Ausstellung: COLLAGE III – Subject

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Fotogalerie Wien, 13. 3. – 14. 4. 2018

Den revolutionärsten Moment in der Entwicklung der Malerei nannte der Dadaist und Dichter Tristan Tzara die Erfindung der Collage und meinte damit den fundamentalen Bruch mit etablierten Formen künstlerischer Repräsentation. In den die Collage bestimmenden technischen Verfahren, im Kleben (frz. coller), Kratzen, Schneiden, Reißen, Falten, Montieren, Assemblieren, Dekomponieren usw. steckt ein radikales Potenzial. Speisten sich die Papiers collés der Kubisten aus Gebrauchtem, Verworfenem und dem vermeintlich Banalen, umschwärmen uns heute die vielfach reproduzierten, reformatierten und re-editierten Kopien eines beständig anwachsenden digitalen Debris. Der aktuelle Schwerpunkt der Fotogalerie Wien präsentiert in vier Ausstellungen ein breites Spektrum an Methoden und Verfahrensweisen der Collage in der zeitgenössischen Foto- und Videokunst. Sichtbar werden dabei die erzählerischen und autopoetischen Stärken dieser Kunstform ebenso wie ihre Innovationskraft als grundlegender, gerade im Einsatz neuer Technologien oder in räumlich-skulpturalen Erweiterungen zutage tretender Wesenszug. Stets lenken die Bilderdrifts auch anarchische, von Zufall und Spiel getriebene Energien.

Im Fokus der dritten Schau des Schwerpunkts 2017/18 stehen Arbeiten, die ein jeweils spezifisches Thema oder Motiv aufgreifen und ins Zentrum ihrer Reflexion stellen. Deutlich wird dabei das Vermögen der Collage, Alltägliches so zu verfremden und Wirklichkeiten so zu verdichten, dass sichtbar wird, was jenseits von Abbild und Repräsentation liegt und außerhalb gewohnter Sehweisen. Räume entstehen, die eigenen Gesetzen gehorchen; visuelle Konstellationen, die abstrakt bleiben und zugleich dokumentarischen Charakter entfalten, weil sie explizit auf das Reale verweisen, Vorhandenes aufgreifen, Zeugnis ablegen. Ihr kritisches Potenzial ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass sie aus dem Wirklichen schöpfen, um es zu zerlegen, zu überzeichnen und zu verrücken. So lassen sie die Dinge erscheinen, wie sie nie waren – und zeigen dennoch, wie sie sind. Die künstlerische Dekonstruktion, die verfremdende Aneignung von vorgefundenem Bildmaterial und seinen Mechanismen, legt offen, wie Bilder funktionieren und welche Ideologien sie transportieren.

Mit Arbeiten von: Josif Kiraly, Tim Sharp, Broomberg & Chanarin, Tanja Deman, Bernhard Hosa, Petra Jansová, Stephanie Kiwitt