Allan Sekula: TITANIC’s wake

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Graz, 2003
deutsch
120 Seiten
28,5 cm x 22,5 cm
116 Farbbildungen, 22 SW-Textabbildungen
Halbleinen, Fadenheftung

Edition Camera Austria

ISBN: 3-900508-452-3

Mit Texten Fotoarbeiten und Essays von Alan Sekula.
Herausgegeben von David Barriet, David Benassayag, Beátrice Didier, Le Point de Jour Éditeur, Cherbourg-Octeville, und Christine Frisinghelli, Camera Austria, Graz.

Beschreibung

“Wäre TITANIC’s wake ein historischer Roman, würden Bill Gates, James Cameron, Frank Gehry, Herman Melville, Alexander Calder, Winslow Homer und Honoré de Balzac allesamt Figuren darin sein. Das gilt auch für eine Reihe weniger bekannter Personen (…). Diese Prämisse klingt zugleich grandios und unmöglich: Ich mag zwar ein Schriftsteller sein, aber ich bin kein Romanschriftsteller, und ich verspüre auch keine besondere Lust oder Begabung zu fiktionaler Darstellung. Vielleicht aber kann mein Bekenntnis zu dieser Romanfantasie dem Betrachter einen Schlüssel in die Hand geben. TITANIC’s wake zeigt nämlich, so hoffe ich, dass ein einfaches visuelles Tagebuch der letzten beiden Jahre des 20. Jahrhunderts an die epische Breite und Resonanz eines historischen Romans erinnern kann, ohne in irgendeiner Weise zu versuchen, ein solcher zu sein, und ohne von den visuellen Möglichkeiten sorgfältiger Dokumentarfotografie abzuweichen.” (Allan Sekula) Allan Sekula gilt spätestens seit seiner Teilnahme an der Documenta11 als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler, die sich kritisch auf die ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Veränderungen im Rahmen der Globalisierung von Ökonomie und Politik beziehen. Seine Projekte kreisen beständig um eine zentrale Frage zeitgenössischer Fotografie: Wie lassen sich die abstrakten und komplexen Zusammenhänge der post-industriellen wirtschaftlichen Prozesse im Rahmen von Kunst (kritisch) thematisieren und repräsentieren? Für Allan Sekula geht es dabei darum, “den Dokumentarismus auf eine Weise neu zu erfinden, die sowohl von der sozialdokumentarischen Tradition als auch von der künstlerischen Fotografie und vom konzeptuellen Denken abweicht” (aus einem Gespräch mit Benjamin H.D. Buchloh).

Die vorliegende Publikation stellt Sekulas Arbeiten “Dear Bill Gates” (1999), “TITANIC’s wake” (1998 – 2000) und “Waiting for Tear Gas” (1999/2000) in den Zusammenhang dieses “kritischen Dokumentarismus”, dessen Hintergrund in der für ihn typischen Verbindung von Fotografie und Essay, Konzeptkunst und kritischem Journalismus besteht. Die dafür ausgewählten Essays liegen damit zum ersten Mal in deutscher Sprache vor. In diesen bezieht sich Allan Sekula unter anderem auf seinen 1984 publizierten Essay “Über den Handel mit Fotografie” und die darin gestellte Frage, welche Rolle der Mythos von der Fotografie als “universelle Sprache” spielt (“Zwischen Netz und tiefblauer See”). Der Aufsatz “TITANIC’s wake” illustriert die gleichnamige 23-teilige Fotoserie und stellt Themen wie Ausbeutung und wirtschaftliche Vormachtstellung in den Zusammenhang größerer sozialpolitischer Problematiken. “Waiting for Tear Gas” kommentiert die gleichnamige Dia-Serie, die, 1999 in Seattle entstanden, die Anfänge der Protestbewegung der Globalisierungsgegner dokumentiert. TITANIC s wake ist damit einmal mehr zugleich ein wichtiger Beitrag zur zeitgenössischen Kunst wie zum Verständnis der drängenden Probleme der gegenwärtigen Gesellschaft.

Die Zusammenarbeit zwischen Camera Austria und Allan Sekula geht auf die Ausstellung und Publikation seiner Arbeit “Sketch for a Geography Lesson” im Jahr 1987 zurück. 1996 wurde mit ihm ein Symposion über Fotografie zum Thema “Fotografie zwischen Diskurs und Dokukment” zu seinem Projekt “Fish Story” konzipiert. 2002 schließlich erhielt Allan Sekula den “Camera Austria-Preis der Stadt Graz für zeitgenössische Fotografie” – die Arbeit “Waiting for Tear Gas” wurde aus diesem Anlass zum ersten Mal in Europa gezeigt.