Presseinformationen

Camera Austria International 130 | 2015

Infos

Präsentationen:

4. – 7.6. 2015
7. Fotobookfestival, Kassel

16. – 21. 6. 2015
Liste, Basel

17. – 20. 6. 2015
I Never Read, Basel

20. – 21. 6. 2015
ViennaPhotoBookFestival

25. 6. 2015
Magazine Release, Kunstquartier Bethanien, Berlin

26. 6. – 28. 6. 2015
Miss Read, Berlin

6. – 11. 7. 2015
Cosmos Arles Books, Les Rencontres de la Photographie Arles

Pressedownloads

Pressetext

Landschaft scheint allgegenwärtig zu sein, sei es, dass sie immer wieder Psychogeografien des Eigenen bestätigen soll, als Tourismusprospekt herhalten muss oder aber den katastrophischen Niedergang ökologischer Systeme bestätigt. Landschaft ist in eine immense Produktion von Sichtbarkeit involviert und droht vielleicht gerade deshalb in einer Art Über- oder Doppelbelichtung zu verschwinden, wie es das Coverbild dieser Ausgabe von Camera Austria International von Philip Gaißer suggeriert. Es zeigt auch, dass Landschaft niemals einfach vorliegt, sondern konstruiert und rekonstruiert werden muss, um sie als eine Artikulation von Gegenwart zu verstehen. Gaißers Arbeit ist charakteristisch für diese Operation zwischen Dokumentieren und Eingreifen, an der sich »die kulturelle und zivilisatorische Durchdringung des Settings offenbart«, wie Jens Asthoff schreibt. Auch in Michael Höpfners Projekten ist eine Produktion von Landschaft evident: Auf seinen oft wochenlangen Wanderungen in Tibet entstehen Sequenzen von beinahe horizontlosen Bildern, die weniger dokumentieren, was zu sehen war, sondern zeigen, welche Art von Raumproduktion einer Aufführung des Landschaftlichen zugrundeliegt. Schließlich lassen sich auch die Kaugummibilder Zoe Leonards als eine Landschaft lesen, in der sich ein Teil der amerikanischen Kulturgeschichte abgelagert hat bzw. daraus rekonstruiert werden kann, und die so sehr mit alltagskulturellen Aspekten verknüpft ist, dass sie ebenfalls zu einer Art banaler Unsichtbarkeit tendiert.
Sowohl Philip Gaißer als auch Michael Höpfner sind Teil einer Ausstellung, die ab Juli 2015 ein dreiteiliges Projekt zur Frage der Landschaft abschließt, das Camera Austria in Kooperation mit dem Kunsthaus Graz in diesem Jahr realisiert. Dabei geht es vor allem um die Produktion von Landschaft im Zusammenhang mit Migration, Vertreibung, Krieg, ethnischen und kulturellen Differenzen – und die merkwürdig unsichere Präsenz der Spuren dieser Konflikte, die eine Arbeit der Rekonstruktion notwendig machen, wenn Landschaft zu einer Art Archiv politischer Konflikte geworden ist, bei dessen Betrachtung es höchst fragwürdig erscheint, was darin eigentlich gesehen und erkannt werden kann.
Nicht zuletzt aus diesem Grund erschien es uns naheliegend, das Center for Land Use Interpretation zu einem Beitrag in dieser Ausgabe einzuladen: Die zahllosen Aufnahmen der Land Use Database belegen ebenfalls die Vorstellung von Landschaft als Archiv, als Ablagerung der kontaminierten Reste einer Gesellschaft des Verbrauchens und Verwertens: ein Konvolut von Bildern, das uns die Frage nach einer möglichen Zukunft von Landschaft präsentiert.
In ihrem zweiten Beitrag der diesjährigen Kolumne schreiben Irene Revell und Kerstin Schroedinger als Teil des Kollektivs
Cinenova Feminist Film and Video Distributor – im Hinblick auf die Frage nach einer möglichen »feministischen Landschaft« – von einem »gebeugten Blick«, der »ein Sehen ermöglicht, das auf mehr als eine Weise gebeugt ist und in dem alles, was das Material zu bieten hat, auf dem Spiel steht.«
»Widerständige Bilder in Zeiten digitaler Überbelichtung« lautete der Arbeitstitel von Florian Ebners Konzept für die Ausstellung im Deutschen Pavillon auf der Biennale di Venezia 2015. Damit taucht ebenfalls die Frage auf, inwiefern so etwas wie Widerständigkeit noch behauptet werden kann, vor allem eine Widerständigkeit der Bilder, wenn diese zu verschwinden drohen, gar nicht mehr richtig sichtbar sind. Florian Ebner hat Camera Austria eingeladen, einen Blog zu konzipieren, dessen Beiträge die Ausstellung zwischen Mai und November begleiten, kommentieren und kontextualisieren. Wie auch mit der Zeitschrift und den Ausstellungsprojekten versuchen wir mit diesem Blog, die Ränder des Fotografischen sowie den Anteil des Nicht-Visuellen an der Bildproduktion auszuloten.

Reinhard Braun
und das Camera-Austria-Team
Juni 2015

Bildmaterial

Die honorarfreie Veröffentlichung ist nur in Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung und die Publikation gestattet. Wir ersuchen Sie die Fotografien vollständig und nicht in Ausschnitten wiederzugeben. Bildtitel als Download unter dem entsprechenden Link.


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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 130/2015, S. / pp. 11–20.

    Doppelseite / spread: Zoe Leonard, S. / pp. 14–15.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 130/2015, S. / pp. 11–20.

    Doppelseite / spread: Zoe Leonard, S. / pp. 16–17.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 130/2015, S. / pp. 22–23.

    Doppelseite / spread: CLUI, S. / pp. 22–23.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 130/2015, S. / pp. 21–32.

    Doppelseite / spread: CLUI, S. / pp. 24–25.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 130/2015, S. / pp. 40–41.

    Doppelseite / spread: Philip Gaißer, S. / pp. 40–41.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 130/2015, S. / pp. 33–44.

    Doppelseite / spread: Philip Gaißer, S. / pp. 36–37.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 130/2015, S. / pp. 45–56.

    Doppelseite / spread: Michael Höpfner, S. / pp. 48–49.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 130/2015, S. / pp. 45–56.

    Doppelseite / spread: Michael Höpfner, S. / pp. 50–51.
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