Aktuelles
Secession: STELLUNGNAHME. Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit
Nachdem das Motto der Secession „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ Eingang in das neue Regierungsprogramm gefunden hat, möchten wir, der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession, die Gelegenheit nutzen und deutlich machen, was wir unter Freiheit der Kunst verstehen:
Seit der Gründung unserer KünstlerInnenvereinigung vor 120 Jahren leben wir unser Motto – ein Bekenntnis zur Erneuerung, Vielfalt und Offenheit, das jede politische Einflussnahme auf Inhalte und Ausdrucksformen ausschließt.
Mit der Freiheit der Kunst ist unabdingbar Internationalität, Diversität und Dialog verbunden. Die Idee, dass Kunst einer kollektiven nationalen Identitätsstiftung dient, ist eine Form der Instrumentalisierung, die im Widerspruch zur Vielfalt künstlerischer Inhalte steht. Künstlerisches Schaffen kann in unseren Augen nur vor diesem Horizont Relevanz und Qualität entwickeln.
Die Freiheit, auf die sich unser Motto bezieht, geht weit über die individuelle Äußerung hinaus: Es ist erst der Austausch in einem größeren, vielfältigen, internationalen Kontext, der den einzelnen Stimmen kulturelle Bedeutung verleiht. Kultur lässt sich daher weder allein an Kunstobjekten oder Musikkompositionen festmachen noch quantitativ anhand von Besucherzahlen, Marktwerten oder der Zirkulation von Werken bewerten. Sie bedarf einer offenen Gesellschaft.
Wenn eine Regierung nicht für eine freie Gesellschaft eintritt, hat ihr Versprechen einer Freiheit der Kunst nur rhetorischen Charakter.
Der Vorstand der Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Wien, 20. Dezember 2017
Talk: Tischgespräch mit Maya Schweizer
KV – Verein für Zeitgenössische Kunst Leipzig, 9. 1. 2018, 19:00 Uhr
Maya Schweizer, Beatrice von Bismarck und Kilian Schellbach sprechen über das gefährdete Leben, die Gewalt des Blicks und die Poesie des Aufbegehrens im Rahmen von Maya Schweizers Ausstellung »Die Luke, eine Fliege und dort die Puschkinallee«.
Das sah doch mal anders aus? Der Blick der Kamera geht hoch über ein Areal in Berlin, wo sich die Wege von Tourist*innen, Obdachlosen, Passant*innen und Polizist*innen kreuzen. Dann schweift er ins Innere des Raumes, und wir sehen wo wir sind: In einem Wachtturm, der einst das Niemandsland überwachte, wo Ost und West aneinander stießen. Kaum verständliche Radiosendungen stellen die Verbindung her zwischen den Zeiten und Räumen. Dieses Motiv von Vermittlung und Abgrenzung wiederholt sich in der Installation von Maya Schweizer im KV: Die Schaufenster sind halbverspiegelt, so dass Blicke nach außen und innen nur abhängig vom Lichteinfall möglich sind. Eine Wandlung von Blickregimen in der Zeit klingt hier ebenso an, wie die Transformation disziplinarischer Architekturen. Das gesamte Szenario schließt metaphorisch das architektonische und gesellschaftliche »Innen und Außen« kurz und zeigt unsere gesellschaftliche Ordnung als historisch geschichtete Machtverhältnisse von Ausschlüssen, Grenzziehungen und Übergängen.
Kuratiert von Kilian Schellbach
Ausstellung: In einem anderen Land. Transformationsprozesse an Beispielen zeitgenössischer Fotografie in Deutschland
HAUS am KLEISTPARK | Ausstellungshalle und Projektraum
Ausstellungsdauer: 12. 1. – 29. 3. 2018
Kuratiert von Gabriele Muschter und Uwe Warnke
Das Ausstellungs- und Buchprojekt »In einem anderen Land. Transformationsprozesse an Beispielen zeitgenössischer Fotografie in Deutschland« thematisiert, ob und wenn ja wie sich der Wechsel konträrer Gesellschaftssysteme und sich rasant entwickelnder Technologien auf die künstlerische Arbeit von FotografInnen auswirken können. Zwölf fotografische Positionen aus Deutschland eröffnen den Diskurs zum Thema.
Anhand von Fotografien aus den Jahren 1976 bis 2017 von Tina Bara, Christian Borchert, Kurt Buchwald, Caroline Dlugos, Else Gabriel, Franz John, Barbara Klemm, Matthias Leupold, Manfred Paul, Rudolf Schäfer, Erasmus Schröter und Maria Sewcz werden Veränderungen und Kontinuitäten im Werk sichtbar gemacht.
Das thematische Spektrum der ausgestellten Arbeiten reicht von realistisch-dokumentarischer Unmittelbarkeit, über Inszenierungen fiktiver Wirklichkeiten, surrealer Überhöhungen und Verfremdungen bis zu medialen Erweiterungen und Grenzüberschreitungen der Fotografie zu Aktion und Film. Fotografie und Transformation, die Würde des Alltäglichen in der Fotografie und die Fotografie als Symbol und Gleichnis menschlichen Daseins sind weitere Schwerpunkte. Filmische Interviews der Kuratoren Gabriele Muschter und Uwe Warnke mit den FotografInnen lassen die Protagonisten selber zu Wort kommen.
Weitere Stationen der Ausstellung:
Kultur Forum Dresden riesa efau, 12. 4. – 1. 7. 2018
Kunsthalle Erfurt 15. 7. – 23. 9. 2018
Thorsten Sadowsky wird neuer Direktor des Museum der Moderne Salzburg
Wie der Salzburger Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn am 21. Dezember 2017 bekannt gab, ist das Auswahlverfahren nun abgeschlossen und das Museum der Moderne Salzburg erhält ab 1. September 2018 mit Thorsten Sadowsky (56) eine neue Geschäftsführung.
Der Aufsichtsrat samt wissenschaftlichem Beirat (Edelbert Köb, Museumsexperte und Martin Hochleitner, Direktor Salzburg Museum) haben dem gebürtigen Deutschen ihr Vertrauen ausgesprochen. Dieses wurde auch durch die Salzburger Landesregierung bestätigt. Beim vorangehenden Hearing hatten insgesamt sieben erfahrene Museumsfachleute ihr Bewerbungskonzept vorgestellt.
»Mit Thorsten Sadowsky, der bis zu seinem Dienstantritt in Salzburg das Kirchner Museum in Davos in der Schweiz leitet, erhält das Museum der Moderne Salzburg einen namhaften und sehr erfahrenen Museumsleiter und Kurator, der den internationalen Weg von Sabine Breitwieser erfolgreich weiterführen wird. Ich bin von seinen Visionen und Ideen für unsere Kulturinstitution überzeugt«, so Schellhorn.
Thorsten Sadowsky über seine Bestellung: »Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung, ein renommiertes Haus führen zu dürfen, das ein starkes Profil in den Bereichen der zeitgenössischen Fotografie, der Performancekunst sowie der Konzept- und Installationskunst erworben hat. Insbesondere die langfristige Partnerschaft mit der hochkarätigen Sammlung Generali Foundation ist eine große Bereicherung.
Der Anspruch Salzburgs als internationale Kultur- und Festspielstadt erfordert ein ambitioniertes Ausstellungsprogramm, das auch mögliche Synergien mit dem Theater, der Oper und konzertanten Formaten erkunden soll. Es muss das Ziel sein, das Museum der Moderne Salzburg zu einem internationalen Kompetenzzentrum für Bildende Kunst, Fotografie und Visuelle Kultur weiterzuentwickeln. Ich verstehe das Museum als ein offenes diskursives Forum, das seine Legitimation aus einer kritischen Verortung der Gegenwart bezieht und die drängenden Fragen der Zeit aufgreift. Ich freue mich deshalb ganz besonders darauf, zusammen mit dem Museumsteam eine Vision für das Museum des 21. Jahrhunderts zu entwickeln, das neue Formen der Begegnung und des Dialogs mit seinem Publikum untersucht.«
Eine persönliche Vorstellung von Thorsten Sadowsky samt seiner Vision für das Museum der Moderne Salzburg erfolgt bei einem gemeinsamen Medientermin am 10. Januar 2018 um 10.30 Uhr.
Axel Wieder announced as new Director of Bergen Kunsthall
The Board of Bergen Kunsthall has announced Axel Wieder as the new Director of Bergen Kunsthall. Wieder comes from a position as Director of Index – The Swedish Contemporary Art Foundation in Stockholm, an institution he has headed since 2014.
Wieder takes the helm at Bergen Kunsthall in February 2018 after Martin Clark, who was appointed earlier this year to the post of Director at Camden Arts Centre in London. Clark succeeded Solveig Øvstebø in 2013 when she left Bergen for the post as Executive Director of The Renaissance Society in Chicago, USA, having been director of Bergen Kunsthall since 2003.
Axel Wieder graduated as an art historian from Humboldt University in Berlin. In 1999 he was one of the founders of the specialized bookshop and presentation platform Pro qm in Berlin. In 2007–2010 Wieder was Artistic Director at Künstlerhaus Stuttgart. In 2012 he became Curator of Exhibitions and Head of Programme at Arnolfini in Bristol, one of the UK’s leading institutions for contemporary art. Since 2014 Wieder has headed Index in Stockholm, where he organized a highly regarded programme of exhibitions, publications and events including solo presentations by John Skoog and Emanuel Röhss, Simone Forti, Stephen Willats, Anna Boghiguian and Willem de Rooij, and the group exhibitions Autobiography and The Promise, an ongoing series of projects involving works of artists and architects, with contributions by Kate Newby, Fredrik Værslev, Peter Wächtler, Malin Pettersson-Öberg and others. Index is currently showing a solo exhibition of the Swedish artist Beth Laurin, which continues until December 3.
His work has frequently focused on the history and theory of exhibitions, architecture and social space, and issues of political representation. Under his leadership Index has launched collaborations and programmes to increase and expand the participation of the public in the activities of the institution, including a wide-ranging programme for schools, The Residents, and the Index Teen Advisory Board. Wieder has established collaborations with local and international universities and cultural organizations.
Bergen Kunsthall (founded in 1838) is one of the most highly profiled institutions in the Nordic countries for contemporary art, and presents a number of parallel programmes in the departments Kunsthallen, NO.5, Landmark and Upstairs, along with the bookshop and online platforms.
Karl-Anton-Wolf-Preis 2017 an Nicole Six & Paul Petritsch
Die 1987 gegründete Stiftung des bildenden Künstlers Karl Anton Wolf (1908 – 1989) wurde 2016 durch die Stadt Wien übernommen und wird in seinem Sinne weitergeführt. Mit ihr verbunden ist der Karl-Anton-Wolf-Preis. Er honoriert Kunstschaffende, deren Werk über hohe Innovationskraft sowie Eigenständigkeit verfügt und/oder sich gesellschaftsrelevanten Themen widmet. 2017 wird er dem Künstlerduo Nicole Six & Paul Petritsch verliehen.
Damit wird eine künstlerische Position gewürdigt, deren Werk sich durch Kompromisslosigkeit sowie die Fähigkeit auszeichnet, sich selbst und in weiterer Folge auch den/die BetrachterIn aus der unbewussten Selbstverständlichkeit heraustreten zu lassen. Die existentielle Bedeutung von Raum und Zeit und deren Wirksamkeit für den Menschen, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch ihre Installationen, performativen Arbeiten und Videos. Mittels konkreter Experimente erforschen und durchmessen Six und Petritsch ihre Umwelt, wobei unterschiedliche Aspekte wie etwa die Angst vor dem Fall, die Schwerkraft als Naturgegebenheit oder die Ausgesetztheit des Menschen im Raum hinterfragt werden. Ihre zum Teil ins Absurde kippenden Versuchsanordnungen zielen darauf ab, menschliches Handeln und Wahrnehmen – kurz: die uns vertraute Sicherheit – in provozierten Extremlagen auf die Probe zu stellen.
Präsentation: EIKON #100 zur Vienna Art Week 2017
Das 100. Heft von EIKON versteht sich als umfassende Sonderausgabe zum europaweit ausgeschriebenen EIKON Award (45+). Unter dem Ehrenschutz von VALIE EXPORT stehend, richtete er sich an Fotografie- und Medienkünstlerinnen, die 45 Jahre oder älter sind. Nicht selten sind es Frauen, die zu den VorreiterInnen von Fotografie und Medienkunst zählen und die innovativen Potenziale neuer Medien und Technologien künstlerisch erschließen. Die Sonderausgabe legt Bedingungen aktueller weiblicher Kunstproduktion frei und präsentiert ausgewählte Positionen beteiligter Künstlerinnen. Die Präsentation findet gleichzeitig mit der Preisverleihung des EIKON Award (45+) im Rahmen der Vienna Art Week 2017 statt.
Präsentation EIKON #100, Preisverleihung EIKON Award (45+)
Wann: 17. November 2017, 18:00 Uhr
Wo: KUNST HAUS WIEN, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien
Ausstellung: Eva Kot’átková. Stomach of the World
21er Haus, Wien, 15. 11. 2017 – 11. 02. 2018
Eva Koťátková (geb. 1982 in Prag) sieht die Entfaltung des Selbst als Gratwanderung zwischen inneren und äußeren Zwängen. Ihre Ausstellung im Untergeschoss des 21er Haus umkreist als raumfüllende Installation mit einer Vielzahl von Objekten ihren Film »Stomach of the World« (2017) als Dreh- und Angelpunkt dieses Gedankens. Der Film dauert 46 Minuten und ist in der Ausstellung im Loop zu sehen. In dem surrealen und gleichsam humorvollen Film wird die Welt aus der Perspektive von Kindern erfahren, die verschiedene Übungen ausführen. Die Akteurinnen und Akteure imaginieren die Welt als eine Art Körper, der Objekte und Subjekte in sich aufnimmt und transformiert. Wie schon in früheren Arbeiten beschäftigt sich Eva Koťátková auch in ihrer aktuellen Ausstellung mit der Konstruktion gesellschaftlicher Normen, Konventionen und Kontrollmechanismen.
Kuratiert von Severin Dünser
Ausstellung: Portrait II
Kunstverein Oldenburg, Oldenburg, 04. 11. 2017 – 07. 01. 2018
Von allen Gattungen der bildenden Kunst spiegelt das Portrait am unmittelbarsten die Natur des Menschen und die Bedingung des Menschseins. Nach der Portrait-Ausstellung im Jahr 2015 mit Fotografien aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert sich die aktuelle Ausstellung auf jüngere Künstler. Die Bandbreite der künstlerischen Strategien ist dabei groß. Von einfühlsamen Bildnissen in privater Umgebung, dokumentarisch anmutenden Serien von Bewohnern eines Lebensraums, eines sozialen oder beruflichen Milieus, bis hin zu Thematisierung der Möglichkeiten und Bedingungen des Portraits reichen die vielfältigen Herangehensweisen der präsentierten Künstlerinnen und Künstler.
Gezeigt werden Arbeiten von:
Laura Bielau
Albrecht Fuchs
Georg Gatsas
Jitka Hanzlová
Zoltán Jókay
Annette Kelm
Ted Partin
Janina Wick
Dagmar Keller & Martin Wittwer
Tobias Zielony
Die Ausstellung wird kuratiert von Laurenz Berges und Gertrude Wagenfeld-Pleister.
Exhibition: Shirana Shahbazi. Group Show for Oslo
Fotogalleriet, Oslo, 03. 11. – 17. 12. 2017
Ausstellung: Cyrill Lachauer. What Do You Want Here
Berlinische Galerie, Berlin, 03. 11. 2017 – 30. 04. 2018
Cyrill Lachauer ist Spurenleser. Seine Arbeiten sind Resultate langer Reisen, die ihn vom aktuell viel besprochenen Hinterland der USA bis zu seinen eigenen Wurzeln nach Oberbayern und Berlin führen. In seinen Fotografien, Filmen und Texten werden Leerstellen, Zitate und scheinbar beiläufige Details zu Spuren von verborgenen Geschichten, die sich in die Landschaften eingeschrieben haben und sie nachhaltig prägen.
Die Ausstellung »What Do You Want Here« zeigt erstmals einen Werkzyklus, der in den letzten zwei Jahren auf Reisen in den USA entstanden ist. Eine Schlüsselrolle darin übernimmt der Film »Dodging Raindrops – A Separate Reality«. Er beginnt in Los Angeles und folgt den vermeintlichen Feldforschungsreisen des umstrittenen Ethnologen Carlos Castaneda, der zum Begründer der New-Age-Bewegung wurde. Parallel zu dem Film sind Fotografien und Texte zu sehen. In ihnen verbinden sich Beobachtungen entlang des Mississippi mit fiktiven Situationen und historischen Bezügen zu einer vielstimmigen Erzählung, die eine erweiterte Wahrnehmung der bereisten Landschaften ermöglicht.
Cyrill Lachauer (geb. 1979 in Rosenheim) studierte Regie, Ethnologie und Kunst in München und Berlin. 2010 schloss er sein Studium an der Universität der Künste Berlin ab. 2011 gründete er mit drei Kollegen das Künstlerlabel Flipping the Coin. Er erhielt u.a. 2008 den 3sat-Förderpreis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, 2010 den IBB Preis für Photographie, 2014 das Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und 2015 das Villa-Aurora-Stipendium Los Angeles.
Kardinal König Kunstpreis 2017 an Kerstin von Gabain
Die in Wien lebende Kerstin von Gabain, geb. 1979 in Palo Alto (US), wurde aus 23 nominierten KünstlerInnen zur Preisträgerin des Kardinal König Kunstpreises 2017 gewählt.
Der Mensch heute – ein fragiles Wesen
Ausschlaggebend für die Entscheidung war die aktuelle Thematik, der sich die Künstlerin in besonderer Weise widmet: Die Unversehrtheit der menschlichen Existenz ist nicht selbstverständlich; prekäre Lebenssituationen, Verletzung, Verlust werden von der Künstlerin in Form von wächsernen Gliedmaßen, Kunststoff-Knochenteilen, Bildern von mutierten Konsumgütern visualisiert. Zwischen zuckerlrosa Verführung und erschreckender Irritation changieren die skulpturhaften Objekte und gleichsam museal vorgeführten Versatzstücke aus Kerstin von Gabains plastischem Repertoire
Begründung der Jury
Die Jury würdigt mit dem Werk von Kerstin von Gabain eine komplexe künstlerische Position, die von der Integrität und Bedrohtheit von Körpern, Menschen und Objekten handelt. Ihren Objekten und Fotografien verleiht die Künstlerin einen ambivalenten Charakter zwischen Verletztheit und Verführung, zwischen ansprechender Ästhetisierung und abgründiger Irritation.
Sie gestaltet Installationen und Ensembles, mit denen sie motivische Bezüge zur Kunst-und Wissenschaftsgeschichte freilegt. Wachsabgüsse und Gipsbandagen geben u.a. Körperteile, Möbelstücke, Knochenquerschnitte wider und lösen beim Betrachter Gefühle zwischen Unbehagen und Faszination aus. Mit ihren Artefakten bezieht sie sich neben medizinischen Präparaten und Designobjekten auch auf Konsumartikel, Reliquien und Votivgaben, um damit aktuelle gesellschaftspolitische und existenzielle Fragestellungen zu berühren. Ihre Vermenschlichung von Gegenständen verweist zugleich auf die pure Materialität und Hinfälligkeit alles Menschlichen und Organischen. Kerstin von Gabain deutet Bild-Traditionen radikal um; sie spielt auf den Objekt- und Fetischcharakter von musealen Exponaten ebenso an wie auf den manipulativen Charakter von Ausstellungen.
Der Kardinal König Kunstpreis ist, so wie der in Wien vergebene Msg. Otto-Mauer-Preis, mit 11.000 Euro dotiert, wird allerdings nur alle zwei Jahre vergeben.
Eine Ausstellung mit Werken aller 23 nominierten KünstlerInnen wird am 27. November 2017, dem Tag der Preisverleihung im Kunstraum St. Virgil in Salzburg eröffnet.
Tatiana Lecomte und Sara-Lena Maierhofer sind Stipendiatinnen 2017/18 der DZ BANK Kunstsammlung
Die DZ BANK Kunstsammlung hat erneut zwei Arbeitsstipendien an herausragende Künstlerinnen vergeben, die mit dem Medium Fotografie arbeiten.
Einvernehmlich kam die Jury zu dem Ergebnis, dass die eingereichten Projektideen von Tatiana Lecomte und Sara-Lena Maierhofer aus den rund 45 Bewerbungen am stärksten überzeugten. Zu den ersten fünf Kandidaten der Auswahl zählen zudem Ketuta Alexi-Meskhishvili, Gwenneth Boelens und Eiko Grimberg.
Die diesjährige Jury setzte sich zusammen aus Stefanie Böttcher (Künstlerische Leitung, Kunsthalle Mainz), Florian Ebner (Kustos für Fotografie, Centre Pompidou, Paris), Dr. Astrid Ihle (Ausstellungskuratorin, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen), Dr. Christina Leber (Leiterin DZ BANK Kunstsammlung, Frankfurt am Main), Maren Lübbke-Tidow (Autorin, Kritikerin, Kuratorin, Berlin), Christoph Tannert (Geschäftsführer, Künstlerhaus Bethanien, Berlin) und Matthias Wagner K (Direktor, Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main).
Alle zwei Jahre schlägt eine wechselnde siebenköpfige Jury Kandidatinnen und Kandidaten vor, die für das Projektstipendium f/12.2 der DZ BANK Kunstsammlung in Frage kommen. Sie werden eingeladen, sich mit Arbeitsproben und Projektideen zu bewerben, die im weitesten Sinne mit fotografischen Bildern zu tun haben. Mit dem Stipendium wird den auserwählten Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geboten, ein Jahr lang intensiv an einem künstlerischen Projekt zu arbeiten.
Tatiana Lecomte (*1971, Bordeaux, lebt und arbeitet in Wien) setzte sich bereits in früheren Arbeiten mit vorgefundenen Fotografien auseinander, die historische Ereignisse und Orte dokumentieren, so u.a. in den Serien »Die El-Alamein-Stellung« oder »Zement«. Durch ihre künstlerische Umformung und Überblendungen wirft Lecomte Fragen zum Umgang mit Geschichte auf. Auch in dem Projekt, das sie während ihres Stipendiums durchführen wird, arbeitet sie mit einer historischen Quelle, dem sogenannten »Stroop-Bericht«. Jürgen Stroop, Befehlshaber der SS sowie verschiedener Polizei- und Wehrmachtseinheiten, protokollierte in diesem Bericht anhand von täglichen Aufzeichnungen und Bildmaterial die Auslöschung des Warschauer Ghettos. Lecomte will sich der Sprache und den Bildern dieses Dokuments auf eine analytische und zugleich demontierende Weise nähern. So möchte sie u.a. die Amtssprache Stroops durch Abschrift einzelner Wörter in einer von Hitler 1941 gegen die »jüdische« (vormals als »urdeutsch« geltende) Fraktur erlassenen »deutschen Normalschrift« ad absurdum führen.
Sara-Lena Maierhofer (*1982, Freudenstadt/ Schwarzwald, lebt und arbeitet in Berlin) untersucht in ihrem Projektvorhaben den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands, wie er sich in Völkerkundemuseen und ethnologischen Sammlungen niederschlägt. Der aktuelle Diskurs soll durch eine verkleinerte Wiedergabe der Museumsräume sichtbar gemacht werden, die von Fotografien der Artefakte und Darstellungen der Objektbiografien überblendet werden. Die Abbildungen erscheinen durch die Projektion auf dreidimensionale Flächen fragmentiert, wodurch eine ästhetische Ähnlichkeit mit dem Kubismus entsteht. Damit werden zugleich die Einflüsse außereuropäischer Kunst auf die Moderne zum Thema. Bereits in bestehenden Arbeiten wie den Serien »Dear Clark« oder »The Great« gelingt es Maierhofer, mit unterschiedlichsten künstlerischen und fotografischen Herangehensweisen virulente Themen zu visualisieren und dadurch beim Betrachter neue Gedankengänge wachzurufen.
Neben der monatlichen Projektförderung von 1.000 € für die Dauer von 12 Monaten werden ausgewählte Werke aus dem realisierten Projekt für den Bestand der DZ BANK Kunstsammlung angekauft. Die Arbeitsergebnisse der beiden Stipendiatinnen werden ab dem 2. November 2018 gemeinsam mit ausgewählten Werken von Ketuta Alexi-Meskhishvili, Gwenneth Boelens und Eiko Grimberg im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung gezeigt. Die Ausstellung wird durch eine Broschüre ergänzt.
DZ BANK Kunstsammlung Im ART FOYER zeigt die DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main auf rund 300 qm Ausstellungsfläche drei wechselnde Ausstellungen im Jahr. Die Sammlung des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken umfasst mehr als 7.500 Werke von rund 800 Künstlerinnen und Künstlern und widmet sich dem fotografischen Bild in der internationalen zeitgenössischen Kunst.
Neueröffnung: Sammlung Fotografie und neue Medien im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Depot/Studienraum/Ausstellungsfläche und Ausstellung „Jochen Lempert / Peter Piller. Fotografie neu ordnen: Vögel“
Eröffnung: 26. Oktober 2017, 19 Uhr
Ausstellungslaufzeit: 27. Oktober 2017 bis 4. Februar 2018
Am 26. Oktober 2017 präsentiert das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) die Neueröffnung seiner Sammlung Fotografie und neue Medien. Sie bildet einen ersten Abschluss der umfangreichen Umbaumaßnahmen, die die Hermann Reemtsma Stiftung mit 600.000 Euro im Rahmen der Initiative Kunst auf Lager ermöglicht hat. Das MKG beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen der Fotografie in Deutschland. Sie umfasst heute rund 75.000 Exponate von den Anfängen des Mediums bis in die Gegenwart. Mit dem neuen, rund 120 Quadratmeter großen Depot wird die bisherige Depotfläche wesentlich erweitert. So erhalten die kostbaren historischen Bestände endlich die notwendige Fläche und Ausstattung für eine angemessene Lagerung unter klimatisch optimalen Bedingungen. In einem dem Depot angegliederten Studienraum können Mitarbeiter und angemeldete Gäste zukünftig die Originale sichten und mit ihnen arbeiten. Auf einer neuen, zentral gelegenen Ausstellungsfläche von 140 Quadratmetern will das MKG die fotografische Sammlung in den Dialog mit zeitgenössischen Themen und Bildautoren bringen. Den Auftakt bilden die Fotografen Jochen Lempert und Peter Piller mit der Ausstellung Fotografie neu ordnen: Vögel, die mit der Neueröffnung am 26. Oktober 2017 beginnt. Inklusive der Förderung durch die Hermann Reemtsma Stiftung, konnte das MKG insgesamt über eine Million Euro für die Zukunftssicherung der Sammlung Fotografie und neue Medien einwerben. Die Mittel wurden von verschiedenen Förderern bereitgestellt für die Restaurierung und Rahmung der historischen Fotografien, die wissenschaftliche Erschließung der Sammlung, die Überblicksausstellung ReVision in 2016, für einen Sammlungskatalog sowie für die digitale Bereitstellung von bis jetzt 9.000 Werken auf MKG Sammlung online.
Prof. Dr. Sabine Schulze, Direktorin des MKG: „Dank seiner progressiven Sammlungstätigkeit und einer großen Offenheit gegenüber zeitgenössischer Kunst seit seiner Gründung beherbergt das MKG heute einzigartige Zeugnisse aus der Geschichte der Fotografie. Ich bin dankbar für die großzügige Unterstützung der Hermann Reemtsma Stiftung, mit der wir diese kostbaren Bestände für folgende Generationen erhalten. Besonders freue ich mich über den neuen Studienraum, der die Zugänglichkeit der Sammlung und damit die wissenschaftliche Erschließung wesentlich verbessert. Die neue hinzu gewonnene Dauerausstellungfläche sichert der großartigen Sammlung Fotografie und neue Medien große Präsenz im Rundgang durch das MKG.“
Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung: „Die beiden Museumsväter Justus Brinckmann (MKG) und Alfred Lichtwark (Kunsthalle) hatten eine gemeinsame Vorliebe: die Fotografie. Das MKG spiegelt mit seiner Sammlung die Leidenschaft dieser beiden Foto-Pioniere wider. Der Grundstock aus der Zeit um 1900 wurde über Jahrzehnte zu einer führenden Foto-Sammlung ausgebaut. Dank der nun nachhaltigen Unterbringung, der tiefgreifenden Erschließung, der wissenschaftlichen Bearbeitung und vor allem der verbesserten Zugänglichkeit wird uns erstmals das ganze Ausmaß dieses Schatzes vor Augen geführt. Ein tolles Projekt für das Bündnis Kunst auf Lager. Wunderbar und Danke MKG!
Als erstes Museum in Deutschland begann das MKG gegen Ende des 19. Jahrhunderts Fotografie als eigenständiges Medium zu sammeln und ab 1911 in Ausstellungen zu präsentieren. Damit nahm das MKG eine Vorreiterrolle ein. Seitdem hat sich die Sammlung in Qualität und Umfang zu einem einzigartigen Bestand entwickelt, darunter eine einzigartige Kollektion von Daguerreotypien und die Sammlung Ernst Juhl mit originalgerahmten Gummidrucken aus der Zeit des Piktorialismus (um 1900). Ab den 1950er Jahren erwarb das MKG zentrale Werke der klassischen Moderne, darunter Arbeiten von Erich Andres, Herbert Bayer, Willi Beutler, Alfred Ehrhardt, Hugo Erfurth, Andreas Feininger, Heinz Hajek-Halke, Walter Hege, Fritz Henle, Lotte Jacobi, Peter Keetmann, Erna Lenvai-Dircksen, Helmar Lerski, Madame d’Ora, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Franz Schensky, Otto Steinert, Alfred Tritschler, Edward Weston und Paul Wolff u.a.
In der bundesweiten Initiative Kunst auf Lager. Bündnis zur Erschließung und Sicherung von Museumsdepots haben sich Anfang 2014 vierzehn Partnern (vor allem Stiftungen) zusammengefunden, um Museen bei dem Erhalt und der Aufarbeitung ihrer wertvollen Kulturgüter zu unterstützen. In einem einzigartigen Pilotprojekt im Rahmen dieses Verbundes engagieren sich die Hermann Reemtsma Stiftung, die Kulturstiftung der Länder, die Wüstenrot Stiftung und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius gemeinsam, um die gefährdete fotografische Sammlung des MKG nachhaltig konservatorisch zu sichern. Neben der Einrichtung von Depot, Studienraum und Ausstellungsfläche umfassen die Maßnahmen auch die Restaurierung ausgewählter historischen Kernbestände und die etappenweise wissenschaftliche Erschließung des umfangreichen Bestandes mit dem Ziel seiner besseren öffentlichen Zugänglichkeit. Weitere Informationen zum Bündnis unter www.kunst-auf-lager.de.
Die Hermann Reemtsma Stiftung hat die Einrichtung des Depots, eines Studienraumes und eines Ausstellungs-raums finanziert. Die Objekte befinden sich noch an verschiedenen Orten im Gebäude in größtenteils nicht klimatisierten Aufbewahrungsorten in überfüllten Regalen und Schubladen. Um die Exponate fachgerecht und unter konservatorisch optimalen Bedingungen bewahren zu können, wurde der neue Depotraum baulich instand gesetzt, eingerichtet und klimatisiert. Die Umlagerung der Objekte kann nun beginnen. Zukünftig können die Fotografien konstant bei 18 Grad und 40 Prozent Luftfeuchtigkeit gelagert werden. Der Studienraum ermöglicht Mitarbeitern des MKG, Besuchern und Fachleuten, die Objekte im Original zu Forschungszwecken auch unabhängig von Ausstellungen einzusehen. Die bauliche Herrichtung einer zentralen Fläche im 2. Obergeschoss bietet die Chance, die Sammlung Fotografie und neue Medien in wechselnden Präsentationen immer wieder unter gegenwärtigen Fragestellungen zu präsentieren.
Flankiert wurden die Baumaßnahmen von zwei Restaurierungsprojekten: Die Kulturstiftung der Länder ermöglichte die Restaurierung von 280 Daguerreotypien aus den 1840er und 1850er Jahren aus dem Bestand des MKG. Diese ersten fotografischen Bildträger waren von der „Glaskrankheit“ befallen: Die Zersetzungserscheinung haben zu Ausblühungen von Kupfercarbonat und Eintrübungen der Glasplatten geführt. So verloren die Objekte nicht nur an Brillanz, die Krankheit drohte, sich auch vom Glas auf die eingefassten Fotografien zu übertragen. Nach der Reinigung der Platten und dem Austausch der Gläser zieht der in Qualität und Umfang einzigartige Bestand nun in neue Aufbewahrungsräume um.
Der Förderschwerpunkt der Wüstenrot Stiftung lag auf der Restaurierung einer bedeutenden Kollektion von 35 originalgerahmten Gummidrucken der Kunstfotografie um 1900 aus der Sammlung Juhl, die seit 1916/17 im Besitz des MKG sind. Die Restaurierung umfasste die historischen Rahmen sowie, in einzelnen Fällen, die Konservierung der sich ablösenden Farbschichten. Ebenfalls wurden die holzhaltigen Rückplatten, deren Ausdünstungen die Gummidrucke gefährden, ausgetauscht.
Zur wissenschaftlichen Erschließung der Sammlung finanziert die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius bis 2018 eine wissenschaftliche Mitarbeiterin. So konnte bis jetzt bereits über 9.000 wichtige Werke auf MKG Sammlung online veröffentlicht werden. Damit ist das MKG das erste Museum in Deutschland, das seine fotografische Sammlung online zugänglich macht. Da die fotografischen Arbeiten aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit zum größten Teil im Verborgenen lagern müssen, ist es umso wichtiger, die Bestände im Internet für Recherchen zugänglich zu machen.
Sammlungskatalog: Die Neueinrichtung der Sammlung Fotografie und neue Medien wird begleitet von einem umfangreichen Sammlungskatalog, erschienen im Steidl Verlag mit dem Titel ReVision. Fotografie im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, hrsg. von Sabine Schulze und Esther Ruelfs / Design von Studio Mahr / 380 Seiten, 23 × 28 cm, 224 Abbildungen, deutsche und englische Ausgabe, 48 Euro. Den theoretischen Rahmen des großzügig illustrierten Bildbandes bilden Essays internationaler Fotohistorikerinnen und Kulturwissenschaftler, die in die jeweiligen Kapitel einführen. Mit Texten von Roger Buergel, Cathrin Hauswald, Luce Lebart, Corey Keller, Kathrin Peters, Michel Poivert, Esther Ruelfs, Sven Schumacher, Steffen Siegel, Bernd Stiegler und Madoka Yuki. Der Sammlungskatalog wurde ermöglicht von Annegret und Claus-G. Budelmann und der Martha Pulvermacher Stiftung.
Die Publikation bietet erstmals einen Überblick über die Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg und erzählt damit zugleich auch die Geschichte der Fotografie. Sie blickt aus unterschiedlichen Perspektiven auf die vielfältige und gewachsene Sammlung. Sie stellt in elf Kapiteln anhand ausgewählter Gattungen wie Porträt-, Architektur- oder auch Reisefotografie vor. Sie untersucht zentrale Diskurse, etwa den Wunsch nach einer präzisen und objektiv dokumentierenden fotografischen Erfassung oder die im 19. Jahrhundert begründeten Rollen der Fotografie als Hilfsmittel der Wissenschaft und als Medium der Archivierung. Gleichzeitig widmet sich der Sammlungskatalog der wandelnden Materialität der Bilder, beispielsweise ihrer Rahmung. Einzelne Kapitel spiegeln Sammlungsschwerpunkte wider, so etwa den hochkarätigen Bestand internationaler piktorialistischer Fotografie oder die in den 1980er Jahren zusammengetragene Sammlung japanischer Aufnahmen.
Dagmar Chobot Skulpturenpreis 2017 geht an Sofie Thorsen
Sofie Thorsen erhält den mit 10.000 Euro dotierten »Dagmar Chobot Skulpturenpreis 2017«. Preisstifterin Dagmar Chobot und Günter Schönberger, Geschäftsführer der Stiftungspartnerin Bildrecht, ehrten die Künstlerin am 16. Oktober 2017 im Leopold Museum Wien mit diesem in Österreich einzigartigen Nominierungspreis für zeitgenössische Skulptur.
Neben Sofie Thorsen waren Manfred Erjautz, Sophie Hirsch, Markus Jeschaunig, Bernd Oppl und Werner Reiterer für den ‚Dagmar Chobot Skulpturenpreis 2017’ vorgeschlagen.
»Es freut mich sehr, dass der von mir ins Leben gerufene Skulpturenpreis auf so reges Interesse stößt. Die vielen positiven Rückmeldungen haben meine Initiative im Nachhinein nochmals bestätigt. Ich freue mich auch für Sofie Thorsen, – mit ihr als Preisträgerin erfährt die zeitgenössische Skulptur jene Wertschätzung und öffentliche Aufmerksamkeit, die ihr zusteht,« kommentiert die Initiatorin und Preisstifterin, Dagmar Chobot, bei der Preisverleihung.
Sofie Thorsen, geb. 1971 in Århus, lebt und arbeitet in Wien. Sie ist Absolventin der Akademie der Bildenden Künste Wien und der Königlich Dänischen Akademie der Bildenden Künste Kopenhagen. Von 2005 bis 2009 lehrte sie an der Akademie der Bildenden Künste Wien. In ihren Werken setzt sich die Künstlerin mit den politischen, sozialen und kunsthistorischen Kontexten von Orten auseinander mit dem Ziel, ihre »stummen und verstummten« Strukturen wieder zum Sprechen zu bringen. Ihre Methode erinnert an eine Spurensuche, die Sofie Thorsen von der Aneignung und Adaption vorgefundener Bilddokumente bis hin zu deren Auflösung führt. Mit ihren Arbeiten erforscht Thorsen formale, materielle und haptische Parameter, Formen und Körper und kombiniert in raumgreifenden Installationen die für ihren Skulpturenbegriff charakteristischen Materialien Stahl, Aluminium und Papier.
Ein Themenkomplex analysiert die Bereiche Skulptur, Architektur und Design in ihrem Verhältnis zu Gesellschaft und kommunaler Verantwortung. In der mehrfach präsentierten Werkserie »Spielplastiken« (2010 – 2016) rückt Sofie Thorsen ein bislang kaum gewürdigtes Phänomen der österreichischen Nachkriegszeit – bespielbare Skulpturen aus den 1950er Jahren – in den Mittelpunkt. Diese kleinen, abstrakten Utopien inmitten nüchterner Architektursprache greift die Künstlerin für ihre Installationen auf. Darin vergrößert sie Reprografien von Zeitdokumenten, eliminiert figurative Bestandteile, reduziert die Konstruktionen auf ihre Geometrie und Linearität. Die fragilen Papierobjekte auf den Metallgerüsten geben den Bildquellen ihre einstige skulpturale Präsenz zurück und geraten zu einem in den Raum gestellten, begehbaren Archiv der Formen.
In ihrer Werkserie »Precious Things That Come Out of the Ground« (2017) analysiert Sofie Thorsen mittels abstrakter Zeichenhaftigkeit die An- und Abwesenheit von zerstörtem und/oder geraubtem Kulturgut aus archäologischen Fundstätten. Auffällig ist auch hier die Gestaltung mit filigranem Papier, das Sofie Thorsen über die gebogenen Stahlrohre ihrer Installation mäandern lässt. Mit punktuellen Unschärfen und Unterbrechungen der skulpturalen Form irritiert die Künstlerin und betont damit unterschiedliche Ebenen und Formen der Realitätswahrnehmung. Ihre Arbeiten eröffnen so ein Feld ambivalenter Sichtbarkeiten und changieren zwischen erkennbarer Realitätsabbildung und möglicher Fiktion. Ab 20. Oktober 2017 ist diese Werkserie in der Gruppenausstellung »Spuren der Zeit« im Leopold Museum Wien zu sehen.
Modalitäten
2017 haben sechs NominatorInnen jeweils eine Position aus dem Bereich zeitgenössische Skulptur, Plastik, Objektkunst oder Installation für den ‚Dagmar Chobot Skulpturenpreis’ eingereicht. Aus diesen Vorschlägen ermittelte die Jury Sofie Thorsen als Preisträgerin für 2017.
NominatorInnen 2017
Silvie Aigner (Chefredakteurin Parnass), Katrin Bucher-Trantow (Chefkuratorin Kunsthaus Graz), Berthold Ecker (Direktor MUSA Wien), Elsy Lahner (Kuratorin Albertina Wien), Genoveva Rückert (Kuratorin OK – Offenes Kulturhaus Linz) und Christoph Thun-Hohenstein (Direktor MAK Wien)
Jury 2017
Dagmar Chobot (Preisstifterin und Juryvorsitzende), Heike Eipeldauer (Kuratorin BA Kunstforum Wien), Edelbert Köb (Kurator), Günter Schönberger (Geschäftsführer Bildrecht)und Hans-Peter Wipplinger (Direktor Leopold Museum Wien)
Dagmar Chobot Skulpturenpreis
Der »Dagmar Chobot Skulpturenpreis« wurde 2016 von der Wiener Galeristin Dagmar Chobot und der Stiftungspartnerin Bildrecht, der Urheberrechtgesellschaft für Bildende Kunst, ins Leben gerufen. Die Auszeichnung geht jährlich an eine/n zeitgenössische/n Bildhauer/in, die/der in Österreich lebt und arbeitet. Als erster Preis seiner Art in Österreich ist er explizit dem Medium Skulptur gewidmet und berücksichtigt neben klassischen Zugängen auch experimentelle Ansätze und Installationen. Der Preis unterliegt keiner Altersbeschränkung.
Ausstellung: Araki. Tokyo
Pinakothek der Moderne, München, ‐
Der Japaner Nobuyoshi Araki (* 1940) zählt zu den wohl produktivsten, aber auch provokativsten Fotografen unserer Zeit. Sein Werk umspannt ein vielfältiges Spektrum an Themen, von hocherotischen Frauendarstellungen über artifizielle Stillleben, Pflanzenfotografien, reportagehaft anmutende Alltagsdarstellungen und Architekturaufnahmen bis hin zu fast tagebuchartigen Fotografien von sich und seiner früh verstorbenen Frau.
Die aus 28 Diptychen bestehende Arbeit »Tokyo« (1969–1973) bildet die Vorlage für eines der ersten Buchprojekte Arakis und steht am Beginn seiner langjährigen Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Stadtraum von Tokio. Gegensätze wie anonym und vertraut, bekleidet und nackt, Innen- und Außenwelt fungieren als subtile Verweise auf die Trennung zwischen öffentlicher und privater Lebenswelt, zwischen Traum und Wirklichkeit.
2004 wurde die Originalvorlage des Buchs Tokyo (1973) mit Unterstützung von PIN. erworben. Die Ausstellung stellt die »Tokyo«-Serie vor, ergänzt durch weitere frühe, experimentelle Fotoserien und Künstlerbücher aus den 1960er- und 1970er-Jahren.
BEGLEITPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG
Begleitend zur Ausstellung »Araki.Tokyo« lädt die Pinakothek der Moderne zu einer Reihe von Veranstaltungen ein. Den Auftakt bildet ein Vortrag über die Umbrüche und konzeptuelle Neuausrichtung der japanischen Fotografie in den späten 1960er- und 1970er-Jahren von Lena Fritsch, Kuratorin für moderne und zeitgenössische Kunst am Ashmolean Museum (Universität Oxford). Matinéen mit den berührenden Filmen »Tôkyô monogatari« (Die Reise nach Tokio, 1953) und »Shônen« (Der Junge, 1969) der Großmeister des japanischen Kinos Yasujirô Ozu und Nagisa Ôshima richten den Blick auf den gesellschaftlichen Wandel der 1950er- und 1960er-Jahre in Japan. »Tôkyô monogatari« ist zugleich der Film, der Nobuyoshi Araki dazu inspirierte, die Stadt Tokio als eine Geschichte zu begreifen und in Hunderttausenden von Bildern über sie zu erzählen. Ein besonderer Abend findet im FUTURO statt, einem Kunststoffhaus des finnischen Architekten Matti Suuronen, das vor dem Eingang zur Pinakothek der Moderne steht: Hier werden unter dem Titel „Schatten der Zeit“ drei Experimentalfilme von Shûji Terayama zu sehen sein, einem der wichtigsten Künstler der japanischen Avantgarde.
07. Dezember 2017 | 18.30
VORTRAG
Lena Fritsch, London/Oxford | Provokativ und Sexy: Vortrag zu japanischen Fotografie der 1970er-Jahre
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei
Ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von EY
17. Dezember 2017 | 11.30
FILM
Tôkyô monogatari (Die Reise nach Tokio), 1953, Regie: Yasujirô Ozu, 136 Min., OmdU
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei
11. Januar 2018 und 22. Februar 2018 | 18.30
FILMNACHT IM FUTURO
Schatten der Zeit. Experimentalfilme von Shûji Terayama
Begrenzte Teilnehmerzahl, Eintritt frei
Anmeldung unter programm@pinakothek.de
Dank an Die Neue Sammlung
04. Februar 2018 | 11.30
FILM
Shônen (Der Junge), 1969, Regie: Nagisa Ôshima, 97 Min., OmeU
Ernst von Siemens-Auditorium | Eintritt frei
Diana Baldon appointed Director of Fondazione Modena Arti Visive
The Italian Copenhagen-based art historian, curator and critic Diana Baldon has been named Director of Fondazione Modena Arti Visive, one of Italy’s newest visual arts institutions based in Modena. The new foundation brings together three of the city’s key cultural institutions: the Galleria Civica di Modena—one of Italy’s oldest and most respected Italian contemporary art centres—together with the more recent Fondazione Fotografia Modena and the Museo della Figurina.
Already at the helm of the Fondazione Fotografia Modena since June 1 2017, between 2011 and 2016 Diana Baldon was Director of Malmö Konsthall and Index – The Swedish Contemporary Art Foundation where she staged solo exhibitions by Nina Beier, Cornelius Cardew, Joan Jonas, Goshka Macuga, Ad Reinhardt, Lili Reynaud-Dewar and Heimo Zobernig among others. Prior to her appointments in Sweden, she worked at the Academy of Fine Arts Vienna as Curator-in-Residence and as a member of the scientific and artistic teaching staff (2007–2011). After receiving a Master’s degree in Creative Curating from Goldsmiths College, University of London, in 2002, she has curated exhibitions internationally for many institutions and Biennials, such as MIT List Visual Art Center in Cambridge, MA, and Mudam Luxembourg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean (both 2017), the Generali Foundation in Vienna (2012) and the Second Athens Biennale (2009). Her critical writing has been featured in numerous artists’ catalogues and international magazines such as Artforum, Texte zur Kunst, and Afterall.
Fondazione Modena Arti Visive
Coinciding with Baldon’s nomination, Fondazione Modena Arti Visive has been founded by the City of Modena and the private philanthropic foundation Fondazione Cassa di Risparmio di Modena to present contemporary art and visual culture within the framework of the heritage and the driving forces of three cultural institutions, namely the Galleria Civica di Modena, the Fondazione Fotografia Modena, and the Museo della Figurina. While reflecting the individual paths of these public and private cultural institutions with a view to strengthening their individual identities, the aims of the new foundation include the showcasing of the most innovative international artistic practices of the twenty-first century, the promotion of forms of activation and contamination between various disciplines and contexts, and the valorisation of the collections with which it is entrusted. Furthermore, through theoretical and critical research, it will investigate the radical transformation that art and imagery have undergone over recent decades in the wake of the impact of new technologies as well as the new contexts and platforms available for the sharing of information and services.