Symposium: Allan Sekula. From the Panorama to the Detail

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21.–22. Februar, 2017 im TBA21, Augarten, Wien

Allan Sekula: From the Panorama to the Detail widmet sich dem Thema der Weltmeere und adressiert und aktualisiert sozialpolitische und ökologische Fragestellungen und Recherchen, die das Wirken Allan Sekulas kennzeichneten. Vor genau 20 Jahren nahm Camera Austria das zentrale künstlerische Werk des Fotographen, Fish Story, als Ausgangspunkt und Anlass für ein von Sekula ko-kuratiertes Symposium zur Fotografie. Wie schon damals stellt die gegenwärtige Zusammenkunft an  Denker_innen, Historiker_innen, Künstler_innen und Kurator_innen das Wirken Sekulas in den Vordergrund um wiederholt der Frage nachzugehen, wie Sekulas kritische Herangehensweise – vom Panorama zum Detail – heute immer noch einen theoretischen Brennpunkt bildet, um aktuelle Themen zum spätmodernen maritimen Raum zu diskutieren und beleuchten.

„Einerseits stellt Fish Story eine „dokumentarische“ Interpretation des gegenwärtigen maritimen Raumes dar“, schreibt Sekula 1997. „Es wird die Frage gestellt, ob die „klassische“ Beziehung zwischen Land und Meer angesichts der zunehmenden „Rationalisierung“ durch die fortschreitende Entwicklung industrieller Methoden eine Umkehrung erfährt: Wird das Meer fest und das Land bewegt? Anderseits ist Fish Story eine „kunstgeschichtliche“ Allegorie auf das Meer als Gegenstand der Darstellung. Wie kommt es, dass das Meer vom Wahrnehmungs- und Vorstellungshorizont der Spätmoderne verschwindet? Sind aus diesem Verschwinden weiterreichende Lehren zu ziehen?“ (Camera Austria, 59/60. S.53)

Drei thematisch verbundene Panels befassen sich mit jeweils unterschiedlichen Aspekten von Sekulas künstlerischer und theoretischer Arbeit, vertieft durch einige Fallstudien und Präsentationen, die konkrete Recherchen und Studien zum maritimen Raum liefern. So versammelt das Symposium eine Reihe heterogener Stimmen und Positionen, um einen relevanten Beitrag zur Zukunft von Sekulas intellektuellem Vermächtnis zu leisten. Das Programm knüpft an Themen und Praktiken der TBA21–Academy an, einer Rechercheplattform im pazifischen Raum, deren programmatischen Schwerpunkt die Ozeane und die ökologische Destabilisierung der Weltmeere darstellen. Diese Rahmungen sollen eine kritische Auseinandersetzung mit Sekulas vielschichtiger Arbeit in seinem gegenwärtigen und historischen Kontext ermöglichen.

Teilnehmer_innen:  Nabil Ahmed, Sabine Breitwieser, Georg Eder, Carles Guerra Rojas, Francesca von Habsburg, Gabriele Mackert, Hermann Mückler, Boris Ondreička, Florian Pumhösl, Clemens Rettenbacher, Markus Reymann, Harry Sanderson, Anja Isabel Schneider, Cory Scozzari, Andreas Spiegl, Sally Stein, Ina Steiner, Lisa Tabassi, Jeroen Verbeeck, Manuel Vergara Cespedes, Mercedes Vicente, Daniela Zyman

*Das Symposium findet in englischer Sprache statt.

Tag 1 Dienstag, 21. Februar, 15–19 Uhr
15 Uhr
Panel: Environmentalism and the Sea
Teilnehmer_innen: Sabine Breitwieser, Carles Guerra Rojas, Francesca von Habsburg, Gabriele Mackert
Moderation: Daniela Zyman

Dieses Panel widmet sich natürlichen und von Menschen verursachten Katastrophen und deren ökologischen und sozialen Auswirkungen. Ausgangspunkt ist Sekulas Fotoserie Black Tide/ Marea negra, in der er die Auswirkungen des sogenannten „Prestige“ Ölunglücks im Jahr 2002 dokumentiert hat, bei dem aus einem sinkenden Öltanker vor der Küste Galiziens, Spanien, 81.000 Tonnen Öl in den Ozean ausgetreten sind. Sekulas Feststellung, dass die Ozeane einen „vergessenen Raum“ darstellen und weitgehend vom imaginären und kognitiven Horizont der Spätmoderne verbannt wurden liefert die Grundlage für eine Diskussion zu Fragestellungen des Anthropozäns und zu den Auswirkungen der Veränderungen der maritimen Systeme auf die Zukunft des Planeten.

16:30 Uhr
Case Study #1: Nabil Ahmed
Inter-Pacific Tribunal (INTERPRT), Nuclear Pacific
Anschließend ein Gespräch zwischen Nabil Ahmed, Georg Eder, Markus Reymann, Lisa Tabassi, Manuel Vergara Cespedes u.a.

Inter-Pacific Ring Tribunal (Interprt) ist ein von Nabil Ahmed initiiertes interdisziplinäres Projekt, das sich mit den Strukturen der Umweltzerstörung im pazifischen Raum befasst, insbesondere mit den Mustern ökologischer Gewalt, verursacht durch Tiefseebergbau und nuklearen Waffentests, mit deren Rechtmäßigkeit und Einfluss auf Grundprinzipien der Souveränität. Das Projekt spürt dem Pazifischen Feuerring – ein u-förmiger Vulkangürtel im Pazifik – als instabile und zufällige Grenze menschlicher und übermenschlicher kapitalistischer Beziehungen nach und entwickelt ein Modell eines alternativen Schiedsgerichts für ökologische Gerechtigkeit.
Anschließend eine Expert_innengesprächsrunde mit Lisa Tabassi, die von 2007 bis 2014 als juristische Leiterin der Vorbereitungskommission der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) vorstand. Manuel Vergara Cespedes arbeitet für International Foundation Baltasar Garzón (FIBGAR), eine Organisationen die Umweltzerstörung aus unterschiedlichen Perspektiven aufgreift.

Nabil Ahmed war Fellow von Ute Meta Bauers Expeditionen nach Papua-Neuguinea (2015) und Französisch Polynesien (2016) im Rahmen des interdisziplinären Fellowship Programms TBA21–Academy The Current. Die TBA21–Academy ist als schwimmende Plattform auf den Ozeanen konzipiert und verbindet Denker_innen aus verschiedenen Bereichen, um die dringendsten ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen der Gegenwart zu untersuchen sowie dynamische Lösungen angesichts des Klimawandels zu entwickeln.

18:30 Uhr
Sally Stein, Ina Steiner and Jeroen Verbeeck im Gespräch
Back to the Drawing Board
Maritime themes and discursive crosscurrents in Sekula’s Notebooks

Die Fotohistorikerin Sally Stein präsentiert Auszüge aus Sekulas persönlichen Notizbüchern und kontextualisiert ihre Recherche im Gespräch mit Sekulas langjähriger Archivarin Ina Steiner und dem Sekula-Spezialisten Jeroen Verbeeck. Die Notizbücher, die Skizzen, Mindmaps, Ideen enthalten, entstanden parallel zu Sekulas künstlerischen Arbeiten und stellen auch ein Logbuch seiner ausgiebigen Reisen dar.

19:00 Uhr
Eröffnung der Ausstellung Allan Sekula: OKEANOS

Mit der monographischen Ausstellung Allan Sekula: OKEANOS im TBA21–Augarten widmet sich Thyssen-Bornemisza Art Contemporary dem künstlerischen Vermächtnis Allan Sekulas (USA, 1951–2013). Ausgehend von umfassenden Werkgruppen aus der TBA21 Sammlung präsentiert und kontextualisiert diese Schau die umfangreichen Recherchen und künstlerischen Arbeiten Sekulas zum Thema der Weltmeere, die den flächenmäßig größten Anteil an der extrem fragilen und zunehmend gefährdeten Hydrosphäre darstellen. OKEANOSwurde in Zusammenarbeit mit der Fundació Antoni Tàpies in Barcelona, Spanien entwickelt.
Für weitere Informationen, klicken Sie bitte hier.

Tag 2 Mittwoch, 22. Februar, 15–20 Uhr
15 Uhr
Panel: Mutiny and Solidarity
Teilnehmer: Hermann Mückler, Boris Ondreička, Harry Sanderson, Jeroen Verbeeck.
Moderation: Cory Scozzari und Daniela Zyman

Dieses Gesprächsrunde beschäftigt sich mit der (Un)Sichtbarkeit und austauschbaren Materialität von Arbeitskraft und untersucht die räumliche, infrastrukturelle und wirtschaftliche Transformation von maritimen Wirtschaftszweigen (und deren symmetrisch auf dem Festland angesiedelten Produktionsorten) sowie die Rolle der Dokumentation und des dokumentarischen Genres innerhalb dieses Prozesses. Ausgehend von Sekulas Arbeit und wie er den Begriff „kritischen Realismus“ verwendet, diskutieren die Teilnehmer_innen dieses Panels ihre eigenen künstlerischen oder recherchebasierten Projekte, um das Verhältnis zwischen Kunst und Aktivismus zu beleuchten. Besprochen werden auch die Begriffe von Meuterei und Solidarität in der Bildung von heterotopen Meereserzählungen, die Bedeutung von Arbeit als Resultat veränderter Produktionsbedingungen und die Symbolik des Ozeanischen in der Diskussion um „dunkle Ökologien“.

16:30 Uhr
Fallstudie #1: Filmvorführung The Left-to-Die Boat, 2015 (17 Min.) von Charles Heller und Lorenzo Pezzani
Einführung von Cory Scozzari und Clemens Rettenbacher

Forensic Oceanography (Forensische Ozeanografie) wurde im Sommer 2011 ins Leben gerufen, um eine Koalition von NGOs zu unterstützen, die sich dafür einsetzen, dass die Verantwortlichen für den Tod von Migrant_innen auf der Mittelmeerroute vor Gericht gebracht werden, während diese Region straff von einer NATO geführten Koalition kontrolliert wurde. Die Bemühungen fokussierten sich auf  ein Flüchtlingsbootunglück, das als “Left-to-Die”-Fall bekannt wurde. Sechzig Migrant_innen verloren ihr Leben, während ihr Boot über 14 Tage in der mit NATO-Militärbooten und Armeehubschraubern überwachten Region herumirrte.

17 Uhr
Talk: Mercedes Vicente
Lottery of the Sea

18 Uhr
Panel: Waterlogged: film and photography and the sea
Teilnehmer_innen: Florian Pumhösl, Anja Isabel Schneider, Andreas Spiegl, Mercedes Vicente
Moderation: Cory Scozzari

Dieses Panel untersucht eingangs, wie Sekula Film und Fotografie als hybride „paraliteratrische Reportage“ einsetzt, um maritime Räume zu dokumentieren und widmet sich dann allgemeiner der Ikonographie von Wasser in diesen Medien, dem Meer als Sinnbild für das Sublime oder das Liquide, wenn es darum geht, veränderte  ökonomische Strategien zu beschreiben.

Ausstellung
Allan Sekula: OKEANOS
21. Februar – 14. May 2017
Eröffnung, Dienstag, 21.02., 19–21 Uhr

Symposium
Allan Sekula: From the Panorama to the Detail
Dienstag, 21.02., 15–19 Uhr
Mittwoch, 22.02., 15–19 Uhr

Ort
TBA21–Augarten, Scherzergasse 1a, 1020 Wien

EINTRITT FREI