Offener Brief zur zukünftigen Struktur der documenta

Stellungnahme zur Trennung der documenta gGmbH von Annette Kulenkampff

An die Mitglieder des Aufsichtsrats der documenta und Museum Fridericianum gGmbH:

Oberbürgermeister Christian Geselle (Vorsitzender)
Staatsminister Boris Rhein (stellv. Vorsitzender)
Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann
Stadtverordneter Dr.Rabani Alekuzei
Stadtverordneter Marcus Leitschuh
MdL Karin Müller
Stadtverordneter Axel Selbert
Stadtverordneter Gernot Rönz
Hortensia Völckers, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes
Alexander Farenholtz, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes
Staatsminister Axel Wintermeyer
Staatssekretär Dr. Martin J. Worms

14. Januar 2018

Wir möchten an dieser Stelle unsere Sorge darüber ausdrücken, dass mit den jüngsten Überlegungen und Maßnahmen des Aufsichtsrates der documenta eine international agierende und einflussreiche Kulturinstitution in Deutschland in ihrem Image erheblich beschädigt wird und damit auch das Bild Deutschlands im Ausland.

Die Lokal- und Landespolitik, die insbesondere den Aufsichtsrat stellt und Gesellschafter der documenta gGmbH ist, nimmt ein von ihr selbst lanciertes, finanzielles Defizit1 zum Anlass, offen über die Umstrukturierung der documenta im Sinne einer reinen Kommerzialisierung und Vermarktung der Marke documenta zu debattieren. Eine erste Konsequenz aus diesen Überlegungen war die Auflösung des Vertrags mit der Gesch.ftsführerin Annette Kulenkampff. Ein anderer Grund hierfür ist nicht bekannt, da ihr an dem erwähnten Defizit, das aus einer von allen Beteiligten gemeinsam getragenen Programmkonzeption entstanden ist, keinerlei Schuld nachgewiesen wurde.

Es sind darüber hinaus dieselben Politiker, die sich außer Stande sahen, auf die Entgleisungen der AfD zu reagieren, die ein Kunstwerk von Olu Oguibe als »entstellte Kunst« bezeichneten und damit eindeutig auf faschistische Terminologien zurückgriff.

Die nun lancierten Überlegungen reichen von einer Aufhebung des gemeinnützigen Status der documenta gGmbH über eine Eingliederung der Öffentlichkeitsarbeit in das Stadtmarketing bis zu einer Neuverteilung der finanziellen Risikolast. Das heißt letztendlich, Verantwortung zu verlagern, die Einnahmen auf die öffentliche Hand zu konzentrieren und zugleich die Freiheit der Kunst zu minimieren. Die geplanten rechtlichen Rahmenbedingungen bedeuten nichts Anderes, als die Ausrichtung der konzeptionellen wie künstlerischen Freiheit an rein haushälterischen Maßstäben.

Den Nutzen einer international einmaligen Veranstaltung mit ca. 900.000 Besucher_innen, deren Stellenwert für die Kunstvermittlung mit keinem anderen Ereignis vergleichbar ist, kann niemand ernsthaft bezweifeln. In dieser Relation erscheint es geradezu absurd, dass sich die »documenta-Stadt« Kassel und das Land Hessen anmaßen, ein in Jahrzehnten gewachsenes, bereits in Geschichtsbüchern beschriebenes Erfolgsmodell in Frage zu stellen, weil sich gegen eine einzige Ausgabe des Projekts besonders gut politisch Stimmung machen lässt, weil es teilweise im europäischen Ausland stattfand. Bürgermeister und Land lassen gegen den Rat aller Experten Bedenken aufkommen, ob Kassel noch der richtige Standort für die documenta ist.

Dabei ist die Schuldzuweisung für das Defizit der d14 an Annette Kulenkampff und den zweiten Standort Athen schlicht falsch.2 Dass die gemeinsame Wahl eines zweiten Standortes Zusatzkosten verursachen kann, war allen Beteiligten bekannt. Das Kostenrisiko wurde rechtzeitig kommuniziert.

Man kann deshalb keinen anderen Grund für den vehementen Eingriff durch die lokale und regionale Politik erkennen, als den Versuch, sich einer unabhängigen Struktur zu bemächtigen und sich dabei mit Annette Kulenkampff zuerst jener Person zu entledigen, die auf besonders unbequeme Art für die künstlerische und wissenschaftliche Autonomie der documenta gebürgt hatte.

Ihre zukunftsweisenden Planungen zur wissenschaftlichen Aufbereitung und Vermittlung des documenta Archivs, zur sachgerechten Betreuung der Kunst im öffentlichen Raum und der zeitgemäßen Erneuerung der documenta als eine global operierende Institution werden mit dieser fehlgeleiteten Diskussion ebenso konterkariert wie das Anliegen der documenta-Ausstellungen seit 1997, nicht-westlichen und nicht-marktkonformen Positionen eine Bühne zu geben und diese Bühne im Verbund mit anderen Standorten zu betrachten.

Wenn sich Kassel auch zukünftig als Standort der international unersetzlichen documenta begreifen will, gilt es folgende Forderungen zu erfüllen:

1. Der Aufsichtsrat wird um einen internationalen Expert_innenbeirat erweitert, der in enger Verbindung mit der documenta gGmbH einen zukunftsweisenden, verbindlichen Kriterienkatalog für die documenta entwirft.

2. Der Rechtsstatus als gemeinnützige GmbH wird beibehalten.

3. Die zukunftsweisenden Planungen der wissenschaftlichen Aufbereitung und Vermittlung des documenta Archivs, zur sachgerechten Betreuung der Kunst im öffentlichen Raum und der zeitgemäßen Erneuerung der documenta werden fortgesetzt.

4. Das Budget der documenta wird an die Anforderung eines globalen, weltweit wirksamen Kunstereignisses, das in seiner Dimension einzigartig ist, angepasst.

5. Der Aufsichtsrat sollte die Fortbeschäftigung Annette Kulenkampffs beschließen, da sie die documenta vielversprechend ausgerichtet hat.

1 Für den ehemaligen Stadtkämmerer Christian Geselle, dem jetzigen Oberbürgermeister, war es andererseits in seiner Funktion als Ratsmitglied des Hessentags 2013 kein Problem ein Defizit zu vertreten. Der Hessentag ist ein dreitägiges Event regionaler Provenienz, das 2013 in Kassel stattfand und ein Defizit von 4,63 Mio. Euro hinterließ.
https://www.op-online.de/hessen/hessentag-beschert-regel-defizit-6969761.html
Dieses Bild gerät zudem in eine erhebliche Schieflage, wenn man die ökonomische Wertschöpfung von Stadt und Land in das Bild miteinbezieht.
http://www.hessenschau.de/wirtschaft/so-viel-geld-spuelt-die-documenta-nach-kassel,documenta-wirtschaft-100.html

Erstunterzeichner_innen:

Marion Ackermann (Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden)
Silke Albrecht (Gesch.ftsführerin des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Lotte Arndt, Theoretikerin, Kunsthochschule Valence, Paris
Inke Arns (Künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVereins, Dortmund)
Michael Arzt (Halle 14 Leipzig, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Elke aus dem Moore (Leiterin Kunst, Institut für Auslandesbeziehungen, Stuttgart)
Zdenka Badovinac (Director of Moderna Galerija + Museum of Modern Art, Ljubljana)
Nuit Banai (Professorin für neuste Kunstgeschichte, Wien)
Bassam El Baroni (Lecturer Dutch Art Institute, NL, and Independent Curator – Manifesta 8, 36th Eva Int. Ireland’s Biennial)
Ute Meta Bauer (Gründungsdirektorin des NTU Centre for Contemporary Art, Singapur)
Meike Behm (Direktorin Kunsthalle Lingen, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Ralf Beil (Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg)
Andreas F. Beitin (Direktor des Ludwig Forum für internationale Kunst, Aachen)
René Block (Leiter der Kunsthalle 44Moen, Askeby)
Monica Bonvicini (Künstlerin, Berlin)
Reinhard Braun (Künstlerischer Leiter, Camera Austria, Graz)
Sabeth Buchmann (Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste Wien)
Manon Bursian (Vorstand und Stiftungsdirektorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt)
Binna Choi (Director of Casco – Office for Art, Design and Theory, Utrecht)
Hans D. Christ (Direktor des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Cosmin Costinas (Executive Director / Curator of Para Site, Hong Kong)
Alice Creischer, Andreas Siekmann (Künstler_innen, Professor_innen an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, MA Raumstrategien)
Janneke de Vries (Direktorin der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen)
Ekaterina Degot (Intendantin des Steirischen Herbst, Graz)
Chris Dercon (Intendant der Volksbühne, Berlin)
Ulrich Domröse (Leiter der fotografischen Sammlung, Berlinische Galerie, Berlin)
Iris Dressler (Direktorin des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Katja Diefenbach (Professorin für Ästhetische Theorie an der Merz Akademie, Stuttgart)
Ines Doujak (Künstlerin, Wien)
Helmut Draxler (Professor für Kunsttheorie an der Universität für angewandte Kunst Wien)
Övül Ö. Durmusoglu (Guest Professor for Curatorial Theory and Praxis, Nuremberg Academy of Fine Arts)
Bettina von Dziembowski (Kunstverein Springhornhof)
Yilmaz Dziewior (Direktor des Museum Ludwig, Köln)
Silvia Eiblmayr (Kunsthistorikerin, Kuratorin, Wien)
Charles Esche (Director of the Van Abbemuseum, Eindhoven)
Matthias Flügge (Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden)
Martin Fritz (Rektor der Merz Akademie Stuttgart)
Katya García-Antón (Direktorin des OCA, Office for Contemporary Art Norway)
Gerrit Gohlke (Künstlerischer Leiter des Brandenburgischen Kunstvereins Potsdam, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Cristina Gómez Barrio, Wolfgang Mayer / Discoteca Flaming Star (Künstler_innen, Professor_innen für Bildende Kunst und Intermediales Gestalten an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart)
Søren Grammel (Leiter des Museums für Gegenwartskunst, Basel)
Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart
Elke Gruhn (Leiterin Nassauischer Kunstverein Wiesbaden, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Krist Gruijthuijsen (Direktor des KW Institute for Contemporary Art Berlin)
Jan Peter Hammer (Künstler, Berlin)
Hou Hanru (Artistic Director, MAXXI, National Museum of 21st Century Arts, Rome)
Annette Hans (Künstlerische Leiterin, Kunstverein Harburger Bahnhof)
Markus Heinzelmann (Direktor des Museum Morsbroich, Leverkusen)
Fatima Hellberg (Künstlerische Leiterin des Künstlerhaus Stuttgart)
Gabriele Horn (Direktorin der Berlin Biennale)
Hans Dieter Huber (Professor für Kunstgeschichte der Gegenwart, Ästhetik und Kunsttheorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart)
Lanna Idriss, Member of the Board of BHF Foundation
Gregor Jansen (Direktor der Kunsthalle Düsseldorf)
Jean-Baptiste Joly (Direktor der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart)
Alice Kögel (Konservatorin für Gegenwartskunst, Staatsgalerie Stuttgart)
Alexander Kluge (Autor und Filmemacher, München)
Alexander Koch (Die Gesellschaft der Neuen Auftraggeber, KOW Galerie)
Kasper König (Kurator, u.a. künstlerischer Leiter von Skulptur.Projekte Münster 1977-2017)
Christian Kravagna (Professor für Postcolonial Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien)
Andres Kreuger (Senior Curator, M HKA, Antwerp)
Katia Krupennikova (Freischaffende Kuratorin, Amsterdam)
Elisabeth Lebovici (Art critic, Paris)
Mathias Lindner (Direktor Neue Sächsische Galerie, Neue Chemnitzer Kunsthütte, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Thomas Locher (Künstler, Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig)
Dirk Luckow (Intendant Deichtorhallen Hamburg)
Mark Nash (Co-curator of Documenta 11)
Antje Majewski (Künstlerin, Professorin der Muthesius Kunsthochschule, Kiel)
Florian Malzacher (Kurator, Impulse Theater Festival 2013-17)
Nina Möntmann (Kunsttheoretikerin und Kuratorin)
Matthias Mühling (Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München)
Vanessa Joan Müller (Dramaturgin der Kunsthalle Wien)
Heike Munder (Direktorin des Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich)
Joanna Mytkowska (Direktorin des Museum of Modern Art Warschau)
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Künstlerischer Leiter von SAVVY Contemporary, Berlin)
Anh-Linh Ngo (Mitherausgeber von ARCH+)
Olaf Nicolai (Künstler, Berlin)
Ruth Noack (Kuratorin der Documenta 12, 2007)
Angelika Nollert (Direktorin Die Neue Sammlung – The Design Museum, München)
Hannelore Paflik-Huber (Kunstwissenschaftlerin, Vorsitzende des Künstlerhauses Stuttgart)
Peter Pakesch (Vorstandsmitglied der Maria Lassnig Privatstiftung, Wien)
Christine Peters (Kuratorin des Kunstgebäude Stuttgart, 2017)
Britta Peters (Künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr; Kuratorin der Skulptur.Projekte Münster 2017)
Philippe Pirotte (Rektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule in Frankfurt am Main)
Elizabeth A. Povinelli, Franz Boas Professor of Anthropology & Gender Studies, Columbia University
Raqs Media Collective (Monica Narula, Jeebesh Bagchi & Shuddhabrata Sengupta, New Dehli)
Oliver Ressler (Künstler und Filmemacher, Wien)
David Riff (Schriftsteller, Kurator, Künstler, Berlin)
Walid Raad (Künstler, Professor an der Cooper Union, New York)
Kathrin Romberg (Sammlungsdirektorin Erst Bank Österreich, Wien)
Anda Rottenberg (Direktorin emeritus Zachenta National Gallery of Art, Warschau)
Rasha Salti (Independent Curator of Art & Film, Curator of La Lucarne for ArteFrance)
Hedwig Saxenhuber (springerin, Wien)
Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien
Georg Schöllhammer (tranzit.at, Wien)
Ursula Schöndeling (Direktorin des Heidelberger Kunstvereins, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Sabine Schulze (Direktorin des Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg)
Nathalie Boseul Shin (Chief curator of Total Museum of Contemporary Art, Seoul)
Andrei Siclodi (Direktor des Künstlerhauses Büchsenhausen, Innsbruck)
Jennifer Smailes (Künstlerische Leiterin, Kunstverein Harburger Bahnhof)
Ruth Sonderegger (Professorin für Philosophie und ästhetische Theorie an der Akademie der bildenden Künste Wien)
Björg Stefánsdóttir (Direktor des Icelandic Art Center, Reykjavik)
Simon Sheikh (Programme Director, MFA Curating Department of Art Goldsmiths College, London)
Bettina Steinbrügge (Direktorin des Kunstvereins in Hamburg)
Barbara Steiner (Leiterin des Kunsthaus Graz)
Hito Steyerl (Künstlerin, Professorin für Experimentalfilm und Video an der Universität der Künste Berlin)
Wolfgang Suttner (Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Nina Tabassomi (Direktorin des Taxispalais Kunsthalle Tirol)
Michael Taussig (Professor at Columbia University, New York)
Ana Teixeira Pinto (Autorin, Kulturtheoretikerin, Berlin)
Thomas Thiel (Direktor des Bielefelder Kunstvereins, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Haakon Thuestad (Director of the Bergen Assembly)
Wolfgang Tillmans (Künstler, Berlin, London)
Nasan Tur (Künstler, Berlin)
Wolfgang Ullrich (Freier Autor und Kunstwissenschaftler, Leipzig)
Philippe Van Cauteren (Director of S.M.A.K., Museum for Contemporary Art, Ghent)
Anton Vidokle (Artist, founder of e-flux, New York/Berlin)
Christoph Vogtherr (Direktor der Hamburger Kunsthalle)
Marianne Wagner (Kuratorin für Gegenwartskunst des Landesmuseum für Kunst und Kultur, Münster)
Joanna Warsza (Kuratorin, Public Art Munich 2018)
Peter Weibel (Vorstand und Direktor des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe)
Thomas Weski (Kurator der Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt)
What, How and for Whom / WHW (Ivet Ćurlin, Ana Dević, Nataša Ilić and Sabina Sabolović)
Axel John Wieder (Direktor, Index – The Swedish Contemporary Art Foundation)
Matthias Winzen (Professor für Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken)
Florian Wüst (Film- und Videokurator der Transmediale, Berlin)
Regina Wyrwoll (Kuratorin Peter und Irene Ludwig Stiftung / Findungskommission documenta X)
Misal Adnan Yildiz (Direktor des Artspace NZ in Auckland, 2014–2017)
Octavio Zaya (Director and Executive Editor of atlanticajournal.com, Cocurator of Documenta 11)
Nina Zimmer (Direktorin des Kunstmuseum Bern, Zentrum Paul Klee Bern)
Franciska Zólyom (Direktorin der GfzK, Leipzig)

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Universität für angewandte Kunst Wien: STELLUNGNAHME

Rektor Bast: Wer davon spricht, Flüchtlinge »konzentriert an einem Ort zu halten«, ist entweder ungeeignet oder untragbar.
Harsche Kritik des Rektors der Universität für angewandte Kunst Wien an Innenminister Kickl:

»Als Rektor einer Universität, an der – nicht nur am Institut für Sprachkunst – die Kraft des Wortes Thema in Lehre und Forschung ist, trage ich mein Entsetzen über die unsägliche verbale Entgleisung von Innenminister Kickl, AsylwerberInnen ›konzentriert an einem Ort zu halten‹, bewusst in die Öffentlichkeit. Denn: Unsägliche Worte pflastern den Weg zu ungeheuerlichen Taten«, kritisiert der Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, Gerald Bast, die gestrigen Äußerungen von Herbert Kickl, Innenminister der FPÖ, harsch. »Wenn wir die Verlotterung der Sprachkultur schweigend oder verwundert hinnehmen, bereiten wir den Boden auf für die Verlotterung der politischen Kultur. Wenn wir uns nicht wehren gegen die Verrohung der Worte, dann wird unseren Worten die Kraft fehlen, wenn wir mit Worten gegen die Verrohung der Taten auftreten wollen«, so Bast. Verärgertes, entsetztes oder ängstliches Schweigen lasse das Schreckliche zur Normalität werden. In Verantwortung für das künftige Lebens- und Werteumfeld unserer Jugend dürften das gerade Bildungseinrichtungen nicht zulassen. Ein Innenminister, der aus vermeintlichem Versehen sage, man müsse Flüchtlinge –  also Menschen – »konzentriert an einem Ort halten«, ohne dass sprachkulturelle Alarmglocken schrillten, sei für dieses Amt ungeeignet, weil er zu ungebildet und zu unsensibel sei, um dabei die deutliche Assoziation zu Konzentrationslagern zu erkennen. Und ein Innenminister, der derartige Formulierungen verwende, um bewusst Assoziationen hervorzurufen oder es hinnehme, dass seine Worte genau diese schrecklichen Assoziationen hervorriefen, sei untragbar. »Wer meint, das sei übertriebener Alarmismus angesichts unbedeutender verbaler Ausrutscher wird von der Geschichte Lügen gestraft und nimmt in Kauf, dass die Zukunft, deren Boden von den Wertehaltungen der Gegenwart aufbereitet wird, uns und unsere Kinder bestrafen wird«, schließt Bast.

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Ausstellung: Dorothée Elisa Baumann / Adrian Sauer

Pasquart Photoforum, 28. 1. – 15. 4. 2018

Dorothée Elisa Baumann (*1972, lebt und arbeitet in Biel und Genf ) provoziert in ihrer künstlerischen Praxis Verschiebungen, Transfers und kreiert dadurch für den Betrachter visuelle Stolpersteine. Diese »Kollisionen« oder Rätsel veranlassen dazu, das dargestellte Objekt in einem sozialen, politischen und kulturell neuen Zusammenhang zu betrachten und zu hinterfragen.

Adrian Sauer (*1976, lebt und arbeitet in Leipzig, DE) erkundet in seinen Fotografien die Grundlagen eines Mediums, das sich in der jüngeren Zeit so sehr verändert hat wie kein zweites. Als im Lauf der 1990er Jahre die analoge Fotografie durch digitale Bildprozesse abgelöst wurden, sahen nicht wenige Kritiker das Ende der Fotografie gekommen. Sauers fotografisches Werk ist eine entschiedene Gegenrede zu solchen Mutmaßungen.

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Ausstellung: Shirin Neshat. Frauen in Gesellschaft

Neue Galerie – Universalmuseum Joanneum, Graz, 18. 1. – 22. 4. 2018

Die im Iran aufgewachsene und in den USA lebende Künstlerin Shirin Neshat (geb. 1957) nimmt eine zentrale Position im Diskurs um das Verhältnis zwischen Orient und Okzident ein: Ihre Fotografien und Videos kreisen um die Lage von Frauen in muslimisch geprägten Gesellschaften und um Widersprüche zwischen westlichen und orientalischen Kulturtraditionen. Neshat wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ihre Werke waren weltweit in Einzelausstellungen und Biennalen zu sehen.

Die große Übersichtsausstellung in der Neuen Galerie Graz führt nun wichtige Werke aus allen Schaffensphasen von Shirin Neshat zusammen, von den berühmten ikonischen Schriftfotografien der 1990er-Jahre über die Mehrkanal-Videoinstallationen bis hin zu monumentalen Werkblöcken wie The Book of Kings und Neuproduktionen der Jahre 2016/17. Der programmatische Ausstellungstitel Frauen in Gesellschaft adressiert dabei zwei im Œuvre der Künstlerin stetig wiederkehrende Themen: die Rolle der Frau im Iran und die traumatischen Nachwirkungen von diasporischen Erlebnissen, die eine Frau für den Rest ihres Lebens prägen können und in deren Gesellschaft sie sich also fortan befindet. Beide Themen umkreist Shirin Neshat mit ihrer Kunst in poetischer, geheimnisvoller Ambivalenz – oft entlang einer nonkonformistischen oder rebellischen Hauptakteurin. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Kunsthalle Tübingen, wo sie von Holger Kube Ventura konzipiert wurde.

 

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Talk: mono.klub #52 – Trevor Paglen in Conversation with Krist Gruijthuijsen

KW Institute for Contemporary Art, 16. 1. 2018, 7:30 pm

“For me my works are almost like what a star is to a constellation. They are points or particulates within a larger story,” says American artist Trevor Paglen in our current issue mono.kultur #44. And indeed, there are few artists whose work is as deeply embedded in current matters of concern, questioning the impact of technology, economy, military or politics on the human condition. Trevor Paglen likes talking about those larger stories, and we certainly love to listen.

So please join us for an evening of conversation between Trevor Paglen and Krist Gruijthuijsen, director of the esteemed KW Institute for Contemporary Art, discussing Paglen’s latest cycle of works and research into the hidden worlds of machine vision. For almost ten years, Paglen has been studying computer recognition programs and how machines are learning to ‘see’, and how these developments interact with our daily lives. His research has led to a new body of what he calls ‘invisible images’, generated entirely by Artifical Intelligence systems—but of course, those are only particulates within a larger story.

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Exhibition: Marianne Wex. Let’s Take Back Our Space

Tanya Leighton, Berlin, 11. 1. – 17. 2. 2018

Tanya Leighton is pleased to present the first solo exhibition in Berlin of Marianne Wex’s pioneering project about male and female body language, “Let’s Take Back Our Space: ‘Female’ and ‘Male’ Body Language as a Result of Patriarchal Structures” (1977). The encyclopedic, multi-panel installation was first shown 40 years ago in a group exhibition about women’s art at the neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin. Widely celebrated at the time of its debut, Wex’s provocative image of all-pervasive everyday patriarchy now seems more acutely relevant than ever.

Originally a painter, inspired by both the figuration of Paula Modersohn-Becker and pop art, Wex’s research into body language led her gradually towards photography. Several years of gathering images in the streets of Hamburg in the mid-1970s produced a collection of more than 5,000, which Wex supplemented with images rephotographed from art history catalogues as well as mass media; photojournalism, advertisements, pornography, mail order catalogue clippings, and publicity shots. From this enormous image bank, Wex constructed “Let’s Take Back Our Space”, a speculative and polemical history of body language and physiology, extending backwards from the present to ancient Egypt.

Wex’s project takes the form of hundreds of collages, of different widths but uniform height, organised into separate male and female panels and displayed in parallel rows. These are rigorously subdivided according to different postures and poses, revealing how gender stereotypes percolate down to our most intimate everyday gestures. The occasional ‘exceptions’—figures whose photos float above or below the rows—only serve to emphasise the incredible conformity discovered by Wex, from the street to the boardroom. Again and again, power differentials can be observed simply in the amount of space people feel entitled to occupy—‘manspreading’ avant la lettre.

Speaking about her work, Wex notes that her endeavor was “based on the assumption that body language is the result of sex-oriented, patriarchal socialization, affecting all of our ‘feminine’ and ‘masculine’ role behavior.” Her discovery was that “body language and bodily ideals between sexes have become increasingly divergent.”

The resulting body of photographic collages is unique: they combine the history of street photography and the typologies of the Becher School with conceptual art imperatives, especially in their possibilities for modular recombination. “Let’s Take Back Our Space” might be classified, non-exhaustively, as a feminist broadside, an encyclopedia of gesture, an ethnographic portrait of Hamburg in the 1970s, a genealogical tract on art history, a neglected classic of appropriation art and a kind of autobiography.

Marianne Wex was born in 1937 in Hamburg, Germany. She studied at the Academies of Art in Hamburg and Mexico City, and was a professor at the Academy of Art, Hamburg from 1963 to 1980. “Let’s Take Back Our Space” was first shown as part of “Women Artists International 1877–1977” at nGbK, Berlin. Wex’s work was shown for the first time in decades at Focal Point Gallery, Southend in 2009 and then in a more comprehensive form at the Badischer Kunstverein, Kalsruhe in 2012. Other recent exhibitions include Galeria Zachęta, National Gallery of Art, Warsaw, Poland; Adam Art Gallery, Wellington, New Zealand; Gasworks, London; La Galerie – centre dʼart contemporain, Noisy-le-Sec, Paris; and Yale Union, Portland, United States.

The exhibition has been developed in collaboration with Mike Sperlinger, Professor of Theory and Writing at the National Academy of the Arts, Oslo.

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Secession: STELLUNGNAHME. Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit

Nachdem das Motto der Secession „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ Eingang in das neue Regierungsprogramm gefunden hat, möchten wir, der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession, die Gelegenheit nutzen und deutlich machen, was wir unter Freiheit der Kunst verstehen:

Seit der Gründung unserer KünstlerInnenvereinigung vor 120 Jahren leben wir unser Motto – ein Bekenntnis zur Erneuerung, Vielfalt und Offenheit, das jede politische Einflussnahme auf Inhalte und Ausdrucksformen ausschließt.

Mit der Freiheit der Kunst ist unabdingbar Internationalität, Diversität und Dialog verbunden. Die Idee, dass Kunst einer kollektiven nationalen Identitätsstiftung dient, ist eine Form der Instrumentalisierung, die im Widerspruch zur Vielfalt künstlerischer Inhalte steht. Künstlerisches Schaffen kann in unseren Augen nur vor diesem Horizont Relevanz und Qualität entwickeln.

Die Freiheit, auf die sich unser Motto bezieht, geht weit über die individuelle Äußerung hinaus: Es ist erst der Austausch in einem größeren, vielfältigen, internationalen Kontext, der den einzelnen Stimmen kulturelle Bedeutung verleiht. Kultur lässt sich daher weder allein an Kunstobjekten oder Musikkompositionen festmachen noch quantitativ anhand von Besucherzahlen, Marktwerten oder der Zirkulation von Werken bewerten. Sie bedarf einer offenen Gesellschaft.

Wenn eine Regierung nicht für eine freie Gesellschaft eintritt, hat ihr Versprechen einer Freiheit der Kunst nur rhetorischen Charakter.

Der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

Wien, 20. Dezember 2017

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Talk: Tischgespräch mit Maya Schweizer

KV – Verein für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 9. 1. 2018, 19:00 Uhr

Maya Schweizer, Beatrice von Bismarck und Kilian Schellbach sprechen über das gefährdete Leben, die Gewalt des Blicks und die Poesie des Aufbegehrens im Rahmen von Maya Schweizers Ausstellung »Die Luke, eine Fliege und dort die Puschkinallee«.

Das sah doch mal anders aus? Der Blick der Kamera geht hoch über ein Areal in Berlin, wo sich die Wege von Tourist*innen, Obdachlosen, Passant*innen und Polizist*innen kreuzen. Dann schweift er ins Innere des Raumes, und wir sehen wo wir sind: In einem Wachtturm, der einst das Niemandsland überwachte, wo Ost und West aneinander stießen. Kaum verständliche Radiosendungen stellen die Verbindung her zwischen den Zeiten und Räumen. Dieses Motiv von Vermittlung und Abgrenzung wiederholt sich in der Installation von Maya Schweizer im KV: Die Schaufenster sind halbverspiegelt, so dass Blicke nach außen und innen nur abhängig vom Lichteinfall möglich sind. Eine Wandlung von Blickregimen in der Zeit klingt hier ebenso an, wie die Transformation disziplinarischer Architekturen. Das gesamte Szenario schließt metaphorisch das architektonische und gesellschaftliche »Innen und Außen« kurz und zeigt unsere gesellschaftliche Ordnung als historisch geschichtete Machtverhältnisse von Ausschlüssen, Grenzziehungen und Übergängen.

Kuratiert von Kilian Schellbach

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Ausstellung: In einem anderen Land. Transformationsprozesse an Beispielen zeitgenössischer Fotografie in Deutschland

HAUS am KLEISTPARK | Ausstellungshalle und Projektraum
Ausstellungsdauer: 12. 1. – 29. 3. 2018
Kuratiert von Gabriele Muschter und Uwe Warnke

Das Ausstellungs- und Buchprojekt »In einem anderen Land. Transformationsprozesse an Beispielen zeitgenössischer Fotografie in Deutschland« thematisiert, ob und wenn ja wie sich der Wechsel konträrer Gesellschaftssysteme und sich rasant entwickelnder Technologien auf die künstlerische Arbeit von FotografInnen auswirken können. Zwölf fotografische Positionen aus Deutschland eröffnen den Diskurs zum Thema.

Anhand von Fotografien aus den Jahren 1976 bis 2017 von Tina Bara, Christian Borchert, Kurt Buchwald, Caroline Dlugos, Else Gabriel, Franz John, Barbara Klemm, Matthias Leupold, Manfred Paul, Rudolf Schäfer, Erasmus Schröter und Maria Sewcz werden Veränderungen und Kontinuitäten im Werk sichtbar gemacht.

Das thematische Spektrum der ausgestellten Arbeiten reicht von realistisch-dokumentarischer Unmittelbarkeit, über Inszenierungen fiktiver Wirklichkeiten, surrealer Überhöhungen und Verfremdungen bis zu medialen Erweiterungen und Grenzüberschreitungen der Fotografie zu Aktion und Film. Fotografie und Transformation, die Würde des Alltäglichen in der Fotografie und die Fotografie als Symbol und Gleichnis menschlichen Daseins sind weitere Schwerpunkte. Filmische Interviews der Kuratoren Gabriele Muschter und Uwe Warnke mit den FotografInnen lassen die Protagonisten selber zu Wort kommen.

Weitere Stationen der Ausstellung:
Kultur Forum Dresden riesa efau, 12. 4. – 1. 7. 2018
Kunsthalle Erfurt 15. 7. – 23. 9. 2018

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Präsentation: EIKON #100 zur Vienna Art Week 2017

Das 100. Heft von EIKON versteht sich als umfassende Sonderausgabe zum europaweit ausgeschriebenen EIKON Award (45+). Unter dem Ehrenschutz von VALIE EXPORT stehend, richtete er sich an Fotografie- und Medienkünstlerinnen, die 45 Jahre oder älter sind. Nicht selten sind es Frauen, die zu den VorreiterInnen von Fotografie und Medienkunst zählen und die innovativen Potenziale neuer Medien und Technologien künstlerisch erschließen. Die Sonderausgabe legt Bedingungen aktueller weiblicher Kunstproduktion frei und präsentiert ausgewählte Positionen beteiligter Künstlerinnen. Die Präsentation findet gleichzeitig mit der Preisverleihung des EIKON Award (45+)  im Rahmen der Vienna Art Week 2017 statt.

Präsentation EIKON #100, Preisverleihung EIKON Award (45+)
Wann: 17. November 2017, 18:00 Uhr
Wo: KUNST HAUS WIEN, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien

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Ausstellung: Eva Kot’átková. Stomach of the World

21er Haus, Wien, 15. 11. 2017 – 11. 02. 2018

Eva Koťátková (geb. 1982 in Prag) sieht die Entfaltung des Selbst als Gratwanderung zwischen inneren und äußeren Zwängen. Ihre Ausstellung im Untergeschoss des 21er Haus umkreist als raumfüllende Installation mit einer Vielzahl von Objekten ihren Film »Stomach of the World« (2017) als Dreh- und Angelpunkt dieses Gedankens. Der Film dauert 46 Minuten und ist in der Ausstellung im Loop zu sehen. In dem surrealen und gleichsam humorvollen Film wird die Welt aus der Perspektive von Kindern erfahren, die verschiedene Übungen ausführen. Die Akteurinnen und Akteure imaginieren die Welt als eine Art Körper, der Objekte und Subjekte in sich aufnimmt und transformiert. Wie schon in früheren Arbeiten beschäftigt sich Eva Koťátková auch in ihrer aktuellen Ausstellung mit der Konstruktion gesellschaftlicher Normen, Konventionen und Kontrollmechanismen.

Kuratiert von Severin Dünser

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Ausstellung: Portrait II

Kunstverein Oldenburg, Oldenburg, 04. 11. 2017 – 07. 01. 2018

Von allen Gattungen der bildenden Kunst spiegelt das Portrait am unmittelbarsten die Natur des Menschen und die Bedingung des Menschseins. Nach der Portrait-Ausstellung im Jahr 2015 mit Fotografien aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert sich die aktuelle Ausstellung auf jüngere Künstler. Die Bandbreite der künstlerischen Strategien ist dabei groß. Von einfühlsamen Bildnissen in privater Umgebung, dokumentarisch anmutenden Serien von Bewohnern eines Lebensraums, eines sozialen oder beruflichen Milieus, bis hin zu Thematisierung der Möglichkeiten und Bedingungen des Portraits reichen die vielfältigen Herangehensweisen der präsentierten Künstlerinnen und Künstler.

Gezeigt werden Arbeiten von:
Laura Bielau
Albrecht Fuchs
Georg Gatsas
Jitka Hanzlová
Zoltán Jókay
Annette Kelm
Ted Partin
Janina Wick
Dagmar Keller & Martin Wittwer
Tobias Zielony

Die Ausstellung wird kuratiert von Laurenz Berges und Gertrude Wagenfeld-Pleister.

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Exhibition: Shirana Shahbazi. Group Show for Oslo

Fotogalleriet, Oslo, 03. 11. – 17. 12. 2017

Fotogalleriet is pleased to announce its forthcoming solo exhibition with Zurich-based artist Shirana Shahbazi. Shahbazi’s exhibition is the last main exhibition of Fotogalleriet’s anniversary year programme, which aims to reflect on its own existence by mapping a constellation of photographic usages and presentation formats. With the opening of Shahbazi’s exhibition, a dialogue is again established with the “Nordic Anthology” exhibitions and “Camera Movement” film- and video programme. “Nordic Anthology” #13 is curated by Itonje Søimer Guttormsen to re-contextualise the work of feminist filmmaker Vibeke Løkkeberg. Lene “Kopfkino” (curated by Karoline Ugelstad) is shown as part of “Camera Movement”. Shirana Shahbazi’s exhibition at Fotogalleriet immerses the visitor in a complex and intriguing universe of photographic images of varying motifs, techniques and formats. Set up in a salon-style presentation, Shirana Shahbazi has selected nearly fifty art works in collaboration with Fotogalleriet from her own oeuvre, incorporating works from the 1990s until today, thus spanning over a period of twenty years. The result is a montage of photographic images that gives the viewer the possibility not only to deeply engage with Shahbazi’s overall work, but also reflect on what a photograph can be, what it can represent and which qualities it can acquire. Shahbazi’s work thus does not present a fixed idea of photography, but rather gives an idea of the photographic: geometric compositions go in dialogue with portraits, landscapes, still life motifs, as well as monochromatic works. Some photographs have documentary qualities, while others clearly reference art historical subject matter and create a reciprocal relationship to other artistic media such as painting and sculpture. At the same time, the physical exhibition space determines how the works relate to each other and provide hitherto invisible constellations. As a result, the photographs can be seen both as individual works and in connection with one another. A significant characteristic of Shahbazi’s work is that none of the photographs are found images or dependent on arbitrariness. Each photograph is carefully conceived and composed, which becomes especially visible in works that are repetitively entitled “Komposition”, “Monstera”, “Stilleben” or “Schmetterling”. While one appears to be immediately seduced by the imagery, different socio-cultural connotations slowly emerge and conjure associations that initially are not visible. “Schmetterling” is not just a butterfly, it is a representation of a butterfly that evokes the sealed, collectible object of the lepidopterist. “Frucht” is not only playing with the art historical genre of the still life, it also comments on the glossiness and perfection desired in our contemporary media culture. And “Monstera” appears as an exotic, aestheticized plant that ironically enough is also called “The Swiss cheese plant”. If we then look at photographs of petrol stations, a newly wed bride, a mountainous landscape, a white cat crouching on a sofa or some palm trees we start to understand what is at stake: our physical and mental relationship to cultural constructs and the world around us. But regardless whether the objects represented are singled out in a distinct photographic image, or if they materialize through the quasi-documentary work, Shahbazi makes us question what is in front of our eyes and at the same time indicates that there are divergent realities at play. Shirana Shahbazi (b. 1974) lives and works in Zurich. She studied photography at the University of Applied Sciences and Arts in Dortmund and Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zurich. Her most recent solo exhibitions took place at Galerie Peter Kilchmann, Zurich (2017), PARKETT Editions, Zurich (2017), KINDL Center for Contemporary Art, Berlin (2017), On Stellar Rays, New York (2016), Kunsthalle Bern, Bern (2014), Cardi Black Box, Milano (2013), Galerie Rudolfinum, Prague (2012), Foto Kunst Stadtforum, Innsbruck, Austria (2012), New Museum, New York (2011), Fotomuseum Winterthur, Winterthur (2011), Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam (2010), The Hammer Museum, Los Angeles (2008), The Curve, Barbican Art Gallery, London (2007) and Raum für Fotografie, Sprengel Museum, Hanover (2006). Notably, her recent solo exhibition entitled “Group Show” at Camera Austria, Graz in 2016 relates to the exhibition at Fotogalleriet, having been the first iteration of grouping a large number of photographic works from Shahbazi’s oeuvre within one exhibition space. Shahbazi has also participated extensively in group exhibitions, amongst them “Communities”, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zurich (2017), “The Other and Me”, Sharjah Art Museum, Sharjah (2014), “Lens Drawings”, Galerie Marian Goodman, Paris (2013), “New Photography ”, Museum of Modern Art, New York (2013), “Wunder”, Deichtorhallen Hamburg, Hamburg (2011), “Shifting Identities”, Kunsthaus Zürich, Zurich (2008), 4th Berlin Biennial for Contemporary Art, Berlin (2006), “Traveling”, Hayward Gallery, London (2005) and Sharjah Biennial 7, Sharjah (2005). Shahbazi’s works are represented in collections of major institutions internationally including The Museum of Modern Art, New York, Tate Modern, London and Migros Museum for Contemporary Art, Zurich.
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Ausstellung: Cyrill Lachauer. What Do You Want Here

Berlinische Galerie, Berlin, 03. 11. 2017 – 30. 04. 2018

Cyrill Lachauer ist Spurenleser. Seine Arbeiten sind Resultate langer Reisen, die ihn vom aktuell viel besprochenen Hinterland der USA bis zu seinen eigenen Wurzeln nach Oberbayern und Berlin führen. In seinen Fotografien, Filmen und Texten werden Leerstellen, Zitate und scheinbar beiläufige Details zu Spuren von verborgenen Geschichten, die sich in die Landschaften eingeschrieben haben und sie nachhaltig prägen.

Die Ausstellung »What Do You Want Here« zeigt erstmals einen Werkzyklus, der in den letzten zwei Jahren auf Reisen in den USA entstanden ist. Eine Schlüsselrolle darin übernimmt der Film »Dodging Raindrops – A Separate Reality«. Er beginnt in Los Angeles und folgt den vermeintlichen Feldforschungsreisen des umstrittenen Ethnologen Carlos Castaneda, der zum Begründer der New-Age-Bewegung wurde. Parallel zu dem Film sind Fotografien und Texte zu sehen. In ihnen verbinden sich Beobachtungen entlang des Mississippi mit fiktiven Situationen und historischen Bezügen zu einer vielstimmigen Erzählung, die eine erweiterte Wahrnehmung der bereisten Landschaften ermöglicht.

Cyrill Lachauer (geb. 1979 in Rosenheim) studierte Regie, Ethnologie und Kunst in München und Berlin. 2010 schloss er sein Studium an der Universität der Künste Berlin ab. 2011 gründete er mit drei Kollegen das Künstlerlabel Flipping the Coin. Er erhielt u.a. 2008 den 3sat-Förderpreis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, 2010 den IBB Preis für Photographie, 2014 das Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und 2015 das Villa-Aurora-Stipendium Los Angeles.

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Neueröffnung: Sammlung Fotografie und neue Medien im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Depot/Studienraum/Ausstellungsfläche und Ausstellung „Jochen Lempert / Peter Piller. Fotografie neu ordnen: Vögel“

Eröffnung: 26. Oktober 2017, 19 Uhr

Ausstellungslaufzeit: 27. Oktober 2017 bis 4. Februar 2018

Am 26. Oktober 2017 präsentiert das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) die Neueröffnung seiner Sammlung Fotografie und neue Medien. Sie bildet einen ersten Abschluss der umfangreichen Umbaumaßnahmen, die die Hermann Reemtsma Stiftung mit 600.000 Euro im Rahmen der Initiative Kunst auf Lager ermöglicht hat. Das MKG beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der Fotografie in Deutschland. Sie umfasst heute rund 75.000 Exponate von den Anfängen des Mediums bis in die Gegenwart. Mit dem neuen, rund 120 Quadratmeter großen Depot wird die bisherige Depotfläche wesentlich erweitert. So erhalten die kostbaren historischen Bestände endlich die notwendige Fläche und Ausstattung für eine angemessene Lagerung unter klimatisch optimalen Bedingungen. In einem dem Depot angegliederten Studienraum können Mitarbeiter und angemeldete Gäste zukünftig die Originale sichten und mit ihnen arbeiten. Auf einer neuen, zentral gelegenen Ausstellungsfläche von 140 Quadratmetern will das MKG die fotografische Sammlung in den Dialog mit zeitgenössischen Themen und Bildautoren bringen. Den Auftakt bilden die Fotografen Jochen Lempert und Peter Piller mit der Ausstellung Fotografie neu ordnen: Vögel, die mit der Neueröffnung am 26. Oktober 2017 beginnt. Inklusive der Förderung durch die Hermann Reemtsma Stiftung, konnte das MKG insgesamt über eine Million Euro für die Zukunftssicherung der Sammlung Fotografie und neue Medien einwerben. Die Mittel wurden von verschiedenen Förderern bereitgestellt für die Restaurierung und Rahmung der historischen Fotografien, die wissenschaftliche Erschließung der Sammlung, die Überblicksausstellung ReVision in 2016, für einen Sammlungskatalog sowie für die digitale Bereitstellung von bis jetzt 9.000 Werken auf MKG Sammlung online.

Prof. Dr. Sabine Schulze, Direktorin des MKG: „Dank seiner progressiven Sammlungstätigkeit und einer großen Offenheit gegenüber zeitgenössischer Kunst seit seiner Gründung beherbergt das MKG heute einzigartige Zeugnisse aus der Geschichte der Fotografie. Ich bin dankbar für die großzügige Unterstützung der Hermann Reemtsma Stiftung, mit der wir diese kostbaren Bestände für folgende Generationen erhalten. Besonders freue ich mich über den neuen Studienraum, der die Zugänglichkeit der Sammlung und damit die wissenschaftliche Erschließung wesentlich verbessert. Die neue hinzu gewonnene Dauerausstellungfläche sichert der großartigen Sammlung Fotografie und neue Medien große Präsenz im Rundgang durch das MKG.“

Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung: „Die beiden Museumsväter Justus Brinckmann (MKG) und Alfred Lichtwark (Kunsthalle) hatten eine gemeinsame Vorliebe: die Fotografie. Das MKG spiegelt mit seiner Sammlung die Leidenschaft dieser beiden Foto-Pioniere wider. Der Grundstock aus der Zeit um 1900 wurde über Jahrzehnte zu einer führenden Foto-Sammlung ausgebaut. Dank der nun nachhaltigen Unterbringung, der tiefgreifenden Erschließung, der wissenschaftlichen Bearbeitung und vor allem der verbesserten Zugänglichkeit wird uns erstmals das ganze Ausmaß dieses Schatzes vor Augen geführt. Ein tolles Projekt für das Bündnis Kunst auf Lager. Wunderbar und Danke MKG!

Als erstes Museum in Deutschland begann das MKG gegen Ende des 19. Jahrhunderts Fotografie als eigenständiges Medium zu sammeln und ab 1911 in Ausstellungen zu präsentieren. Damit nahm das MKG eine Vorreiterrolle ein. Seitdem hat sich die Sammlung in Qualität und Umfang zu einem einzigartigen Bestand entwickelt, darunter eine einzigartige Kollektion von Daguerreotypien und die Sammlung Ernst Juhl mit originalgerahmten Gummidrucken aus der Zeit des Piktorialismus (um 1900). Ab den 1950er Jahren erwarb das MKG zentrale Werke der klassischen Moderne, darunter Arbeiten von Erich Andres, Herbert Bayer, Willi Beutler, Alfred Ehrhardt, Hugo Erfurth, Andreas Feininger, Heinz Hajek-Halke, Walter Hege, Fritz Henle, Lotte Jacobi, Peter Keetmann, Erna Lenvai-Dircksen, Helmar Lerski, Madame d’Ora, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Franz Schensky, Otto Steinert, Alfred Tritschler, Edward Weston und Paul Wolff u.a.

In der bundesweiten Initiative Kunst auf Lager. Bündnis zur Erschließung und Sicherung von Museumsdepots haben sich Anfang 2014 vierzehn Partnern (vor allem Stiftungen) zusammengefunden, um Museen bei dem Erhalt und der Aufarbeitung ihrer wertvollen Kulturgüter zu unterstützen. In einem einzigartigen Pilotprojekt im Rahmen dieses Verbundes engagieren sich die Hermann Reemtsma Stiftung, die Kulturstiftung der Länder, die Wüstenrot Stiftung und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius gemeinsam, um die gefährdete fotografische Sammlung des MKG nachhaltig konservatorisch zu sichern. Neben der Einrichtung von Depot, Studienraum und Ausstellungsfläche umfassen die Maßnahmen auch die Restaurierung ausgewählter historischen Kernbestände und die etappenweise wissenschaftliche Erschließung des umfangreichen Bestandes mit dem Ziel seiner besseren öffentlichen Zugänglichkeit. Weitere Informationen zum Bündnis unter www.kunst-auf-lager.de.

Die Hermann Reemtsma Stiftung hat die Einrichtung des Depots, eines Studienraumes und eines Ausstellungs-raums finanziert. Die Objekte befinden sich noch an verschiedenen Orten im Gebäude in größtenteils nicht klimatisierten Aufbewahrungsorten in überfüllten Regalen und Schubladen. Um die Exponate fachgerecht und unter konservatorisch optimalen Bedingungen bewahren zu können, wurde der neue Depotraum baulich instand gesetzt, eingerichtet und klimatisiert. Die Umlagerung der Objekte kann nun beginnen. Zukünftig können die Fotografien konstant bei 18 Grad und 40 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert werden. Der Studienraum ermöglicht Mitarbeitern des MKG, Besuchern und Fachleuten, die Objekte im Original zu Forschungszwecken auch unabhängig von Ausstellungen einzusehen. Die bauliche Herrichtung einer zentralen Fläche im 2. Obergeschoss bietet die Chance, die Sammlung Fotografie und neue Medien in wechselnden Präsentationen immer wieder unter gegenwärtigen Fragestellungen zu präsentieren.
Flankiert wurden die Baumaßnahmen von zwei Restaurierungsprojekten: Die Kulturstiftung der Länder ermöglichte die Restaurierung von 280 Daguerreotypien aus den 1840er und 1850er Jahren aus dem Bestand des MKG. Diese ersten fotografischen Bildträger waren von der „Glaskrankheit“ befallen: Die Zersetzungserscheinung haben zu Ausblühungen von Kupfercarbonat und Eintrübungen der Glasplatten geführt. So verloren die Objekte nicht nur an Brillanz, die Krankheit drohte, sich auch vom Glas auf die eingefassten Fotografien zu übertragen. Nach der Reinigung der Platten und dem Austausch der Gläser zieht der in Qualität und Umfang einzigartige Bestand nun in neue Aufbewahrungsräume um.

Der Förderschwerpunkt der Wüstenrot Stiftung lag auf der Restaurierung einer bedeutenden Kollektion von 35 originalgerahmten Gummidrucken der Kunstfotografie um 1900 aus der Sammlung Juhl, die seit 1916/17 im Besitz des MKG sind. Die Restaurierung umfasste die historischen Rahmen sowie, in einzelnen Fällen, die Konservierung der sich ablösenden Farbschichten. Ebenfalls wurden die holzhaltigen Rückplatten, deren Ausdünstungen die Gummidrucke gefährden, ausgetauscht.

Zur wissenschaftlichen Erschließung der Sammlung finanziert die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius bis 2018 eine wissenschaftliche Mitarbeiterin. So konnte bis jetzt bereits über 9.000 wichtige Werke auf MKG Sammlung online veröffentlicht werden. Damit ist das MKG das erste Museum in Deutschland, das seine fotografische Sammlung online zugänglich macht. Da die fotografischen Arbeiten aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit zum größten Teil im Verborgenen lagern müssen, ist es umso wichtiger, die Bestände im Internet für Recherchen zugänglich zu machen.

Sammlungskatalog: Die Neueinrichtung der Sammlung Fotografie und neue Medien wird begleitet von einem umfangreichen Sammlungskatalog, erschienen im Steidl Verlag mit dem Titel ReVision. Fotografie im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, hrsg. von Sabine Schulze und Esther Ruelfs / Design von Studio Mahr / 380 Seiten, 23 × 28 cm, 224 Abbildungen, deutsche und englische Ausgabe, 48 Euro. Den theoretischen Rahmen des großzügig illustrierten Bildbandes bilden Essays internationaler Fotohistorikerinnen und Kulturwissenschaftler, die in die jeweiligen Kapitel einführen. Mit Texten von Roger Buergel, Cathrin Hauswald, Luce Lebart, Corey Keller, Kathrin Peters, Michel Poivert, Esther Ruelfs, Sven Schumacher, Steffen Siegel, Bernd Stiegler und Madoka Yuki. Der Sammlungskatalog wurde ermöglicht von Annegret und Claus-G. Budelmann und der Martha Pulvermacher Stiftung.

Die Publikation bietet erstmals einen Überblick über die Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg und erzählt damit zugleich auch die Geschichte der Fotografie. Sie blickt aus unterschiedlichen Perspektiven auf die vielfältige und gewachsene Sammlung. Sie stellt in elf Kapiteln anhand ausgewählter Gattungen wie Porträt-, Architektur- oder auch Reisefotografie vor. Sie untersucht zentrale Diskurse, etwa den Wunsch nach einer präzisen und objektiv dokumentierenden fotografischen Erfassung oder die im 19. Jahrhundert begründeten Rollen der Fotografie als Hilfsmittel der Wissenschaft und als Medium der Archivierung. Gleichzeitig widmet sich der Sammlungskatalog der wandelnden Materialität der Bilder, beispielsweise ihrer Rahmung. Einzelne Kapitel spiegeln Sammlungsschwerpunkte wider, so etwa den hochkarätigen Bestand internationaler piktorialistischer Fotografie oder die in den 1980er Jahren zusammengetragene Sammlung japanischer Aufnahmen.

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Ausstellung: Araki. Tokyo

Pinakothek der Moderne, München,  ‐ 

Der Japaner Nobuyoshi Araki (* 1940) zählt zu den wohl produktivsten, aber auch provokativsten Fotografen unserer Zeit. Sein Werk umspannt ein vielfältiges Spektrum an Themen, von hocherotischen Frauendarstellungen über artifizielle Stillleben, Pflanzenfotografien, reportagehaft anmutende Alltagsdarstellungen und Architekturaufnahmen bis hin zu fast tagebuchartigen Fotografien von sich und seiner früh verstorbenen Frau.

Die aus 28 Diptychen bestehende Arbeit »Tokyo« (1969–1973) bildet die Vorlage für eines der ersten Buchprojekte Arakis und steht am Beginn seiner langjährigen Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Stadtraum von Tokio. Gegensätze wie anonym und vertraut, bekleidet und nackt, Innen- und Außenwelt fungieren als subtile Verweise auf die Trennung zwischen öffentlicher und privater Lebenswelt, zwischen Traum und Wirklichkeit.

2004 wurde die Originalvorlage des Buchs Tokyo (1973) mit Unterstützung von PIN. erworben. Die Ausstellung stellt die »Tokyo«-Serie vor, ergänzt durch weitere frühe, experimentelle Fotoserien und Künstlerbücher aus den 1960er- und 1970er-Jahren.

BEGLEITPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG

Begleitend zur Ausstellung »Araki.Tokyo« lädt die Pinakothek der Moderne zu einer Reihe von Veranstaltungen ein. Den Auftakt bildet ein Vortrag über die Umbrüche und konzeptuelle Neuausrichtung der japanischen Fotografie in den späten 1960er- und 1970er-Jahren von Lena Fritsch, Kuratorin für moderne und zeitgenössische Kunst am Ashmolean Museum (Universität Oxford). Matinéen mit den berührenden Filmen »Tôkyô monogatari« (Die Reise nach Tokio, 1953) und »Shônen« (Der Junge, 1969) der Großmeister des japanischen Kinos Yasujirô Ozu und Nagisa Ôshima richten den Blick auf den gesellschaftlichen Wandel der 1950er- und 1960er-Jahre in Japan. »Tôkyô monogatari« ist zugleich der Film, der Nobuyoshi Araki dazu inspirierte, die Stadt Tokio als eine Geschichte zu begreifen und in Hunderttausenden von Bildern über sie zu erzählen. Ein besonderer Abend findet im FUTURO statt, einem Kunststoffhaus des finnischen Architekten Matti Suuronen, das vor dem Eingang zur Pinakothek der Moderne steht: Hier werden unter dem Titel „Schatten der Zeit“ drei Experimentalfilme von Shûji Terayama zu sehen sein, einem der wichtigsten Künstler der japanischen Avantgarde.

07. Dezember 2017 | 18.30
VORTRAG
Lena Fritsch, London/Oxford | Provokativ und Sexy: Vortrag zu japanischen Fotografie der 1970er-Jahre
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei
Ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von EY

17. Dezember 2017 | 11.30
FILM
Tôkyô monogatari (Die Reise nach Tokio), 1953, Regie: Yasujirô Ozu, 136 Min., OmdU
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei

11. Januar 2018 und 22. Februar 2018 | 18.30
FILMNACHT IM FUTURO
Schatten der Zeit. Experimentalfilme von Shûji Terayama
Begrenzte Teilnehmerzahl, Eintritt frei
Anmeldung unter programm@pinakothek.de
Dank an Die Neue Sammlung

04. Februar 2018 | 11.30
FILM
Shônen (Der Junge), 1969, Regie: Nagisa Ôshima, 97 Min., OmeU
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei

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Ausstellung: Robert Frank

Albertina, Wien, 25. 10. 2017 – 21. 01. 2018

Robert Franks zwischen 1955 und 1957 aufgenommene Werkgruppe »The Americans« schrieb Fotogeschichte: Während eines Road Trips durch die USA aufgenommen, beleuchtet Frank in grimmigen schwarz-weiß Bildern den »American way of life« der Nachkriegszeit, den er als von Rassismus, Gewalt und Konsumkultur geprägt zeigt. Seine Fotos entsprechen damit nicht dem Selbstbild der USA, das gleichnamige Buch kann zunächst nur in Europa veröffentlicht werden. Mit »The Americans« gelingt Robert Frank eine der einflussreichsten Foto-Arbeiten der Nachkriegszeit, die die Street-Photography nachhaltig erneuerte.

Die Albertina zeigt ausgewählte Werkgruppen, die Robert Franks künstlerischen Werdegang nachzeichnen: Von seinen frühen, auf Reisen in Europa entstandenen Fotografien über »The Americans« bis hin zu seinen späten introspektiven Œuvre werden zentrale Aspekte seines Werks beleuchtet.

RAHMENPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG

Öffentliche Führungen
Samstag, 28. Oktober 2017, 15.30 – 16.30 Uhr
Samstag, 11. November 2017, 15.30 – 16.30 Uhr
Samstag, 18. November 2017, 15.30 – 16.30 Uhr

Kuratorenführung mit Walter Moser
13. Dezember 2017, 17.30 Uhr

Dialogführung mit Walter Moser, Kurator der Ausstellung, Michael Loebenstein, Direktor des Österreichischen Filmmuseums
17. Jänner 2018, 17.30 Uhr

Führungsbeitrag jeweils pro Person: EUR 4 (exkl. Eintritt) | Tickets an der Kassa erhältlich (am Tag der Führung) | Begrenzte TeilnehmerInnenanzahl | Keine Anmeldung möglich | first come, first served | Treffpunkt: Harriet Hartmann Court im Eingangsbereich des Museums | Gruppen ab 10 Personen werden gebeten, eine Gruppenführung zu vereinbaren.

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