Ausstellung: andere Situationen. Romina Abate, Frank Dölling, Johanna Jaeger, Mickaël Marchand, Florian Slotawa

Infos

31.03. – 28.05.2017,

Museum für Photographie Braunschweig / Torhäuser, Helmstedter Straße 1, 38102 Braunschweig, Öffnungszeiten Di – Fr 13 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr

Das Ausstellungsprojekt »andere Situation« ergründet die wechselseitigen Beziehungen und Qualitäten von Fotografie, Video, Projektion und Objektinstallationen im Zusammenhang mit ortsspezifischen Interventionen und präsentiert damit Beispiele für die Vielschichtigkeit von Positionen der aktuellen Kunst, die mit dem Medium Fotografie arbeiten. Der Ausstellungstitel wird dabei zum Programm und verwandelt das von den Beteiligten im Kontext ihrer jeweiligen künstlerischen Konzepte fotografisch Erfasste im Zusammenspiel mit Objekten, Raumelementen und assoziativen Anordnungen. Dabei werden auch die Ausstellungsräume des Museums für Photographie Braunschweig in eine andere Wahrnehmungssituation überführt. So nimmt die Ausstellung die Mehrdeutigkeit des Titels »andere Situation« beim Wort und stellt installative Anordnungen und Interventionen vor, innerhalb derer die Fotografie und ihre bildnerischen Voraussetzungen, Bildsprachen und ästhetischen Qualitäten im Dialog zu weiterführenden Möglichkeiten künstlerischer Medien und räumlicher Bezüge verstanden werden.

Vorgestellt werden Arbeiten und Installationen von Romina Abate, Frank Dölling, Johanna Jaeger, Mickaël Marchand und Florian Slotawa. Bei Florian Slotawa haben die vier erstgenannten KünstlerInnen zu unterschiedlichen Zeiten an der Universität der Künste Berlin (Johanna Jaeger, Mickaël Marchand) und an der Kunsthochschule in Kassel (Romina Abate, Frank Dölling) studiert. Florian Slotawa, dessen künstlerische Arbeit ebenfalls im Kontext der Ausstellungsthematik betrachtet werden kann, war es auch, der den Dialog zu dem hier vorgestellten Ausstellungsprojekt förderte und selbst dabei auch mit Schwarzweißfotografien aus seiner Werkgruppe »Atelier« vertreten ist.

Romina Abate (*1982, DE, lebt in Kassel) ist eine Sammlerin. Alltagsgegenstände, Abfälle, Gefundenes, Zurückgelassenes werden in ihren Arbeiten aufgehoben und in neue Sinnzusammenhänge gestellt. Es entstehen installative, humorvolle Arbeiten, die dadaistische Qualitäten haben und meist auch die Künstlerin als Selbstbildnis, in Performances, als fotografische- oder in Videoporträts zu ihrem Zentrum machen. Der Fotografie kommen dabei zwei Funktionen zu: Sie kann einerseits Teil größerer Installationen sein und neben dreidimensionalen Objekten oder Videos in raumgreifende Installationen integriert werden. Sie kann aber auch als Dokumentation dienen.

Johanna Jaeger (*1985, DE, lebt in Berlin und New York) hinterfragt in ihren Bildern, Werkgruppen und räumlichen Inszenierungen u.a. die Bedingungen und Aspekte der Fotografie als Medium mit eigenständiger Gestaltungskraft. Das Verwandeln von Drei- in Zweidimensionalität, die Veränderung von ‚Welt‘ ins Bild, das Schaffen von Ausschnitten, bei denen optische Phänomene, Bildgestaltungsprozesse und Verläufe in der Zeit eine Rolle spielen, sind Eigenschaften der Fotografie, die Jaeger minimalistisch visualisiert. Im Zusammenhang mit ihrer sonstigen Arbeit thematisiert sie dabei auch einen Reflexionsprozess über die Medien Fotografie und Skulptur. Für die Ausstellung »andere Situation« wird sie u.a. ein Konzept entwickeln, das die Bedingungen und Prozesse des fotografischen Bildes in einer in situ-Arbeit, die so nur für den Zeitraum der Ausstellung existieren wird, vorstellt.

Mickaël Marchand (*1982, FR, lebt bei Paris) überschreitet mit seinen Arbeiten oft die Wände des Museums und bringt die Kunst in den öffentlichen Raum. Hier findet er auf Bürgersteigen und Straßen auch die ausrangierten Gegenstände und Dinge, mit denen er instabile Skulpturen baut, deren Einsturz vorhersehbar ist. Seine temporären Skulpturen-Arrangements fotografiert er und gibt ihnen damit eine scheinbare Dauer, denn auch die unterschiedlichen fotografischen Bilder, die entstehen, werden als Ausschnitte perspektivisch verschoben und neu kombiniert, um als Collagen zu neuen Wahrnehmungsbildern zu werden.

Florian Slotawa (*1972, DE, lebt in Berlin) Innerhalb seiner Werkentwicklung hat sich Florian Slotawa in unterschiedlicher Weise mit der Wahrnehmung von Objekt, Raum und fotografischem Bild auseinandergesetzt. Zu einem wesentlichen Moment seiner skulpturalen, bildnerischen und installativen Arbeiten wird dabei stets die Auseinandersetzung und gestaltende Neuordnung vorhandener Dinge und Begebenheiten. Es entstehen Interventionen, die das Gewohnte auch spielerisch auf den Prüfstand neuer Betrachtung stellen und neue Perspektiven eröffnen. Die Ausstellung »andere Situation« zeigt Arbeiten aus der Serie der Atelierfotos von Florian Slotawa im Dialog mit Arbeiten von KünstlerInnen, die bei ihm studierten und inzwischen ihre eigenen künstlerischen Ansätze verfolgen. Die Werkgruppe der Schwarzweißfotografien »Atelier« entstand in den Jahren 2009-2012 im Atelier des Künstlers. Als leere Raumansichten, in denen lediglich die Relikte der Grundausstattung eines ehemaligen Bürokomplexes und Details wie Lichtschalter, Kabel u. Ä. zu sehen sind, stellen sie die Veränderung zum Atelier des Künstlers vor. Mit ihrem reduzierten Leerstand werden die Ansichten zu Metaphern für Ideen und offene Gestaltungsprozesse – mehr, als dass sie mögliche Erwartungshaltungen an ein persönlich geprägtes Atelier zeigen würden.