Kardinal König Kunstpreis 2017 an Kerstin von Gabain

Die in Wien lebende Kerstin von Gabain, geb. 1979 in Palo Alto (US), wurde aus 23 nominierten KünstlerInnen zur Preisträgerin des Kardinal König Kunstpreises 2017 gewählt.

Der Mensch heute – ein fragiles Wesen
Ausschlaggebend für die Entscheidung war die aktuelle Thematik, der sich die Künstlerin in besonderer Weise widmet: Die Unversehrtheit der menschlichen Existenz ist nicht selbstverständlich; prekäre Lebenssituationen, Verletzung, Verlust werden von der Künstlerin in Form von wächsernen Gliedmaßen, Kunststoff-Knochenteilen, Bildern von mutierten Konsumgütern visualisiert. Zwischen zuckerlrosa Verführung und erschreckender Irritation changieren die skulpturhaften Objekte und gleichsam museal vorgeführten Versatzstücke aus Kerstin von Gabains plastischem Repertoire

Begründung der Jury 
Die Jury würdigt mit dem Werk von Kerstin von Gabain eine komplexe künstlerische Position, die von der Integrität und Bedrohtheit von Körpern, Menschen und Objekten handelt. Ihren Objekten und Fotografien verleiht die Künstlerin einen ambivalenten Charakter zwischen Verletztheit und Verführung, zwischen ansprechender Ästhetisierung und abgründiger Irritation.
Sie gestaltet Installationen und Ensembles, mit denen sie motivische Bezüge zur Kunst-und Wissenschaftsgeschichte freilegt. Wachsabgüsse und Gipsbandagen geben u.a. Körperteile, Möbelstücke, Knochenquerschnitte wider und lösen beim Betrachter Gefühle zwischen Unbehagen und Faszination aus. Mit ihren Artefakten bezieht sie sich neben medizinischen Präparaten und Designobjekten auch auf Konsumartikel, Reliquien und Votivgaben, um damit aktuelle gesellschaftspolitische und existenzielle Fragestellungen zu berühren. Ihre Vermenschlichung von Gegenständen verweist zugleich auf die pure Materialität und Hinfälligkeit alles Menschlichen und Organischen. Kerstin von Gabain deutet Bild-Traditionen radikal um; sie spielt auf den Objekt- und Fetischcharakter von musealen Exponaten ebenso an wie auf den manipulativen Charakter von Ausstellungen.

Der Kardinal König Kunstpreis ist, so wie der in Wien vergebene Msg. Otto-Mauer-Preis, mit 11.000 Euro dotiert, wird allerdings nur alle zwei Jahre vergeben.

Eine Ausstellung mit Werken aller 23 nominierten KünstlerInnen wird am 27. November 2017, dem Tag der Preisverleihung im Kunstraum St. Virgil in Salzburg eröffnet.

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Tatiana Lecomte und Sara-Lena Maierhofer sind Stipendiatinnen 2017/18 der DZ BANK Kunstsammlung

Die DZ BANK Kunstsammlung hat erneut zwei Arbeitsstipendien an herausragende Künstlerinnen vergeben, die mit dem Medium Fotografie arbeiten.

Einvernehmlich kam die Jury zu dem Ergebnis, dass die eingereichten Projektideen von Tatiana Lecomte und Sara-Lena Maierhofer aus den rund 45 Bewerbungen am stärksten überzeugten. Zu den ersten fünf Kandidaten der Auswahl zählen zudem Ketuta Alexi-Meskhishvili, Gwenneth Boelens und Eiko Grimberg.

Die diesjährige Jury setzte sich zusammen aus Stefanie Böttcher (Künstlerische Leitung, Kunsthalle Mainz), Florian Ebner (Kustos für Fotografie, Centre Pompidou, Paris), Dr. Astrid Ihle (Ausstellungskuratorin, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen), Dr. Christina Leber (Leiterin DZ BANK Kunstsammlung, Frankfurt am Main), Maren Lübbke-Tidow (Autorin, Kritikerin, Kuratorin, Berlin), Christoph Tannert (Geschäftsführer, Künstlerhaus Bethanien, Berlin) und Matthias Wagner K (Direktor, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main).

Alle zwei Jahre schlägt eine wechselnde siebenköpfige Jury Kandidatinnen und Kandidaten vor, die für das Projektstipendium f/12.2 der DZ BANK Kunstsammlung in Frage kommen. Sie werden eingeladen, sich mit Arbeitsproben und Projektideen zu bewerben, die im weitesten Sinne mit fotografischen Bildern zu tun haben. Mit dem Stipendium wird den auserwählten Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geboten, ein Jahr lang intensiv an einem künstlerischen Projekt zu arbeiten.

Tatiana Lecomte (*1971, Bordeaux, lebt und arbeitet in Wien) setzte sich bereits in früheren Arbeiten mit vorgefundenen Fotografien auseinander, die historische Ereignisse und Orte dokumentieren, so u.a. in den Serien »Die El-Alamein-Stellung« oder »Zement«. Durch ihre künstlerische Umformung und Überblendungen wirft Lecomte Fragen zum Umgang mit Geschichte auf. Auch in dem Projekt, das sie während ihres Stipendiums durchführen wird, arbeitet sie mit einer historischen Quelle, dem sogenannten »Stroop-Bericht«. Jürgen Stroop, Befehlshaber der SS sowie verschiedener Polizei- und Wehrmachtseinheiten, protokollierte in diesem Bericht anhand von täglichen Aufzeichnungen und Bildmaterial die Auslöschung des Warschauer Ghettos. Lecomte will sich der Sprache und den Bildern dieses Dokuments auf eine analytische und zugleich demontierende Weise nähern. So möchte sie u.a. die Amtssprache Stroops durch Abschrift einzelner Wörter in einer von Hitler 1941 gegen die »jüdische« (vormals als »urdeutsch« geltende) Fraktur erlassenen »deutschen Normalschrift« ad absurdum führen.

Sara-Lena Maierhofer (*1982, Freudenstadt/ Schwarzwald, lebt und arbeitet in Berlin) untersucht in ihrem Projektvorhaben den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands, wie er sich in Völkerkundemuseen und ethnologischen Sammlungen niederschlägt. Der aktuelle Diskurs soll durch eine verkleinerte Wiedergabe der Museumsräume sichtbar gemacht werden, die von Fotografien der Artefakte und Darstellungen der Objektbiografien überblendet werden. Die Abbildungen erscheinen durch die Projektion auf dreidimensionale Flächen fragmentiert, wodurch eine ästhetische Ähnlichkeit mit dem Kubismus entsteht. Damit werden zugleich die Einflüsse außereuropäischer Kunst auf die Moderne zum Thema. Bereits in bestehenden Arbeiten wie den Serien »Dear Clark« oder »The Great« gelingt es Maierhofer, mit unterschiedlichsten künstlerischen und fotografischen Herangehensweisen virulente Themen zu visualisieren und dadurch beim Betrachter neue Gedankengänge wachzurufen.

Neben der monatlichen Projektförderung von 1.000 € für die Dauer von 12 Monaten werden ausgewählte Werke aus dem realisierten Projekt für den Bestand der DZ BANK Kunstsammlung angekauft. Die Arbeitsergebnisse der beiden Stipendiatinnen werden ab dem 2. November 2018 gemeinsam mit ausgewählten Werken von Ketuta Alexi-Meskhishvili, Gwenneth Boelens und Eiko Grimberg im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung gezeigt. Die Ausstellung wird durch eine Broschüre ergänzt.

DZ BANK Kunstsammlung
Im ART FOYER zeigt die DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main auf rund 300 qm Ausstellungsfläche drei wechselnde Ausstellungen im Jahr. Die Sammlung des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken umfasst mehr als 7.500 Werke von rund 800 Künstlerinnen und Künstlern und widmet sich dem fotografischen Bild in der internationalen zeitgenössischen Kunst.

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Neueröffnung: Sammlung Fotografie und neue Medien im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Depot/Studienraum/Ausstellungsfläche und Ausstellung „Jochen Lempert / Peter Piller. Fotografie neu ordnen: Vögel“

Eröffnung: 26. Oktober 2017, 19 Uhr

Ausstellungslaufzeit: 27. Oktober 2017 bis 4. Februar 2018

Am 26. Oktober 2017 präsentiert das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) die Neueröffnung seiner Sammlung Fotografie und neue Medien. Sie bildet einen ersten Abschluss der umfangreichen Umbaumaßnahmen, die die Hermann Reemtsma Stiftung mit 600.000 Euro im Rahmen der Initiative Kunst auf Lager ermöglicht hat. Das MKG beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der Fotografie in Deutschland. Sie umfasst heute rund 75.000 Exponate von den Anfängen des Mediums bis in die Gegenwart. Mit dem neuen, rund 120 Quadratmeter großen Depot wird die bisherige Depotfläche wesentlich erweitert. So erhalten die kostbaren historischen Bestände endlich die notwendige Fläche und Ausstattung für eine angemessene Lagerung unter klimatisch optimalen Bedingungen. In einem dem Depot angegliederten Studienraum können Mitarbeiter und angemeldete Gäste zukünftig die Originale sichten und mit ihnen arbeiten. Auf einer neuen, zentral gelegenen Ausstellungsfläche von 140 Quadratmetern will das MKG die fotografische Sammlung in den Dialog mit zeitgenössischen Themen und Bildautoren bringen. Den Auftakt bilden die Fotografen Jochen Lempert und Peter Piller mit der Ausstellung Fotografie neu ordnen: Vögel, die mit der Neueröffnung am 26. Oktober 2017 beginnt. Inklusive der Förderung durch die Hermann Reemtsma Stiftung, konnte das MKG insgesamt über eine Million Euro für die Zukunftssicherung der Sammlung Fotografie und neue Medien einwerben. Die Mittel wurden von verschiedenen Förderern bereitgestellt für die Restaurierung und Rahmung der historischen Fotografien, die wissenschaftliche Erschließung der Sammlung, die Überblicksausstellung ReVision in 2016, für einen Sammlungskatalog sowie für die digitale Bereitstellung von bis jetzt 9.000 Werken auf MKG Sammlung online.

Prof. Dr. Sabine Schulze, Direktorin des MKG: „Dank seiner progressiven Sammlungstätigkeit und einer großen Offenheit gegenüber zeitgenössischer Kunst seit seiner Gründung beherbergt das MKG heute einzigartige Zeugnisse aus der Geschichte der Fotografie. Ich bin dankbar für die großzügige Unterstützung der Hermann Reemtsma Stiftung, mit der wir diese kostbaren Bestände für folgende Generationen erhalten. Besonders freue ich mich über den neuen Studienraum, der die Zugänglichkeit der Sammlung und damit die wissenschaftliche Erschließung wesentlich verbessert. Die neue hinzu gewonnene Dauerausstellungfläche sichert der großartigen Sammlung Fotografie und neue Medien große Präsenz im Rundgang durch das MKG.“

Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung: „Die beiden Museumsväter Justus Brinckmann (MKG) und Alfred Lichtwark (Kunsthalle) hatten eine gemeinsame Vorliebe: die Fotografie. Das MKG spiegelt mit seiner Sammlung die Leidenschaft dieser beiden Foto-Pioniere wider. Der Grundstock aus der Zeit um 1900 wurde über Jahrzehnte zu einer führenden Foto-Sammlung ausgebaut. Dank der nun nachhaltigen Unterbringung, der tiefgreifenden Erschließung, der wissenschaftlichen Bearbeitung und vor allem der verbesserten Zugänglichkeit wird uns erstmals das ganze Ausmaß dieses Schatzes vor Augen geführt. Ein tolles Projekt für das Bündnis Kunst auf Lager. Wunderbar und Danke MKG!

Als erstes Museum in Deutschland begann das MKG gegen Ende des 19. Jahrhunderts Fotografie als eigenständiges Medium zu sammeln und ab 1911 in Ausstellungen zu präsentieren. Damit nahm das MKG eine Vorreiterrolle ein. Seitdem hat sich die Sammlung in Qualität und Umfang zu einem einzigartigen Bestand entwickelt, darunter eine einzigartige Kollektion von Daguerreotypien und die Sammlung Ernst Juhl mit originalgerahmten Gummidrucken aus der Zeit des Piktorialismus (um 1900). Ab den 1950er Jahren erwarb das MKG zentrale Werke der klassischen Moderne, darunter Arbeiten von Erich Andres, Herbert Bayer, Willi Beutler, Alfred Ehrhardt, Hugo Erfurth, Andreas Feininger, Heinz Hajek-Halke, Walter Hege, Fritz Henle, Lotte Jacobi, Peter Keetmann, Erna Lenvai-Dircksen, Helmar Lerski, Madame d’Ora, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Franz Schensky, Otto Steinert, Alfred Tritschler, Edward Weston und Paul Wolff u.a.

In der bundesweiten Initiative Kunst auf Lager. Bündnis zur Erschließung und Sicherung von Museumsdepots haben sich Anfang 2014 vierzehn Partnern (vor allem Stiftungen) zusammengefunden, um Museen bei dem Erhalt und der Aufarbeitung ihrer wertvollen Kulturgüter zu unterstützen. In einem einzigartigen Pilotprojekt im Rahmen dieses Verbundes engagieren sich die Hermann Reemtsma Stiftung, die Kulturstiftung der Länder, die Wüstenrot Stiftung und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius gemeinsam, um die gefährdete fotografische Sammlung des MKG nachhaltig konservatorisch zu sichern. Neben der Einrichtung von Depot, Studienraum und Ausstellungsfläche umfassen die Maßnahmen auch die Restaurierung ausgewählter historischen Kernbestände und die etappenweise wissenschaftliche Erschließung des umfangreichen Bestandes mit dem Ziel seiner besseren öffentlichen Zugänglichkeit. Weitere Informationen zum Bündnis unter www.kunst-auf-lager.de.

Die Hermann Reemtsma Stiftung hat die Einrichtung des Depots, eines Studienraumes und eines Ausstellungs-raums finanziert. Die Objekte befinden sich noch an verschiedenen Orten im Gebäude in größtenteils nicht klimatisierten Aufbewahrungsorten in überfüllten Regalen und Schubladen. Um die Exponate fachgerecht und unter konservatorisch optimalen Bedingungen bewahren zu können, wurde der neue Depotraum baulich instand gesetzt, eingerichtet und klimatisiert. Die Umlagerung der Objekte kann nun beginnen. Zukünftig können die Fotografien konstant bei 18 Grad und 40 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert werden. Der Studienraum ermöglicht Mitarbeitern des MKG, Besuchern und Fachleuten, die Objekte im Original zu Forschungszwecken auch unabhängig von Ausstellungen einzusehen. Die bauliche Herrichtung einer zentralen Fläche im 2. Obergeschoss bietet die Chance, die Sammlung Fotografie und neue Medien in wechselnden Präsentationen immer wieder unter gegenwärtigen Fragestellungen zu präsentieren.
Flankiert wurden die Baumaßnahmen von zwei Restaurierungsprojekten: Die Kulturstiftung der Länder ermöglichte die Restaurierung von 280 Daguerreotypien aus den 1840er und 1850er Jahren aus dem Bestand des MKG. Diese ersten fotografischen Bildträger waren von der „Glaskrankheit“ befallen: Die Zersetzungserscheinung haben zu Ausblühungen von Kupfercarbonat und Eintrübungen der Glasplatten geführt. So verloren die Objekte nicht nur an Brillanz, die Krankheit drohte, sich auch vom Glas auf die eingefassten Fotografien zu übertragen. Nach der Reinigung der Platten und dem Austausch der Gläser zieht der in Qualität und Umfang einzigartige Bestand nun in neue Aufbewahrungsräume um.

Der Förderschwerpunkt der Wüstenrot Stiftung lag auf der Restaurierung einer bedeutenden Kollektion von 35 originalgerahmten Gummidrucken der Kunstfotografie um 1900 aus der Sammlung Juhl, die seit 1916/17 im Besitz des MKG sind. Die Restaurierung umfasste die historischen Rahmen sowie, in einzelnen Fällen, die Konservierung der sich ablösenden Farbschichten. Ebenfalls wurden die holzhaltigen Rückplatten, deren Ausdünstungen die Gummidrucke gefährden, ausgetauscht.

Zur wissenschaftlichen Erschließung der Sammlung finanziert die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius bis 2018 eine wissenschaftliche Mitarbeiterin. So konnte bis jetzt bereits über 9.000 wichtige Werke auf MKG Sammlung online veröffentlicht werden. Damit ist das MKG das erste Museum in Deutschland, das seine fotografische Sammlung online zugänglich macht. Da die fotografischen Arbeiten aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit zum größten Teil im Verborgenen lagern müssen, ist es umso wichtiger, die Bestände im Internet für Recherchen zugänglich zu machen.

Sammlungskatalog: Die Neueinrichtung der Sammlung Fotografie und neue Medien wird begleitet von einem umfangreichen Sammlungskatalog, erschienen im Steidl Verlag mit dem Titel ReVision. Fotografie im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, hrsg. von Sabine Schulze und Esther Ruelfs / Design von Studio Mahr / 380 Seiten, 23 × 28 cm, 224 Abbildungen, deutsche und englische Ausgabe, 48 Euro. Den theoretischen Rahmen des großzügig illustrierten Bildbandes bilden Essays internationaler Fotohistorikerinnen und Kulturwissenschaftler, die in die jeweiligen Kapitel einführen. Mit Texten von Roger Buergel, Cathrin Hauswald, Luce Lebart, Corey Keller, Kathrin Peters, Michel Poivert, Esther Ruelfs, Sven Schumacher, Steffen Siegel, Bernd Stiegler und Madoka Yuki. Der Sammlungskatalog wurde ermöglicht von Annegret und Claus-G. Budelmann und der Martha Pulvermacher Stiftung.

Die Publikation bietet erstmals einen Überblick über die Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg und erzählt damit zugleich auch die Geschichte der Fotografie. Sie blickt aus unterschiedlichen Perspektiven auf die vielfältige und gewachsene Sammlung. Sie stellt in elf Kapiteln anhand ausgewählter Gattungen wie Porträt-, Architektur- oder auch Reisefotografie vor. Sie untersucht zentrale Diskurse, etwa den Wunsch nach einer präzisen und objektiv dokumentierenden fotografischen Erfassung oder die im 19. Jahrhundert begründeten Rollen der Fotografie als Hilfsmittel der Wissenschaft und als Medium der Archivierung. Gleichzeitig widmet sich der Sammlungskatalog der wandelnden Materialität der Bilder, beispielsweise ihrer Rahmung. Einzelne Kapitel spiegeln Sammlungsschwerpunkte wider, so etwa den hochkarätigen Bestand internationaler piktorialistischer Fotografie oder die in den 1980er Jahren zusammengetragene Sammlung japanischer Aufnahmen.

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Dagmar Chobot Skulpturenpreis 2017 geht an Sofie Thorsen

Sofie Thorsen erhält den mit 10.000 Euro dotierten »Dagmar Chobot Skulpturenpreis 2017«. Preisstifterin Dagmar Chobot und Günter Schönberger, Geschäftsführer der Stiftungspartnerin Bildrecht, ehrten die Künstlerin am 16. Oktober 2017 im Leopold Museum Wien mit diesem in Österreich einzigartigen Nominierungspreis für zeitgenössische Skulptur.

Neben Sofie Thorsen waren Manfred Erjautz, Sophie Hirsch, Markus Jeschaunig, Bernd Oppl und Werner Reiterer für den ‚Dagmar Chobot Skulpturenpreis 2017’ vorgeschlagen.

»Es freut mich sehr, dass der von mir ins Leben gerufene Skulpturenpreis auf so reges Interesse stößt. Die vielen positiven Rückmeldungen haben meine Initiative im Nachhinein nochmals bestätigt. Ich freue mich auch für Sofie Thorsen, – mit ihr als Preisträgerin erfährt die zeitgenössische Skulptur jene Wertschätzung und öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr zusteht,« kommentiert die Initiatorin und Preisstifterin, Dagmar Chobot, bei der Preisverleihung.

Sofie Thorsen, geb. 1971 in Århus, lebt und arbeitet in Wien. Sie ist Absolventin der Akademie der Bildenden Künste Wien und der Königlich Dänischen Akademie der Bildenden Künste Kopenhagen. Von 2005 bis 2009 lehrte sie an der Akademie der Bildenden Künste Wien. In ihren Werken setzt sich die Künstlerin mit den politischen, sozialen und kunsthistorischen Kontexten von Orten auseinander mit dem Ziel, ihre »stummen und verstummten« Strukturen wieder zum Sprechen zu bringen. Ihre Methode erinnert an eine Spurensuche, die Sofie Thorsen von der Aneignung und Adaption vorgefundener Bilddokumente bis hin zu deren Auflösung führt. Mit ihren Arbeiten erforscht Thorsen formale, materielle und haptische Parameter, Formen und Körper und kombiniert in raumgreifenden Installationen die für ihren Skulpturenbegriff charakteristischen Materialien Stahl, Aluminium und Papier.

Ein Themenkomplex analysiert die Bereiche Skulptur, Architektur und Design in ihrem Verhältnis zu Gesellschaft und kommunaler Verantwortung. In der mehrfach präsentierten Werkserie »Spielplastiken« (2010 – 2016) rückt Sofie Thorsen ein bislang kaum gewürdigtes Phänomen der österreichischen Nachkriegszeit – bespielbare Skulpturen aus den 1950er Jahren – in den Mittelpunkt. Diese kleinen, abstrakten Utopien inmitten nüchterner Architektursprache greift die Künstlerin für ihre Installationen auf. Darin vergrößert sie Reprografien von Zeitdokumenten, eliminiert figurative Bestandteile, reduziert die Konstruktionen auf ihre Geometrie und Linearität. Die fragilen Papierobjekte auf den Metallgerüsten geben den Bildquellen ihre einstige skulpturale Präsenz zurück und geraten zu einem in den Raum gestellten, begehbaren Archiv der Formen.

In ihrer Werkserie »Precious Things That Come Out of the Ground« (2017) analysiert Sofie Thorsen mittels abstrakter Zeichenhaftigkeit die An- und Abwesenheit von zerstörtem und/oder geraubtem Kulturgut aus archäologischen Fundstätten. Auffällig ist auch hier die Gestaltung mit filigranem Papier, das Sofie Thorsen über die gebogenen Stahlrohre ihrer Installation mäandern lässt. Mit punktuellen Unschärfen und Unterbrechungen der skulpturalen Form irritiert die Künstlerin und betont damit unterschiedliche Ebenen und Formen der Realitätswahrnehmung. Ihre Arbeiten eröffnen so ein Feld ambivalenter Sichtbarkeiten und changieren zwischen erkennbarer Realitätsabbildung und möglicher Fiktion. Ab 20. Oktober 2017 ist diese Werkserie in der Gruppenausstellung »Spuren der Zeit« im Leopold Museum Wien zu sehen.

Modalitäten
2017 haben sechs NominatorInnen jeweils eine Position aus dem Bereich zeitgenössische Skulptur, Plastik, Objektkunst oder Installation für den ‚Dagmar Chobot Skulpturenpreis’ eingereicht. Aus diesen Vorschlägen ermittelte die Jury Sofie Thorsen als Preisträgerin für 2017.

NominatorInnen 2017
Silvie Aigner (Chefredakteurin Parnass), Katrin Bucher-Trantow (Chefkuratorin Kunsthaus Graz), Berthold Ecker (Direktor MUSA Wien), Elsy Lahner (Kuratorin Albertina Wien), Genoveva Rückert (Kuratorin OK – Offenes Kulturhaus Linz) und Christoph Thun-Hohenstein (Direktor MAK Wien)

Jury 2017
Dagmar Chobot (Preisstifterin und Juryvorsitzende), Heike Eipeldauer (Kuratorin BA Kunstforum Wien), Edelbert Köb (Kurator), Günter Schönberger (Geschäftsführer Bildrecht)und Hans-Peter Wipplinger (Direktor Leopold Museum Wien)

Dagmar Chobot Skulpturenpreis
Der »Dagmar Chobot Skulpturenpreis« wurde 2016 von der Wiener Galeristin Dagmar Chobot und der Stiftungspartnerin Bildrecht, der Urheberrechtgesellschaft für Bildende Kunst, ins Leben gerufen. Die Auszeichnung geht jährlich an eine/n zeitgenössische/n Bildhauer/in, die/der in Österreich lebt und arbeitet. Als erster Preis seiner Art in Österreich ist er explizit dem Medium Skulptur gewidmet und berücksichtigt neben klassischen Zugängen auch experimentelle Ansätze und Installationen. Der Preis unterliegt keiner Altersbeschränkung.

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Ausstellung: Araki. Tokyo

Pinakothek der Moderne, München,  ‐ 

Der Japaner Nobuyoshi Araki (* 1940) zählt zu den wohl produktivsten, aber auch provokativsten Fotografen unserer Zeit. Sein Werk umspannt ein vielfältiges Spektrum an Themen, von hocherotischen Frauendarstellungen über artifizielle Stillleben, Pflanzenfotografien, reportagehaft anmutende Alltagsdarstellungen und Architekturaufnahmen bis hin zu fast tagebuchartigen Fotografien von sich und seiner früh verstorbenen Frau.

Die aus 28 Diptychen bestehende Arbeit »Tokyo« (1969–1973) bildet die Vorlage für eines der ersten Buchprojekte Arakis und steht am Beginn seiner langjährigen Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Stadtraum von Tokio. Gegensätze wie anonym und vertraut, bekleidet und nackt, Innen- und Außenwelt fungieren als subtile Verweise auf die Trennung zwischen öffentlicher und privater Lebenswelt, zwischen Traum und Wirklichkeit.

2004 wurde die Originalvorlage des Buchs Tokyo (1973) mit Unterstützung von PIN. erworben. Die Ausstellung stellt die »Tokyo«-Serie vor, ergänzt durch weitere frühe, experimentelle Fotoserien und Künstlerbücher aus den 1960er- und 1970er-Jahren.

BEGLEITPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG

Begleitend zur Ausstellung »Araki.Tokyo« lädt die Pinakothek der Moderne zu einer Reihe von Veranstaltungen ein. Den Auftakt bildet ein Vortrag über die Umbrüche und konzeptuelle Neuausrichtung der japanischen Fotografie in den späten 1960er- und 1970er-Jahren von Lena Fritsch, Kuratorin für moderne und zeitgenössische Kunst am Ashmolean Museum (Universität Oxford). Matinéen mit den berührenden Filmen »Tôkyô monogatari« (Die Reise nach Tokio, 1953) und »Shônen« (Der Junge, 1969) der Großmeister des japanischen Kinos Yasujirô Ozu und Nagisa Ôshima richten den Blick auf den gesellschaftlichen Wandel der 1950er- und 1960er-Jahre in Japan. »Tôkyô monogatari« ist zugleich der Film, der Nobuyoshi Araki dazu inspirierte, die Stadt Tokio als eine Geschichte zu begreifen und in Hunderttausenden von Bildern über sie zu erzählen. Ein besonderer Abend findet im FUTURO statt, einem Kunststoffhaus des finnischen Architekten Matti Suuronen, das vor dem Eingang zur Pinakothek der Moderne steht: Hier werden unter dem Titel „Schatten der Zeit“ drei Experimentalfilme von Shûji Terayama zu sehen sein, einem der wichtigsten Künstler der japanischen Avantgarde.

07. Dezember 2017 | 18.30
VORTRAG
Lena Fritsch, London/Oxford | Provokativ und Sexy: Vortrag zu japanischen Fotografie der 1970er-Jahre
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei
Ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von EY

17. Dezember 2017 | 11.30
FILM
Tôkyô monogatari (Die Reise nach Tokio), 1953, Regie: Yasujirô Ozu, 136 Min., OmdU
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei

11. Januar 2018 und 22. Februar 2018 | 18.30
FILMNACHT IM FUTURO
Schatten der Zeit. Experimentalfilme von Shûji Terayama
Begrenzte Teilnehmerzahl, Eintritt frei
Anmeldung unter programm@pinakothek.de
Dank an Die Neue Sammlung

04. Februar 2018 | 11.30
FILM
Shônen (Der Junge), 1969, Regie: Nagisa Ôshima, 97 Min., OmeU
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei

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Diana Baldon appointed Director of Fondazione Modena Arti Visive

The Italian Copenhagen-based art historian, curator and critic Diana Baldon has been named Director of Fondazione Modena Arti Visive, one of Italy’s newest visual arts institutions based in Modena. The new foundation brings together three of the city’s key cultural institutions: the Galleria Civica di Modenaone of Italy’s oldest and most respected Italian contemporary art centres—together with the more recent Fondazione Fotografia Modena and the Museo della Figurina.

Already at the helm of the Fondazione Fotografia Modena since June 1 2017, between 2011 and 2016 Diana Baldon was Director of Malmö Konsthall and Index – The Swedish Contemporary Art Foundation where she staged solo exhibitions by Nina Beier, Cornelius Cardew, Joan Jonas, Goshka Macuga, Ad Reinhardt, Lili Reynaud-Dewar and Heimo Zobernig among others. Prior to her appointments in Sweden, she worked at the Academy of Fine Arts Vienna as Curator-in-Residence and as a member of the scientific and artistic teaching staff (2007–2011). After receiving a Master’s degree in Creative Curating from Goldsmiths College, University of London, in 2002, she has curated exhibitions internationally for many institutions and Biennials, such as MIT List Visual Art Center in Cambridge, MA, and Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean (both 2017), the Generali Foundation in Vienna (2012) and the Second Athens Biennale (2009). Her critical writing has been featured in numerous artists’ catalogues and international magazines such as ArtforumTexte zur Kunst, and Afterall.


Fondazione Modena Arti Visive 

Coinciding with Baldon’s nomination, Fondazione Modena Arti Visive has been founded by the City of Modena and the private philanthropic foundation Fondazione Cassa di Risparmio di Modena to present contemporary art and visual culture within the framework of the heritage and the driving forces of three cultural institutions, namely the Galleria Civica di Modena, the Fondazione Fotografia Modena, and the Museo della Figurina. While reflecting the individual paths of these public and private cultural institutions with a view to strengthening their individual identities, the aims of the new foundation include the showcasing of the most innovative international artistic practices of the twenty-first century, the promotion of forms of activation and contamination between various disciplines and contexts, and the valorisation of the collections with which it is entrusted. Furthermore, through theoretical and critical research, it will investigate the radical transformation that art and imagery have undergone over recent decades in the wake of the impact of new technologies as well as the new contexts and platforms available for the sharing of information and services.

Ausstellung: Robert Frank

Albertina, Wien, 25. 10. 2017 – 21. 01. 2018

Robert Franks zwischen 1955 und 1957 aufgenommene Werkgruppe »The Americans« schrieb Fotogeschichte: Während eines Road Trips durch die USA aufgenommen, beleuchtet Frank in grimmigen schwarz-weiß Bildern den »American way of life« der Nachkriegszeit, den er als von Rassismus, Gewalt und Konsumkultur geprägt zeigt. Seine Fotos entsprechen damit nicht dem Selbstbild der USA, das gleichnamige Buch kann zunächst nur in Europa veröffentlicht werden. Mit »The Americans« gelingt Robert Frank eine der einflussreichsten Foto-Arbeiten der Nachkriegszeit, die die Street-Photography nachhaltig erneuerte.

Die Albertina zeigt ausgewählte Werkgruppen, die Robert Franks künstlerischen Werdegang nachzeichnen: Von seinen frühen, auf Reisen in Europa entstandenen Fotografien über »The Americans« bis hin zu seinen späten introspektiven Œuvre werden zentrale Aspekte seines Werks beleuchtet.

RAHMENPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG

Öffentliche Führungen
Samstag, 28. Oktober 2017, 15.30 – 16.30 Uhr
Samstag, 11. November 2017, 15.30 – 16.30 Uhr
Samstag, 18. November 2017, 15.30 – 16.30 Uhr

Kuratorenführung mit Walter Moser
13. Dezember 2017, 17.30 Uhr

Dialogführung mit Walter Moser, Kurator der Ausstellung, Michael Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums
17. Jänner 2018, 17.30 Uhr

Führungsbeitrag jeweils pro Person: EUR 4 (exkl. Eintritt) | Tickets an der Kassa erhältlich (am Tag der Führung) | Begrenzte TeilnehmerInnenanzahl | Keine Anmeldung möglich | first come, first served | Treffpunkt: Harriet Hartmann Court im Eingangsbereich des Museums | Gruppen ab 10 Personen werden gebeten, eine Gruppenführung zu vereinbaren.

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Trevor Paglen is MacArthur Fellow 2017

Photographer Trevor Paglen has been announced as one of twenty-four recipients of the MacArthur Fellowship 2017.

The MacArthur Fellows Program is intended to encourage people of outstanding talent to pursue their own creative, intellectual, and professional inclinations. In keeping with this purpose, the Foundation awards fellowships directly to individuals rather than through institutions. Recipients may be writers, scientists, artists, social scientists, humanists, teachers, entrepreneurs, or those in other fields, with or without institutional affiliations. They may use their fellowship to advance their expertise, engage in bold new work, or, if they wish, to change fields or alter the direction of their careers.

Although nominees are reviewed for their achievements, the fellowship is not a lifetime achievement award, but rather an investment in a person’s originality, insight, and potential. Indeed, the purpose of the MacArthur Fellows Program is to enable recipients to exercise their own creative instincts for the benefit of human society.

The Foundation does not require or expect specific products or reports from MacArthur Fellows and does not evaluate recipients’ creativity during the term of the fellowship. The MacArthur Fellowship is a “no strings attached” award in support of people, not projects. Each fellowship comes with a stipend of $625,000 to the recipient, paid out in equal quarterly installments over five years.

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Internationaler Folkwang-Preis 2017 an Okwui Enwezor

Der Kurator, Kritiker und Wissenschaftler Okwui Enwezor (* 1963) erhielt am 9. Oktober 2017 den Internationalen Folkwang-Preis 2017, die Laudatio hielt Sir David Adjaye, OBE. Enwezor, Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Haus der Kunst in München, gehört zu den produktivsten Kuratoren und Theoretikern moderner und zeitgenössischer Kunst und war Leiter zahlreicher wichtiger internationaler Großausstellungen wie der documenta 11 in Kassel (2002) oder der Biennale in Venedig (2015).

Dr. Ulrich Blank, Vorsitzender des Folkwang-Museumsvereins: »Okwui Enwezor hat enorm viel zur Vermittlung zwischen den unterschiedlichen Kulturen der Welt beigetragen. Dies steht als verbindende Klammer über all seinen herausragenden kuratorischen Erfolgen. Seine Arbeit liegt im Respekt begründet, mit dem er die westlich geprägten Kulturen ebenso ernst nimmt wie diejenigen asiatischer, südamerikanischer und afrikanischer Völker. Dies steht ganz in der von Karl Ernst Osthaus begründeten Tradition.«

Mit dem mit 25.000 Euro dotierten Internationalen Folkwang-Preis zeichnet der Folkwang-Museumsverein e.V. seit 2010 Personen und Institutionen aus, die sich im Sinne des Museums-gründers Karl Ernst Osthaus (1874 – 1921) in besonderer Weise für die Förderung und Vermittlung von Kunst an eine breite Öffentlichkeit verdient gemacht haben.

Erstmals wurde er im Herbst 2010 an Neil MacGregor, Direktor des British Museum in London vergeben. Im Oktober 2013 erhielt ihn der Mäzen und Unternehmer Reinhold Würth und 2015 der Kurator Hans Ulrich Obrist.

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Ausstellung: Marianne Strobl. »Industrie-Photograph«, 1894-1914

Photoinstitut Bonartes, Wien, 20. 10. 2017 – 26. 01. 2018

Eröffnung: Donnerstag, 19. 10. 2017, 19 Uhr

Marianne Strobl stieg für ihre Auftraggeber in die Kanalisation, kroch in die Ötscherhöhlen und begleitete mit ihrer Kamera über Jahre die Errichtung des Gaswerks Wien-Leopoldau. Sie schuf vielteilige Porträts der Wäschefirma E. Braun und des Nobelhotels Meißl & Schadn. Ihre Beschlagenheit in der »Blitzlicht-Photographie« kam ihr zugute, um Neubauten wie eine mit historistischem Pomp ausstaffierte Semmeringvilla, ein Männerwohnheim oder eine Triester Nervenklinik zu dokumentieren. Strobls Spezialisierung auf Industriefotografie war eine sinnvolle Strategie, um auf dem extrem heftig umkämpften Wiener Markt um 1900 bestehen zu können. Diese selbstbewusste Fotografin, die sich nicht wie viele ihrer BerufskollegInnen im Atelier ›versteckte‹, gilt es wiederzuentdecken.

Kuratorin der Ausstellung: Ulrike Matzer

Spector Books erhält zwei Auszeichnungen beim DAM Architectural Book Award

Die Frankfurter Buchmesse und das Deutsche Architekturmuseum (DAM) haben 2017 zum neunten Mal den Internationalen DAM Architectural Book Award vergeben. Der in seiner Art einmalige und inzwischen hoch angesehene Preis zeichnet die besten Architekturbücher eines Jahres aus. Dem gemeinsamen Aufruf sind 89 Architektur- und Kunstbuchverlage weltweit gefolgt. Eine Fachjury aus externen Experten sowie Vertretern des DAM hat sich am 13. September 2017 getroffen und aus 215 Einsendungen nach Kriterien wie Gestaltung, inhaltliche Konzeption, Material- und Verarbeitungsqualität, Grad an Innovation und Aktualität die zehn besten Architekturbücher des Jahres ausgewählt.

Der Leipziger Verlag Spector Books erhielt dabei gleich zwei Auszeichnungen: für die anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im ZKM Karlsruhe erschienene Publikation Frei Otto. Denken in Modellen und für Hybrid Modernism. Movie Theatres in South India von Haubitz+Zoche.

Die anderen Preisträger 2017 sind:

50 60 70 / Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild \ Verlag: Dölling und Galitz Verlag, Hamburg

Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste \ Verlag: DOM publishers, Berlin

Bezahlbar. Gut. Wohnen: Strategien für erschwinglichen Wohnraum \ Verlag: JOVIS Verlag, Berlin

The City between Freedom and Security. Contested Public Spaces in the 21st 
Century \ Verlag: Birkhäuser Verlag

Fifty English Steeples. The Finest Medieval Parish Church Towers and Spires in England \ Verlag: Thames & Hudson Ltd, London

Leistungen der Architektur \ Verlag: Quart Verlag, Zürich

Patchwork. The Architecture of Jadwiga Grabowska-Hawrylak \ Verlag: Muzeum Architektury we Wrocławiu

What’s so great about the Eiffel Tower? 70 questions that will change the way you think about architecture \ Verlag: Laurence King Publishing, London

Der externen Fachjury gehörten in diesem Jahr an: Nicola Ammon (Designerin), Christina Bösel (Lektorin), Amber Sayah (Kulturredakteurin Stuttgarter Zeitung), Gregor Theune (Fotograf) und Marietta Andreas (Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft der Freunde des DAM).

Die internen Juroren waren: Peter Cachola Schmal (Direktor DAM), Andrea Jürges (stellv. Direktorin DAM), Annette Becker (Kuratorin DAM) und Oliver Elser (Kurator DAM)

Das breite Spektrum der Themen und das hohe Niveau der Einsendungen hat die Jury vor eine große Herausforderung gestellt. Zum wiederholten Mal haben daher die Juroren entschieden, nicht nur zehn Preisträger zu bestimmen, sondern auch zehn weitere Einsendungen für die Shortlist des DAM Architectural Book Awards 2017 auszuwählen.

Sämtliche Preisträger werden vom 12. bis 15. Oktober 2017 auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert (Halle 4.1, Zentrum Bild, Stand K 109) und zusätzlich bis 14. Januar 2018 in der Ausstellung »Best of DAM Architectural Book Award« im 3. Obergeschoss des DAM.

Das Deutsche Architekturmuseum dankt der Gesellschaft der Freunde des DAM e.V. für ihre großzügige Unterstützung.

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Duane Michaels erhält den DGPh Kulturpreis

Der in New York ansässige Duane Michals wird mit dem Kulturpreis 2017 der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) geehrt. Damit zeichnet die Gesellschaft einen der bedeutendsten zeitgenössischen amerikanischen Künstler aus. Die Preisverleihung findet am 21. Oktober 2017 in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln statt. Die Laudatio wird Dr. Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck-Museums in Duisburg, halten. Mit dem seit 1959 jährlich von der DGPh vergebenen Preis werden bedeutende fotographische Leistungen, insbesondere auf künstlerischem, humanitärem, sozialem, technischem, pädagogischem oder wissenschaftlichem Gebiet geehrt.

Der bis heute hoch aktive Künstler Duane Michals arbeitet seit Ende der 1950er Jahre mit dem Medium der Fotografie. 1932 in McKeesport, Pennsylvania, USA geboren, studierte er zwischen 1949 und 1953 Grafikdesign an der University of Denver, danach diente er in der US-Army und war unter anderem in Deutschland stationiert. Ab 1956 erweiterte er seine Studien an der Parsons School of Design.

Die ersten Aufnahmen machte Michals 1958 auf einer Reise nach Russland. Das Medium der Fotografie sollte fortan ein wichtiges künstlerisches Ausdrucksmittel für ihn werden, an dem er bis in die Gegenwart festhält. Er wählt unterschiedliche Präsentationsformen, wobei dem Moment des seriell-erzählerischen eine zentrale Bedeutung zukommt. 1966 nimmt Michals zusammen mit Bruce Davidson, Lee Friedlander, Danny Lyon und Garry Winogrand an der bedeutenden Ausstellung »Towards a Social Landscape« im George Eastman House, Rochester, teil. »Stories by Duane Michals« hieß 1970 der Titel seiner ersten Einzelausstellung im Museum of Modern Art, New York.

Schon früh zeigt sich, dass die Bezeichnung »Fotograf« Michals’ komplexem Werkansatz mit seiner fantasievoll inszenierten Bildproduktion allein nicht gerecht wird. Denn immer wieder geht es ihm um die Inszenierung und Steigerung von Wirklichkeitseindrücken, die über das konkret Dokumentarische hinausgehen. Vornehmlich reizt ihn nicht das Einzelbild, sondern bereits seit den 1960er Jahren die in schwarz-weißen Bildern geschaffene Sequenz, eine eigene Form von Bilderzählung bzw. fotografischem »Bühnenstück«.

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Ina Schoenenburg erhält Otto-Steinert-Preis 2017

Ina Schoenenburg setzt sich unter 165 Bewerbungen durch und erhält den Otto-Steinert-Preis 2017 der DGPh

Der Otto-Steinert-Preis 2017 der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) geht an Ina Schoenenburg. In der entscheidenden Runde am 26. September fiel die Wahl auf Ina Schoenenburg, die für ihr photographisches Langzeitprojekt „Blickwechsel“ ausgezeichnet wird. Die Arbeit von Ina Schoenenburg hat die Jury durch ihre hohe photographische Qualität überzeugt. Ina Schoenenburg photographiert ihre Familie bereits seit sechs Jahren und tut dies mit großer emotionaler Nähe und observierender Distanz zugleich. Mit einer ungewöhnlichen Bandbreite von dokumentarischer Beobachtung bis hin zu einer manchmal fast theatralen Inszenierung lässt uns die Photographin teilhaben an ihrem sowie dem Leben und den Emotionen ihrer Eltern und ihrer Tochter. Ein außergewöhnlich vielschichtiges Projekt mit einer ganz eigenen Bildsprache, die es schafft, intime Privatheit zu zeigen und zugleich ganz auf Voyeurismus zu verzichten. Der Otto-Steinert-Preis soll Ina Schoenenburg ermöglichen, an diesem Langzeitprojekt weiterzuarbeiten.

Ina Schoenenburg lebt und arbeitet in Berlin, wo sie 2012 ihr Photographiestudium an der Ostkreuzschule für Fotografie als Schülerin von Sibylle Fendt abschloss. Seit dem Herbst 2016 ist sie Mitglied der Photographen-Agentur Ostkreuz.

Neben der Preisträgerin beeindruckten die Arbeiten der beiden Nachwuchs-photographinnen Monika Hanfland und Ksenia Kuleshova. Monika Hanfland reichte den vielversprechenden Beginn ihrer Arbeit „The Perfect Match?“ ein. Sie setzt sich mit der Herstellung und Nutzung von Liebespuppen auseinander und wirft so die Frage auf, ob dadurch neue Arten von Beziehungen entstehen können, in denen die Puppen den menschlichen Partner ersetzen. Ein mit Ironie und Witz photographisch festgehaltenes Eintauchen in eine seltsame Welt.

Auch die Photostudentin Ksenia Kuleshovas hat mit einer eher spielerischen Arbeit überzeugt, in “ABKHAZIA” widmet sie ihr Augenmerk unter anderem skurrilen Freizeitbeschäftigungen. Ihre genaue Beobachtungsgabe für die Absurditäten des Alltags gepaart mit dem Gefühl für den entscheidenden Moment haben die Jury überzeugt. Beide Teilnehmerinnen sind Studentinnen an der Fachhochschule in Dortmund.

Der mit 5000 Euro dotierte Otto-Steinert-Preis der DGPh wurde am 26. September 2017 durch die diesjährige Jury bestehend aus dem Preisträger 2015, Georg Brückmann, dem Photokünstler und Verleger Boris Becker, sowie dem Vorstand der Sektion Bild der DGPh, Bettina Flitner, Christoph Bangert und Manfred Linke, als Arbeitsstipendium für die Realisierung einer neuen Arbeit vergeben. Nach einem langen, mehrstufigen Auswahlprozess von über 165 Bewerbungen ist die Arbeit von Ina Schoenenburg in der finalen Auswahl als qualitativ herausragend befunden worden.