Presseinformationen

Camera Austria International 142 | 2018

Infos

Präsentationen

11. – 17. 6. 2017
LISTE – Art Fair Basel

22. 6. – 1. 7. 2018
F/Stop, Leipzig

24. 6. – 30. 9. 2018
AntwerpPhoto, Antwerpen

4. — 6. 7. 2018
Fotohaus der ParisBerlin>fotogroup und Cosmos Arles Books,
Les rencontres de la photographie, Arles

10. – 16.9.2018
Organ Vida, Zagreb

Pressedownloads

Pressetext

Bilder von Personen und solche vermeintlich alltäglicher Situationen sind es, die die in dieser Ausgabe von Camera Austria International vorgestellten KünstlerInnen zum Gegenstand ihrer Arbeiten machen. Gemeinsam ist ihnen ein Interesse an dem, was Henri Lefebvre in seiner Kritik des Alltagslebens als »gelebte Erfahrung« beschrieben hat – in der Überzeugung, diese sei alles andere als banal oder belanglos.
So beschäftigen sich die Fotografien, Videos, Zeichnungen und Gemälde Olga Chernyshevas mit dem Alltag des postkommunistischen Russlands, den die Künstlerin gleichermaßen präzise wie empathisch in den Blick nimmt. Wie Adam Szymczyk schreibt, ist dieser Blick jedoch frei von Ostalgie und verweigert sich einer Orientalisierung, wie sie osteuropäische KünstlerInnen häufig erfahren. Vielmehr sieht er Chernyshevas Schaffen in der Tradition der (ir)realistischen AutorInnen der 1920er- und 1930er-Jahre, die den Alltag des postrevolutionären Russlands in seiner Absurdität zu fassen versuchten. Das, was die Künstlerin interessiert, ist in Szymczyks Worten »das Einfach-da-Sein. Leute, die beobachten, Schlange stehen, herumlungern, gehen, marschieren, tanzen, Wache schieben.«
Einen ähnlich unaufgeregten und doch akribischen Blick auf den Alltag wirft das 1971 entstandene fotografisch-narrative Projekt »Memory« der amerikanischen Autorin Bernadette Mayer – bis dato ihre einzige visuelle Arbeit. Für »Memory« hat Mayer an jedem Julitag des Jahres 1971 einen 35mm-Kodachrome-Diafilm verschossen und ihre täglichen Aktivitäten darüber hinaus in einem Tagebuch und auf Tonband aufgezeichnet. Matthew Rana veranschaulicht die Affinitäten zwischen »Memory« und dem Expanded Cinema der 1960er- und 1970er-Jahre und situiert Mayers visuelle wie literarische Bestandsaufnahmen im Zeitalter der Kybernetik und dessen Oszillieren zwischen Ordnung und Chaos.
Am Beispiel von »Figur I, Figur II« (2015), »Gesellschaft beginnt mit drei« (2017) und »Der Apparat« (2018) zeichnet Maren Lübbke-Tidow nach, welche »Dissonanzräume« sich in den Arbeiten Andrzej Steinbachs auftun. Seine performativen, innerhalb einer exakt durchgeplanten Dramaturgie entwickelten Porträtserien legen offen, wie soziale Praxis und kulturelle Zuweisungen das Bild des Selbst bestimmen. Doch wird eine eindeutige Lesbarkeit dieser Porträts immer wieder gestört, »die Figur rutscht weg und kommt immer wieder«, wie Lübbke-Tidow Anne Imhof zitiert. Für die Autorin ist es »ein Menschenbild oder ein zutiefst menschliches Bild, das Steinbach zeigen will, ohne das Außen zu ignorieren – das ihn aber wiederum dazu zwingt, seine Figuren zunächst fremd und modellhaft scheinen zu lassen.«
Eine andere Art des Porträts verfolgt Sophie Thun, die architektonische Räume mit Fotogrammen von Selbstporträts überlagert und sich durch die Platzierung dieser Überlagerungen im Ausstellungsraum oftmals in nahezu illusorischer Form selbst in diesen einschreibt. Orit Gat stellt Bezüge zu kunsthistorischen Referenzen her und arbeitet heraus, wie Sophie Thuns Fotografien an eine lange Tradition der Selbstrepräsentation von Künstlerinnen anknüpfen, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts ihren Ursprung nimmt, aber auch, wie Körper und Raum sich in den Arbeiten der Künstlerin verschränken. Für Gat nehmen Thuns Bilder »ihren Anfang im Körper der Künstlerin und im Verhältnis, das sie zwischen diesem und dem Raum skizziert«.
Wir freuen uns, dass wir für das Forum dieser Ausgabe Adam Broomberg und Oliver Chanarin gewinnen konnten, die sich gemeinsam mit den Studierenden ihrer Klasse an der Hochschule für bildende Künste Hamburg jenen Bildern gewidmet haben, die ihnen vor dem Hintergrund der endlosen Bilderströme des Internet »noch immer etwas bedeuten«. Angelehnt an die surrealistische Methode des »Cadavre exquis« sind aus dieser Auseinandersetzung eine bestechende Bildfolge sowie ein einführender Text entstanden, die unerwartete Beziehungen zwischen ihren einzelnen Teilen aufmachen.

Christina Töpfer und das Camera Austria Team
Juni 2018

Cover: Sophie Thun, Double release (Nonnenwerthstraße to Grangasse), 2017. Analoge Farbfotografien, je 25.4 × 20.3 cm. Courtesy: die Künstlerin und Mélange, Cologne.

Bildmaterial

Die honorarfreie Veröffentlichung ist nur in Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung und die Publikation gestattet. Wir ersuchen Sie die Fotografien vollständig und nicht in Ausschnitten wiederzugeben. Bildtitel als Download unter dem entsprechenden Link.

  • Cover: Sophie Thun, Double release (Nonnenwerthstraße to Grangasse), 2017. Analogue color photographs, 25.4 × 20.3 cm each.

    Courtesy: the artist and Mélange, Cologne.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 142/2018, S. / pp. 9–20.

    Doppelseite / spread: Olga Chernysheva, S. / pp. 14–15.

    Courtesy: the artist and Galerie DIEHL, Berlin.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 142/2018, S. / pp. 21–32.

    Doppelseite / spread: Bernadette Mayer, S. / pp. 24–25.

    Courtesy: Bernadette Mayer Papers, Special Collections & Archives, University of California San Diego, collection number: MSS 0420.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 142/2018, S. / pp. 33–44.

    Doppelseite / spread: Andrzej Steinbach, S. / pp. 38–39.

    Courtesy: the artist and Galerie Conradi, Hamburg / Brussels.
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  • Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 142/2018, S. / pp. 45–56.

    Doppelseite / spread: Sophie Thun, S. / pp. 54–55.

    Courtesy: the artist and Sophie Tappeiner, Vienna.
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