Camera Austria International

115 | 2011

Preis

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  • KIRSTY BELL
    Hilary Lloyd: Achtsam sein
  • HILARY LLOYD
  • CHRISTIAN HÖLLER
    Martin Beck: Isoliert, verstreut, gebrochen. Zu Martin Becks Auseinandersetzung mit der US-amerikanischen Kommunen-Kultur
  • MARTIN BECK
  • JENS ASTHOFF
    Walead Beshty: Sensibles Material. Walead Beshtys Umgang mit Grenzen des Bildes
  • WALEAD BESHTY
  • FLORIAN EBNER
    Stefanie Seufert: Zufall und Konstrukt
  • STEFANIE SEUFERT
  • WALID SADEK
    A Time to See 3/4 Das Kommende in den Augen von Überlebenden

Vorwort

Mit unserer Ausstellung über die »Virtuosität des Dinglichen« haben wir im Herbst 2010 versucht, die Debatte um Formen der visuellen Reduktion in aktuellen fotografischen Projekten aufzugreifen. Hier wurde sichtbar, dass sich eine Bildsprache zu formieren beginnt, die sich explizit gegen Narration wendet und im Gegenzug eintritt für den Eigenwert der fotografischen Materialität: Bilder von ephemeren Erscheinungen und Zuständen, die sich in einem fremdartigen und doch emblematischen Moment zu einer spezifischen Form verdichten. Nicht die Offenlegung oder die Ästhetisierung des Wirklichen steht dabei im Zentrum, sondern die Bearbeitung der Frage des Verhältnisses von Sichtbarkeit und Wirklichkeit.
Mit der vorliegenden Ausgabe möchten wir diese Debatte vertiefen: So geben uns die KünstlerInnen in ihren Beiträgen Bilder zu sehen, die über rein faktisches Wahrnehmen und Begreifen hin­ausweisen. Ausdruck dieser neuen visuellen Komplexität ist etwa das Werk der britischen Künstlerin Hilary Lloyd. In ihren Installationen kombiniert Lloyd unbewegte mit minimal bewegten Bildern zu einem Porträt ihrer urbanen Umgebung. Ihre »Skizzen aus Licht und Farbe« beschreibt Kirsty Bell dabei trefflich als »lesson in abstraction« – dabei aber einer Auffassung von Abstraktion folgend, die Lloyds Arbeiten in einem Raum zwischen Transparenz und Hermeneutik ansiedelt. Genau diese Spannung verbindet das Werk von Hilary Lloyd mit dem der deutschen Künstlerin Stefanie Seufert. Auch in ihren Kompositionen arbeitet Seufert an einer »feinen, oftmals auch ironischen Verschleierung eines nur vermeintlich transparenten Blicks auf die Dinge«, so Florian Ebner. Jens Asthoff analysiert »die Signaturen des Zufalls« im Zugriff aufs Medium des britischen Künstlers Walead Beshty, den der Künstler selbst bereits in vielen seiner Texte bearbeitet hat: »Ich sehe meine Arbeit weder als ›antifigurativ‹ noch als Versuch, mich einem Medium in seiner Ursprünglichkeit anzunähern. Es geht mir vielmehr darum, die impliziten Parameter des fotografischen Apparates (in einem umfassenderen Sinn, nicht als Maschine, sondern eher wie Foucaults Dispositiv oder Althussers Vorstellung vom Apparat) als Einschränkungen bzw. Regeln in einem Spiel zu verwenden, dessen Spiegelbild die Arbeiten selbst sind […] Schließlich bin ich der Meinung, dass diese Parameter ihrer Natur nach politisch und sozial sind, keine hermetische Auseinandersetzung mit einer Form oder einem Medium allein, sondern mit den komplexen Kräften, die in jeder Art von Ästhetik wirksam, die an der Konstruktion des Alltagslebens beteiligt sind«, so Besthy in Vorbereitung zu dieser Ausgabe. Der österreichische Künstler Martin Beck beschäftigt sich u.a. mit Fragen der emanzipatorischen Utopie der Ausstellung als Kommunikationsformat. Christian Höller untersucht seine Strategie, historische politische Themen nicht mimetisch durchzuarbeiten, sondern Aspekte von Kommunikation und Wissensproduktion freizulegen: »Seine Methode ist dabei die eines ›Heraussprengens‹ historischer Artefakte und Fragmente aus einem größeren, als zusammenhängend wahrgenommenen Kontinuum, sodass Bruchstücke mehr wie Prismen oder Linsen erscheinen, durch die unsere Projektionen auf Vergangenes hindurchgehen und sich daran brechen können.«
Auch mit dieser Ausgabe von Camera Austria International also wird ein ständig zu erneuernder Umgang mit den klassischen Repräsentationsfragen angesprochen, an die die Fotografie gebunden bleibt – es geht darum, »das Fotografische der Bilder als einen stets neu zu definierenden Raum zu begreifen, zwischen Konstruktion und Zufall, Transparenz und Hermetik, konkreter Sichtbarkeit und offener Bedeutung.« (Florian Ebner)
Mit unserer Zeitschrift sind wir in den kommenden Monaten auf folgenden Messen und Festivals präsent: Wir freuen uns über Ihren Besuch bei den Photo+Art Book Days in Hamburg, beim 4. Fotofestival Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, auf der PhotoBook- und Frieze Art Fair in London sowie auf der Paris Photo.

Maren Lübbke-Tidow,
Reinhard Braun
September 2011

Beiträge

Forum

Vorgestellt von der Redaktion:

GEORG PETERMICHL

KATRIN KAMRAU

ANASTASIA TAILAKOVA

HORST STEIN

DINA LITOVSKY

DIANA ARTUS

Ausstellungen

Rosa Barba: Stage Archive
MART, Rovereto / Fondazione Galleria Civica, Trento
Clemens von Wedemeyer: The Repetition Festival Show
Fondazione Galleria Civica – Centro di ­Ricerca sulla Contemporaneità di Trento
Kunsthal Charlottenborg, Copenhagen
Project Arts Centre, Dublin
GABRIELE FRANCESCO SASSONE

Serious Games. Krieg – Medien – Kunst
Mathildenhöhe Darmstadt
ESTHER RUELFS

Paul Pfeiffer
Sammlung Götz, München
ANNETT BUSCH

PHotoEspaña 2011
Madrid
ALBERTO MARTÍN

Non Conforme.
Les 42e Rencontres d’Arles Photographie
Arles
GISLIND NABAKOWSKI

A Revolutionary Project. Cuba from Walker Evans to Now
J. Paul Getty Museum, Los Angeles
SANDRA WAGNER

Beziehungsarbeit – Kunst und Institution
Künstlerhaus Wien
RAINER BELLENBAUM

Vermessung der Welt. Heterotopien und Wissensräume in der Kunst
Kunsthaus Graz
MANISHA JOTHADY

ILLUMInations. 54. Biennale di Venezia
Arsenale, Padiglione Centrale, Venice
KIRSTY BELL

Ken Lum
Vancouver Art Gallery
CLINT BURNHAM

How to Work (More for) Less
Kunsthalle Basel
MARGIT NEUHOLD

Sibylle Bergemann: Polaroids
C/O Berlin
REINHILD FELDHAUS

Photomonth in Krakow 2011
Alias
The Bunkier Sztuki Contemporary Art ­Gallery, Krakow
History in Art
Museum of Contemporary Art in Krakow
SUSANNE NEUBURGER

Taryn Simon: A Living Man Decleared Dead and Other Chapters
Tate Modern, London
Neue Nationalgalerie, Berlin
Gagosian Gallery, New York
Almine Rech Gallery, Paris
PAOLO MAGAGNOLI

Bücher

Poor Man’s Expression. Technology, ­Experimental Film, Conceptual Art
Sternberg Press, Berlin / New York 2011
TABEA METZEL

Petar Dabac: Not Guilty
Galerija Klovicevi dvori, Zagreb 2011
SANDRA KRIŽIĆ ROBAN

Zdenek Tmej: The Alphabet of Spiritual Emptiness
TACO HIDDE BAKKER

Abbildungen

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Impressum

Herausgeber: Reinhard Braun
Verlag, Eigentümer: Verein CAMERA AUSTRIA. Labor für Fotografie und Theorie. Lendkai 1, 8020 Graz, Österreich

Chefredaktion: Maren Lübbke-Tidow (V.i.S.d.P.)
Redaktion: Margit Neuhold, Rebecca Wilton

ÜbersetzerInnen: Dawn Michelle d’Atri, Aileen Derieg, Andy Jelčić, Michael Turnbull, Anne Pitz,Wilfried Prantner, Josephine Watson
Deutsches Korrektorat: Daniela Billner
Englisches Lektorat: Dawn Michelle d’Atri, Aileen Derieg

Dank / Acknowledgements:
Diana Artus, Jens Asthoff, Martin Beck, Kirsty Bell, Walead Beshty, Daniela Billner, Matthew P.  Carson (ICP Library, New York), TJ Demos, Florian Ebner, Richard Frary, Galerie Neu (Berlin), Elisabeth Hirsch (Artist Space, New York), Christian Höller, Anton Holzer, Katrin Kamrau, Annette Kelm, Dina Litovsky, Hilary Lloyd, John Ryan Moore (Studio Walead Beshty), Georg Petermichl, Stefanie Seufert, Horst Stein, Alessandro Rabottini, Augustin Rebetez, Andrew Roth, Walid Sadek, Gabriele Francesco Sassone, Michael Schmidt, Sabine Spilles, Anastasia Tailakova, Gigiotto Del Vecchio, Andreas Viliani, Clemens von Wedemeyer, Jan Wenzel, Florian Zeyfang, Tobias Zielony

Copyright © 2011
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit vorheriger Genehmigung des Verlags. / All rights reserved. No parts of this magazine may be reproduced without publisher’s permission.

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ISBN     978-3-900508-89-0
ISSN     1015 1915
GTIN     4 19 23106 1600 5 00115