aslı Çavuşoğlu, Ata kam, Ayşe Küçük, Azra Deniz Okyay, Balca Ergener & Meltem Ahıska, Berkay Tuncay, Burçak Bingöl, Carla Mercedes Hihn, Ceren Oykut, Christine Kriegerowski, Çiğdem Hasanoğlu, Devrim Ck, Devrim Kadirbeyoğlu, Didem Erk, Eda Gecikmez, Ekin Saçlıoğlu, Elif Çelebi, Elmas Deniz, Endam Acar & Fırat Bingöl, Erdağ Aksel, Erhan Öze, Erdem Helvacıoğlu, Eser Selen, Fatma Belkıs, Fatma Çiftçi, Ferhat Özgür, Figen Aydıntaşbaş, Fulya Çetin, Genco Gülan, Gonca Sezer, Gökçe Süvari, Gökhan Deniz, Göksu Kunak, Gülçin Aksoy, Gül Kozacıoğlu, Gümüş Özdeş, Güneş Savaş & Eren Yemez, Güneş Terkol, Gözde İlkin, Hale Tenger, Hubert Sommerauer, İnci Furni, İpek Duben, Kınay Olcaytu, Melike Kılıç, Merve Çanakçı, Merve Şendil, Mischa Rescka, Murat Tosyalı, Nalan Yırtmaç, Nancy Atakan, Nazım Dikbaş, Neriman Polat, Nick Flood, Nurcan Gündoğan, Onur Ceritoğlu, Onur Gökmen, Özgür Atlagan & Bengi Güldoğan, Özgür Demirci, Özgür Erkök Moroder, Özge Enginöz, Rüçhan Şahinoğlu, Raziye Kubat, Sabine Küpher Büsch & Thomas Büsch, Seda Hepsev, Seçil Yersel, Sena Başöz, Senem Denli, Sevim Sancaktar, Sevil Tunaboylu, Sevgi Ortaç, Suat Öğüt, Sümer Sayın, Şafak Çatalbaş, Ulufer Çelik, Yaprak Kırdök, Yasemin Özcan, Yasemin Nur, Yavuz Parlar, Yeşim Ağaoğlu, Zeyno Pekünlü

“Stay with me” wurde von der Künstlerin Selda Asal initiiert.

Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie 2016: Stephanie Kiwitt

Die Akademie der Künste vergibt das Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie 2016 an Stephanie Kiwitt. Das mit 20.000 Euro dotierte Förderungsstipendium für internationale junge Fotografinnen und Fotografen wird aus dem Nachlass von Ellen Auerbach finanziert und alle zwei Jahre vergeben. Der Nachlass befindet sich in Kunstsammlung und Archiv der Akademie. Die Ellen-Auerbach-Stipendiaten gehören dem Stipendiatenkreis der JUNGEN AKADEMIE an.
Am 16. November 2016 wird das Stipendium verliehen. Auerbach-Stipendiaten der letzten Jahre waren Julian Röder (2014), Natalie Czech (2012) und Anastasia Khoroshilova (2010).

Die Fotografin und diesjährige Stipendiatin Stephanie Kiwitt thematisiert den städtischen Alltag, die Fragilität urbaner Strukturen, Konsum, Waren- und Körperkultur in Bildgruppen, Serien und Künstlerbüchern. Ihre Fotografien arrangiert sie in Kompositionen im Innen- und Außenraum, zwischen Realität und Abbild. Kiwitt erhält das Stipendium auf Vorschlag der Akademie-Mitglieder Ute Eskildsen, Elfi Mikesch und Helga Paris. Die Jury lobt „eine scharfe und zugleich subtile Beobachtung unserer städtischen Lebenswelt. Im Wechsel von Totalen und Ausschnitten umkreist die Fotografin die urbane Gegenwart und fixiert geplante Zeichen und subjektive Spuren in der Großstadt. (…) Ihre Bilder sind keine statischen, kritischen Statements, sondern fließende Entdeckungen in der bunten Bilderwelt heutiger Urbanität.“

Stephanie Kiwitt wurde 1972 in Bonn geboren, lernte 1994 – 1998 im Fernstudium am Institute of Creative Photography in Opava, Tschechische Republik, 1997 – 2004 studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Fotografie, wo sie 2004 – 2007 Meisterschülerin von Timm Rautert war. 2002 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Bonn, ferner u. a. 2006 ein DAAD-Stipendium für Marseille, 2009 das Atelierstipendium am Wiels Contemporary Art Centre, Brüssel, 2011 den Stiftungspreis für Fotokunst, Stiftung Alison und Peter Klein, 2016 das Arbeitsstipendium Kunsten en Erfgoed. Brüssel. Einzelausstellungen waren von ihr in den letzten Jahren in Leipzig, Köln, Karlsruhe, Pforzheim, Gent, Prag und Arles zu sehen.

Verleihung

Mittwoch, 16. November 2016, 19 Uhr, Eintritt frei
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Mit u.a. Kathrin Röggla, Barbara Klemm, Ute Eskildsen und der Preisträgerin

Julian Röder: Recht und Raum

Haus am Waldsee, Berlin, 19. 11. 2016 – 12. 2. 2017

Seit fünfzehn Jahren baut der in Ostberlin aufgewachsene Fotokünstler Julian Röder (Jg. 1981) ein beeindruckendes Werk zum Thema Macht und Ökonomie auf, das bereits internationale Beachtung fand und nun zum ersten Mal in einer größeren Überblicksausstellung in Berlin zu sehen ist.

Nach dem Studium der Fotografie bei Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig entwickelt Röder, der zuvor bei Ostkreuz in Berlin als Fotograf ausgebildet wurde, in den frühen 2000er Jahren die künstlerische Haltung des distanzierten Beobachters. Im Fokus seiner seriellen Arbeiten stehen von Anfang an die subtilen gesellschaftlichen Veränderungen der globalisierten Gegenwart.

Beim G8 Gipfel 2001 in Genua war Röder noch selbst Teil der Demonstranten-Szene. Mehr und mehr wurde ihm jedoch bewusst, dass er nur mit dem Blick von außen zu relevanten Bildern finden konnte. Er versuchte das einzukreisen, was eigentlich in der Kritik stand. Wie sich im Laufe der Jahre zeigte, verliefen die Protestaktionen mit jedem weiteren G8 Gipfeltreffen jedoch zunehmend ins Leere. Die Veranstalter hatten die Tagungsorte in ländliche Gegenden verlegt, wo die Aktionen schließlich zu puren Verhaltensgesten erstarrten. Über das Mediale hinaus entwickelten die Aktionen kaum noch politische Wirkung. Röder hat diesen Prozess zwischen 2001 und 2008 beobachtet und in „The Summits“ festgehalten.

In „Human Resources“ hat Röder sich dann zwischen 2007 und 2009 auf Konsummessen begeben. Unbemerkt hat er dort Fachkunden und Verkäufer fotografiert und sein Augenmerk in der künstlichen Situation einer Messe ganz auf die Körpersprache der Beteiligten gelenkt. Röder löschte alle Logos und Namen, die im Hintergrund der Bilder erschienen, aus und legte so die Posen der Beteiligten frei, die von Künstlichkeit und medialer Konformität erzählen. Die Beobachteten werden zur Staffage einer austauschbaren Waren- und Marketingwelt.

2011 fotografiert Röder für die Serie „World of Warefare“ auf der International Defence Exhibition and Conference, IDEX, der größten Waffenmesse der Welt in Abu Dhabi. Bewusst versucht er in seinen Bildern die Situation bis zum Absurden zu überzeichnen. Ausgerechnet in einer Wüste kommen sich Macht und Ökonomie auf dieser von der Öffentlichkeit abgeschirmten Veranstaltung am nächsten.

In einer weiteren Serie, „Mission and Task“ arbeitet Röder 2012/13 mit Mitteln der Werbefotografie im Freien und setzt dabei Kunstlicht ein. Auf diese Weise führt er die geheime Infrastruktur zur Sicherung europäischer Außengrenzen vor, die wie ein Schutzwall unseres westlichen Wohlstandes fungiert. Unter harmlosen Oberflächen verbergen sich in Zeppelinen oder Heiligen-Kapellen, hinter Zäunen oder auf Satelliten modernste Überwachungssysteme, die zu Lande, zu Wasser, aus der Luft und aus dem All jeden, der in ihre Nähe kommt, beobachten und taxieren.

Ausstellung und Katalog stellen eine Kooperation zwischen dem Haus am Waldsee und der Akademie der Künste, Berlin dar. Im Rahmen des Ellen-Auerbach-Stipendiums der Akademie der Künste hat Julian Röder die neue Serie „Licht und Angst“ verwirklichen können, die in der Ausstellung vorgestellt wird. Dabei führt der Künstler seine Recherche zum Thema Macht und Ökonomie bis in die Bereiche Gedankenfotografie und Verschwörungstheorien fort. Er begibt sich zudem in ein Umfeld irrationaler mystisch überhöhter Gesellschaften, denen Intuition mehr gilt als rationales Denken. Er richtet sein Augenmerk auf Gruppen, für die altgermanische Mythen und magische Orte größere Bedeutung haben, als wissenschaftliche Argumente.

So gegensätzlich die parallel existierenden Welten von Managern, Demonstranten und Esoterikern auf den ersten Blick erscheinen, so überzeugend arbeitet er Gemeinsamkeiten heraus: Das nicht näher definierte Böse gefährdet die Freiheit und das Glück des Einzelnen. Das Feindbild nährt sich aus Behauptungen und Projektionen. Es ist somit Konstrukt menschlicher Imagination.

Es erscheint ein zweisprachiger Katalog, Verlag Walther König, Köln. 80 Seiten, Deutsch/Englisch, € 18. Diese Publikation wurde durch das Preisgeld des Ellen-Auerbach-Stipendiums der Akademie der Künste Berlin ermöglicht.

 

David Maljković: Again and Again

Curated by Bojana Piškur and What, How & for Whom/WHW

Opening: 25 October 2016 at 8 p.m., Moderna Galerija / Museum of Modern Art Ljubljana

Taking place a year after A Retrospective by Appointment in Zagreb, Again and Again offers a new take on the genre of retrospective exhibition, tracing narratives and methods that occur in David Maljković’s work. While the Zagreb retrospective opened a subtle dialogue with the Zagreb institutional landscape, the atmosphere of its sociability and rhythms of cultural life through engaging with small-scale institutions, Again and Again looks into the approaches and obsessions recurring in David’s works that offer various points of entry to the institutional and social history of Moderna galerija / the Museum of Modern Art in Ljubljana and the Museum of Contemporary Art Metelkova.

Again and Again brings together a range of works, as well as elements of installations from different stages of Maljković’s career, along the way deconstructing the genre of a “mid-career” retrospective by taking a nonhierarchical approach to all the works and objects, putting them side by side on seemingly inadequate, unlikely structures taken from the Museum’s storage areas. Defying expectations and taking a humorous approach to the retrospective format itself, Again and Again problematizes its own relation to the context and infrastructure by reusing and repurposing elements of previous exhibitions’ furniture and displays, thus probing institutional protocols and history.

Key concerns and methods of David Maljković’s work – individual and collective relationships towards the complexities of time, a collagist approach, self-referentiality, referencing the work of other artists, the use of his earlier works and exhibition displays as material, inquiry into the notion of art’s autonomy, exploring the nature of the gaze, carefully choreographing the exhibition experience – are all visible within the exhibition. Throughout his practice, David Maljković creates a web of relations that evoke the various metamorphoses of his work, calling attention to their formal aspects, as well as the circumstances of their production. The architectural reconfigurations of the space, as well as various exhibition constructions taken from the Museum’s storage areas, become elements in David’s method that works with the tensions between the procedures of exhibition display, which draw the viewers into the exhibition narrative, and those that are aimed at creating the estrangement effect. The rhythm and heightened physical presence of the exhibition elements that could equally be called exhibition architecture, scenography, or sculpture, direct the ways of looking and contextualize the individual works within a “choreographed” experience.

Again and Again is organized around subtle clues for tracing and reconstructing fragments, transformations, metamorphoses and references, but humor and a playful nonchalance allow for the “here and now” of the exhibition as an aesthetic and social experience that aims to see what is the core of contemporary art once the forms are disrespected and disrespectful, and how this could open the possibility to radically reimagine both exhibition practice and the future of cultural institutions.

David Maljković, born in Rijeka, Croatia in 1973, lives and works in Zagreb. His recent solo exhibitions include: The Exhibition is Becoming, VOX Centre de l’image contemporaine, Montreal (2016), In Low Resolution, Palais de Tokyo, Paris (2014), Kunstmuseum St. Gallen, St. Gallen (2014), Sources in the Air, Baltic Centre for Contemporary Art, Gateshead (2013), Sources in the Air, Van Abbemuseum, Eindhoven (2012), Exhibitions for Secession, Wiener Secession, Vienna (2011), Out of Projection, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid (2009). Maljković has participated in group shows such as: The Eighth Climate (What Does Art Do?), 11th Gwangju Biennale, Gwangju (2016), Scenes for a New Heritage: Contemporary Art from the Collection, Museum of Modern Art, New York, USA (2015), All The World’s Futures, 56th Biennale di Venezia, Venice (2015), Animism, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2012), The Present and Presence, Museum of Contemporary Art Metelkova, Ljubljana (2011), 29th São Paulo Art Biennial, São Paulo (2010), What Keeps Mankind Alive, 11th Istanbul Biennial, Istanbul (2009), When Things Cast No Shadow, 5th Berlin Biennial for Contemporary Art, Berlin (2008).

Maribor Art Gallery: Lectures by Nestan Nijaradze and Klavdij Sluban

UGM, Maribor Art Gallery, Strossmayerjeva ulica 6, Maribor, Slovenia

Nestan Nijaradze / Contemporary Photography from the Caucasus

Saturday, 22 October 2016, at 18:00

Nestan Nijaradze will present contemporary photography from the Caucasus area and the Tbilisi Photo Festival, which was established in 2010 with Nestan as its artistic director from the very beginning. The Tbilisi Photo Festival has already achieved extreme public visibility, and it isn’t only the region’s most important photo event – it is also the most important cultural event in the Caucasus. From the very beginning it has been supported by partners such as the prestigious Photo Festival in Arles. This year the Festival in Tbilisi hosted more than 200 photographers from 20 different countries. The main event of the festival is the Photography Night, which includes numerous outdoor projections and has had more than 10,000 visitors. The main aims of the festival are to create a meeting point for photography from different areas (Asia, Iran, Turkey, Europe, Russia and Saudi Arabia), to introduce the best in the field of world photography, and to promote young local photographers.

Nestan Nijaradze (b. 1971) is the co-founder and artistic director of TBILISI PHOTO FESTIVAL in Georgia, an internationally recognized curator of photography exhibitions, a writer, a TV broadcast host on Georgian national television, an expert in portfolio evaluations at various prestigious festivals, and a promoter of Georgian photography. Between 2007 and 2015, she worked as the director of the House of Photography; between 2007 and 2009, she worked as the main director of PHOTO Magazine; in 2007 she introduced the first permanent collection of Georgian photography; between 2008 and 2009, she coordinated a project for the MAGNUM agency in Georgia. She has a degree in visual art studies from the University of Tbilisi in Georgia, and a master’s degree from the University of Paris-Diderot in Paris. In Georgia, she has represented various Western photographers from numerous institutions (Robert Capa, Stanley Greene, Guiorgui Pinkhassov, Vanessa Winship, etc.), and she regularly promotes Georgian photography (Natela Grigalshvili, Newsha Tavakolian, Guram Tsibakhashvili, Shalva Alkhanaidze) during various world festivals.

The lecture will be held in English and will not be translated.

 

Klavdij Sluban / Presenting the Author’s Photographic Work
Saturday, 22 October 2016, at 19:00

Klavdij Sluban will present his new projects, including his “silent videos” from Japan. At the beginning of this year he dedicated this project to Japanese poet Matsuo Bashō (1644–1694), who is known as one of the greatest experts in haiku poetry. Klavdij walked the Bash route, a 500 km journey on foot from Kyoto to Tokyo, and was able to immerse himself in Japan’s culture and countryside. He received an award for photography from the Academy of Fine Art for an intimate and poetic series called “Divagation – sur les pas de Bashō”.

For the first time he will also present his photgraphs from the juvenile detention centers, Mario Covas in Arujà in San Paulo, Brazil and from the Fleury-Mérogis Center in France. Between 1995 and 2000 he held photography workshops and also invited other well-known photographers, such as Henri Cartier-Bresson, Marc Riboud and William Klein to collaborate with him. The point of Sluban’s prison photography is not reportage. He focuses on the limitations of time and habitat, defined by the limits of a prison.

Klavdij Sluban (b. 1963) is a French photographer with Slovenian roots. He gained public and critical acclaim with his completely personal approach to photography. His works are seen all over the world in museums and galleries. Since 1995 he has been active in workshops for young prisoners. He has received important international photography awards, such as the European Publishers Award for Photography (EPAP, 2009), the Niepece Award (2000), which is the most important French award for photography, and the Leica Award (2004). One of the awards most dear to him is his Deklica s piščalko award from Kočevje, where he spent his childhood.

The lecture will be held in Slovene.

No entrance fee.

Prix Marcel Duchamp 2016: Les Nommés

Centre Pompidou, Paris, 12. 10. 2016 – 30. 1. 2017

For the very first time, the Centre Pompidou is showing all of this year’s four Prix Marcel Duchamp finalists: Kader Attia, Yto Barrada, Ulla von Brandenburg and Barthélémy Toguo. With this group exhibition the ADIAF and the Centre Pompidou bring a new dimension to the competition, the new formula allowing the shortlisted artists to exhibit at the Centre Pompidou – sometimes for the first time – so offering a wider public the opportunity to discover their work. This first collective presentation brings out a number of shared themes and approaches: an eye to the contemporary world, an anthropological approach, an interest in ritual, etc. Each year one of the Museum’s curators will help develop the group exhibition.

 

Yto Barrada : A Fondness for Magic

“I’m fascinated by the complex figure of Thérèse Rivière, a French ethnologist who undertook missions for the Musée de l’Homme, notably in North Africa, returning with a very large collection of objects and images, before being committed to mental hospital with agitated depression. It’s her fondness for magic and the poetic force of her work and of the things that caught her eye (wild flowers, toys, drawings, etc.) that underlie the development of this piece, which I envisage as a rebus. The installation I’m working on will take a form that’s new to me, while also bringing together a number of my usual preoccupations: the spirit of play, geographical and cultural shift, childhood, popular art, and more. I’m looking for a form of biography; I had the idea of creating a set dressed as in 1938, themagical restoration of the room of a young woman working at the Musée d’Ethnographie du Trocadéro (MET), living with her mother and studying under Marcel Mauss, the founder of French ethnology. The arrangement of the room is inspired by the idea of the “ecological unit” so important to the ethnological museums of the post-war years. An ecological unit was an ensemble of objects forming an interior, collected in the course of fieldwork and exhibited in its original configuration in the museum. One of the main theorists of the ecological unit was the museographer Georges-Henri Rivière, “magician of the vitrine” and founder of the Musée des Arts et Traditions Populaires de Paris, who was in fact Thérèse’s elder brother …”

Alicia Knock, Yto Barrada, in Code Couleur, n°26, september-december 2016, pp. 24-27.

Kader Attia : “A precisely judged and intimate relationship with the viewer”

“The new format of the Prix Marcel Duchamp offers all the short-listed artists the opportunity to show their work to a very broad public. The Centre Pompidou attracts a very diverse range of people, whom we can address emotionally, politically and poetically through a personal aesthetic statement. The 100 to 120 square metres we have each been given motivates us to emphasise the essential, the poetic, and to develop a precisely judged and intimate relationship with the viewer. A space in which we have no right to make mistakes, unless the mistake is part of the scenario, and in Art, everything is possible… Especially when it’s set in dialogue with other stories, with the other “libraries” represented by the other artists selected and by all those who make this museum such an essential agora of murmured conversation, of free speech! The synergies generated present the viewer with contemporary art under the aspect of its raison d’être, as regenerative: the quest and uncertainty of artistic discovery. Art has to recover its complex, absolute, unexpected aspect, far from the annihilating cacophony of a world saturated with false desires and false certitudes.”

Kader Attia, Alicia Knock, in Code Couleur, n°26, september-december 2016, pp. 24-27.

Ulla von Brandenburg : In Colour

“To view It Has a Golden Sun and an Elderly Grey Moon, visitors are invited to climb a set of stairs that are also an immaculate architectural platform. The exhibition at the Centre Pompidou sees the film presented for the first time in France and offers the opportunity for a new scenography. The film itself is a sequence-shot in Super 16 mm, joined end to end, without any editing, featuring dancers who have worked together for years. The idea was, first of all, to make a colour film about colour. The dancers handle coloured pieces of fabric that are exchanged and incorporated into ceremonies. Their costumes are dyed, literally made from colour. Their movements recall the memory of ancient rituals, their bodies traversed by instinctive rhythms, raised to a state of collective consciousness, recalling the choreographic forms of eurhythmics and of expressionist modern dance.”

Alicia Knock, Ulla von Brandenburg, in Code Couleur, n°26, september-december 2016, pp. 24-27.

Barthélémy Toguo : Beating the virus!

“I’m creating an installation to celebrate the enormous research effort going into combatting two great scourges, two viruses currently threatening Africa and the world: AIDS and Ebola. I wanted to pay tribute to the scientists involved in it. First, I spent time at the Institut Pasteur research laboratories and at their sister organisation in Dakar, to meet the scientists and gain inspiration from the work they were doing. I’ve produced a group of eighteen very large porcelain vases decorated with drawings. For me they emblematically represent vessels for water – purifying and revivifying when clean and pure, but a source of danger when polluted, contaminated. I started off with models of viruses and infected cells that I transformed using new 3D-printing techniques whose innovative character echoes that of the work of the researchers. Vastly oversized, making them more than real, these mutated forms celebrate and cheer on the courage, energy and beauty of medical research.”

Barthélémy Toguo, Alicia Knock, in Code Couleur, n°26, september-december 2016, pp. 24-27.

Sharon Ya’ari: Officers’ Pool

Galerie Martin Janda, Wien, 21. 10. – 19. 11. 2016

Strommasten in der Wüste, drei einzelne Palmen hinter einer Straßenverbauung, ein vorbeifahrendes Auto, ein von satten Bäumen und Sträuchern umgebenes Wasserbecken, an dem zwei junge Frauen sitzen. In Sharon Ya’aris neuen Arbeiten stehen sich Un-Orte und Schauplätze verlorener Utopien gegenüber. Sharon Ya’aris Fotografien entstehen ausschließlich in Israel, wo der Künstler lebt und aufgewachsen ist. Ya’ari verwendet Fotografie als ein Mittel „visuellen Denkens“, um Natur, Architektur, Politik, Gesellschaft und Geschichte zu untersuchen. 

Vergrößerungen von Dias aus den späten 1960er Jahren, die im Laufe der Zeit ihre Farben verloren und verändert haben, bilden den ersten Teil der Ausstellung. Diese „gefundenen“ Bilder wurden im Norden Israels von Soldaten und Amateurfotografen aufgenommen und als Unterrichtsmittel für didaktische Vorträge verwendet. Wasser und üppige Natur sind die dominierenden und verbindenden Elemente dieser Fotografien: die ins Rot verfärbten, ehemals grün-blauen Szenerien sind Zeugnisse der vergangenen Utopie eines „neuen Europas“ im Nahen Osten. Eine Idee von Natur und Landschaft, der viele der Immigranten aus Europa und Russland folgten und die sie, einmal angekommen, vor Ort umzusetzen versuchten. The Sea of Galilee 1969(2016) zeigt den See Genezareth von Osten her: ein Blick, der nicht nur die Bedeutung des Sees als wichtigste Wasserquelle der Region hervorhebt, sondern auch dessen religiöse, historische und ikonographische Aufladung betont. Officers’ Pool 1969 (2016) führt uns in die Golan-Höhen, wo in den 1960er Jahren an einer natürlichen Quelle ein Wasserbecken für Soldaten der syrischen Armee gebaut wurde. Jahrzehnte später ist der Pool zu einer Attraktion für Wanderer und Naturliebhaber geworden. Freizeit, Erholung und Eskapismus verschmelzen mit Politik und Geschichte. 

Dem satten Rot der ersten Werkgruppe der Ausstellung steht die staubig verblasste, gelbe Farbigkeit der Fotografien im zweiten Teil gegenüber. Diese wirken wie das Unterbewusste der Arbeiten im ersten Teil. Sharon Ya’ari hat diese Bilder während der letzten zwei Jahre im Süden des Landes entlang der Hauptstraße, die an die ägyptische Grenze führt, fotografiert. In jüngster Zeit wurde hier, nahe der Staatsgrenze, neben Militärlagern ein Auffanglager für afrikanische Flüchtlinge errichtet. Eine Sackgasse in beide Richtungen.

Mit der Serie der roten Fotografien im ersten Teil der Ausstellung bewegen wir uns auf einer bildlichen Zeitachse von der Gegenwart in die Vergangenheit. Im zweiten Teil wird unser Blick auf eine aktuelle, festgefahrene Situation gerichtet. Der Blick in die Zukunft bleibt verwehrt.

Matthias Müller: While You Were Out

Galerie Campagne Première, Berlin, 14. 10. – 3. 12. 14

In Matthias Müllers umfangreicher neuer Werkgruppe aus Fotoarbeiten, einem Multiple und einem Video arbeitet der Künstler mit einem Archiv von 1.500 Screenshots. Die Bilder entstammen den Streams aus privaten Chat Rooms des Web 2.0. Die hundert Postkarten der Edition „You Are Here“ gewähren Einblick in hundert dieser menschenleeren Chat Rooms, die eine Gemeinsamkeit teilen: An den Wänden sind geographische Karten jeglicher Art zu sehen – Stadtpläne, Landkarten, Ausschnitte aus Atlanten. Sie scheinen den Wunsch nach der Teilhabe an einer anderen, größeren Welt zu spiegeln und zeugen gleichzeitig von einer seltsamen Ambivalenz, die darin besteht, dass der virtuelle Raum im Internet, von den Akteuren durch Fantasienamen wie „Neverland“ oder „Somewhere“ verschleiert, mit Hinweisen auf den realen Standort verknüpft wird. Hier zeigt sich der unauflösbare Konflikt grenzenloser Nähe: Die Sehnsucht, gleichzeitig anonym und verortet zu sein, individuell und doch omnipräsent. Indem Müller die Screenshots in Postkarten verwandelt und so in die Hand des Betrachters gibt, der sie berühren und bewegen, auch versenden darf, stellt er eine Intimität und Verbindlichkeit von Kommunikation wieder her, die im World Wide Web bedroht ist.

Im Stil einer wissenschaftlichen Schautafel ordnet Müller in der Fotoarbeit „While You Were Out“ unzählige Bürostühle nach Form und Farbe. Auch in „Waiting Rooms“, einem Fries aus 27 einzelnen Prints, überführt Müller Interieurs in eine serielle Reihung, wobei er mit quasi filmischen Anschlüssen den Eindruck von Zusammengehörigkeit generiert. Die Selektion, Bearbeitung und Komposition seiner Bilder lässt ein Konzentrat der Realität entstehen, das in den Zufälligkeiten der Erscheinungen eine nahezu harmonische Ordnung sichtbar werden lässt. In leichte Unschärfen gelegt durch die low fi-Auflösung der Consumer-Webcams und als Standbilder in Inkjet-Prints transformiert – und damit in die Sphäre des Analogen zurückgeführt, erlangen Müllers Räume eine malerische Qualität. Krakelee-artige digitale Artefakte evozieren den Eindruck von Haarrissen in der Firnis von Gemälden und auch die Wahl der Bildmotive erinnert an Sujets und Darstellungsformen der Malerei – seien es die delikaten Lichtstimmungen der Räume Vermeers oder die melancholischen Interieurs des Symbolisten Hammershøi.

Der „niederen“ Herkunft und den trivialen Motiven des visuellen Materials steht – als elaboriertem Artefakt der Hochkultur – im Video-Loop „Air“ die Erhabenheit eines JohannSebastian-Bach-Stücks gegenüber. Doch wie die Bilder der leeren Räume den Anblick des Menschen vorenthalten, wurde die Komposition zum Teil ihrer melodischen Oberstimme entkleidet: Die minimalistische Basslinie wirkt mit ihrer vielfachen Variation eines einfachen musikalischen Motivs wie eine Etude. Der Titel „Air“ spielt auf den Modus der Internet-User an, deren Bildern das Video sein visuelles Material verdankt: Sie senden, sind on air. Gleichzeitig bezieht er sich auf die Effekte von Luftbewegungen, die wir beobachten – zuweilen scheint es, als sei es ein solch analoger Windhauch, der die digitalen Cluster und Artefakte der Webcam-Bilder durcheinander wirbelt.

Mit seinen Bearbeitungen von Bildmaterial aus dem Web 2.0 wendet sich Müller einem Teil der Bewegtbild-Produktion zu, der sich in verschiedener Hinsicht von denjenigen filmischen Gattungen unterscheidet, die im Zentrum seinen bisherigen Einzelarbeiten und Gemeinschaftsprojekte mit Christoph Girardet standen. Dieser große Sektor ist nicht Teil der professionellen Produktion, sondern wird von Amateuren bestimmt; die hier entstehenden Aufnahmen werden nicht mithilfe von Montage in eine neue narrative Abfolge gebracht, sondern entwickeln sich unbearbeitet in Echtzeit. Ihr Charakter ist ein flüchtiger; sie werden gewöhnlich nich aufgezeichnet. Meist steht nur eine Figur im Zentrum dieser Bilder, die diese produziert und gleichzeitig deren Gegenstand ist. Matthias Müller interessiert sich für jene Momente, in denen die Akteure die Szene verlassen haben. Chat Rooms haben als gleichzeitig private wie öffentliche Räume die Funktion, Intimität zu schützen, abgelegt, um zu virtuellen Kontakthöfen von Exhibitionisten und Voyeuren zu werden. In Müllers Bearbeitungen werden sie von ihrer dienenden Funktion als Szenenbilder der Performance befreit. Mit seinen Studien von Anwesenheit und Abwesenheit setzt der Künstler seine Erforschung und Darstellung von Räumen fort, die diese in verschiedenen seiner filmischen und fotografischen Arbeiten zu autonomen, suggestiven Anschauungs- und Erfahrungssphären hat werden lassen, zu Bühnen und Projektionsflächen von emotionale und psychischen Zuständen und Prozessen.

Matthias Müller (*1961) zählt zu den angesehensten experimentellen Filmemachern. Seine Filme waren u.a. auf die Festivals von Cannes, Venedig, Berlin, Toronto und Locarno eingeladen. Er hatte Werkschauen u.a. im Museum of Modern Art, New York, im Center for the Arts, San Francisco, im Nederlands Filmmuseum, Amsterdam, im Walker Art Center, Minneapolis, und im Image Forum, Tokio. Zu seinen Preisen u. Auszeichnungen zählen u.a. der Prix Canal + du meilleur court métrage, Cannes, der Preis der Deutschen Filmkritik, der Deutsche Kurzfilmpreis, der Preis des Verbandes der Deutschen Kritiker, der American Federation of Arts Experimental Film Award und verschiedene Preise bei den Kurzfilmtagen Oberhausen (u.a. Hauptpreis 1999). Einzelausstellungen hatte Matthias Müller u.a. in Tate Modern, London, dem Neuen Berliner Kunstverein, dem Sprengel Museum, Hannover, dem Fotomuseum Winterthur und der Timothy Taylor Gallery, London. Zu seinen zahlreichen Gruppenausstellungen zählen die Manifesta 3 in Ljubljana, sowie Ausstellungen im Migros Museum, Zürich, der Hayward Gallery, London, dem MCA Chicago, dem Hangar Bicocca, Mailand, dem Palais de Tokyo, Paris, und dem Haus der Kunst, München. Neben seinen Einzelarbeiten ist seit 1999 ein gemeinsames Werk mit dem Künstler Christoph Girardet entstanden. Arbeiten von Matthias Müller befinden sich u.a. in den Sammlungen des Centre Georges Pompidou, Paris, der Sammlung Goetz, München, der Sammlung Isabelle & JeanConrad Lemaître, London, und von Tate Modern, London. Seit 2003 lehrt Müller als Professur für experimentellen Film an der Kunsthochschule für Medien, Köln.

Josef Dabernig: Stabat Mater

Kunsthalle Winterthur, 16.10. – 27. 11, 2016

Seit sich Josef Dabernig (*1956, lebt und arbeitet in Wien) 1996 mit dem Medium Film zu beschäftigen begann, interessierte er sich immer wieder für die in der Dualität von Bild und Ton angelegten Möglichkeiten. In besonderem Masse gilt dies für die Filmauswahl in der Kunsthalle Winterthur: In den drei Filmen Stabat Mater (2016), Herna (2010) und Rosa coeli (2003) trifft das Bild auf grundsätzlich autonome Monologe – respektive einem Dialog in Herna  – des Schweizer Schriftstellers Bruno Pellandini.

Wie eigentlich alle Arbeiten von Dabernig, so werden auch die drei ausgewählten Filme von einer reduktionistischen, gänzlich unaufgeregten Bildsprache geprägt: Gefilmt in schwarzweiss, lange und mehrheitlich statische Kameraeinstellungen, ein überschaubares Ensemble von Darstellern. Die erzählten Geschichten handeln von der Beerdigung des Vaters im einstigen Heimatort, von zwei Freundinnen, die im Pub auf einen prahlerischen Anwalt stossen oder einem Auswanderer in Uruguay, dessen Sohn nicht mehr von der stürmischen See zurückkehrt. Die Melancholie der Geschichten wird kongenial von den gefilmten Sequenzen ergänzt: Die Erzählung über den Tod des Vaters korrespondiert mit nüchternen bis schäbigen Interieurs eines tschechischen Hotels; der Dialog der beiden Freundinnen mit einem jungen Mann, der Frau und Kind im Auto warten lässt, während er im Spielsalon an Automaten spielt; und die tragische Erinnerung an den Verlust des Sohnes mit Aufnahmen einer Hotelanlage in Santa Cesarea Terme in der Nachsaison.
In den drei Filmen wirkt der Mensch selbst in Kontexten, in denen man höchste Emotionalität erwarten würde, kontrolliert und kalkuliert. Während die sprachliche Ebene durch ihre formale bis theatralische Strenge eine literarische Qualität gewinnt, lässt derselbe Effekt die Darsteller formelhaft und unzugänglich wirken. Sie performen innerhalb normativer Strukturen korrekt und zweckmässig, doch werden sie gerade dadurch, verstärkt durch das Fehlen eines jeglichen Angebots an unser Einfühlungsvermögen, auf gewisse Weise unerträglich.

Die drei Filme werden in Winterthur in ein für Dabernig typisches Setting eingelassen, welches geradezu als Antithese zur heute üblichen Inszenierungswut in Kunstausstellungen erscheint: Klapptische und Konferenzstühle ergänzen Bilderrahmen aus dem Magazin, in welchen Drehortaufnahmen zu den drei Filmen gezeigt werden. Der Film Stabat Mater, aus Fördermitteln der Abteilung Film des Bundeskanzleramts Österreich basisfinanziert, wurde von der Kunsthalle Winterthur gemeinsam mit dem Badischen Kunstverein in Karlsruhe co-produziert, wo er nächstes Jahr ebenfalls gezeigt wird.

Bad Visual Systems: Ruth Buchanan, Judith Hopf, Marianne Wex

Adam Art Gallery, Wellington, New Zealand, 2. 10. – 22. 12. 2016

BAD VISUAL SYSTEMS is a major new exhibition by Berlin-based, New Zealand-born artist Ruth Buchanan. It occupies the entire Adam Art Gallery and also features works by two fellow artists, Judith Hopf and Marianne Wex both of whom live in Germany. The title of the exhibition draws on the idea first articulated by feminist theorist, Donna Haraway that “self-identity is a bad visual system”. Buchanan is drawn to this notion as it succinctly articulates her sense that there are powerful forces vested in architecture, art, language, society and the manifold organisational and structural systems that take place within them, that affect how the human subject behaves and interferes with how they know themselves. She has self-consciously chosen to work with two other women artists of different generations, to position her thinking within a feminist history and discourse.

For this exhibition Buchanan has blurred the roles of artist, curator, and designer, playing all three to create a fully immersive installation with objects, materials, display systems, screens, images, and words. These occupy the space ambivalently, playing off the architecture and doubling as the familiar furniture of exhibition making. The show engages the viewer actively with built-in response mechanisms including an audience-activated soundtrack that serves as audio-guide; videos that spring to life with human contact, and room dividers that rearrange familiar spaces and disrupt existing way-finding.

Buchanan’s process is research intensive. She has spent time in the building learning its physical characteristics and also its history. She has also actively participated in the revival of interest in Let’s Take Back Our Space, the photographic project by Marianne Wex—excerpts of which are included in this exhibition—that has been called “one of the great unsung works of 1970s’ feminist history and cultural analysis”, in its compilation of thousands of images of men’s and women’s differing body language designed to analyse the unconscious ways in which the patriarchy literally occupies more space. And her selection of films and sculptures by Judith Hopf is the result of a deep engagement with that artist’s deadpan practice. This exhibition is a profoundly thoughtful and physically impressive occupation of the Adam Art Gallery.

Adam Art Gallery gratefully acknowledges the support of Creative New Zealand Toi Aotearoa, Institut für Auslandsbeziehungen Institute for Foreign Cultural Affairs (ifa), Jan Warburton Trust, Resene Paints Ltd, and Victoria University of Wellington.


Artist biographies

RUTH BUCHANAN was born in 1980 in New Plymouth and later grew up in Wellington, where her family is now based. She completed a BFA at the Elam School of Fine Arts at The University of Auckland in 2002 and an MA in Fine Art from the Piet Zwart Institute in Rotterdam in 2007. BAD VISUAL SYSTEMSis the latest in a string of solo exhibitions and major commissions she has undertaken in Europe, New Zealand, Asia and Australia. In each, she creates situations she describes as “meetings with meaning”, where the systems utilised in the production of culture—display formats, collection protocols, museum structures—are interrogated, and exhibition and graphic design is re-appropriated as a means to manage the viewer’s experience. These include the 11th Gwangju Biennale, Gwangju (2016); The actual and its document, Govett Brewster Gallery/ Len Lye Centre, New Plymouth (2016), 24 Hour Body, Hopkinson Mossman at Frieze Art Fair, London (2015), Or, a camera Or, a building Or, a screen, Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg (2015), Or, a building, Badischer Kunstverein, Karlsruhe (2015), Several Attentions—Lying Freely Part III, The Showroom, London (2009). Buchanan lives and works in Berlin and is represented by Hopkinson Mossman, Auckland.

JUDITH HOPF was born in Berlin in 1969. Her irreverent attitude to art making belies her serious purpose: to address how society, through its institutions and systems, operates to enforce normative behaviour. For this exhibition, Hopf is represented by three film works that typify her practice. Also included are her untitled concrete ‘serpents’, which have teeth made from tiny paper triangles made from her work emails that derive from her thinking about the precarity of labour under present conditions. Hopf teaches at the Städelschule in Frankfurt am Main, currently one of the most influential art academies in Europe. She has undertaken several solo projects throughout Europe and the USA in recent years including: More, Neue Galerie, Kassel (2015), Untitled (1-4), PRAXES Center for Contemporary Art, Berlin (2014), On Time, Maumaus Escola de Artes Visuais, Lisbon (2014), A Line May Lie, Kunsthalle Lingen Kunstverein, Lingen, curated by Meike Behm, and an exhibition at Secession, Vienna (2006). Selected group exhibitions include: Your Lazy Eye, LiMac – Museo de Arte Contemporaneo de Lima, Madrid (2015), the Liverpool Biennial, Liverpool (2014), and dOCUMENTA 13, Kassel (2012). This is the first time she has exhibited in New Zealand. Hopf lives in Berlin. Her works are presented courtesy of Kaufmann Repetto, New York and Milan.

MARIANNE WEX was born in Hamburg in 1937, where she studied at the Hochschule für bildende Kunste. Though a student of painting, she turned to photographing men and women on the streets of the city. She sorted these into categories of body language until she had a vast typology that revealed the differences between men and women’s occupation of space through pose and gesture. To these she added found images from art history, advertising, politics and pornography to show the prevailing ways in which gendered bodies hold themselves. She presented these as a series of panels, first in 1977 in the Artists International 1877-1977 at Neue Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin and then in several exhibitions, including Bonner Kunstverein, Bonn (1979) and London’s Institute of Contemporary Art (ICA) in 1982. She also published her complete archive in book form in 1979 as Let’s Take Back Our Space: ‘Female’ and ‘Male’ Body Language as a Result of Patriarchal Structures. Since making this work, Wex withdrew from the art world to become a self-healer. Between 1983 and 1986 she lived in Wellington. She gives seminars on self-healing to small groups of women all around Europe, often drawing on what she felt she had learnt during the 1970s about the effects of comportment on women’s physical and mental health. In 2009 her project was rediscovered by Mike Sperlinger and presented at the Focal Point Gallery in Southend-on-Sea. Since then, Let’s Take Back Our Space has been presented in various venues, including Badischer Kunstverein, Karlsruhe (2012, on screens designed by Ruth Buchanan and Andreas Muller), Yale Union Center for Contemporary Art, Portland (2012), Presentation House Gallery, Vancouver, (2013), La Galerie, Centre d’art contemporain, Noisy-Le-Sec (2013), Gasworks, London (2014), Autocenter, Space for Contemporary Art, Berlin (2014), Frauengesundheitszentrum Sirona e.V., Wiesbaden (2015), and now in Wellington. Wex now lives in Hoehr-Grenzhausen, Germany. All works by Marianne Wex are courtesy of the artist.

 

Ausstellung und Symposium: SCOPE Hannover – MORE TO COME

Ausstellung, verschiedene Orte: 20.10.2016 – 20.11.2016. Symposium: Auditorium Sprengel Museum, 21. Oktober, 11–17.30 Uhr

Eröffnung: 20.10.2016, 19 Uhr, Städtische Galerie Kubus

More to Come ist ein Versprechen: Das war’s noch nicht, da kommt noch was. Was sich umgangssprachlich als Wille noch etwas zu bewegen deuten lässt, bekommt als gesellschaftspolitische Aussage eine unheilvolle Bedeutung. Der mediale Diskurs scheint nur noch Krisen, Kriege und Katastrophen zu kennen. Gesellschaftliches Leben wird als permanenter Konflikt gespiegelt, dabei geht es dabei um Fragen der kulturellen Vorherrschaft und um die Verteilung von Ressourcen. Dieser inhaltlichen Fixierung folgt auch eine formale Festlegung: Die Nachrichtenformate ähneln einander, ihre Inhalte multiplizieren sich in der täglichen Wiederholung. So bilden sich Weltbilder und Meinungen entlang bestimmter visueller Narrative.

Die Ausstellung zeigt künstlerische Arbeiten, deren Erzählungen und Perspektiven verschränkter und komplexer sind. Verkürzte Meldungen werden zu Geschichten, und Geschichte wird als wandelbare, interpretierbare Größe verstanden. Alternative Bildwelten, neue Konstellationen und Texte zeigen, dass der visuelle Diskurs noch nicht am Ende ist. More to Come ist ein Versprechen …

Die Ausstellung wurde initiiert und kuratiert
von Ricus Aschemann und Maik Schlüter

Ausstellungsorte, KünstlerInnen und Öffnungszeiten:

Städtische Galerie Kubus
Theodor-Lessing-Platz 2
30001 Hannover
Dienstag bis Freitag 11–18 Uhr
Samstag und Sonntag 11–16 Uhr

Absalom & Bardsley (UK), Diana Artus (DE), Viktoria Binschtok (DE), James Bridle (UK), Eiko Grimberg (DE), Jörg Möller (DE), Marco Poloni (CH), Ulrich Polster (DE), Andreas Schulze (DE), Lucy Skaer (UK) 


Galerie vom Zufall und vom Glück
Theodor-Lessing-Platz 2
30159 Hannover
Dienstag bis Freitag 15–18 Uhr
Samstag und Sonntag 11–16 Uhr

Oliver Sieber & Katja Stuke (DE) – You and Me

Bankhaus Hallbaum
An der Börse 7
30159 Hannover
Montag bis Freitag 9 –15.30 Uhr

Karin Jobst – Between Places

SCOPE Galerie
Calenberger Str. 12
30159 Hannover
Freitag und Samstag, 12–17 Uhr

Andrew Phelps – cubic feet / sec.

C 28
Calenberger Str. 28
30169 Hannover
Freitag und Samstag, 12–17 Uhr

Absalom & Bardsley – Modern Life is Rubbish

Galerie Bohai
Schwarzer Bär 6
30449 Hannover
Freitag bis Sonntag, 13–18 Uhr

Sophie Barbasch – Fault Line
(kuratiert von Sonja Plade, Henner Rosenkranz und Arzu Sandal)
Eröffnung am Freitag, 21.10.2016 um 19 Uhr

Symposium
Freitag, 21. Oktober, 11–17.30 Uhr
Auditorium Sprengel Museum

Mit: Absalom & Bardsley, Diana Artus, Eiko Grimberg, Karin Jobst, Andrew Phelps, Oliver Sieber & Katja Stuke, Helge Schlaghecke, Janko Woltersmann u.a.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog:

More to Come

Hg. Ricus Aschemann und Maik Schlüter

80 Seiten, Farbabbildungen

Texte von Maik Schlüter und Sabine Weier

deutsch/english / Gestaltung: Studio Parat

20,5 x 27,5 cm, Softcover

ISBN: 978-3-95763-366-8.

Revolver Publishing Berlin

Dóra Maurer / Kurt Kren: Relative Schwingungen

Badischer Kunstverein, Karlsruhe, 30. 9. – 27. 11. 2016

Strukturen zu schaffen, die mit dem Material des Films vermittelt werden können, hat auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs Künstler_innen und Filmemacher_innen schon seit dem Ende der 1950er-Jahre fasziniert. Mit Dóra Maurer / Kurt Kren. Relative Schwingungen zeigt der Badische Kunstverein einen zweiten Teil zum strukturellen Film, in dem das Werk der ungarischen Künstlerin Dóra Maurer anhand weiterer Film- und Fotoarbeiten vertieft und Arbeiten des österreichischen Filmemachers Kurt Kren (gest. 1998) gegenübergestellt wird.

Kurt Kren gilt neben Peter Kubelka als Pionier des avantgardistischen und strukturellen Films. Die Ausstellung zeigt eine repräsentative Auswahl seiner Filme, in denen Kren die materiellen Eigenschaften des Mediums konsequent erforscht und sich dabei an der Schnittstelle zwischen Formalismus, Aktionismus und Poetik bewegt.

Dóra Maurer arbeitet mit verschiedenen künstlerischen Medien wie Film, Fotografie, Druckgrafik, Zeichnung und Malerei. Seit den 1970er-Jahren entstehen konzeptuelle Fotografien und strukturelle Filme, in denen die Künstlerin verschiedene Prozesse der Bewegung, Wahrnehmung und Veränderung analysiert. Trotz einer gewissen Subtilität und Poetik basieren ihre Arbeiten auf streng kalkulierten Strukturen, die sich auf geometrisch-mathematische Systeme und Methodologien berufen.

Die Werke beider Künstler_innen konstruieren eigentümliche Wahrnehmungssituationen. Sie liefern keine narrativen Illusionen, sondern rücken das Formale des Films ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Kuratiert von Anja Casser und Lívia Nolasco-Rózsás

Dóra Maurer (*1937 in Budapest) lebt und arbeitet in Budapest. Maurer arbeitet mit den Medien Film, Fotografie, Malerei und Grafik. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen vertreten und wurden weltweit gezeigt, u.a. im Ludwig Múzeum of Contemporary Art Budapest, The Art Institute of Chicago, MoMA New York,12. Istanbul Biennale, mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Tate Modern, London.

Kurt Kren (*1929 in Wien, †1998 in Wien) war ein österreichischer Avantgarde-Filmemacher, der sich am Wiener Aktionismus beteiligte. In den frühen 1950er-Jahren experimentierte er mit 8mm- und 16mm-Filmen, gefolgt von Filmdokumentation über Aktionen diverser Künstler. 1977 nahm Kren an der documenta 6 in Kassel teil. Er gilt als Mitbegründer des Vienna Institute of Direct Art und der Austria Filmmakers Cooperative.