Josef Dabernig: Stabat Mater

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Kunsthalle Winterthur, 16.10. – 27. 11, 2016

Seit sich Josef Dabernig (*1956, lebt und arbeitet in Wien) 1996 mit dem Medium Film zu beschäftigen begann, interessierte er sich immer wieder für die in der Dualität von Bild und Ton angelegten Möglichkeiten. In besonderem Masse gilt dies für die Filmauswahl in der Kunsthalle Winterthur: In den drei Filmen Stabat Mater (2016), Herna (2010) und Rosa coeli (2003) trifft das Bild auf grundsätzlich autonome Monologe – respektive einem Dialog in Herna  – des Schweizer Schriftstellers Bruno Pellandini.

Wie eigentlich alle Arbeiten von Dabernig, so werden auch die drei ausgewählten Filme von einer reduktionistischen, gänzlich unaufgeregten Bildsprache geprägt: Gefilmt in schwarzweiss, lange und mehrheitlich statische Kameraeinstellungen, ein überschaubares Ensemble von Darstellern. Die erzählten Geschichten handeln von der Beerdigung des Vaters im einstigen Heimatort, von zwei Freundinnen, die im Pub auf einen prahlerischen Anwalt stossen oder einem Auswanderer in Uruguay, dessen Sohn nicht mehr von der stürmischen See zurückkehrt. Die Melancholie der Geschichten wird kongenial von den gefilmten Sequenzen ergänzt: Die Erzählung über den Tod des Vaters korrespondiert mit nüchternen bis schäbigen Interieurs eines tschechischen Hotels; der Dialog der beiden Freundinnen mit einem jungen Mann, der Frau und Kind im Auto warten lässt, während er im Spielsalon an Automaten spielt; und die tragische Erinnerung an den Verlust des Sohnes mit Aufnahmen einer Hotelanlage in Santa Cesarea Terme in der Nachsaison.
In den drei Filmen wirkt der Mensch selbst in Kontexten, in denen man höchste Emotionalität erwarten würde, kontrolliert und kalkuliert. Während die sprachliche Ebene durch ihre formale bis theatralische Strenge eine literarische Qualität gewinnt, lässt derselbe Effekt die Darsteller formelhaft und unzugänglich wirken. Sie performen innerhalb normativer Strukturen korrekt und zweckmässig, doch werden sie gerade dadurch, verstärkt durch das Fehlen eines jeglichen Angebots an unser Einfühlungsvermögen, auf gewisse Weise unerträglich.

Die drei Filme werden in Winterthur in ein für Dabernig typisches Setting eingelassen, welches geradezu als Antithese zur heute üblichen Inszenierungswut in Kunstausstellungen erscheint: Klapptische und Konferenzstühle ergänzen Bilderrahmen aus dem Magazin, in welchen Drehortaufnahmen zu den drei Filmen gezeigt werden. Der Film Stabat Mater, aus Fördermitteln der Abteilung Film des Bundeskanzleramts Österreich basisfinanziert, wurde von der Kunsthalle Winterthur gemeinsam mit dem Badischen Kunstverein in Karlsruhe co-produziert, wo er nächstes Jahr ebenfalls gezeigt wird.