Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie 2018 an Annette Frick

Die Akademie der Künste vergibt das Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie 2018 an Annette Frick. Das mit 20.000 Euro dotierte Förderungsstipendium für internationale Fotografinnen und Fotografen wird aus dem Nachlass von Ellen Auerbach finanziert und alle zwei Jahre vergeben. Der Nachlass befindet sich in Kunstsammlung und Archiv der Akademie. Die Ellen-Auerbach-Stipendiaten gehören dem Stipendiatenkreis der JUNGEN AKADEMIE an.

Am 14. November 2018 wird das Stipendium verliehen. Annette Frick erhält das Stipendium auf Vorschlag der Akademie-Mitglieder Thomas Florschuetz, Ulrike Ottinger und Michael Ruetz. Die Jury lobt »die Kompromisslosigkeit, mit der sie in ihren Fotos das Nonkonforme, Nicht-Fixierbare, Unabgeschlossene von Mensch und Stadt in den Blick nimmt und ihnen eine radikale künstlerische Form gibt.«

Annette Frick hat ihr fotografisches Werk inhaltlich und ästhetisch konsequent dem Marginalen und Experimentellen gewidmet. In analogen Schwarzweißbildern und Diareihen porträtiert sie seit den 1990er Jahren Personen der Berliner Subkultur und fotografiert das architektonische Berlin im Umbruch. Mit großer Empathie begegnet sie dabei den Protagonistinnen und Protagonisten der international vernetzten Queer Community, deren politisch-künstlerische Attitüden und Aktionen sie in ihrem Langzeitprojekt »Masken der Identität« begleitet. Kritisch hingegen nähert sie sich den urbanen Maskeraden der deutschen Hauptstadt, an deren Fassaden sie sowohl die Spuren der Geschichte aufspürt wie auch die Versuche, diese wieder zu beseitigen.

Annette Frick wurde 1957 in Bonn geboren, von 1978 bis 1988 studierte sie Freie Kunst in Köln bei Arno Jansen, Daniel Spoerri und Robert van Ackern, wo sie 1988 auch Meisterschülerin der künstlerischen Fotografie bei Arno Jansen war. Parallel arbeitete sie als Fotografin für verschiedene wissenschaftliche Institute, veröffentlichte Texte über Kunst und Fotografie und gründete zusammen mit Achim Riechers und Doris Frohnapfel den Hafensalon in ihrem Kölner Atelier. 1996 zog Frick nach Berlin um. 2006 erhielt sie den Emprise Art Award Düsseldorf, ferner u. a. 2008 das Recherche Studium der DEFA Stiftung für ihren Film über Herbert Tobias, der 2011 im Panorama Programm der Berlinale gezeigt wurde, 2016/2017 das Cité Internationale des Arts Stipendium Paris. Einzelausstellungen von ihr waren in den letzten Jahren in Frankfurt, Köln, Berlin, Bremen und Leipzig zu sehen.

Ellen-Auerbach-Stipendiaten der letzten Jahre waren Stephanie Kiwitt (2016), Julian Röder (2014), Natalie Czech (2012) und Anastasia Khoroshilova (2010).

Verleihung des Ellen-Auerbach-Stipendiums für Fotografie 2018

Mittwoch, 14. November 2018, 19 Uhr, Eintritt frei
Mit u. a. Hubertus von Amelunxen, Helke Misselwitz, Maren Lübbke-Tidow und der Preisträgerin Annette Frick.
Im Anschluss: Buchvorstellung Máj/My von Stephanie Kiwitt, Ellen-Auerbach-Stipendiatin von 2016
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

Ausstellung: Werkschau XXI. Sabine Bitter & Helmut Weber

Eröffnung: 15. Oktober 2018, 19:00
Einleitende Worte: Reinhard Braun
Ort: Fotogalerie Wien
Dauer: 16.10. – 17. 11. 2018

Die seit 1993 gemeinsam arbeitenden KünstlerInnen Sabine Bitter und Helmut Weber nehmen von Beginn an eine besondere Position innerhalb der österreichischen – und mittlerweile auch der internationalen – künstlerischen Praktiken mit Fotografie ein.
So stehen früh – und bis heute – die gesellschaftlichen Transformationsprozesse am Übergang von der Moderne in einen neoliberalen Globalismus im Mittelpunkt ihrer Projekte. Diese untersuchen sie exemplarisch im Feld von Architektur, Städtebau und Urbanismus, wobei es ihnen nicht um die Repräsentation dieser Transformationen allein geht.

Fotografie wird als Praxis verstanden, die Bildkonventionen und die Ideologien von fotografischen Bildern analysiert und diese dabei unterschiedlichen Interventionen unterzieht: fotografische Verfahren (wie die Solarisation), digitale Überarbeitung, die Erzeugung von Bildern aus Texten, die skulpturale Erweiterung der Präsentation und verschiedene Montageverfahren lassen die Bilder kaum jemals unangetastet.

Architekturfotografie wird durch einen fototechnischen Eingriff zur Repräsentation der politischen Geschichte von Architektur; die digitale Montage einer Menschenmenge verdeutlicht den Umstand, dass Bilder uns einen Platz zuweisen; das Ausblenden der Architekturen aus den Bildern lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Aneignungsformen von Stadträumen und kehrt ihre Bedeutung als politisches Forum der Verhandlung von Gesellschaft heraus; schließlich verdeutlichen die Montagen zugleich Verflüssigung des Stadtraumes und seiner Funktionen als auch die potenziell jederzeit mögliche Intervention und damit die permanente Präsenz von Macht in diesem post-urbanen Raum. Fotografie wird zum Schauplatz, an dem Erkennen und Wissen, Kontexte und Geschichte, Politik und kulturelle Praktiken aufeinandertreffen, um die Bilder selbst zu verändern, um andere Bilder und letztlich eine andere Gegenwart denkbar werden zu lassen. Doch sind die Bilder dabei nicht nur das Resultat von Forschung, Analyse oder Kritik: Die Politik ihrer Bilder, wenn man es so nennen will, findet im und als Bild selbst statt. 

Aus diesem Grund ist die Werkschau nicht als Überblick oder Auswahl gedacht, sondern als Überprüfung ihrer Praxis als ästhetische Produktion, die die Impulse der Bilder selbst in den Vordergrund rückt. Für die Fotogalerie Wien wird eine spezifische Dramaturgie entwickelt, die aus dem Zueinander und Miteinander von Bildern ein Feld von Beziehungen anlegt, das die Verschiebungen und Verrückungen offenlegt, die sie an den Bildern vornehmen und diese Offenlegung mit den BesucherInnen der Ausstellung teilen.

Museum Folkwang: Krupp-Stipendien für Zeitgenössische deutsche Fotografie gehen an Karina Nimmerfall und Michael Danner

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung vergibt in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang zwei Preise in Höhe von je 10.000 Euro im Rahmen ihres Stipendienprogramms “Zeitgenössische deutsche Fotografie”. Die Auszeichnungen erhalten in diesem Jahr Karina Nimmerfall und Michael Danner.

Das seit 1982 existierende Stipendium gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen für zeitgenössische Fotografie in Deutschland. Die internationale Jury entschied sich aus 162 Bewerbungen für den Vorschlag von Karina Nimmerfall, für ihre virtuelle Raumrekonstruktion “The Building”, und für das Projekt von Michael Danner mit dem Titel “Zivilgesellschaft – Demokratie im ‘Post-Faktischen’ Zeitalter”. Nimmerfall und Danner erhalten je 10.000 Euro, um die eingereichten Projekte umzusetzen.

Mitglieder der Jury waren:

•           Natalie Czech, Künstlerin und ehemalige Stipendiatin, Berlin
•           Marloes Krijnen, Direktorin, Foam, Amsterdam
•           Alona Pardo, Kuratorin, Barbican Centre London
•           Dr. Ingomar Lorch, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Essen
•           Thomas Seelig, Leiter Fotografische Sammlung, Museum Folkwang, Essen

Karina Nimmerfall (*1971, Deggendorf), lebt und arbeitet in Berlin. Ihre künstlerische Arbeit entwickelt sie aus fotografischen Untersuchungen von historischer Architektur und wie diese von politischen, ökonomischen und ideologischen Fragestellungen durchdrungen ist. In ihren Werken fügt sie Dokumente, Texte und Interviews, Fotografien und Baupläne zusammen und eröffnet mit Hilfe von virtuellen Renderings räumliche Inszenierungen und damit neue Interpretationsspielräume. In ihrem geplanten Projekt “The Building” wird sie sich der wenig erforschten und höchst innovativen RAND Corporation mit Sitz in Los Angeles zuwenden. Das minimalistische jedoch heute zerstörte Gebäude (1953-2007) wird Nimmerfall mit forensischen Mitteln in seinen technologischen und ideologischen Qualitäten erfahrbar machen.

Michael Danner (*1967, Reutlingen), lebt und arbeitet in Berlin. Danner verfolgt in seinen Projekten einen politisch-anthropologischen Ansatz, in dem er kontroverse Orte und Geschichte/n untersucht. Oft verbindet er aktuelles Bildmaterial mit historischen Texten. In “Critical Mass” untersucht er das Wirken der Atomindustrie und unser Verhältnis zu dieser Technologie, während er in “Migration as Avant-Garde” den Begriff der Migration als ein historisches und nicht tages-politisches Phänomen benutzt. Seine Bilder und Videoinstallationen schaffen Raum für einen Dialog von Bild und Rezipienten, der über das eigentliche Sujet hinausgeht und in direkter Weise an die Lebenswirklichkeit der BetrachterInnnen anknüpft.

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung vergibt die Stipendien zur Förderung zeitgenössischer Fotografie seit 1982 in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang. Das Förderprogramm richtet sich an FotografInnen, die unabhängig von einer Auftragsarbeit ein fotografisches Vorhaben über einen längeren Zeitraum erarbeiten. Die Fotografische Sammlung im Museum Folkwang betreut dieses Förderprogramm. Die Ausschreibung ist weder thematisch gebunden noch einem bestimmten Bereich der fotografischen Praxis zugeordnet. Die Stiftung fördert mit diesem offen gehaltenen Förderprogramm eine zeitgemäße bildnerische Auseinandersetzung mit fotografischen Sicht- und Darstellungsweisen. Alle zwei Jahre werden jeweils zwei Stipendien ausgeschrieben. Die Auswahl der Stipendiaten erfolgt durch eine Jury mit Vertretern der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, des Museum Folkwang und von den beiden Institutionen ausgewählten, unabhängigen Fachleuten. Die nächste Ausschreibung erfolgt voraussichtlich 2020.

Symposium: Borders and Migration: Politics in the Twenty-First Century at University of Victoria

A Symposium in Honour of Marilouise Kroker
Sponsored by the Department of Political Science and the Interdisciplinary Graduate Program in Cultural, Social and Political Thought (CSPT)

Friday, October 26th, 2018

Twentieth century politics was premised on the nation-state. In recent years, many politicians have suggested that long-established nations are now threatened by immigrants who do not fit the old moulds. The appeal, heard in one country after another, is for stronger borders to inhibit the flow of migrants from dangerous, poor, war-torn, environmentally damaged, or otherwise unfortunate countries to places where life seems better. This appeal resonates with the nativist and racist themes that often characterize right-wing politics. The late Marilouise Kroker was always an exponent of the openness that welcomes rather than fears the new. In this symposium in her honour, faculty and students at the University of Victoria explore the possibilities and promises of a 21st century politics that embraces human diversity, accepts migration as natural, and celebrates the possibilities of a world in which borders – between nations, states, ethnicities, religions, ideologies, genders, and whatever else are not the obstacles to human flourishing that they are now. Is the current period of revanchist nationalism just a passing phase? Can the positive aspects of globalization be nurtured? How can present fears be overcome? In this symposium, a variety of perspectives will be presented, some from invited panellists, but more from other participants. Come prepared to make your own contribution.

Session 1: Global Perspectives (COR B107, 1.30 – 2.50 pm)

It begins with a round table in which scholars working on these issues shed light on what has been happening in different parts of the world, including ones that have not received much attention in the Western media. Is there a general pattern that we can discern, or are things so different in various regions that we should avoid generalization? What, if anything, should give us cause for hope?

Panellists:
Marlea Clarke (Political Science)
Oliver Schmidtke (Political Science and History)
Scott Watson (Political Science)

Session 2: Theoretical Interpretations (COR B107, 3.00 – 4.20 pm)

In the second round table, we consider some of the issues for political theory that arise from efforts to accommodate migration or secure borders. Are we bound to the nation-state as the condition for peaceable politics, or other possibilities now emergent? In any case, how can we make sense of our political possibilities under present conditions?

Panellists:
Rita Dhamoon (Political Science and CSPT)
Arthur Kroker (Political Science and CSPT)
Rob Walker (Political Science and CSPT)

Session 3: Reflections from the US- Mexican Border (HSD A240, 7.00 – 9.00 pm)

The symposium ends with a lecture/performance by Ricardo Dominguez of the University of California (San Diego). Professor Dominguez is renowned for his bold and innovative interventions in American efforts to restrict migration from Mexico and Central America.

David Campany appointed Curator—Biennale für aktuelle Fotografie 2020

After the successful first edition of the Biennale für aktuelle Fotografie, which took place in 2017 as the successor to the Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg under the direction of a curatorial team headed by Florian Ebner and Christin Müller, the 2nd Biennale für aktuelle Fotografie will be curated by English writer and curator David Campany, as announced by the festival’s board on October 4, 2018. The 2nd Biennale für aktuelle Fotografie will take place between February 29 and April 26, 2020.

Dietrich Skibelski, chairman of the Biennale für aktuelle Fotografie: “We are extremely pleased about our cooperation with David Campany. Not only were we convinced by his recent curatorial projects and the range of topics he has dealt with; his work as a writer and, in his own words, as an ‘image maker’ also fit very well with the many aspects that comprise the Biennale: exciting exhibitions, a varied supporting programme and the opportunity to initiate a broad and deep discourse about the photographic medium. His experience in the transmission of art and his direct connection to the young art scene, attained through his 25 years as a university lecturer, provide a lot of impetus to our project, which is why we are looking forward to the 2020 Biennale.”

More information: biennalefotografie.de