Camera Austria International

111 | 2010

Preis

€16 In den Warenkorb

  • SALIMA GHEZALI
    Außerhalb des Blickfelds
  • BRUNO BOUDJELAL
    Jours Intranquilles / Unruhige Tage
  • BRUNO BOUDJELAL
  • OMAR D.
    Erinnerungsarbeit. Eine Biografie des Verschwindens: Algerien 1992 –
  • OMAR D.
  • RUTH SONDEREGGER
    Christian Wachter: Impressions D'AFRIQUE. Eine gar nicht so persönliche (Reise-)geschichte
  • CHRISTIAN WACHTER
  • WALID RAAD
    Sweet Talk: Commissions (Beirut)
  • WALID RAAD
  • JEFF DERKSEN
    Kunst und Städte bei Mega-Ereignissen. Zur Überschneidung von Kultur, Alltag und Olympischen Spielen in Vancouver und darüber hinaus. Teil IV

Vorwort

Die monographischen Beiträge der aktuellen Ausgabe von Camera Austria Nr. 111/2010 stellen die Frage nach der Angemessenheit künstlerischer Mittel, sich den virulenten politischen, gesellschaftlichen und historischen Fragen unserer Zeit zu nähern. Für drei dieser Beiträge ist zuerst die Form des Künstlerbuches gewählt worden, das die Verbindung von Bild und Text und die Reihung von einzelnen Kapiteln und Erzählsträngen bietet. So hat Omar D. sein über Jahre entwickeltes Buch: Erinnerungsarbeit. ­Eine Biografie des Verschwindens. Algerien 1992 – als Künstlerbuch konzipiert. Er widmet dieses Werk den Opfern des Bürgerkriegs der 1990er Jahre in Algerien und ihren Familien. Über diesen blutigen inneren Konflikt zu sprechen, ist in Algerien verboten, es ist also auch den Familien jede Möglichkeit genommen, Nachforschungen über ihre vermissten Familienmitglieder anzustellen. Omar D.’s Buch ist (in bezeichnender Weise) nicht in Frankreich, sondern in England erschienen, ebenso wie das Buch von Bruno Boudjelal Jours intranquilles / Disquiet Days. Boudjelal, der in Frankreich geboren ist, beschreibt hier seine Annäherung an Algerien, dem Land aus dem sein Vater stammt und in das er schließlich selbst reist. Für die Publikation in Camera Austria wählte er eine Serie von fünfzehn Fotografien aus, die in Bentalha entstanden sind, dem Ort eines Massakers im Jahr 1997, den er auf seiner Reise 2002 aufsucht. Eingeführt werden diese beiden Arbeiten von einem Essay der algerischen Autorin und Menschenrechts-Aktivistin Salima Ghezali. In ihrem Text versucht sie der Frage auf den Grund zu gehen, warum man den Konflikt in den 1990er Jahren als »Krieg ohne Bilder» bezeichnete und ob Kunst das Verstehen eines sinnlosen Krieges ermöglichen könnte.

Volltext

Camera Austria International 111 | 2010
Vorwort

Die monographischen Beiträge der aktuellen Ausgabe von Camera Austria Nr. 111/2010 stellen die Frage nach der Angemessenheit künstlerischer Mittel, sich den virulenten politischen, gesellschaftlichen und historischen Fragen unserer Zeit zu nähern. Für drei dieser Beiträge ist zuerst die Form des Künstlerbuches gewählt worden, das die Verbindung von Bild und Text und die Reihung von einzelnen Kapiteln und Erzählsträngen bietet. So hat Omar D. sein über Jahre entwickeltes Buch: Erinnerungsarbeit. ­Eine Biografie des Verschwindens. Algerien 1992 – als Künstlerbuch konzipiert. Er widmet dieses Werk den Opfern des Bürgerkriegs der 1990er Jahre in Algerien und ihren Familien. Über diesen blutigen inneren Konflikt zu sprechen, ist in Algerien verboten, es ist also auch den Familien jede Möglichkeit genommen, Nachforschungen über ihre vermissten Familienmitglieder anzustellen. Omar D.’s Buch ist (in bezeichnender Weise) nicht in Frankreich, sondern in England erschienen, ebenso wie das Buch von Bruno Boudjelal Jours intranquilles / Disquiet Days. Boudjelal, der in Frankreich geboren ist, beschreibt hier seine Annäherung an Algerien, dem Land aus dem sein Vater stammt und in das er schließlich selbst reist. Für die Publikation in Camera Austria wählte er eine Serie von fünfzehn Fotografien aus, die in Bentalha entstanden sind, dem Ort eines Massakers im Jahr 1997, den er auf seiner Reise 2002 aufsucht. Eingeführt werden diese beiden Arbeiten von einem Essay der algerischen Autorin und Menschenrechts-Aktivistin Salima Ghezali. In ihrem Text versucht sie der Frage auf den Grund zu gehen, warum man den Konflikt in den 1990er Jahren als »Krieg ohne Bilder» bezeichnete und ob Kunst das Verstehen eines sinn-­losen Krieges ermöglichen könnte.

Die österreichische Philosophin Ruth Sonderegger begleitet mit ihrem Text Christian Wachters Arbeit »Impressions D’AFRIQUE», die man ebenfalls als Reise-Tagebuch bezeichnen kann – der Weg führt von Wien nach Paris, Burkina Faso und an die Elfenbeinküste. Verbunden sind diese Orte durch Begegnungen des Künstlers mit Personen, in deren Lebensgeschichten sich politische Ereignisse der letzten Jahrzehnte, die Europa und Afrika verbinden und einander entfremden, eingeschrieben haben. Der »vorsichtige, anti-heroische und doch engagierte Umgang mit gesellschaftlichen Utopien» prägt – wie Ruth Sonderegger schreibt – Wachters Auseinandersetzung mit kulturellen, historischen und politischen Fakten dieser »Eindrücke aus Afrika».

Ein weiterer Schwerpunkt des Heftes ist der ersten Veröffentlichung eines Projekts des libanesischen Künstlers Walid Raad gewidmet, der sich in den späten 1980er Jahren, mitten in den Libanonkriegen, der Arbeit verschrieb, seine Stadt Beirut zu fotografieren. Bis heute führt er diese von ihm als »Sweet Talk: Commissions (Beirut)», als (an sich selbst gestellte) Aufträge bezeichnete Arbeit weiter. Die Zusammenstellung von mehreren Bildern und Bildlegenden in Form von Tableaus, die Walid Raad für unsere Zeitschrift entwickelt hat, dokumentiert einen neuen Schritt in der Bearbeitung des seit mehr als zwanzig Jahren entstehenden und weiter wachsenden Archivs.

Neben den inhaltlichen Zusammenhängen, die zwischen den Beiträgen dieses Heftes bestehen, gibt es auch solche in der Umsetzung der hier vorgestellten Arbeiten: So sind Walid Raads Projekt »Sweet Talk: Commissions (Beirut)» und Christian Wachters Arbeit »Impressions D’AFRIQUE» zum ersten Mal für den Ausstellungsraum von Camera Austria entwickelt worden. Diese Verbindung zwischen Camera Austria als Publikationsprojekt und unserer Ausstellungstätigkeit ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit, denn auf nahezu ideale Weise können wir den KünstlerInnen die Möglichkeit bieten, in unserem Ausstellungsraum die praktische Umsetzung ihrer Arbeit zu erproben.

Wir danken den KünstlerInnen und AutorInnen für Ihre Bereitschaft, dieses Heft vonCamera Austria mit zu gestalten. Unseren AbonnentInnen und Anzeigenkunden danken wir für ihr Vertrauen in unsere Arbeit und ihre Unterstützung. Unseren LeserInnen wünschen wir eine anregende Lektüre!

Christine Frinsighelli
September 2010

Beiträge

Forum

JESSICA AUER

REGINA HÜGLI

DANIEL HERMES

EMMANUEL SAPET

JASON REBLANDO

NATAN DVIR

HYUK JUN YI

CLEMENS HOLLERER

Ausstellungen

New Building, Display, and Exhibitions
Zagreb Museum of Contemporary Art
SANDRA KRIŽIĆ ROBAN

The Importance of Being British: The UK at Photomonth 2010 in Kraków
KRZYSTOF PIJARSKI

Heavy Duty and Razor Sharp
Les Rencontres D’Arles Photographie 2010
GISLIND NABAKOWSKI

Was Draussen Wartet / What is Waiting Out There.
6th Berlin Biennale for Contemporary Art
KIRSTY BELL

Handlung. On Producing Possibilities
Bucharest Biennale 4
MAREN LÜBBKE-TIDOW

Buntes Kaleidoskop der Realität im Revier
Ruhrblicke
SANAA-Gebäude, Welterbe Zollverein, Essen
CAROLIN FÖRSTER

Psychoanalysis: Gazes on Poto and Video Art from Austria
Tokyo Wonder Site, Shibuya
Contemporary Art Museum, Kumamoto
JEFF DERKSEN

Triennale Linz 1.0
OK Offenes Kulturhaus OÖ, Linz
Lentos Kunstmuseum Linz
Landesgalerie Linz
NINA SCHEDLMAYER

Art & Film. Curated by Vienna
20 Wiener Galerien
MANISHA JOTHADY

Lisl Ponger. Werkschau XV. Fact or Truth
Fotogalerie Wien
TANJA GASSLER

Reclaiming the Personal. Seiichi Furuya: Mémoires
Tokyo Metropolitan Museum of Photography
IZU Photo Museum, Mishima
Conemporary Art Museum, Kumamoto
WALTER SEIDL

Verhandlungssache / Matter of Negotiation
Tiroler Künstlerschaft – Kunstpavillon Innsbruck
SØNKE GAU

Breda Beban: My Funeral Song
Camden Arts Centre, London
DENISE ROBINSON

Zeitgenössische Afrikanische Fotografie aus der Walther Collection
The Walther Collection, Neu-Ulm / Burlafingen
KERSTIN STREMMEL

Deutsche Börse Photography Prize 2010.
Sven Johne: Berichte zwischen Morgen und Grauen
Frankfurter Kunstverein
NAOKO KALTSCHMIDT

Heinrich Kühn. Die vollkommene Fotografie
Albertina, Wien
Musée d’Orsay, Paris
Museum of Fine Arts, Houston
ENNO KAUFHOLD

Langeweile als Methode.
Michael Schmidt. Grau als Farbe. Fotografien bis 2009
Haus der Kunst, München
ESTHER RUELFS

Above and Beyond.
Forum Stadtpark Graz
ULRICH TRAGATSCHNIG

PhotoEspana 2010
Madrid
ALBERTO MARTÍN

Impressum

Herausgeber, für den Inhalt verantwortlich: Manfred Willmann
Verlag, Eigentümer: Verein CAMERA AUSTRIA. Labor für Fotografie und Theorie.
Lendkai 1, 8020 Graz, Österreich

Editors: Christine Frisinghelli, Daniela Billner, Tanja Gassler
Redaktion Nachrichten: Heidi Oswald

Lektorat: Theresa Haigermoser
Englisches Lektorat: Dawn Michelle d’Atri
ÜbersetzerInnen: John Doherty, Wilfried Prantner, Andy Jelcic, Josephine Watson, Richard Watts