Presseinformationen

Camera Austria International 141 | 2018

Infos

Präsentationen

17. 3. 2018
It’s a book, Leipzig

19. – 22. 4. 2018
Art Brussels, Brüssel

27. – 29. 4. 2018
Ground Zine Fest, Moskau

3. – 5. 5. 2018
Frieze New York

4. – 6. 5. 2018
Miss Read, Berlin

31. 5. – 3. 6. 2018
Fotobookfestival Kassel

Pressedownloads

Pressetext

Das Archiv als Ensemble von Dokumenten wie als Raum der Erschließung von Geschichte, als Institution wie als kulturelles Gedächtnis, in seiner Ästhetik wie Politik, als materielle Praxis wie als Vorstellung hat uns das gesamte letzte Jahr hindurch beschäftigt – möglicherweise in einer Intensität, die nachhallt und auch unsere Fragestellungen an zeitgenössische fotografische Praktiken wenn nicht leitet, zumindest aber beeinflusst, ohne dass dies explizit die Erarbeitung der Beiträge der vorliegenden Ausgabe bestimmt hätte.
Eva Kot’átkovás Interesse an Bildungssystemen, an der reglementierenden Funktion von Bildung, die sie Körperfunktionen parallel setzt, siedelt das – zumeist kindliche – Individuum an einer Grenze zwischen Natürlichkeit und gesellschaftlicher Überformung an, das heißt auch in einem Raum des Wissens und des Körpers als Archive. Tomáš Pospiszyl untersucht, wie ihre Installationen, Collagen und Filme dafür performative Formen der Übersetzung und Übertragung finden, die die Strategien der Disziplinierung aufführen und auch unterwandern.
Für Aveek Sen ist es die Auseinandersetzung mit Moyra Daveys Filmen »Hemlock Forest« (2016) und »Wedding Loop« (2017), die ihn zu einer Liste führt »von all den Zitaten, Bezügen und Anspielungen, die in die vielschichtige Textur von Daveys Filmen Eingang finden«. Doch nicht nur die Filme der Künstlerin verzweigen sich in eine Art disloziertes Archiv, auch ihre seit Langem und unter unterschiedlichen Titeln betriebenen »Hoardings« formen eine Art veröffentlichtes privates Archiv, ein fluides Archiv in Bewegung.
Cana Bilir-Meiers Arbeiten richten sich ebenso auf Formen des Archivs und führen dieses weiter zu Fragen des Erinnerns und der kritischen Repräsentation, etwa wenn Materialien aus dem Archiv ihrer Familie mit mündlich weitergegebenen Erzählungen verknüpft werden. Bilir-Meiers am »migrantisch situierten Wissen« orientierte Arbeiten entfalten sich in Kombination mit gefundenen Bild- und Filmausschnitten zu Geschichten, die aus dem privaten Bereich herausgetragen werden und damit für einen unterdrückten, verschwiegenen Teil der Erinnerung Aufmerksamkeit einfordern, wie im Gespräch zwischen der Künstlerin und Ayşe Güleç deutlich wird.
Peter Miller durchforstet die Geschichte des Mediums Fotografie und auch jene der proto-fotografischen oder proto-kinematografischen Verfahren. In seiner Praxis erscheint Fotografie selbst wie ein Archiv an Möglichkeiten, Bilder hervorzubringen oder sie aus dem Gedächtnis der Fotografie hervorzuholen. Für Kathrin Schönegg stellt das historische und diskursive Feld um die Frühzeit des Kinos, die damit verbundene Kultur des Spektakels, der Illusionen und optischen Tricks »den Zauberkasten bereit, aus dem sich Peter Miller bedient: Seine Arbeiten spüren der Magie des Alltags nach und tasten die Welt auf ihre filmische und fotografische Relevanz hin ab.«
Die jeweiligen Politiken dieser Praxisfelder scheinen evident, sie verknüpfen unterschiedliche Formen des Archivs mit mannigfaltigen Vorstellungen über das Private, den Körper, die Öffentlichkeit und die Geschichte, aber auch mit variierenden Formen der Performance, der Montage, des Aneignens, Umschreibens und des Wiederaufführens, weshalb ihre Fragestellungen weit über das Archiv hinausführen.
Wir freuen uns sehr, dass mit dieser Ausgabe Christina Töpfer die Chefredaktion der Zeitschrift übernimmt. Bereits seit 2013 ist sie Redakteurin und Autorin von Camera Austria International und damit lange schon an der inhaltlichen Ausrichtung, dem Profil der Fragestellungen und dem Querschnitt der künstlerischen Positionen beteiligt, die wir seitdem aufgegriffen haben. In Zukunft wird die Zeitschrift noch stärker ihre Handschrift tragen und damit wesentlich zur immer wieder notwendigen Positionierung im nahezu unüberschaubaren Feld zeitgenössischer Praktiken mit Fotografie beitragen.

Reinhard Braun
und das Camera Austria-Team
März 2018

Cover: Moyra Davey, Emma / Hazel 2, 2017. Silvergelatine-Print, 60,7 × 50,4 cm. Courtesy: die Künstlerin und Galerie Buchholz, Köln / Berlin / New York.

Bildmaterial

Die honorarfreie Veröffentlichung ist nur in Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung und die Publikation gestattet. Wir ersuchen Sie die Fotografien vollständig und nicht in Ausschnitten wiederzugeben. Bildtitel als Download unter dem entsprechenden Link.

  • Cover: Moyra Davey, Emma / Hazel 2, 2017. Silver gelatin print, 60.7 × 50.4 cm.

    Courtesy: the artist and Galerie Buchholz, Cologne / Berlin / New York.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 141/2018, S. / pp. 9–20.

    
Doppelseite / spread: Eva Kot’átkova, S. / pp. 18–19.

    Courtesy: the artist, Meyer Rigger, Berlin / Karlsruhe; hunt kastner, Prague.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 141/2018, S. / pp. 21–32.

    
Doppelseite / spread: Moyra Davey, S. / pp. 26–27.

    Courtesy: the artist and Galerie Buchholz, Cologne / Berlin / New York.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 141/2018, S. / pp. 45–56.

    
Doppelseite / spread: Peter Miller, S. / pp. 48–49.

    Courtesy: the artist and Galerie Crone, Berlin / Vienna. Copyright: Bildrecht Wien, Vienna, 2018.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 141/2018, S. / pp. 45–56.

    
Doppelseite / spread: Peter Miller, S. / pp. 54–55.

    Courtesy: the artist and Galerie Crone, Berlin / Vienna. Copyright: Bildrecht Wien, Vienna, 2018.
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