Branko Lenart: Kaddisch

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Graz, 1998
deutsch/englisch
58 Seiten
26 cm x 26 cm
SW-Abbildungen
Hardcover

Edition Camera Austria

ISBN 3-900508-24-0

Ausstellungskatalog.

Text von Johannes Schmidt.

Beschreibung

Branko Lenarts Photographien sind L i c h t bilder. Aufgenommen auf dem Israelischen Friedhof in Graz, erinnern sie in künstlerischer Abstraktion an die Verstorbenen. Die Steine vermitteln die Botschaft der Toten. Mit den Steinen bewahren wir die Erinnerung an sie. Jeder möge zu ihnen seinen persönlichen Zugang finden.

Das Gebet Kaddisch ist eine Art Refrain in der täglichen Liturgie, die keine direkte Beziehung zu Tod und Trauer hat. Ursprünglich ein aramäisches Prosagedicht, in dem der Name Gottes geheiligt und um das Kommen seines Reiches gebetet wird, wurde es zur Stimme Hiobs, der Gott aus den Tiefen seines Unglücks anruft: ’Wenn er mich auch schlägt, ich will auf ihn vertrauen’.

Branko Lenarts 23 Nekrogramme sind Kaddisch-Gebete für das Seelenheil der Dahingeschiedenen, seien sie nun auf dem Israelitischen Friedhof in Graz oder in unbekannter Erde bestattet worden. Grazer Juden sind, soviel man weiß, in dreiundzwanzig Konzentrationslager von den Nazis deportiert und ermordet worden.

Kaddisch: 23 x Chai (lives = 18) = Kaddisch (= 414). Jeder hebräische Buchstabe hat einen bestimmten Zahlenwert, wobei bei Wörtern oder Buchstabenkombinationen die Zahlenwerte jedes einzelnen Buchstaben addiert werden. Branko Lenart hat nun aus diesen Zahlenkombinationen herausgefunden, dass, wenn man die Zahl 23 mit dem Zahlenwert des hebräischen Wortes für Leben, bzw. er lebt ( d. i. chai), sohin mit 18 multipliziert, die Zahl 414 herauskommt; diese Zahl wiederum ergibt Kaddisch. Zufall oder nicht, jeder kann die sich aus der Kabbala, der jüdischen Zahlenmystik, ableitbaren Schlüsse ziehen.

(Johannes Schmidt, in: Branko Lenart, Kaddisch, Edition Camera Austria 1998)