Camera Austria International
87 | 2004
- SØNKE GAU
Aglaia Konrad: Floating Images - AGLAIA KONRAD
- MAREN LÜBBKE-TIDOW
Hans Schabus: Vergegenwärtigungen - HANS SCHABUS
- JAN VERWOERT
Die neue Geschichte der Ideen ohne Zukunft - NINA SCHEDLMAYER
über Sabina Hörtner - SABINA HÖRTNER
- SIEGFRIED ZIELINSKI
Ein Gespräch zwischen Heinz Emigholz und Siegfried Zielinski
- HEINZ EMIGHOLZ
Vorwort
Die vorliegende Ausgabe von Camera Austria gibt Einblick in die Arbeit von KünstlerInnen, deren Schaffen wir schon seit längerer Zeit verfolgen und im Kontext unserer Zeitschrift schon zu einem frühen Zeitpunkt dokumentiert oder im Rahmen unseres Ausstellungsprogramms vorgestellt haben. So luden wir bereits 1999 Hans Schabus ein, gemeinsam mit Gottfried Bechtold in unseren ehemaligen Ausstellungsräumen seine Arbeiten zu zeigen. Daran anknüpfend erschienen auch ein erster umfangreicher Beitrag in der Nr. 68 unserer Zeitschrift. Inzwischen konnte Hans Schabus sich nicht nur an zahlreichen Gruppenausstellungen wie etwa der Manifesta in Frankfurt (2002) beteiligen, sondern wurde auch zu Einzelausstellungen in größeren institutionellen Zusammenhängen wie der Secession, Wien, im Bonner Kunstverein (beide 2003) oder demnächst im Kunsthaus Bregenz eingeladen – Grund genug für uns, einen Ausschnitt aus seiner aktuellsten Arbeit vorzustellen. Die Bilder, die wir hier zeigen, sind im Juli 2004 auf einer Reise durch Polen entstanden.
Camera Austria International 87 | 2004
Vorwort
Die vorliegende Ausgabe von Camera Austria gibt Einblick in die Arbeit von KünstlerInnen, deren Schaffen wir schon seit längerer Zeit verfolgen und im Kontext unserer Zeitschrift schon zu einem frühen Zeitpunkt dokumentiert oder im Rahmen unseres Ausstellungsprogramms vorgestellt haben. So luden wir bereits 1999 Hans Schabus ein, gemeinsam mit Gottfried Bechtold in unseren ehemaligen Ausstellungsräumen seine Arbeiten zu zeigen. Daran anknüpfend erschienen auch ein erster umfangreicher Beitrag in der Nr. 68 unserer Zeitschrift. Inzwischen konnte Hans Schabus sich nicht nur an zahlreichen Gruppenausstellungen wie etwa der Manifesta in Frankfurt (2002) beteiligen, sondern wurde auch zu Einzelausstellungen in größeren institutionellen Zusammenhängen wie der Secession, Wien, im Bonner Kunstverein (beide 2003) oder demnächst im Kunsthaus Bregenz eingeladen – Grund genug für uns, einen Ausschnitt aus seiner aktuellsten Arbeit vorzustellen. Die Bilder, die wir hier zeigen, sind im Juli 2004 auf einer Reise durch Polen entstanden.
Aglaia Konrad wurde im vergangenen Jahr der „Camera Austria Preis für zeitgenössische Fotografie der Stadt Graz“ zugesprochen, gefolgt von der Einzelausstellung „KOPIE / CITY – Graz 2004“ in unseren Ausstellungsräumen. Sønke Gau nähert sich Konrads Untersuchungen urbaner Strukturen über die Raum- und Bewegungstheorien Michel de Certeaus und Paul Virilios an. „Konrads Arbeiten beziehen sich auf die Versprechungen der Moderne und deren konkrete Umsetzung – die Diskrepanz zwischen Utopie und Utilitarismus im Bereich der Architektur und Stadtplanung“.
Genau hier setzen auch Jan Verwoerts Untersuchungen über „Die neue Geschichte der Ideen ohne Zukunft“ an. Verwoert arbeitet in seinem Beitrag anhand einzelner Beispiele wie etwa den Arbeiten von Florian Pumhösl oder Jakob Kolding das neue Interesse an der Moderne in der aktuellen Kunst heraus und macht deutlich, dass ein gemeinsamer Bezugspunkt – und das gilt für die Arbeit von Konrad gleichermaßen – die Architektur des Internationalen Stils und insbesondere der von ihr abgeleitete und global verbreitete Funktionalismus sei.
In regelmäßigen Abständen stellen wir die Projekte von KünstlerInnen des Medienturm Graz in unserer Zeitschrift vor. Mit Sabina Hörtner, die dort im Frühjahr dieses Jahres ihr Projekt „17/21–04“ realisiert hat, verbindet uns zudem ihre Teilnahme an der von Reinhard Braun kuratierten Ausstellung „Der Widerstand der Fotografie“. Nina Schedlmayer setzt sich ausgehend von Brian O’Dohertys Wahrnehmungstheorie mit Hörtners räumlichen Interventionen auseinander, denen stets eine Analyse des jeweils vorhandenen Raumzusammenhangs vorangeht, um visuelle, politische oder soziale Verschiebung hinsichtlich der Konstellation von Raum und Ort zu evozieren.
Heinz Emigholz arbeitet als Filmemacher, bildender Künstler, Schauspieler und Publizist. Im Rahmen des Symposions über Fotografie XIV zum Thema Krieg im Herbst 1993 lieferte Emigholz mit „Photographie und jenseits“ einen wichtigen Beitrag, der in Camera Austria Nr. 47/48 publiziert wurde. Seine Produktionen in verschiedenen Medien zeugen von einer jenseits kategorialer Zuordnungen möglichen künstlerischen Methode. Das zeigt sich auch im für diese Ausgabe gestalteten Beitrag, der ein Gespräch mit dem Kunst- und Medienwissenschafter Siegfried Zielinski ebenso mit einschließt wie einen Monolog des Künstlers und detaillierte Beschreibungen zu seinen Filmen und Zeichnungen. Durch diese collageartige Praxis „eröffnet Emigholz Zugänge und Zusammenhänge, die ein lineares Erzählen so nicht zu vermitteln erlaubte“, schreibt Marc Ries – ebenfalls in dieser Ausgabe – über Heinz Emigholz‘ jüngstes Buch Das schwarze Schamquadrat.
Christine Frisinghelli
Beiträge
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SØNKE GAU
Aglaia Konrad: Floating Images
Aglaia Konrad setzt sich sowohl durch die Wahl dessen, was sie abbildet, wie auch durch die formale Wiedergabe des Fotografierten von einem hauptsächlich ikonografischen und formalistischen Modell der Architekturfotografie ab. Entgegen den üblichen repräsentativen Stadtansichten gilt ihr Interesse nicht den Wahrzeichen oder typischen urbanen Szenarien, sondern den städtischen Randzonen: der Peripherie, der städtischen Infrastruktur, Baustellen und meist unbekannten Gebäuden. Diese Bauten weisen in ihrem Werk unabhängig von ihrer Funktion und ihrem Kontext eine gewisse unspektakuläre Einheitlichkeit in der Gestaltung auf, deren Formenvokabular sich als Chiffre der Moderne lesen lässt.
Aglaia Konrads Arbeiten beziehen sich auf die Versprechungen der Moderne und deren konkrete Umsetzung – die Diskrepanz zwischen Utopie und Utilitarismus im Bereich der Architektur und Stadtplanung. Die Haltung, die Aglaia Konrad zur Moderne einnimmt, ist dabei keine dezidiert kritische. Faszination für die architektonischen und städtebaulichen Ideen der Moderne und eine Aufmerksamkeit für die Kollateralschäden, welche die grundlegenden Veränderungen durch Globalisierungsprozesse hervorgerufen haben, halten sich die Waage. Ihre Aufnahmen aus zahlreichen Großstädten weltweit belegen, dass die Moderne ein globales System ist, das sich einer Festschreibung durch starre Grenzen entzieht. Die Fotografien tragen entweder keine Titel oder beschränken sich auf Orts- und Jahresangaben. In ihrer Zusammenschau generieren sie ein globales Bild des Städtischen mit verbliebenen lokalen Referenzen, die trotzdem keinen konkreten Ort meinen und kein auf den ersten Blick nachvollziehbares Ordnungsmuster erkennen lassen. Wie im Märchen von Hase und Igel ist die Moderne, egal, in welchen Teil der Welt Aglaia Konrad reist, immer schon da. Der Künstlerin gelingt es, eine alternative Form von Kartografie zu entwerfen, die im Gegensatz zur geografischen Karte, welche auf einer phänomenologischen Raumauffassung basiert, Strukturen abbildet, die in ihrer Aufsplitterung nicht mehr als raumzeitliches Kontinuum gelesen werden können. An die Stelle von linearen Strukturen mit festen Bezugspunkten ist eine rhizomatische Bewegung getreten. Die Konstellation aus zeitlicher Verschiebung und Ortlosigkeit löst die Fotografien aus dem Zusammenhang der Dokumentation und fügt ihnen eine fiktionale und narrative Komponente bei.Textbeitrag in Camera Austria International 87/2004, S. 7–18.
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AGLAIA KONRAD
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 7–18.
Aglaia Konrad, Video Stills aus / from: Tomorrow Square, 2004. -
AGLAIA KONRAD
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 7–18.
Aglaia Konrad, Video Stills aus / from: Tomorrow Square, 2004. -
AGLAIA KONRAD
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 7–18.
Aglaia Konrad, Video Stills aus / from: Tomorrow Square, 2004. -
AGLAIA KONRAD
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 7–18.
Aglaia Konrad, Video Stills aus / from: Tomorrow Square, 2004. -
AGLAIA KONRAD
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 7–18.
Doppelseite / spread: Aglaia Konrad, S. / pp. 12–13. -
AGLAIA KONRAD
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 7–18.
Aglaia Konrad, KOPIE / CITY, Graz 2004.
Installation: Camera Austria, Graz 2004.
Photo: Manfred Willmann.
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MAREN LÜBBKE-TIDOW
Hans Schabus: Vergegenwärtigungen
Die Fotografien, die Hans Schabus seit 2003 dem Werkkomplex „Auf der Suche nach der endlosen Säule“ zuordnet, haben hingegen mehr den Charakter eines (unab)geschlossenen und unabschließbaren Berichts. Auch die Aufnahmen von Haltestellen, die auf einer Polenreise im Juli 2004 entstanden und in Auszügen in dieser Zeitschrift abgebildet sind, haben in diese Bildersammlung Einlass gefunden.
Eine Reise durch Rumänien im vergangenen Jahr, deren Schlusspunkt der Besuch des Brancusi-Mahnmals bildete, markierte den Anfang, unterschiedliche fotografische Dokumente, die bislang entstanden waren und die jetzt im Entstehen sind, mit „Auf der Suche nach der endlosen Säule“ zu systematisieren. Anders als andere Künstler zitiert Schabus die „Endlose Säule“ Brancusis nicht als Form und zeigt sie auch nie direkt, die Referenz im Titel seines Werkkomplexes „Auf der Suche nach der endlosen Säule“ zeigt jedoch sein Bewusstsein dafür, dass Brancusi mit der Säule, die sich endlos erweitern und gedanklich nach oben und unten fortführen lässt, Dimensionen gesprengt hat, weil mit ihr ein Grundproblem bildhauerischen Arbeitens eine bis dahin nicht erreichte Zuspitzung erfahren hat. Mit ihren reproduzierbaren stereometrischen Grundelementen, mit denen das Wechselspiel von Materie und Leere als Prinzip der Skulptur im Raum visualisiert wird, hat sie Schabus‘ Auffassung von Skulptur im/als Raum nachhaltig geprägt bzw. auf den Punkt gebracht.
Während dieser Reise durch Rumänien fielen Schabus die regional verschiedenen Bauweisen auf. Was er an Häusertypen jenseits der hochkulturellen Baukünste antraf, unterscheidet sich grundlegend vom Stil der Hochmoderne westlicher Baukultur, ein Umstand, der vor allen Dingen dem beschränkten Zugang zu baustofflichen Ressourcen geschuldet ist. Es wird schnell deutlich, dass zuerst auf die jeweiligen natürlichen Ressourcen zurückgegriffen wird, sie sind die einzig problemlos zugänglichen Materialien. Diese Ortsspezifik, die sich durch ein direktes Übergreifen von Natur und ihren Rohstoffen auf (Bau-)Kultur ergibt, muss jemanden wie Schabus, der die haptischen Qualitäten des natürlichen Materials zu schätzen weiß, interessieren, aber auch, weil hier der nahe liegende und oftmals auch einzig mögliche Rückgriff auf natürliche Ressourcen die Alltagskultur entscheidend prägt, Leben und Arbeiten ausweglos miteinander verzahnt sind. Gegenüber der standardisierten hochmodernen Baukultur, wie wir sie in vom Kapitalismus geprägten Ländern kennen, schlägt aber hier eine vermeintliche Rückschrittlichkeit um in Authentizität: Hier drückt sich etwas aus, von dem man – ein Bewohner, ein Besucher, Schabus selbst – sagen kann: Das bin ich. Hier finde ich mich wieder.Textbeitrag in Camera Austria International 87/2004, S. 19–30.
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HANS SCHABUS
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 19–30.
Hans Schabus, Auf der Suche nach der endlosen Säule (0704 - 136), 2004. -
HANS SCHABUS
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 19–30.
Hans Schabus, Auf der Suche nach der endlosen Säule (0704 - 186), 2004. -
HANS SCHABUS
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 19–30.
Hans Schabus, Auf der Suche nach der endlosen Säule (0704 - 140), 2004. -
HANS SCHABUS
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 19–30.
Hans Schabus, Auf der Suche nach der endlosen Säule (0704 - 1123), 2004. -
HANS SCHABUS
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 19–30.
Hans Schabus, Auf der Suche nach der endlosen Säule (0704 - 124), 2004. -
HANS SCHABUS
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 19–30.
Doppelseite / spread: Hans Schabus, S. / pp. 24–25.
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JAN VERWOERT
Die neue Geschichte der Ideen ohne Zukunft
Es gibt ein neues Interesse an der Moderne in der aktuellen Kunst. Die Anzeichen dafür sind unübersehbar. Die Formensprache der geometrischen Abstraktion wird in Malerei und Skulptur neu aufgegriffen. Ein allgegenwärtiger Bezugspunkt ist die Architektur des Internationalen Stils und insbesondere der von ihr abgeleitete und global verbreitete grobe Funktionalismus. Das Interesse an der Moderne ist dabei nicht länger primär gekennzeichnet durch das Bestreben, die totalitaristischen Tendenzen der Moderne zum Gegenstand von Kritik oder Spott zu machen. Die treibende Kraft scheint vielmehr eine gewisse Neugier an der Entdeckung spezifischer Ausdrucksformen und Randerscheinungen des modernistischen Diskurses zu sein. Die Frage ist: Welcher Einsatz steht bei dieser neuen Auseinandersetzung mit der Moderne auf dem Spiel?
Der Einsatz, den Pumhösl hier ins Spiel bringt, ist das Versprechen der totalen Objektivität des fotografischen Bildes im Medium des Fotogramms. Die Differenz, die Pumhösls Arbeit im Kern dieses historischen Versprechens eröffnet, ist die zwischen extrem verschiedenen, aber intrinsisch miteinander verbundenen Bedeutungen des künstlerischen Objektivitätsbegehrens. Das Interesse für die mythische Dimension des modernistischen Technikglaubens bestimmt Marko Lulic‘ Arbeit zu Nikola Tesla, dem Pionier der Erforschung von Wechselstrom und Elektromagnetismus und Inbegriff des exzentrischen Erfinders. Paulina Olowska verhandelt die modernistische Sehnsucht nach Universalien in Bezug auf den Traum einer Idealsprache. Die inszenierte Fotografie „Do You Speak Esperanto?“ zeigt die Künstlerin an einen Baum gelehnt, scheinbar versunken in das Buch in ihrer Hand. Jane und Louise Wilson präsentierten mit ihrer Videoinstallation „A Free and Anonymous Monument“ (2003) einen Nachruf auf die industrielle Moderne in Nordengland. Die Künstlerinnen filmten Ansichten einer Nordsee-Ölplattform, eines heruntergekommenen Parkhaus-Komplexes in Gateshead sowie die verfallene futuristische Betonarchitektur des Apollo Pavilion von Victor Pasmore in Peterlee. Ebenfalls mimetisch, aber mit anderem Ergebnis, geht Mark Lewis in „Children’s Games (Heygate Estate)“ (2002) vor. Der Film ist eine einzige sieben Minuten lange Kamerafahrt über eine Flucht von Rampen und Fußgängerbrücken, die die Gebäude des ausgedehnten Komplexes Heygate Estate in Ostlondon verbinden. Eine interessante Parallele findet sich in den Videoanimationen von Pia Rönnike. In „Storyboard for a City“ (2001) oder „Outside the Living Room“ (2000) verbindet sie Zeichnungen und collagierte Fotos von klassischer und spätmodernistischer Architektur zu einem endlosen Strom durch Verkehrswege verbundener oder durch Gestaltwechsel ineinander übergehender Gebäude. Ein Vergleich ließe sich aber auch zu Jakob Koldings Collagen anstellen. Kolding verwendet Bildmaterial aus diversen Quellen: Abbildungen von Hochhaussiedlungen und modernistischen Betonwüsten kombiniert er mit Fragebögen zur Erforschung der Lebensgewohnheiten ihrer Bewohner, aber auch mit positiv konnotierten Motiven, Bildern von engagierten Stadtplanern bei der Arbeit, oder Verweisen auf die mit dem Umfeld der Satellitenstädte assoziierten Subkulturen des Scateboardfahrens oder Homerecordings elektronischer Musik.Textbeitrag in Camera Austria International 87/2004, S. 31–38.
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Die neue Geschichte der Ideen ohne Zukunft
Florian Pumhösl, Still aus / from: O.T., 2003, 29 min., loop.
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Die neue Geschichte der Ideen ohne Zukunft
Doppelseite / spread: Marko Lulic, Paulina Olowska, Jane & Louise Wilson, S. / pp. 34–35.
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NINA SCHEDLMAYER
über Sabina Hörtner
Selten definierte jemand das Verhältnis zwischen Betrachter und Auge so radikal anders wie Sabina Hörtner in ihrer Arbeit „07/13–04“, die sie im Februar/März 2004 für die Ausstellung „Der Widerstand der Fotografie“ im Korridor zwischen dem Kunsthaus Graz und den Ausstellungsräumlichkeiten von Camera Austria installierte. Der bis auf einen freigelassenen Streifen weiß ausgekleidete Passageraum hat den Charakter einer Boarding-Rampe. Auf dem dunkleren Streifen, der den ganzen Schlauch durchlief, bewegte sich in gleichmäßigem Rhythmus ein sehr helles Lichtrechteck von unten nach oben – sprich: dem hereinschlendernden Publikum entgegen. Die schnelle Bewegung entsprach dabei eher einem „Hinaufzischen“, begleitet von dem entsprechenden Geräusch der Lichtquelle, eines Scanners. Das Publikum konnte sich nun aussuchen, ob es sich selbst ins Rampenlicht begibt oder diesen Part wieder mal der Kunst überlässt – also ob die Trennung zwischen Betrachter und Auge aufgehoben wird oder nicht. Betonen Sabina Hörtners Arbeiten räumliche Linearität, so geschieht dies auch mit einer linearen Zeitachse – was sich hier in den Titeln der Arbeiten, die den Zeitraum ihrer Präsentation und also ihrer Existenz bezeichnen, ausdrückt. Punktuell und zufällig greift die fotografische Dokumentation an einer Zeitlinie bestimmte Momente heraus – unumgänglich, da die Arbeiten temporär und unkontrollierbar und daher unumkehrbar und unwiederholbar funktionieren. Welche Zeichnungen die Laserpointer erzeugen, welche Signale die Baustrahler von sich geben, das entzieht sich der Kontrolle der Künstlerin und wird dem Zufall oder dem Wetter überantwortet – so auch die fotografischen Images, die schließlich bleiben. Auch in einer älteren Arbeit, die Hörtner im Salzburger Rupertinum installierte, war der Zufall Regisseur: Ruckartig und zufällig bewegte Sprenkelanlagen waren die Halterungen für Laserpointer, die dadurch Muster an die Wand zeichneten – ein Setting zur zufälligen und unbeeinflussbaren Produktion visueller Erscheinungen. Relevant ist nicht unbedingt, was erscheint. Sondern dass.
Textbeitrag in Camera Austria International 87/2004, S. 39–44.
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SABINA HÖRTNER
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 39–44.
Sabina Hörtner, Up to the Stars, 2004.
Installation: Medienturm Graz. -
SABINA HÖRTNER
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 39–44.
Sabina Hörtner, Up to the Stars, 2004.
Installation: Medienturm Graz. -
SABINA HÖRTNER
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 39–44.
Sabina Hörtner, 07/13-04, 2004.
Installation: Camera Austria, Graz. -
SABINA HÖRTNER
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 39–44.
Sabina Hörtner, 07/13-04, 2004.
Installation: Camera Austria, Graz. -
SABINA HÖRTNER
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 39–44.
Sabina Hörtner, 07/13-04, 2004.
Installation: Camera Austria, Graz. -
SABINA HÖRTNER
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 39–44.
Doppelseite / spread: Sabina Hörtner, S. / pp. 40–41.
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SIEGFRIED ZIELINSKI
Ein Gespräch zwischen Heinz Emigholz und Siegfried Zielinski
Siegfried Zielinski: »Photographie und jenseits« entfaltet seine Wirkung auf zwei Ebenen, auf der Ebene des einzelnen Films, den du in das Projekt einfügst, aber auch als Arbeit an einem film-visuellen und audiovisuellen Archiv. Sukzessive entsteht eine Enzyklopädie der Mittel, mit denen eigenwillige Architekten Räume und Orte akzentuiert, verändert, transformiert haben.
Heinz Emigholz: Die Dinge können, von Bedeutungszuweisungen befreit, wieder für sich selbst sprechen. Film kann wieder einfach nur zeigen und muss sich dabei tatsächlich messen lassen an dem, was er abbildet und wie er das tut. In der Gruppe »Architektur als Autobiografie« zeige ich etwas, das von der »Internationaler Stil-« und »Bauhaus«-Bewegung nahezu mit kriminellen Mitteln unterdrückt worden ist. Bruce Goff ist – wie Rudolph Schindler – vorsätzlich marginalisiert und ins Abseits gestellt worden. Bloß weil sie keine Ideologen waren, die weltweit agieren wollten, sondern sich den bestimmten Orten und der jeweils besonderen Gestalt ihrer Bauten verpflichtet fühlten. Der Film hat jetzt als Monument die Kraft, diese Gebäude so ins Zentrum zu stellen, dass sie nicht wieder wegzudiskutieren sind. Den »Archiv«-Gedanken, der ja ein enzyklopädischer ist, kann ich allerdings nur gegenüber meiner eigenen Produktion durchsetzen. Ich zeige in der Untergruppe „The Basis of Make-Up“ alle meine Notizhefte, Skizzenbücher und Zeichnungen in möglichst sinnvollen Zuordnungen. Das ist zugleich vollständig als auch eine Parodie auf Enzyklopädie. Deren Ziele reichen ja über den Einzelnen hinaus. Das Persönliche stört in ihrem Rahmen nur, und mit dieser Störung befasse ich mich eingehend.
S. Z.: Ist das eine Aufgabe, die du dem fotografischen Film nach seinem Durchlauf durch die Beschleunigungs- und Reinigungsmaschinen des Elektronischen zuweist? Die dauerhafte Konservierung (bau)ästhetischer Sensationen und des achtungsvollen Blicks eines Künstlers auf dieselben? Möglicherweise das Kino als, im besten Sinn des Wortes, Museum, als Stätte für die Veredelung von, in diesem Fall, gebauten Phantasien?
H. E.: Ich kann nur das anbieten, was ich am besten kann: den Raum auf der Fläche repräsentieren. Ich sehe mich als eine qua Vertrag mit der Menschheit ausgehaltene Kameraperson, die ihre Blickresultate zur Verfügung stellt. Nicht mehr und nicht weniger als eine Utopie ohne Dramaturgie ist das. Nach allem, was Medien inzwischen alles vermögen, ist das so etwas wie ein zweiter Paradigmenwechsel. Die Wirklichkeit soll nicht mehr mit Sprache überzogen und interpretiert, sondern „nur“ so perfekt wie möglich mittels einer intakten fotografischen Oberfläche im Sinne einer „Vorführung“ gezeigt werden – ein Motiv, so alt wie die Geschichte des Films, aber lange Zeit in einer Nebenlinie verschüttet: die Wirklichkeit der Oberflächen als logisches System erkennen, ohne auf der Suche nach einem »inneren« Kode zu sein – eine Suche, die bisher noch alle Intellektuellen zu Verbrechern gemacht hat.
Textbeitrag in Camera Austria International 87/2004, S. 45–57.
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HEINZ EMIGHOLZ
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 46–57.
Heinz Emigholz, Fotografische Skizzen zu "Tale of Five Cities". -
HEINZ EMIGHOLZ
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 46–57.
Heinz Emigholz, 5 Zeichnungen aus der Serie "Die Basis des Make-Up", 1974 - 2004. -
HEINZ EMIGHOLZ
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 46–57.
Heinz Emigholz, 5 Zeichnungen aus der Serie "Die Basis des Make-Up", 1974 - 2004. -
HEINZ EMIGHOLZ
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 46–57.
Heinz Emigholz, 5 Zeichnungen aus der Serie "Die Basis des Make-Up", 1974 - 2004. -
HEINZ EMIGHOLZ
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 46–57.
Heinz Emigholz, 5 Zeichnungen aus der Serie "Die Basis des Make-Up", 1974 - 2004. -
HEINZ EMIGHOLZ
Künstlerbeitrag / Artist feature in Camera Austria International 87/2004, S. / pp. 46–57.
Heinz Emigholz, 5 Zeichnungen aus der Serie "Die Basis des Make-Up", 1974 - 2004.
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Forum
BRUNO SANTOS
HYNEK ALT
ALEXANDRA VAJD
CARLA AHLANDER
ELOISE CALANDRE
VANDA TEUTA VUCICEVIC
FRANZ SATTLER
CHRISTINA SKRABAL
MARYSE LARIVIERE
Ausstellungen
No Unexplained Shadows. August Sander: People of the Twentieth Century
RACHEL BAUM
Barocke Träumereien. „Videodreams. Zwischen Cinematischen und Theatralischem“
Kunsthaus, Graz
ULRICH TRAGATSCHNIG
Aufhören, ohne am Ende zu sein. Kurze Karrieren“
MUMOK, Wien
FRIEDRICH TIETJEN
The last Picture Show. Artists Using Photography 1960 – 1982
Walker Art Center, Minneapolis u. a.
MANUEL OLVEIRA
Photoespana: Historias
VII. festival International de Fotografia y Artes Visuales
AMANDA CUESTA
Sommergruppenausstellung. Telepathy Curating
MAREN LÜBBKE-TIDOW
Artists‘ Favourites
ICA Gallery, London
DENISE ROBINSON
Rodney Graham: A Little thought
Art Gallery of Ontario, Toronto u. a.
TERENCE DICK
Manifesta 5
MANUEL OLVEIRA
Wirklich wahr! Realitätsversprechen von Fotografien
Ruhrlandmuseum, Essen
JOHANNA DI BLASI
Heinrich Riebesehl: Fotografische Serien 1963 – 2001
CAROLIN FÖRSTER
John Waters: Change of Life
HANS-JÜRGEN HAFNER
Noch ist nichts zu sehen. Recherche – entdeckt! Bildarchive der Unsichtbarkeiten
6. Int. Fototriennale Esslingen
KERSTIN STREMMEL
Stéphane Couturier: Mutations
Bibliothèque national de France, Paris
ANNE BERTRAND
Bücher
Heinz Emigholz: Das schwarze Schamquadrat
MARC RIES
Stan Douglas: Every Building on 100 West Hastings
Arsenal Pulp Press, Vancouver
KELLY WOOD
Untitled (Experience of Place)
Koenig Books, London
MARINA GRZINIC
Diskurse der Fotografie
Suhrkamp. Frankfurt
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Impressum
Herausgeber, Verleger und für den Inhalt verantwortlich: Manfred Willmann. Eigentümer: Verein CAMERA AUSTRIA, Labor für Fotografie und Theorie
Alle: Lendkai 1, A-8020 Graz
Redaktion Graz: Reinhard Braun, Christine Frisinghelli, Manisha Jothady. Trainee: Margaretha Liebmann
Redaktion Berlin: Maren Lübbke-Tidow
Lektorat: Marie Röbl
Übersetzungen: Richard Watts