Camera Austria International

91 | 2005

Preis

€16 In den Warenkorb

  • MASASHI KOHARA
    Takuma Nakahira im Porträt
  • TAKUMA NAKAHIRA
  • IRIS DRESSLER
    Marco Poloni: If You See Something, Say Something
  • MARCO POLONI
  • HIAS WRBA
    Yang Fudong: Schwellen
  • YANG FUDONG
  • MAREN LÜBBKE-TIDOW
    Andrea Witzmann: 220 Volt
  • ANDREA WITZMANN
  • TOM HOLERT
    Massenmedien-Akte (4)

Vorwort

Im Sommer diesen Jahres zeigte Camera Austria im Rahmen der von Toshiharu Ito kuratierten Ausstellung “Chikaku. Zeit und Erinnerung in Japan” (einem Kooperationsprojekt mit dem Kunsthaus Graz und der Japan Foundation) Arbeiten von Takuma Nakahira, Herausgeber der Zeitschrift Provoke, mit Daido Moriyama einer der Wegbereiter der zeitgenössischen Fotografie in Japan, Theoretiker und Künstler. Seine aktuellen Arbeiten stehen seit seiner “Wiederentdeckung” durch seine Retrospektive am Yokohama Museum und die von Osiris herausgegebene Monografie 2003 erneut im Zentrum der Debatte um die Möglichkeiten fotografischer Beschreibung von Wirklichkeit. Sein bereits legendäres frühes Werk spiegelt den politischen und gesellschaftlichen Wandel Japans in den1960er Jahren und vermittelt ästhetisch auch den Zweifel daran, durch künstlerische und publizistische Arbeit gesellschaftliche Veränderung mit zu gestalten. Der japanische Kunstwissenschaftler Masashi Kohara erläutert in seinem Essay die politischen, theoretischen und künstlerischen, aber auch biografischen Wegmarken Nakahiras.

Volltext

Camera Austria International 91 | 2005
Vorwort

Im Sommer diesen Jahres zeigte Camera Austria im Rahmen der von Toshiharu Ito kuratierten Ausstellung “Chikaku. Zeit und Erinnerung in Japan” (einem Kooperationsprojekt mit dem Kunsthaus Graz und der Japan Foundation) Arbeiten von Takuma Nakahira, Herausgeber der Zeitschrift Provoke, mit Daido Moriyama einer der Wegbereiter der zeitgenössischen Fotografie in Japan, Theoretiker und Künstler. Seine aktuellen Arbeiten stehen seit seiner “Wiederentdeckung” durch seine Retrospektive am Yokohama Museum und die von Osiris herausgegebene Monografie 2003 erneut im Zentrum der Debatte um die Möglichkeiten fotografischer Beschreibung von Wirklichkeit. Sein bereits legendäres frühes Werk spiegelt den politischen und gesellschaftlichen Wandel Japans in den1960er Jahren und vermittelt ästhetisch auch den Zweifel daran, durch künstlerische und publizistische Arbeit gesellschaftliche Veränderung mit zu gestalten. Der japanische Kunstwissenschaftler Masashi Kohara erläutert in seinem Essay die politischen, theoretischen und künstlerischen, aber auch biografischen Wegmarken Nakahiras.

Das Vertrauen in die vermeintliche Fähigkeit des Bildes, Wirklichkeit gültig zu repräsentieren, aber auch die kulturell und medial vor-informierten Wahrnehmungsweisen, stehen im Zentrum der Arbeit Marco Polonis. In seinen Arbeiten wird dies in vielen Facetten – serielle Fotoarbeiten, die als Script oder Storyboard für Filme bezeichnet werden – durchgespielt. Iris Dressler beschäftigt sich in ihrem Essay mit jüngeren Fotoarbeiten des Künstlers, wie u.a. “Permutit – Storyboard for a Film”, mit der er bei der diesjährigen Biennale von Venedig im Schweizer Pavillon vertreten war. Obwohl Polonis filmisch angelegte Fotoserien inszeniert wirken, arbeitet er weder mit Schauspielern noch mit Requisiten. Er zeigt nichts weiter als reale Situationen und schafft doch zutiefst fiktionale Erzähl- und Bildräume die zwischen Täuschung, Einbildung und Wirklichkeit pendeln.

Die Arbeiten des in Shanghai lebenden Künstlers Yang Fudong hingegen sind aufwändig inszeniert und ästhetisch wie inhaltlich dem klassischen chinesischen Kino der 1930er und 1940er Jahre nahe. Dabei gilt seine Aufmerksamkeit oft den Gesten, Bewegungen und Blicken der Akteure. Fudong spürt in seinem Werk den Veränderungen und Ungleichzeitigkeiten in der heutigen chinesischen Gesellschaft nach, die vor allem auf die rasanten wirtschaftlichen Entwicklungen und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen des Landes zurückzuführen sind. Anlass für unseren Autor Hias Wrba sich in seinem Beitrag näher mit den Bildkompositionen des Künstlers auseinanderzusetzen.

Inszenierung ist ein Begriff, den man auch mit den dokumentarisch-direkten Fotoarbeiten der österreichischen Künstlerin Andrea Witzmann assoziieren kann: ihre Arbeiten bieten Einblick in Räume, die mitunter wie von unsichtbarer Hand geordnet erscheinen. In diesen Bildern, auch in den Landschaften, tauchen keine oder kaum Menschen auf. Ebenso selten finden sich darin Gegenstände, die die Präsenz einer Person verraten. Die Raumsituationen bleiben so vordergründig nüchtern und scheinbar entleert von Geschichte. Maren Lübbke-Tidow versucht in ihrem Beitrag der Strategie Witzmanns auf die Spur zu kommen, die durch die bewusste Setzung von Details, aber auch durch die Einführung poetisch-assoziativer Bildtitel dem Betrachter einen emotionalen Zugang eröffnet und ihn dazu verführt, in die intime Zurückgezogenheit dieser Bildgeschehen einzutauchen.

Im vierten und letzten Teil seiner Essayreihe “Massenmedien-Akte: Über visuelle Programmierungen des politischen Raums” geht Tom Holert anhand der Ereignisse um “Live8” und die Terroranschläge in London der Frage nach, wie Bilder von bewegten Massen und Einzelnen dazu benutzt werden, eine globalisierte Öffentlichkeit zu mobilisieren. Wir danken Tom Holert für diese bereichernde Zusammenarbeit!

Abschließend möchten wir Sie auch in diesem Herbst einladen, Camera Austria an den Messeständen an der Frieze Art Fair in London, am Art Forum in Berlin und auf der Art Cologne zu besuchen!

Christine Frisinghelli

Beiträge

Forum

DANIEL BARTHMANN

SABINE SCHRÜNDER

LUKAS SCHALLER

ANNALISA SONZOGNI

KLAUS MOSETTIG

STEFAN PASSIG

CHRISTIAN HAGEMANN

NATHALIE MOHADJER

SACHIGUSA YASUNDA

Ausstellungen

51. Biennale di Venezia: Länderpavillons.
Arsenale, Venedig
MAREN LÜBBKE-TIDOW

Eine Erfahrung des Widerstandes.
51. Biennale di Venezia: The Experience of Art.
Italienischer Pavillon
REINHARD BRAUN

51. Biennale di Venezia: Always a Little Further.
Arsenale, Venedig
MANISHA JOTHADY

Gustav Metzger: Geschichte Geschichte.
Generali Foundation, Wien
ANDREAS SPIEGL

On Differenz # 1.
Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
SØNKE GAU

Alice Creischer – Appart zum osmotischen Druckausgleich von Reichtum bei der Betrachtung von Armut.
GAK Bremen
KERSTIN BRANDES

Trisha Donnelly.
Kölnischer Kunstverein
JOHANNA DI BLASI

Urbane Realitäten: Fokus Istanbul.
Martin-Gropius-Bau, Berlin
KRYSTIAN WOZNICKI

Fouad Elkoury: Fotografien und Filme.
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München
ANNETT BUSCH

Arbeit*
Galerie im Taxispalais, Innsbruck
NINA SCHEDLMAYER

Nach Rokytnik – Die Sammlung der EVN.
Museum Moderner Kunst Stuftung Ludwig
LUISA ZIAJA

Police.
Landesgalerie Linz am Oberösterreichischen Landesmuseum, Linz
MAREN RICHTER

Jeff Wall: Photographs 1978 – 2004
Schaulager, Basel; Tate Modern, London
BARBARA KUNZ

Artur Zmijewski.
Kunsthalle Basel
KIRSTY BELL

Friedlander.
Museum of Modern Art, New York; Haus der Kunst, München

Leaps of Faith.
Nicosia
DENISE ROBINSON

Photoespaña: Ciudad. VIII. Festival International de Fotografía y Artes Visuales.
Madrid
MANUEL OLVEIRA

Might it just be that time passes? David Claerbout.
Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München
YOANN VAN PARYS

The Politics of Pleasure. Back to Black: Art, cinema and the racial imaginary.
Whitechapel Art Gallery, London; The New Art Gallery, Walsall
DENISE ROBINSON

IX. Baltic Triennial of International Art
WALTER SEIDL

Bücher

Put About: A Critical Anthology on Independent Publishing.
Book Works, London 2005
KIRSTY BELL

Polaroid asl Geste – Über die Gebrauchsweisen einer fotografischen Praxis.
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2005
CAROLIN FÖRSTER

Claire Denis: Trouble Every Day.
Synema, Wien 2005
ANNETT BUSCH

Reinhard Matz: Fassade. Köln.
Emons-Verlag, Köln 2005
WOLFGANG VOLLMER

Slavko Kacunko: Closed Circuit Videoinstallationen. Ein Leitfaden zur Geschichte und Theorie der Medienkunst mit Bausteinen eines Künstlerlexikons auf DVD.
Logos Verlag Berlin, Berlin 2005
ANDREA DOMESLE

Linda Herzog: Birmingham – Instanbul – Zürich. Alltag in der städtischen Wirklichkeit.
Passenger Books, Köln/Zürich 2005
GISLIND NABAKOWSKI

Impressum

Herausgeber, Verleger und für den Inhalt verantwortlich: Manfred Willmann. Eigentümer: Verein CAMERA AUSTRIA, Labor für Fotografie und Theorie
Alle: Lendkai 1, A-8020 Graz

Redaktion Graz: Reinhard Braun, Christine Frisinghelli, Manisha Jothady
Redaktion Berlin: Maren Lübbke-Tidow

Lektorat: Marie Röbl
Übersetzungen: Wilfried Prantner, scheid&scheid, Richard Watts