Ausstellung: Madame d’Ora. Machen Sie mich schön!

Leopold Museum, 13. 7. 2018 – 29. 10. 2018

Im Atelier d’Oras traten die Größen der Kunst- und Modewelt, der Aristokratie und der Politik des 20. Jahrhunderts vor die Kamera. Der erste Künstler, den sie fotografierte, war 1908 Gustav Klimt, der letzte war 1956 Pablo Picasso. Kaiser Karl von Österreich fand sich ebenso ein wie die Familie Rothschild, Coco Chanel und Josephine Baker oder Marc Chagall und Maurice Chevalier. Im Jahr 1907 eröffnete Dora Kallmus’ als eine der ersten Frauen in Wien ein Fotostudio. Innerhalb weniger Monate galt das Atelier d’Ora als eleganteste und renommierteste Adresse für das künstlerische Porträt und ihre Aufnahmen fanden in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland weite Verbreitung. Im Jahr 1925 brachte ein Angebot des Modemagazins L’Officiel d’Ora nach Paris, das fortan ihr Lebens- und Arbeitsmittelpunkt sein sollte. Zahllosen Aufträge für Mode- und Lifestylezeitschriften folgten, die erst Mitte der 1930er-Jahre abebbten, als die politische Lage in Europa zunehmend prekärer wurde. Als entrechtete Jüdin verlor d’Ora 1940 ihr Atelier in Paris und musste sie sich jahrelang vor den deutschen Besatzungssoldaten in Frankreich versteckt halten. Gerade noch davongekommen, richtete die Gesellschaftsporträtistin nach 1945 ihren zugleich scharfen und einfühlsamen Blick auch auf die namenlosen Heimkehrer aus den Konzentrationslagern und auf das Schlachtvieh der Pariser abattoirs. D’Oras Werk spannt einen einzigartigen Bogen von der Repräsentation des letzten österreichischen Monarchen, über den Glamour der Pariser Modewelt der 1920er- und 1930er-Jahre bis hin zu einem gänzlich veränderten Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg sowie dem Photoinstitut Bonartes in Wien und wird von Monika Faber und Magdalena Vukovic kuratiert.

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L&R Sozialforschung und die österreichische kulturdokumentation: Update der Studie »Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen« aus dem Jahr 2008

Wie gestalten sich die Lebens- und Arbeitssituationen von Kunstschaffenden und KulturvermittlerInnen in Österreich?

Liebe Künstler und Künstlerinnen, Kulturschaffende und Kunst-/KulturvermittlerInnen,

wir möchten Sie herzlich zur Teilnahme an einer Online-Befragung einladen!
Die Lebens- und Arbeitssituationen von Kunstschaffenden und Kunst-/Kulturvermittler- /innen in Österreich sind häufig durch prekäre Arbeitsverhältnisse und unsichere Einkommensperspektiven geprägt – zu diesem Ergebnis kam im Jahr 2008 eine umfassende Grundlagenstudie zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen im Auftrag des damaligen bm:ukk.
Wie hat sich die Situation im vergangenen Jahrzehnt verändert? Welche Entwicklungen haben die Arbeits- und Lebensrealitäten der Kunstschaffenden seither beeinflusst? Und mit welchen – alten oder neuen – Herausforderungen haben Künstlerinnen und Künstler heute zu kämpfen? Diesen Fragen widmet sich ein Update der Studie, die gemeinsam von L&R Sozialforschung und österreichischer kulturdokumentation im Auftrag des Bundeskanzleramts – Sektion Kunst und Kultur durchgeführt wird. Die Studie soll nicht nur den Status Quo abbilden, sondern vor allem auch Entwicklungen und daraus zu ziehende Schlüsse sichtbar machen.
Bitte beteiligen Sie sich an der Online-Befragung unter folgendem Link:

http://lrsocialresearch.limequery.com/index.php/671631/lang-de

Vielen Dank!

österreichische kulturdokumentation   
L&R Sozialforschung

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Ausstellung: COLLAGE III – Subject

Fotogalerie Wien, 13. 3. – 14. 4. 2018

Den revolutionärsten Moment in der Entwicklung der Malerei nannte der Dadaist und Dichter Tristan Tzara die Erfindung der Collage und meinte damit den fundamentalen Bruch mit etablierten Formen künstlerischer Repräsentation. In den die Collage bestimmenden technischen Verfahren, im Kleben (frz. coller), Kratzen, Schneiden, Reißen, Falten, Montieren, Assemblieren, Dekomponieren usw. steckt ein radikales Potenzial. Speisten sich die Papiers collés der Kubisten aus Gebrauchtem, Verworfenem und dem vermeintlich Banalen, umschwärmen uns heute die vielfach reproduzierten, reformatierten und re-editierten Kopien eines beständig anwachsenden digitalen Debris. Der aktuelle Schwerpunkt der Fotogalerie Wien präsentiert in vier Ausstellungen ein breites Spektrum an Methoden und Verfahrensweisen der Collage in der zeitgenössischen Foto- und Videokunst. Sichtbar werden dabei die erzählerischen und autopoetischen Stärken dieser Kunstform ebenso wie ihre Innovationskraft als grundlegender, gerade im Einsatz neuer Technologien oder in räumlich-skulpturalen Erweiterungen zutage tretender Wesenszug. Stets lenken die Bilderdrifts auch anarchische, von Zufall und Spiel getriebene Energien.

Im Fokus der dritten Schau des Schwerpunkts 2017/18 stehen Arbeiten, die ein jeweils spezifisches Thema oder Motiv aufgreifen und ins Zentrum ihrer Reflexion stellen. Deutlich wird dabei das Vermögen der Collage, Alltägliches so zu verfremden und Wirklichkeiten so zu verdichten, dass sichtbar wird, was jenseits von Abbild und Repräsentation liegt und außerhalb gewohnter Sehweisen. Räume entstehen, die eigenen Gesetzen gehorchen; visuelle Konstellationen, die abstrakt bleiben und zugleich dokumentarischen Charakter entfalten, weil sie explizit auf das Reale verweisen, Vorhandenes aufgreifen, Zeugnis ablegen. Ihr kritisches Potenzial ergibt sich nicht zuletzt daraus, dass sie aus dem Wirklichen schöpfen, um es zu zerlegen, zu überzeichnen und zu verrücken. So lassen sie die Dinge erscheinen, wie sie nie waren – und zeigen dennoch, wie sie sind. Die künstlerische Dekonstruktion, die verfremdende Aneignung von vorgefundenem Bildmaterial und seinen Mechanismen, legt offen, wie Bilder funktionieren und welche Ideologien sie transportieren.

Mit Arbeiten von: Josif Kiraly, Tim Sharp, Broomberg & Chanarin, Tanja Deman, Bernhard Hosa, Petra Jansová, Stephanie Kiwitt

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Ausstellung: Eiko Grimberg. The Pool

Haus 1, Berlin, 9. – 18. 3. 2018

Eiko Grimbergs  fotografisches Projekt »The Pool« setzt sich mit einem Areal im Zentrum von Moskau auseinander, innerhalb welchem sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Ohne die Geschichte eines Ortes zu erzählen, zeigt »The Pool« den Ort einer Geschichte, deren architektonische Ausformulierungen den Narrativen ihres jeweiligen Regimes folgen. So wurde im Stalinismus der 1930er die dort befindliche Christ-Erlöser-Kathedrale, ein Nationaldenkmal des zaristischen Russlands, gesprengt, um Raum für den Palast der Sowjets zu schaffen; ein gigantomanes Bauvorhaben, das über die Fundamentlegung nicht hinauskam und nach Stalins Tod eingestellt wurde. 1960 entstand an derselben Stelle das Bassin Moskva, ein rundes Schwimmbad, das mit einem Durchmesser von 130 Metern das bis dato zweitgrößte der Welt war. Ein Symbol der Profanisierung, aber auch der Naturbeherrschung: Es hatte das ganze Jahr über geöffnet. Generationen von Moskauer Schüler und Schülerinnen lernten hier schwimmen. Ebenfalls entwickelte sich das Schwimmbad, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit auch zu einem beliebten Cruising Ort der lokalen Schwulenszene. Nach der Wende forderte die wiedererstarkte orthodoxe Kirche die Schließung des Schwimmbads und die erneute Errichtung der Christ-Erlöser-Kathedrale. 1994 wurde das Bassin Moskwa zugeschüttet und die Kirche wieder aufgebaut – in der später die Band Pussy Riot ihren berühmten Auftritt haben sollte.

Eiko Grimberg beschäftigt sich mit der architektonischen Dimension von sozialer und politischer Repräsentation sowie mit der Neubesetzung eines Ortes mit wechselnden, sich teils widersprechenden Inhalten. Das Bassin Moskava steht sinnbildlich für ein urbanes Terrain, auf dem unterschiedliche machtpolitische Begehrlichkeiten und ihre jeweiligen architektonischen Repräsentationen aufeinandertreffen und es somit immer wieder zu verschiedenen archietektonischen Inszenierungen von Macht kommt.

»The Pool« ist Teil einer Reihe von Projekten, in denen sich Eiko Grimberg mit dem Verhältnis von Politik und Ästhetik im Feld der Architektur auseinandersetzt. Seine Arbeit »Future History« untersucht die Verstrickung der italienischen Baumoderne mit dem Faschismus, seit 2011 fotografiert er an dem Langzeitprojekt »Rückschaufehler« zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses/Humboldtforum.

In Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung

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EIKON-Podiumsdiskussion WOMEN WHO WORRY

Künstlerhaus Wien, 8. 3. 2018, 19:00

Anlässlich des Internationalen Frauentages diskutieren Margot Pilz und Ursula Maria Probst zur Präsenz und Teilhabe von Künstlerinnen mittleren Alters am Kunstmarkt und Ausstellungsgeschehen. Die Veranstaltung wird von Nela Eggenberger moderiert und findet im Rahmen der Ausstellung »EIKON Award (45+). Katrín Elvarsdóttir, Susan MacWilliam, Gabriele Rothemann« statt.

Anlässlich der 100. Heftausgabe von EIKON – Internationale Zeitschrift für Photographie und Medienkunst wurde der EIKON Award (45+) unter dem Ehrenschutz von VALIE EXPORT für europäische Fotografie- und Medienkünstlerinnen ab 45 Jahrenins Leben gerufen. Ziel der Auszeichnung ist es, die Bedingungen aktueller weiblicher Kunstproduktion freizulegen, damit (biografisch bedingte) Verzögerungen in der künstlerischen Entwicklung und Ausübung von spät- oder wiedereinsteigenden Künstlerinnen in den Fokus zu rücken und eine breite Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren. Dem Gedanken eines europäischen Austauschs in Zeiten aktueller Abspaltungstendenzen folgend, wird mit der Ausstellung ein interdisziplinärer Dialog zwischen den drei mit dem Preis ausgezeichneten Künstlerinnen, Susan MacWilliam (*1969 in Belfast, Nordirland), Katrín Elvarsdóttir (*1964 in Isafjördur, Island) und Gabriele Rothemann (*1960 in Offenbach/Main, Deutschland) angestoßen.

Der EIKON Award (45+) wurde im Sommer 2017 ausgeschrieben und war mit einem Preisgeld von 5.000 Euro für den ersten Platz dotiert. Darüber hinaus ist den von der Jury bestehend aus Jürgen KlaukeMargot Pilz und Æsa Sigurjónsdóttir drei bestgereihten Künstlerinnen ein umfangreicher Hauptbeitrag in der 100. Heftausgabe von EIKON gewidmet. Die drei Preisträgerinnen konnten sich gegen insgesamt 273 Mitbewerberinnen aus 23 verschiedenen Nationen durchsetzen.

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Ausstellung: Kasia Klimpel. Berge

Der Tank – Fachhochschule Nordwestschweiz, 3. – 11. 3. 2018

Die Fotografin Kasia Klimpel arbeitet im digitalen Raum. In ihrer neuen Arbeit für die Ausstellung im TANK thematisiert sie diesen als einen öffentlichen Raum. Sie reist im Internet und besucht Webseiten, die mit Webkameras verbunden sind, deren Bilder abgerufen werden können. Sie nutzt diese Kameras, um entlegene Naturräume zu »fotografieren«, in denen sie sich selbst nie aufgehalten hat. Entstanden ist ein Video, montiert aus vielen Einzelbildern von Bergpanoramen, welche in unterschiedlichen Weltgegenden zu verschiedenen Tageszeiten aufgezeichnet und von der Künstlerin archiviert wurden. Klimpel arbeitet nicht mit Webcams, die zur polizeilichen Überwachung und Kontrolle des öffentlichen Raums eingesetzt werden. Mit Kameras ausgestattet werden nicht nur öffentliche Plätze, Flughäfen oder Stadien, sondern auch Wetterstationen, die Daten für Wissenschaft und Wetterdienste sammeln, oder, wie die Arbeit für den TANK zeigt, Ferienorte des Wintertourismus. Somit erinnern die verwendeten Bilder nicht an Überwachungsbilder, sondern an Landschaftsfotografie.

Für ihr Video »Berge« (2018) nutzte Klimpel Aufnahmen aus allen Erdteilen, doch da sich die meisten Kameras, die mit einer Webseite verbunden sind, im hochindustrialisierten und flächendeckend erschlossenen Westen befinden, waren Bilder aus Europa und den Vereinigten Staaten am leichtesten zu finden. Zu sehen sind meist lediglich schneebedeckte Gebirgslandschaften, zusätzliche auf den Originalbildern enthaltene Informationen zu Zeit und Ort der Aufnahmen hat Kasia Klimpel entfernt, nicht aber die bunten Lichtreflexe auf den Kameralinsen. Es sind »zeitlose« Bilder der Natur, die deren Nutzung durch den Menschen nicht thematisieren, aber durch das verwendete Aufnahmeverfahren doch von der Gegenwart handeln. Die gesammelten Bilder unterscheiden sich qualitativ erheblich, da sie von Apparaten verschiedener Generationen und unterschiedlicher Bauart stammen. Die Arbeit mit Webkameras fasziniert die Künstlerin, weil sie Aufnahmen über Raum und Zeit hinweg zusammenführen kann und die Quellen unerschöpflich sind.

Kasia Klimpel studierte zunächst in den Niederlanden Fotografie. Das weiterführende Studium am Institut Kunst in Basel schloss sie 2012 mit einem Master ab. Schon während ihres Studiums interessierte sie sich für die Frage, ob und wie sich die technologische Entwicklung im digitalen Zeitalter auf die Fotografie auswirkt. Sie arbeitete an einem Projekt, das über verschiedene Zwischenschritte 2015 zu der Ausstellung »The Grand Tour« führte, einer Zusammenarbeit zwischen dem Fotomuseum Winterthur und dem Musée de Bagnes in dem Walliser Dorf Le Châble. Klimpel verwendete damals Fotografien ihrer Collagen aus farbigen Papieren, die Landschaften evozieren. Es sind Bilder, die sich dem menschlichen Auge sofort als Montagen zu erkennen geben. Diese speiste die Künstlerin ins Internet ein. Melanie Bühler, die Kuratorin der Ausstellung, beschreibt das Vorgehen der Künstlerin im Katalog wie folgt: »Sie verlinkt sie [die Aufnahmen] mit fiktiven Geo-Daten und fingiert so eine geographische Verortung. Auf passende Farbgebung und Bildkomposition achtend, bettet sie die Bilder in bestehende Landschaften von Google Maps ein und taggt die Bilder mit den entsprechenden Koordinaten.«

Für diesen Vorgang arbeitete Klimpel mit der Web-Applikation Panoramio, welche es den Usern ermöglichte, Bilder online zu teilen. Google hat Panoramio inzwischen übernommen und durch das eigene Produkt Views – Google Maps ersetzt. Klimpel wollte untersuchen, ob die Fotografien ihrer aus einfachen Materialien gebastelten Landschaften im digitalen Raum als solche erkannt und enttarnt würden und welche ihrer gefälschten Landschaftsbilder im digitalen Raum als Fotografien tatsächlicher Landschaften identifiziert würden und folglich als Landschaftsaufnahmen im Internet von den Usern gefunden werden könnten. Sie analysierte das Repertoire der am häufigsten im Netz verbreiteten Landschaftsbilder und speiste den digitalen Raum mit Imitaten. Es sind Artefakte ohne Referenten im physischen Raum,
die meisten werden von Google als Imitate erkannt und nicht auf Google Maps am angeblichen Aufnahmeort verzeichnet. Nicht wenige dieser Bilder gelangten aber auf die digitalen Landkarten – vermutlich jene, die den Parameter von Google entsprechen.

Der TANK ist ein verglaster, von aussen gut einsehbarer Raum, den man nicht verdunkeln kann. In diesem hellen, in jeder Hinsicht für eine Videoprojektion ungeeigneten Raum zeigt Klimpel ihr neues Video »Berge« (2018). Sie montierte das über lange Zeit gesammelte Material zu einem bewegten Bild, das in seiner Struktur der Logik des Farbkreises folgt und zugleich einen Tagesverlauf nachvollzieht. Der Film evoziert einen besonderen Raum und eine besondere Zeit. Um vor Ort den räumlichen Aussenbezug zu aktivieren, wählte die Künstlerin eine spezielle Präsentationsform: Die Projektion wird in der Mitte der Ausstellungshalle auf einer gekrümmten Stellwand gezeigt. Die Wand ist ein Kreissegment, dessen Grösse an der Raumdiagonale orientiert ist und die den Blick somit über die architektonische Begrenzung des TANKS hinaus in den städtischen Raum führt. Klimpel zeigt uns mit Berge ein generisches Landschaftsbild, das der romantischen Bildtradition verpflichtet ist und dennoch eine universelle, planetarische Dimension im digitalen Raum zur Anschauung bringt.

Die Ausstellung ist die zweite Schau in einer 2017 begonnenen Reihe mit Arbeiten von Alumni des Institut Kunst der HGK FHNW in Basel. Nach der Ausstellung »8/1/D999R« von Werner von Mutzenbecher (2.–10. Dezember 2017), die dem künstlerischen Schaffen des früheren Dozenten gewidmet war, ist nun erstmals eine neue, für den TANK konzipierte Arbeit einer ehemaligen Studentin zu sehen. Kasia Klimpel studierte 2010–2012 im Master-Programm des Institut Kunst.

Roman Kurzmeyer

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Ausstellung: Alexandre Estrela + João Maria Gusmão & Pedro Paiva Lua Cão

Kunstverein München, 17. Februar – 15. April 2018
(Öffnungszeiten: Do – So: 17-21 Uhr)
Kuratiert von Natxo Checa (Galeria Zé dos Bois) zusammen mit Kunstverein München
(1. OG + Kino + Foyer)

Eröffnung Freitag, 16. Februar 2018, 19 Uhr
Afterparty Chinesisches Neujahr in der Goldenen Bar, ab 23 Uhr

Vom 17. Februar bis 15. April 2018 präsentiert der Kunstverein München die großflächige Ausstellung Lua Cão, die anhand von umfangreichen Werkgruppen der portugiesischen Künstler Alexandre Estrela und dem Künstlerduo João Maria Gusmão & Pedro Paiva die Schnittstelle zwischen Experimentalfilm und Video untersucht. Das von Natxco Checa kuratierte Projekt umfasst eine Ausstellung in den drei Haupträumen des Kunstvereins, seinem Kino und dem Foyer sowie einer Reihe von diskursiven Veranstaltungen.

Lua Cão ist ein choreographiertes und immersives Bewegtbild-Experiment mit einer Reihe von Filmen, Videos, Objekten und Bildern, die in fünf Konstellationen arrangiert werden. Alle fünfzehn Minuten wechselt die Ausstellung nach einem technischen Skript eines Filmvorführers, der die Zuschauer durch den Raum führt, die Ausrüstung an- und ausschaltet, einen interpretativen Hintergrund gibt und Fragen beantwortet.

Lua Cão ist das Ergebnis von mehr als anderthalb Jahrzehnten künstlerischen Austausches zwischen Checa, Estrela und Gusmão und Paiva. Der Titel des Projekts bezieht sich auf ein seltenes optisches Phänomen, bei dem das Licht des Mondes gebrochen wird, um in einem Heiligenschein mit einem Paar benachbarter »Nebenmonde« zu erscheinen. Monde, Augäpfel, Mehrfachbelichtungen, Tunnel, Lichtstrahlen und atmosphärische und optische Täuschungen breiten sich während der gesamten Ausstellung aus und erzeugen ein Gefühl für das Unheimliche, wo Bilder und verblüffende Klänge in der Dunkelheit und aus der Dunkelheit heraus erscheinen und sich vermischen. Als kollaborative Installation zwischen Künstler und Künstlerduo betont Lua Cão die Rolle, die die Mechanik des Sehens in beiden künstlerischen Praktiken spielt, und zeigt ihr gemeinsames Interesse am Bewegtbild, das konsequent Abstraktionen mit Illusionen verbindet und das Alltägliche mit dem Unmöglichen.

Zur Ausstellung erscheint im März eine neue zweisprachige Publikation mit literarischen Miniaturen, die von den Künstlern und den Kuratoren geschrieben wurden. Sie ist die elfte in der Companion –Reihe des Kunstvereins und wird zusammen mit Roma Publications, Amsterdam, herausgegeben.

BITTE BEACHTEN SIE:
Aufgrund der besonderen Präsentationsform, wird die Ausstellung nur Donnerstag – Sonntag, von 17 – 21 Uhr geöffnet sein. Die Filmsequenz beginnt sofort.

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Ausstellung: »Löcher in der Wand«. Anachronische Annäherungen an die Gegenwart

Kunsthalle Exnergasse, Wien, 7. 2. – 24. 3. 2018

Die Ausstellung nimmt Siegfried Kracauers Geschichtsverständnis als Ausgangspunkt, um gegenwärtige Fragen anhand von vergangenen Momenten zu erkunden. Alle gezeigten Werke setzen sich sowohl mit spezifischen historischen Konstellationen auseinander als auch mit den prinzipiellen Möglichkeiten der Erfassung und Darstellung historischen Geschehens. Die selbstreflexive Befragung der Darstellungsmittel von Geschichte entspricht einer Historiographie, die sich der konstruktiven Elemente von Fakten bewusst ist und genau deshalb keine „alternativen Fakten“ anbietet. Geschichte wird so betrachtet zu einem Prozess, der durch Vorläufigkeit gekennzeichnet ist. Dieser Zugang entspricht Kracauers Skepsis gegenüber dem endgültig Fixierten und der nachträglich begründeten Folgerichtigkeit einer Idee. Denn er war vielmehr davon überzeugt, dass es »immer Löcher in der Wand [gibt], durch die wir entweichen können und das Unwahrscheinliche sich einschleichen kann« (Geschichte – Vor den letzten Dingen, 1971, S. 20)

Mit Arbeiten von: Kathi Hofer, Katrin Hornek, Dejan Kaludjerović, Tatiana Lecomte, Miklós Erhardt & Little Warsaw, Walid Raad, Vladislav Shapovalov, Slavs and Tatars, Johanna Tinzl & Stefan Flunger, UBERMORGEN

Kuratiert von Gudrun Ratzinger

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Offener Brief zur zukünftigen Struktur der documenta

Stellungnahme zur Trennung der documenta gGmbH von Annette Kulenkampff

An die Mitglieder des Aufsichtsrats der documenta und Museum Fridericianum gGmbH:

Oberbürgermeister Christian Geselle (Vorsitzender)
Staatsminister Boris Rhein (stellv. Vorsitzender)
Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann
Stadtverordneter Dr.Rabani Alekuzei
Stadtverordneter Marcus Leitschuh
MdL Karin Müller
Stadtverordneter Axel Selbert
Stadtverordneter Gernot Rönz
Hortensia Völckers, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes
Alexander Farenholtz, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes
Staatsminister Axel Wintermeyer
Staatssekretär Dr. Martin J. Worms

14. Januar 2018

Wir möchten an dieser Stelle unsere Sorge darüber ausdrücken, dass mit den jüngsten Überlegungen und Maßnahmen des Aufsichtsrates der documenta eine international agierende und einflussreiche Kulturinstitution in Deutschland in ihrem Image erheblich beschädigt wird und damit auch das Bild Deutschlands im Ausland.

Die Lokal- und Landespolitik, die insbesondere den Aufsichtsrat stellt und Gesellschafter der documenta gGmbH ist, nimmt ein von ihr selbst lanciertes, finanzielles Defizit1 zum Anlass, offen über die Umstrukturierung der documenta im Sinne einer reinen Kommerzialisierung und Vermarktung der Marke documenta zu debattieren. Eine erste Konsequenz aus diesen Überlegungen war die Auflösung des Vertrags mit der Gesch.ftsführerin Annette Kulenkampff. Ein anderer Grund hierfür ist nicht bekannt, da ihr an dem erwähnten Defizit, das aus einer von allen Beteiligten gemeinsam getragenen Programmkonzeption entstanden ist, keinerlei Schuld nachgewiesen wurde.

Es sind darüber hinaus dieselben Politiker, die sich außer Stande sahen, auf die Entgleisungen der AfD zu reagieren, die ein Kunstwerk von Olu Oguibe als »entstellte Kunst« bezeichneten und damit eindeutig auf faschistische Terminologien zurückgriff.

Die nun lancierten Überlegungen reichen von einer Aufhebung des gemeinnützigen Status der documenta gGmbH über eine Eingliederung der Öffentlichkeitsarbeit in das Stadtmarketing bis zu einer Neuverteilung der finanziellen Risikolast. Das heißt letztendlich, Verantwortung zu verlagern, die Einnahmen auf die öffentliche Hand zu konzentrieren und zugleich die Freiheit der Kunst zu minimieren. Die geplanten rechtlichen Rahmenbedingungen bedeuten nichts Anderes, als die Ausrichtung der konzeptionellen wie künstlerischen Freiheit an rein haushälterischen Maßstäben.

Den Nutzen einer international einmaligen Veranstaltung mit ca. 900.000 Besucher_innen, deren Stellenwert für die Kunstvermittlung mit keinem anderen Ereignis vergleichbar ist, kann niemand ernsthaft bezweifeln. In dieser Relation erscheint es geradezu absurd, dass sich die »documenta-Stadt« Kassel und das Land Hessen anmaßen, ein in Jahrzehnten gewachsenes, bereits in Geschichtsbüchern beschriebenes Erfolgsmodell in Frage zu stellen, weil sich gegen eine einzige Ausgabe des Projekts besonders gut politisch Stimmung machen lässt, weil es teilweise im europäischen Ausland stattfand. Bürgermeister und Land lassen gegen den Rat aller Experten Bedenken aufkommen, ob Kassel noch der richtige Standort für die documenta ist.

Dabei ist die Schuldzuweisung für das Defizit der d14 an Annette Kulenkampff und den zweiten Standort Athen schlicht falsch.2 Dass die gemeinsame Wahl eines zweiten Standortes Zusatzkosten verursachen kann, war allen Beteiligten bekannt. Das Kostenrisiko wurde rechtzeitig kommuniziert.

Man kann deshalb keinen anderen Grund für den vehementen Eingriff durch die lokale und regionale Politik erkennen, als den Versuch, sich einer unabhängigen Struktur zu bemächtigen und sich dabei mit Annette Kulenkampff zuerst jener Person zu entledigen, die auf besonders unbequeme Art für die künstlerische und wissenschaftliche Autonomie der documenta gebürgt hatte.

Ihre zukunftsweisenden Planungen zur wissenschaftlichen Aufbereitung und Vermittlung des documenta Archivs, zur sachgerechten Betreuung der Kunst im öffentlichen Raum und der zeitgemäßen Erneuerung der documenta als eine global operierende Institution werden mit dieser fehlgeleiteten Diskussion ebenso konterkariert wie das Anliegen der documenta-Ausstellungen seit 1997, nicht-westlichen und nicht-marktkonformen Positionen eine Bühne zu geben und diese Bühne im Verbund mit anderen Standorten zu betrachten.

Wenn sich Kassel auch zukünftig als Standort der international unersetzlichen documenta begreifen will, gilt es folgende Forderungen zu erfüllen:

1. Der Aufsichtsrat wird um einen internationalen Expert_innenbeirat erweitert, der in enger Verbindung mit der documenta gGmbH einen zukunftsweisenden, verbindlichen Kriterienkatalog für die documenta entwirft.

2. Der Rechtsstatus als gemeinnützige GmbH wird beibehalten.

3. Die zukunftsweisenden Planungen der wissenschaftlichen Aufbereitung und Vermittlung des documenta Archivs, zur sachgerechten Betreuung der Kunst im öffentlichen Raum und der zeitgemäßen Erneuerung der documenta werden fortgesetzt.

4. Das Budget der documenta wird an die Anforderung eines globalen, weltweit wirksamen Kunstereignisses, das in seiner Dimension einzigartig ist, angepasst.

5. Der Aufsichtsrat sollte die Fortbeschäftigung Annette Kulenkampffs beschließen, da sie die documenta vielversprechend ausgerichtet hat.

1 Für den ehemaligen Stadtkämmerer Christian Geselle, dem jetzigen Oberbürgermeister, war es andererseits in seiner Funktion als Ratsmitglied des Hessentags 2013 kein Problem ein Defizit zu vertreten. Der Hessentag ist ein dreitägiges Event regionaler Provenienz, das 2013 in Kassel stattfand und ein Defizit von 4,63 Mio. Euro hinterließ.
https://www.op-online.de/hessen/hessentag-beschert-regel-defizit-6969761.html
Dieses Bild gerät zudem in eine erhebliche Schieflage, wenn man die ökonomische Wertschöpfung von Stadt und Land in das Bild miteinbezieht.
http://www.hessenschau.de/wirtschaft/so-viel-geld-spuelt-die-documenta-nach-kassel,documenta-wirtschaft-100.html

Erstunterzeichner_innen:

Marion Ackermann (Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden)
Silke Albrecht (Gesch.ftsführerin des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Lotte Arndt, Theoretikerin, Kunsthochschule Valence, Paris
Inke Arns (Künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVereins, Dortmund)
Michael Arzt (Halle 14 Leipzig, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Elke aus dem Moore (Leiterin Kunst, Institut für Auslandesbeziehungen, Stuttgart)
Zdenka Badovinac (Director of Moderna Galerija + Museum of Modern Art, Ljubljana)
Nuit Banai (Professorin für neuste Kunstgeschichte, Wien)
Bassam El Baroni (Lecturer Dutch Art Institute, NL, and Independent Curator – Manifesta 8, 36th Eva Int. Ireland’s Biennial)
Ute Meta Bauer (Gründungsdirektorin des NTU Centre for Contemporary Art, Singapur)
Meike Behm (Direktorin Kunsthalle Lingen, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Ralf Beil (Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg)
Andreas F. Beitin (Direktor des Ludwig Forum für internationale Kunst, Aachen)
René Block (Leiter der Kunsthalle 44Moen, Askeby)
Monica Bonvicini (Künstlerin, Berlin)
Reinhard Braun (Künstlerischer Leiter, Camera Austria, Graz)
Sabeth Buchmann (Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste Wien)
Manon Bursian (Vorstand und Stiftungsdirektorin der Kunststiftung Sachsen-Anhalt)
Binna Choi (Director of Casco – Office for Art, Design and Theory, Utrecht)
Hans D. Christ (Direktor des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Cosmin Costinas (Executive Director / Curator of Para Site, Hong Kong)
Alice Creischer, Andreas Siekmann (Künstler_innen, Professor_innen an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, MA Raumstrategien)
Janneke de Vries (Direktorin der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen)
Ekaterina Degot (Intendantin des Steirischen Herbst, Graz)
Chris Dercon (Intendant der Volksbühne, Berlin)
Ulrich Domröse (Leiter der fotografischen Sammlung, Berlinische Galerie, Berlin)
Iris Dressler (Direktorin des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart)
Katja Diefenbach (Professorin für Ästhetische Theorie an der Merz Akademie, Stuttgart)
Ines Doujak (Künstlerin, Wien)
Helmut Draxler (Professor für Kunsttheorie an der Universität für angewandte Kunst Wien)
Övül Ö. Durmusoglu (Guest Professor for Curatorial Theory and Praxis, Nuremberg Academy of Fine Arts)
Bettina von Dziembowski (Kunstverein Springhornhof)
Yilmaz Dziewior (Direktor des Museum Ludwig, Köln)
Silvia Eiblmayr (Kunsthistorikerin, Kuratorin, Wien)
Charles Esche (Director of the Van Abbemuseum, Eindhoven)
Matthias Flügge (Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden)
Martin Fritz (Rektor der Merz Akademie Stuttgart)
Katya García-Antón (Direktorin des OCA, Office for Contemporary Art Norway)
Gerrit Gohlke (Künstlerischer Leiter des Brandenburgischen Kunstvereins Potsdam, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Cristina Gómez Barrio, Wolfgang Mayer / Discoteca Flaming Star (Künstler_innen, Professor_innen für Bildende Kunst und Intermediales Gestalten an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart)
Søren Grammel (Leiter des Museums für Gegenwartskunst, Basel)
Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart
Elke Gruhn (Leiterin Nassauischer Kunstverein Wiesbaden, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Krist Gruijthuijsen (Direktor des KW Institute for Contemporary Art Berlin)
Jan Peter Hammer (Künstler, Berlin)
Hou Hanru (Artistic Director, MAXXI, National Museum of 21st Century Arts, Rome)
Annette Hans (Künstlerische Leiterin, Kunstverein Harburger Bahnhof)
Markus Heinzelmann (Direktor des Museum Morsbroich, Leverkusen)
Fatima Hellberg (Künstlerische Leiterin des Künstlerhaus Stuttgart)
Gabriele Horn (Direktorin der Berlin Biennale)
Hans Dieter Huber (Professor für Kunstgeschichte der Gegenwart, Ästhetik und Kunsttheorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart)
Lanna Idriss, Member of the Board of BHF Foundation
Gregor Jansen (Direktor der Kunsthalle Düsseldorf)
Jean-Baptiste Joly (Direktor der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart)
Alice Kögel (Konservatorin für Gegenwartskunst, Staatsgalerie Stuttgart)
Alexander Kluge (Autor und Filmemacher, München)
Alexander Koch (Die Gesellschaft der Neuen Auftraggeber, KOW Galerie)
Kasper König (Kurator, u.a. künstlerischer Leiter von Skulptur.Projekte Münster 1977-2017)
Christian Kravagna (Professor für Postcolonial Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien)
Andres Kreuger (Senior Curator, M HKA, Antwerp)
Katia Krupennikova (Freischaffende Kuratorin, Amsterdam)
Elisabeth Lebovici (Art critic, Paris)
Mathias Lindner (Direktor Neue Sächsische Galerie, Neue Chemnitzer Kunsthütte, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Thomas Locher (Künstler, Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig)
Dirk Luckow (Intendant Deichtorhallen Hamburg)
Mark Nash (Co-curator of Documenta 11)
Antje Majewski (Künstlerin, Professorin der Muthesius Kunsthochschule, Kiel)
Florian Malzacher (Kurator, Impulse Theater Festival 2013-17)
Nina Möntmann (Kunsttheoretikerin und Kuratorin)
Matthias Mühling (Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München)
Vanessa Joan Müller (Dramaturgin der Kunsthalle Wien)
Heike Munder (Direktorin des Migros Museum für Gegenwartskunst Zürich)
Joanna Mytkowska (Direktorin des Museum of Modern Art Warschau)
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Künstlerischer Leiter von SAVVY Contemporary, Berlin)
Anh-Linh Ngo (Mitherausgeber von ARCH+)
Olaf Nicolai (Künstler, Berlin)
Ruth Noack (Kuratorin der Documenta 12, 2007)
Angelika Nollert (Direktorin Die Neue Sammlung – The Design Museum, München)
Hannelore Paflik-Huber (Kunstwissenschaftlerin, Vorsitzende des Künstlerhauses Stuttgart)
Peter Pakesch (Vorstandsmitglied der Maria Lassnig Privatstiftung, Wien)
Christine Peters (Kuratorin des Kunstgebäude Stuttgart, 2017)
Britta Peters (Künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr; Kuratorin der Skulptur.Projekte Münster 2017)
Philippe Pirotte (Rektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule in Frankfurt am Main)
Elizabeth A. Povinelli, Franz Boas Professor of Anthropology & Gender Studies, Columbia University
Raqs Media Collective (Monica Narula, Jeebesh Bagchi & Shuddhabrata Sengupta, New Dehli)
Oliver Ressler (Künstler und Filmemacher, Wien)
David Riff (Schriftsteller, Kurator, Künstler, Berlin)
Walid Raad (Künstler, Professor an der Cooper Union, New York)
Kathrin Romberg (Sammlungsdirektorin Erst Bank Österreich, Wien)
Anda Rottenberg (Direktorin emeritus Zachenta National Gallery of Art, Warschau)
Rasha Salti (Independent Curator of Art & Film, Curator of La Lucarne for ArteFrance)
Hedwig Saxenhuber (springerin, Wien)
Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien
Georg Schöllhammer (tranzit.at, Wien)
Ursula Schöndeling (Direktorin des Heidelberger Kunstvereins, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Sabine Schulze (Direktorin des Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg)
Nathalie Boseul Shin (Chief curator of Total Museum of Contemporary Art, Seoul)
Andrei Siclodi (Direktor des Künstlerhauses Büchsenhausen, Innsbruck)
Jennifer Smailes (Künstlerische Leiterin, Kunstverein Harburger Bahnhof)
Ruth Sonderegger (Professorin für Philosophie und ästhetische Theorie an der Akademie der bildenden Künste Wien)
Björg Stefánsdóttir (Direktor des Icelandic Art Center, Reykjavik)
Simon Sheikh (Programme Director, MFA Curating Department of Art Goldsmiths College, London)
Bettina Steinbrügge (Direktorin des Kunstvereins in Hamburg)
Barbara Steiner (Leiterin des Kunsthaus Graz)
Hito Steyerl (Künstlerin, Professorin für Experimentalfilm und Video an der Universität der Künste Berlin)
Wolfgang Suttner (Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Nina Tabassomi (Direktorin des Taxispalais Kunsthalle Tirol)
Michael Taussig (Professor at Columbia University, New York)
Ana Teixeira Pinto (Autorin, Kulturtheoretikerin, Berlin)
Thomas Thiel (Direktor des Bielefelder Kunstvereins, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine, ADKV)
Haakon Thuestad (Director of the Bergen Assembly)
Wolfgang Tillmans (Künstler, Berlin, London)
Nasan Tur (Künstler, Berlin)
Wolfgang Ullrich (Freier Autor und Kunstwissenschaftler, Leipzig)
Philippe Van Cauteren (Director of S.M.A.K., Museum for Contemporary Art, Ghent)
Anton Vidokle (Artist, founder of e-flux, New York/Berlin)
Christoph Vogtherr (Direktor der Hamburger Kunsthalle)
Marianne Wagner (Kuratorin für Gegenwartskunst des Landesmuseum für Kunst und Kultur, Münster)
Joanna Warsza (Kuratorin, Public Art Munich 2018)
Peter Weibel (Vorstand und Direktor des Zentrums für Kunst und Medien Karlsruhe)
Thomas Weski (Kurator der Stiftung für Fotografie und Medienkunst mit Archiv Michael Schmidt)
What, How and for Whom / WHW (Ivet Ćurlin, Ana Dević, Nataša Ilić and Sabina Sabolović)
Axel John Wieder (Direktor, Index – The Swedish Contemporary Art Foundation)
Matthias Winzen (Professor für Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken)
Florian Wüst (Film- und Videokurator der Transmediale, Berlin)
Regina Wyrwoll (Kuratorin Peter und Irene Ludwig Stiftung / Findungskommission documenta X)
Misal Adnan Yildiz (Direktor des Artspace NZ in Auckland, 2014–2017)
Octavio Zaya (Director and Executive Editor of atlanticajournal.com, Cocurator of Documenta 11)
Nina Zimmer (Direktorin des Kunstmuseum Bern, Zentrum Paul Klee Bern)
Franciska Zólyom (Direktorin der GfzK, Leipzig)

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Universität für angewandte Kunst Wien: STELLUNGNAHME

Rektor Bast: Wer davon spricht, Flüchtlinge »konzentriert an einem Ort zu halten«, ist entweder ungeeignet oder untragbar.
Harsche Kritik des Rektors der Universität für angewandte Kunst Wien an Innenminister Kickl:

»Als Rektor einer Universität, an der – nicht nur am Institut für Sprachkunst – die Kraft des Wortes Thema in Lehre und Forschung ist, trage ich mein Entsetzen über die unsägliche verbale Entgleisung von Innenminister Kickl, AsylwerberInnen ›konzentriert an einem Ort zu halten‹, bewusst in die Öffentlichkeit. Denn: Unsägliche Worte pflastern den Weg zu ungeheuerlichen Taten«, kritisiert der Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, Gerald Bast, die gestrigen Äußerungen von Herbert Kickl, Innenminister der FPÖ, harsch. »Wenn wir die Verlotterung der Sprachkultur schweigend oder verwundert hinnehmen, bereiten wir den Boden auf für die Verlotterung der politischen Kultur. Wenn wir uns nicht wehren gegen die Verrohung der Worte, dann wird unseren Worten die Kraft fehlen, wenn wir mit Worten gegen die Verrohung der Taten auftreten wollen«, so Bast. Verärgertes, entsetztes oder ängstliches Schweigen lasse das Schreckliche zur Normalität werden. In Verantwortung für das künftige Lebens- und Werteumfeld unserer Jugend dürften das gerade Bildungseinrichtungen nicht zulassen. Ein Innenminister, der aus vermeintlichem Versehen sage, man müsse Flüchtlinge –  also Menschen – »konzentriert an einem Ort halten«, ohne dass sprachkulturelle Alarmglocken schrillten, sei für dieses Amt ungeeignet, weil er zu ungebildet und zu unsensibel sei, um dabei die deutliche Assoziation zu Konzentrationslagern zu erkennen. Und ein Innenminister, der derartige Formulierungen verwende, um bewusst Assoziationen hervorzurufen oder es hinnehme, dass seine Worte genau diese schrecklichen Assoziationen hervorriefen, sei untragbar. »Wer meint, das sei übertriebener Alarmismus angesichts unbedeutender verbaler Ausrutscher wird von der Geschichte Lügen gestraft und nimmt in Kauf, dass die Zukunft, deren Boden von den Wertehaltungen der Gegenwart aufbereitet wird, uns und unsere Kinder bestrafen wird«, schließt Bast.

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Ausstellung: Dorothée Elisa Baumann / Adrian Sauer

Pasquart Photoforum, 28. 1. – 15. 4. 2018

Dorothée Elisa Baumann (*1972, lebt und arbeitet in Biel und Genf ) provoziert in ihrer künstlerischen Praxis Verschiebungen, Transfers und kreiert dadurch für den Betrachter visuelle Stolpersteine. Diese »Kollisionen« oder Rätsel veranlassen dazu, das dargestellte Objekt in einem sozialen, politischen und kulturell neuen Zusammenhang zu betrachten und zu hinterfragen.

Adrian Sauer (*1976, lebt und arbeitet in Leipzig, DE) erkundet in seinen Fotografien die Grundlagen eines Mediums, das sich in der jüngeren Zeit so sehr verändert hat wie kein zweites. Als im Lauf der 1990er Jahre die analoge Fotografie durch digitale Bildprozesse abgelöst wurden, sahen nicht wenige Kritiker das Ende der Fotografie gekommen. Sauers fotografisches Werk ist eine entschiedene Gegenrede zu solchen Mutmaßungen.

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Ausstellung: Shirin Neshat. Frauen in Gesellschaft

Neue Galerie – Universalmuseum Joanneum, Graz, 18. 1. – 22. 4. 2018

Die im Iran aufgewachsene und in den USA lebende Künstlerin Shirin Neshat (geb. 1957) nimmt eine zentrale Position im Diskurs um das Verhältnis zwischen Orient und Okzident ein: Ihre Fotografien und Videos kreisen um die Lage von Frauen in muslimisch geprägten Gesellschaften und um Widersprüche zwischen westlichen und orientalischen Kulturtraditionen. Neshat wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ihre Werke waren weltweit in Einzelausstellungen und Biennalen zu sehen.

Die große Übersichtsausstellung in der Neuen Galerie Graz führt nun wichtige Werke aus allen Schaffensphasen von Shirin Neshat zusammen, von den berühmten ikonischen Schriftfotografien der 1990er-Jahre über die Mehrkanal-Videoinstallationen bis hin zu monumentalen Werkblöcken wie The Book of Kings und Neuproduktionen der Jahre 2016/17. Der programmatische Ausstellungstitel Frauen in Gesellschaft adressiert dabei zwei im Œuvre der Künstlerin stetig wiederkehrende Themen: die Rolle der Frau im Iran und die traumatischen Nachwirkungen von diasporischen Erlebnissen, die eine Frau für den Rest ihres Lebens prägen können und in deren Gesellschaft sie sich also fortan befindet. Beide Themen umkreist Shirin Neshat mit ihrer Kunst in poetischer, geheimnisvoller Ambivalenz – oft entlang einer nonkonformistischen oder rebellischen Hauptakteurin. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Kunsthalle Tübingen, wo sie von Holger Kube Ventura konzipiert wurde.

 

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Talk: mono.klub #52 – Trevor Paglen in Conversation with Krist Gruijthuijsen

KW Institute for Contemporary Art, 16. 1. 2018, 7:30 pm

“For me my works are almost like what a star is to a constellation. They are points or particulates within a larger story,” says American artist Trevor Paglen in our current issue mono.kultur #44. And indeed, there are few artists whose work is as deeply embedded in current matters of concern, questioning the impact of technology, economy, military or politics on the human condition. Trevor Paglen likes talking about those larger stories, and we certainly love to listen.

So please join us for an evening of conversation between Trevor Paglen and Krist Gruijthuijsen, director of the esteemed KW Institute for Contemporary Art, discussing Paglen’s latest cycle of works and research into the hidden worlds of machine vision. For almost ten years, Paglen has been studying computer recognition programs and how machines are learning to ‘see’, and how these developments interact with our daily lives. His research has led to a new body of what he calls ‘invisible images’, generated entirely by Artifical Intelligence systems—but of course, those are only particulates within a larger story.

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Exhibition: Marianne Wex. Let’s Take Back Our Space

Tanya Leighton, Berlin, 11. 1. – 17. 2. 2018

Tanya Leighton is pleased to present the first solo exhibition in Berlin of Marianne Wex’s pioneering project about male and female body language, “Let’s Take Back Our Space: ‘Female’ and ‘Male’ Body Language as a Result of Patriarchal Structures” (1977). The encyclopedic, multi-panel installation was first shown 40 years ago in a group exhibition about women’s art at the neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin. Widely celebrated at the time of its debut, Wex’s provocative image of all-pervasive everyday patriarchy now seems more acutely relevant than ever.

Originally a painter, inspired by both the figuration of Paula Modersohn-Becker and pop art, Wex’s research into body language led her gradually towards photography. Several years of gathering images in the streets of Hamburg in the mid-1970s produced a collection of more than 5,000, which Wex supplemented with images rephotographed from art history catalogues as well as mass media; photojournalism, advertisements, pornography, mail order catalogue clippings, and publicity shots. From this enormous image bank, Wex constructed “Let’s Take Back Our Space”, a speculative and polemical history of body language and physiology, extending backwards from the present to ancient Egypt.

Wex’s project takes the form of hundreds of collages, of different widths but uniform height, organised into separate male and female panels and displayed in parallel rows. These are rigorously subdivided according to different postures and poses, revealing how gender stereotypes percolate down to our most intimate everyday gestures. The occasional ‘exceptions’—figures whose photos float above or below the rows—only serve to emphasise the incredible conformity discovered by Wex, from the street to the boardroom. Again and again, power differentials can be observed simply in the amount of space people feel entitled to occupy—‘manspreading’ avant la lettre.

Speaking about her work, Wex notes that her endeavor was “based on the assumption that body language is the result of sex-oriented, patriarchal socialization, affecting all of our ‘feminine’ and ‘masculine’ role behavior.” Her discovery was that “body language and bodily ideals between sexes have become increasingly divergent.”

The resulting body of photographic collages is unique: they combine the history of street photography and the typologies of the Becher School with conceptual art imperatives, especially in their possibilities for modular recombination. “Let’s Take Back Our Space” might be classified, non-exhaustively, as a feminist broadside, an encyclopedia of gesture, an ethnographic portrait of Hamburg in the 1970s, a genealogical tract on art history, a neglected classic of appropriation art and a kind of autobiography.

Marianne Wex was born in 1937 in Hamburg, Germany. She studied at the Academies of Art in Hamburg and Mexico City, and was a professor at the Academy of Art, Hamburg from 1963 to 1980. “Let’s Take Back Our Space” was first shown as part of “Women Artists International 1877–1977” at nGbK, Berlin. Wex’s work was shown for the first time in decades at Focal Point Gallery, Southend in 2009 and then in a more comprehensive form at the Badischer Kunstverein, Kalsruhe in 2012. Other recent exhibitions include Galeria Zachęta, National Gallery of Art, Warsaw, Poland; Adam Art Gallery, Wellington, New Zealand; Gasworks, London; La Galerie – centre dʼart contemporain, Noisy-le-Sec, Paris; and Yale Union, Portland, United States.

The exhibition has been developed in collaboration with Mike Sperlinger, Professor of Theory and Writing at the National Academy of the Arts, Oslo.

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Secession: STELLUNGNAHME. Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit

Nachdem das Motto der Secession „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ Eingang in das neue Regierungsprogramm gefunden hat, möchten wir, der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession, die Gelegenheit nutzen und deutlich machen, was wir unter Freiheit der Kunst verstehen:

Seit der Gründung unserer KünstlerInnenvereinigung vor 120 Jahren leben wir unser Motto – ein Bekenntnis zur Erneuerung, Vielfalt und Offenheit, das jede politische Einflussnahme auf Inhalte und Ausdrucksformen ausschließt.

Mit der Freiheit der Kunst ist unabdingbar Internationalität, Diversität und Dialog verbunden. Die Idee, dass Kunst einer kollektiven nationalen Identitätsstiftung dient, ist eine Form der Instrumentalisierung, die im Widerspruch zur Vielfalt künstlerischer Inhalte steht. Künstlerisches Schaffen kann in unseren Augen nur vor diesem Horizont Relevanz und Qualität entwickeln.

Die Freiheit, auf die sich unser Motto bezieht, geht weit über die individuelle Äußerung hinaus: Es ist erst der Austausch in einem größeren, vielfältigen, internationalen Kontext, der den einzelnen Stimmen kulturelle Bedeutung verleiht. Kultur lässt sich daher weder allein an Kunstobjekten oder Musikkompositionen festmachen noch quantitativ anhand von Besucherzahlen, Marktwerten oder der Zirkulation von Werken bewerten. Sie bedarf einer offenen Gesellschaft.

Wenn eine Regierung nicht für eine freie Gesellschaft eintritt, hat ihr Versprechen einer Freiheit der Kunst nur rhetorischen Charakter.

Der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession

Wien, 20. Dezember 2017

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Talk: Tischgespräch mit Maya Schweizer

KV – Verein für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 9. 1. 2018, 19:00 Uhr

Maya Schweizer, Beatrice von Bismarck und Kilian Schellbach sprechen über das gefährdete Leben, die Gewalt des Blicks und die Poesie des Aufbegehrens im Rahmen von Maya Schweizers Ausstellung »Die Luke, eine Fliege und dort die Puschkinallee«.

Das sah doch mal anders aus? Der Blick der Kamera geht hoch über ein Areal in Berlin, wo sich die Wege von Tourist*innen, Obdachlosen, Passant*innen und Polizist*innen kreuzen. Dann schweift er ins Innere des Raumes, und wir sehen wo wir sind: In einem Wachtturm, der einst das Niemandsland überwachte, wo Ost und West aneinander stießen. Kaum verständliche Radiosendungen stellen die Verbindung her zwischen den Zeiten und Räumen. Dieses Motiv von Vermittlung und Abgrenzung wiederholt sich in der Installation von Maya Schweizer im KV: Die Schaufenster sind halbverspiegelt, so dass Blicke nach außen und innen nur abhängig vom Lichteinfall möglich sind. Eine Wandlung von Blickregimen in der Zeit klingt hier ebenso an, wie die Transformation disziplinarischer Architekturen. Das gesamte Szenario schließt metaphorisch das architektonische und gesellschaftliche »Innen und Außen« kurz und zeigt unsere gesellschaftliche Ordnung als historisch geschichtete Machtverhältnisse von Ausschlüssen, Grenzziehungen und Übergängen.

Kuratiert von Kilian Schellbach

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Ausstellung: In einem anderen Land. Transformationsprozesse an Beispielen zeitgenössischer Fotografie in Deutschland

HAUS am KLEISTPARK | Ausstellungshalle und Projektraum
Ausstellungsdauer: 12. 1. – 29. 3. 2018
Kuratiert von Gabriele Muschter und Uwe Warnke

Das Ausstellungs- und Buchprojekt »In einem anderen Land. Transformationsprozesse an Beispielen zeitgenössischer Fotografie in Deutschland« thematisiert, ob und wenn ja wie sich der Wechsel konträrer Gesellschaftssysteme und sich rasant entwickelnder Technologien auf die künstlerische Arbeit von FotografInnen auswirken können. Zwölf fotografische Positionen aus Deutschland eröffnen den Diskurs zum Thema.

Anhand von Fotografien aus den Jahren 1976 bis 2017 von Tina Bara, Christian Borchert, Kurt Buchwald, Caroline Dlugos, Else Gabriel, Franz John, Barbara Klemm, Matthias Leupold, Manfred Paul, Rudolf Schäfer, Erasmus Schröter und Maria Sewcz werden Veränderungen und Kontinuitäten im Werk sichtbar gemacht.

Das thematische Spektrum der ausgestellten Arbeiten reicht von realistisch-dokumentarischer Unmittelbarkeit, über Inszenierungen fiktiver Wirklichkeiten, surrealer Überhöhungen und Verfremdungen bis zu medialen Erweiterungen und Grenzüberschreitungen der Fotografie zu Aktion und Film. Fotografie und Transformation, die Würde des Alltäglichen in der Fotografie und die Fotografie als Symbol und Gleichnis menschlichen Daseins sind weitere Schwerpunkte. Filmische Interviews der Kuratoren Gabriele Muschter und Uwe Warnke mit den FotografInnen lassen die Protagonisten selber zu Wort kommen.

Weitere Stationen der Ausstellung:
Kultur Forum Dresden riesa efau, 12. 4. – 1. 7. 2018
Kunsthalle Erfurt 15. 7. – 23. 9. 2018

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