Aktuelles

Exhibition: Never Leave Me. Photographic Images in Germany Today

With works by: Nina Beier, Louisa Clement, Buck Ellison, Lindsay Lawson, Alwin Lay, Roman Schramm, Mark Soo and Tobias Zielony, curated by Renee Preisler Barasch

November 15–December 12, 2016

Opening: November 15, 6–8pm

On Stellar Rays Project Space, 1 Rivington Street, New York, New York 10002

www.neverleaveme.org / www.onstellarrays.com

We are pleased to announce a group exhibition featuring the works of eight artists who are united by two things: they work with the photographic medium or deal with its legacy, and they are either based in Germany or spent formative years there. The works in the show range from „straight,“ documentary-style photography to sculptural and multimedia approaches, video and installation. Many of the artists will be showing their work in the U.S. for the very first time.

The exhibition explores how Germany’s rich photographic past still influences artists today. The show also demonstrates how coming of age after the fall of the Berlin Wall in 1989, and in an unprecedented era of image saturation has simultaneously strengthened and challenged the artist’s position to photography.

The title of the show, Never Leave Me: Photographic Images in Germany Today, suggests the complicated dynamic between humans and photographs. Some images can haunt us forever. On the other hand, Never Leave Me is a bittersweet declaration of our dependence on photographs, and a surprisingly deep and addictive desire to look at them.

With a catalog featuring a text by Dominikus Müller, interviews with the artists, and designed by John McCusker.

photo graz 016. Biennale der steirischen Fotokunst.

2016 feiert die Kulturvermittlung Steiermark das 10 Jahre-Jubiläum von photo graz. Mit dieser Fotobiennale verfolgt der Verein das Ziel, die lokale und regionale Fotoszene zu dokumentieren, zu präsentieren und zu vernetzen. Bezeichnend für photo graz ist die Vielfalt der Bildsprache, der inhaltlichen Ansätze und ihrer technischen Ausfertigung. Arrivierte und international tätige Fotokünstler/innen finden sich generationsübergreifend neben Fotostudenten/innen und auch Amateuren/innen.

Graz und die Steiermark hatten sich ab den 1950er Jahren – mehr als damals die Bundeshauptstadt – zu einem Ort der Produktion und Vermittlung progressiver Fotografie entwickelt. Die Protagonisten dieser Zeit trugen maßgeblich dazu bei, die Fotografie als Kunstform in Österreich zu etablieren. Zusätzlich schufen sie wichtige Institutionen um jüngere Generationen in den Grazer Fotoschulen mit Fotokunst zu konfrontieren. Mit dieser Tradition wurde die Stadt zu einem reichen Nährboden für zeitgenössische Kunst und Fotografie.

photo graz wurde 2005 erstmals durchgeführt und wird seit 2006 als Biennale ausgerichtet. Mit jeder Ausgabe wurden rund 200 Fotokünstler/innen und Fotokollektive, geboren oder tätig in der Steiermark, an immer neuen Orten in Graz präsentiert. Mit der Reihe „photo graz selection“ wurden ausgewählte Beiträge in Galerien, Museen und auf Kunstfestivals im benachbarten Ausland auch einem internationalen Publikum vorgestellt.

Dieses Jahr wurden 217 Fotoarbeiten aus dem Zeitraum 2014-2016 eingereicht, die im begleitenden Handbuch und im Internet präsentiert werden. Eine Jury aus vier internationalen Kunstexperten/innen hat daraus 38 Positionen für die Ausstellung im Minoritenkonvent ausgewählt.

Erwin SCHWAB Mario SCHWEIGHOFER Bernd SIEBER Oliver SPILLER Christina TSILIDIS IngridVIEN Klaus Dieter ZIMMER zweintopf Jörg AUZINGER beba fink Tom BIELA Karl CEBUL Peter DITTRICH Claudia GANSBERGER Nicole GREINER Martin HANUS Leon HÖLLHUMER Nicole HOPFER Sylvia HURYNOWICZ Heidrun KOCHER-KOCHER Tereza KRIZMANICH Christian LAPP Moritz LECHNER Alois LOIDL Ulrike MAYRHUBER Bernd OBERDORFER Wolfram ORTHACKER Franz PACHER Klaus PICHLER Manfred PICHLER Robert PICHLER Erwin POLANC Heinz PÖSCHKO Verena ROTKY + Stephan WEIXLER Robert W. SACKL-KAHR SAGOSTIN Franz SATTLER Bianca SCHARLER Nina SCHUIKI

 
Veranstalter: Kulturvermittlung Steiermark
Kuratorische Leitung: Gerhard Gross
Ausstellungstechnik: Team der Kulturvermittlung Steiermark

Jury:
Carl Aigner Museum Niederösterreich, St. Pölten
Michaela Bosáková Central European House of Photography, Bratislava
Gregor Schuster Darmstädter Tage der Fotografie, Darmstadt
Eleni Tsitsirikou Helsinki International Artist Programme, Helsinki

Gefördert durch: Kulturamt der Stadt Graz, Bürgermeisteramt der Stadt Graz, Land Steiermark- Kultur, Europa, Außenbeziehungen

Ausstellung: Peter Dressler. Wiener Gold

Kunst Haus Wien, 16. November – 5. März 2017

KuratorInnen: Rainer Iglar in Zusammenarbeit mit Christine Frisinghelli und Michael Mauracher

Das KUNST HAUS WIEN würdigt mit der ersten Retrospektive in Wien das Werk von Peter Dressler, ein Werk in dem die Stadt Wien eine zentrale Position einnimmt. Wie wenige andere Persönlichkeiten hat Dressler (1942 – 2013) als Fotograf und Filmemacher, Akademielehrer, Sammler und kritischer Teilnehmer der Kunstszene die österreichische Fotografie seit den 1970er-Jahren mit beeinflusst. Dresslers künstlerisches Interesse am Medium Fotografie hat seit jeher die Faszination für die Geschichte des Mediums eingeschlossen.

Den Stoff seiner frühen dokumentarischen Serien und Bild-Erzählungen findet Dressler in Wien, dort, wie er selbst sagt, „wo noch die Substanz, Qualität, schlechthin die Magie des Alltäglichen in hohem Maß vorhanden ist“. Später wird sein (von ihm so bezeichneter) „Realismus der siebziger Jahre“ von Tableaus und Bildfolgen und einer poetischen und filmischen Vorgangsweise abgelöst. Zwischenspiel, sein bedeutendes Künstlerbuch von 1989, entwickelt seinen besonderen Reiz aus den vielfältigen Bezügen und Anspielungen zwischen den Einzelbildern.

Ende der 1980er-Jahre verändert sich erneut seine fotografische Bildsprache: Der Künstler selbst wird zur Hauptfigur und zum Akteur seiner melancholischen bis grotesken Bilderzählungen, er wird zum Koch „eher seltener Rezepte“ oder zum Solo-Tennisspieler im leer geräumten Semper-Depot. Mit kraftvollem Humor verlebendigt er gefundene und erfundene Szenarien durch seine Person und artikuliert kunstgeschichtliche wie auch gesellschaftliche Zusammenhänge und menschliche Verhaltensweisen. Dabei ist er oft großartig witzig, wobei sich sein Witz immer aus dem ernsten Wissen um die tragikomischen Seiten der menschlichen Existenz und die subtilen Möglichkeiten des Mediums Fotografie speist.

Ausstellung: „Fragments of HiStories“ – Archives & Objects/ Collections & Montages

Tina Bara, Nadja Bournonville, Pauline Izumi Colin, Lena Rosa Händle, Ahmed Kamel, Susanne Keichel, Emanuel Mathias, Paula Muhr, Marcel Noack, Sandra Schubert, Jakub Simcik, Jonas Wilisch

Tina Bara über die Ausstellung:

Die Ausstellung ist auf Einladung des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V. entstanden, im KUNSTRAUM Dresden Kunst-Lehrende mit ihren Meisterschüler*Innen auszustellen und mit uns diese Reihe zu beginnen.

Abgesehen davon, dass mir die Wortkombination Meister + Schüler nicht mehr zeitgemäß erscheint, sondern eher wie ein übrig gebliebenes historisches Wortrelikt – eine Hülle, die einen neuen oder anderen Inhalt meinen könnte – habe ich die Herausforderung sehr gern angenommen, um einen Blick darauf zu werfen, was entsteht, wenn einzelne Positionen der KünstlerInnen, die inzwischen alle ihren eigenen Weg gehen, zusammengeführt werden.

Für die Ausstellung war also kein Thema ausschlaggebend, auch keine These oder eine gemeinsam erarbeitete Fragestellung, sondern lediglich die Tatsache, dass die elf Studierenden nach ihren Diplomabschlüssen (an der HGB, in meiner Klasse oder an anderen Kunstakademien und in anderen Ländern) eine weiter führende Zeit im Austausch mit mir verbracht haben, um ihre Arbeit weiter zu treiben – eher im diskursiven Austausch, als in einer klassischen Lehrsituation. Da wir uns freiwillig für dieses gegenseitige Verhältnis entschieden haben, leitete mich auch beim Zusammenstellen der ausgewählten Arbeiten mein eigenes Interesse für diese Arbeiten und eine Affinität für bestimmte künstlerische Haltungen und Themenstellungen, so dass das, was durch das Kuratieren entsteht, mehr ist als das zufällige Nebeneinander von individuellen künstlerischen Positionen. Selbstverständlich ist das Individuelle zu allererst in den Arbeiten enthalten, darüber hinaus ging es mir jedoch auch um Interessenschwerpunkte meiner künstlerischen Lehre, die sich immer auch im Miteinander mit den jungen Positionen entwickelt. Die hier gezeigten Arbeiten sind Ausschnitte aus den Abschlussarbeiten der MeisterschülerInnen oder bereits unmittelbar danach entstanden.

Was sichtbar wird: dass das Medium Fotografie auf ganz unterschiedliche Art und Weise benutzt wird, dass es installativ und medial erweitert wird. Die KünstlerInnen greifen auf vorhandenes Bildmaterial zurück oder inszenieren eigene Bildwelten oder fotografieren subjektiv oder im dokumentarischen Stil. Bei mehreren Arbeiten gibt es neben der Bild- eine Text-Ebene und/oder das Medium Fotografie wird um das bewegte Videobild erweitert. Methodisch oszillieren die Arbeitsansätze zwischen poetischen, narrativen, aber auch konzeptuellen Strategien. Dabei gehört eine intensive Recherche bei allen als wesentliches und begleitendes Element zum künstlerischen Schaffensprozess.

In dieser Ausstellung zeigt sich die Suche und Prüfung dessen, was uns, was die verschiedenen Arbeitsansätze verbindet, wo Schnittpunkte entstehen und welche Interessenfelder sich herauskristallisieren.

Fragments of HiStories

Darin steckt die Affinität, nicht den Überblick ins Bild zu setzen, keiner wie auch immer gearteten Linearität folgen zu wollen, sondern im Ausschnitthaften, im Angerissenen, Angedeuteten und Bruchstückhaften erzählen zu wollen. Es geht in allen Arbeiten, egal ob sie eher seriell und konzeptionell ausgerichtet sind oder poetisch und subjektiv, immer um einen Rest von Geschichte oder Geschichten, auch wenn sie eher im Handlungsimpuls, der sich in die Arbeit einschreibt, als in einer direkten Erzählung liegen. Das grundliegende Interesse formuliert sich in keiner der Arbeiten vordergründig in formellen oder kunstimmanenten Fragestellungen, sondern in Rückkopplungen an gesellschaftliche, persönliche, biografische und weiterführende Themen, die an andere, auch wissenschaftliche Bereiche andocken, die das menschliche Wesen und Handeln erforschen: wie Soziologie, Psychologie und (Kultur)Geschichte.

Archives & Objects / Collections & Montages

Der Untertitel spielt auf Quellen und Bearbeitungsmethoden an, die in unterschiedlicher Gewichtung in allen Arbeiten zu finden sind.
Bei allen ausgewählten Arbeiten spielen eigene oder fremde Archive und Sammlungen eine ausschlaggebende Rolle. Sie werden angelegt, untersucht, benutzt und künstlerisch bearbeitet.

Auch wenn Portraits und Körper auf den Fotografien abgebildet sind, so werden doch auch die Fotografien an sich befragt und wahrgenommen und somit als Träger vorgeführt, die etwas zeigen, das über Personenabbildungen hinausgeht.

(Fotografierte) Objekte können oft mehr über die Geschichten der Menschen bzw. bestimmte Aspekte und politische Zusammenhänge erzählen. Sie sind in Verbindung mit ihrer Benutzung und Entstehungsgeschichte eng an menschliche Handlungen gebunden.

Im Montieren von assoziativen und narrativen Fragmenten und Momenten, die sich in den Fotografien, Filmstücken und Texten abbilden, entstehen vielschichtige Zusammenhänge, die sich eindeutigen Interpretationsmustern meist entziehen und zu einem komplexen Wahrnehmen und Denken auffordern, in dem Bekanntes auf Unbekanntes, sowie Sichtbares auf Unterbewusstes trifft und eher Fragen gestellt als Antworten gegeben werden.

Interessiert hat mich letztendlich auch die Generation meiner ehemaligen MeisterschülerInnen: fast alle sind um 1980 herum geboren (als ich ungefähr begann zu studieren), die Hälfte noch im Osten, die andere Hälfte ganz woanders. Alle waren zum Zeitpunkt der alten Systemauflösungen und der beginnenden digitalen Revolution Kinder und wuchsen selbstverständlich mit neuen Medien und ohne Mauer und kalten Krieg auf. Dennoch verarbeiten fast alle Geschichte und Gegenwart und verbinden diesen Prozess mit zeitgenössischen Fragestellungen an ihre eigene Generation, die fragil und offen an einer neuen Schwelle zu stehen scheint: zwischen Gender Studies and Culture Clash…

 

Zeitraum
Von: 05.11.2016
Bis: 10.12.2016

Anschrift
Neuer Saechsischer Kunstverein
Schützenplatz 1
01067 Dresden

Telefon
0351 49 43 38 3/ 0152 07 31 19 73

Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag 14 – 18 Uhr Samstag 10 – 14 Uhr und nach Vereinbarung

»Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg« heißt jetzt »Biennale für aktuelle Fotografie«

Das „Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg“ heißt ab sofort „Biennale für aktuelle Fotografie“. Der Namenswechsel nach sechs Ausgaben seit 2005 begründet sich durch eine Schärfung des Profils und wird begleitet von einer Neukonzeption des Erscheinungsbildes. Die Kulturstiftung des Bundes fördert diesen Formatwechsel und das Programm 2017. Die erste Ausgabe der Biennale wird von einem Kuratorenkollektiv um Florian Ebner und Christin Müller kuratiert. Das Konzept wird im Februar 2017 vorgestellt.

Laufzeit der Biennale: 09.09 – 05.11.2017, Eröffnung: 08.09.2017

Über sechs Ausgaben seit 2005 hat das Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg einen erheblichen Bedeutungszuwachs innerhalb der internationalen Ausstellungslandschaft erfahren. Mit der Ausgabe 2017 wird es zur „Biennale für aktuelle Fotografie“ umgewidmet und das Profil der Ausstellungen und Veranstaltungen geschärft. Neben der BASF als Premiumsponsor trägt die Kulturstiftung des Bundes als zusätzlicher Hauptförderer der Ausgabe 2017 maßgeblich zur Etablierung der neuen Biennale bei. Dies gab heute der Vorstand des Festivals bekannt.

Dietrich Skibelski, Vorstandsvorsitzender der Biennale für aktuelle Fotografie: „Durch die erfolgreiche Historie des Fotofestivals, des inhaltlichen Diskurses der vergangenen Ausgaben und seiner zeitlichen Struktur liegt der Sprung zur Biennale nahe. Wir vollziehen den Wandel vom Festival zur Biennale mit einem neuen Selbstverständnis und veränderter interner Struktur. Die Vitalität des bisherigen Festivals werden wir mit in die Zukunft nehmen. Möglich wird dieser Formatwechsel durch die großzügige Förderung unserer Partner.“

Neu wird sein, dass die Biennale die internationale Ausrichtung enger mit Projekten vor Ort verbindet, indem verstärkt Auftragsarbeiten von renommierten Künstlerinnen und Künstlern produziert werden, die erstmals bei der Biennale zu sehen sind. Zudem werden Kunstwerke und Interventionen im öffentlichen Raum das regionale Publikum stärker einbinden. Partizipation und Vermittlung werden verstärkt im Fokus der kommenden Ausstellungsmacher stehen. Neben diesen Neuerungen ist auch eine Neukonzeption des öffentlichen Auftritts, insbesondere im Digitalen, verbunden. Das Erscheinungsbild wird neu entwickelt, bestehende regionale Kooperationen, etwa zur Universität Heidelberg und lokalen Initiativen, vertieft sowie eine internationale Vernetzung mit Veranstaltern und Fachpublikum vorangetrieben.

Das Ziel der ersten Biennale für aktuelle Fotografie 2017 kuratiert von Florian Ebner, Christin Müller, Fabian Knierim, Boaz Levin, Kerstin Meincke und Kathrin Schönegg ist es, über die Ausstellungsorte und -themen in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg einen vielstimmigen Dialog über die radikalen Umbrüche unserer Bildkultur anzuregen. Die Biennale 2017 wird junge zeitgenössische Bildproduktion und historische Positionen miteinander verschränken und die Auseinandersetzung mit den Eigenheiten und Veränderungen der Fotografie fördern. Das Kuratorenkollektiv verspricht, den Reichtum und die Bedeutung der Fotografie, die sie für die Konstitution unserer visuellen Kultur einnimmt, voll auszuschöpfen. Das kuratorische Konzept und der Titel der Ausstellung wird voraussichtlich im Februar vorgestellt.
 
Teilnehmende Institutionen 2017 sind: Zephyr – Raum für Fotografie, Port25 – Raum für Gegenwartskunst, Kunsthalle Mannheim (Außenraum) (Mannheim); Wilhelm-Hack-Museum, Kunstverein Ludwigshafen (Ludwigshafen); Sammlung Prinzhorn, Kunstverein Heidelberg (Heidelberg).

Zur Geschichte des Festivals: Seit seiner ersten Ausgabe 2005 hat sich das Fotofestival zu einem der wichtigsten kuratierten Fotoereignisse mit internationaler Strahlkraft in Europa etabliert. Auch die Biennale wird sich künftig durch die Konzepte der zweijährig wechselnden Gastkuratoren auszeichnen, die immer wieder neue Aspekte der zeitgenössischen Fotografie behandeln, im Dialog mit den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern, der Metropolregion, den drei Veranstaltungsstädten und den lokalen, nationalen und internationalen Besuchern. Beteiligt sind die bedeutendsten Ausstellungshäuser der drei Städte, deren spezifisches Profil jeweils in die Ausstellungskonzeption einbezogen wird. Zuletzt zählte das Festival mehr als 35.000 Besucher.

Bisherige Kuratoren:
2017: Florian Ebner, Fabian Knierim, Boaz Levin, Kerstin Meincke, Christin Müller und Kathrin Schönegg
2015: Urs Stahel
2013: Andréa Holzherr
2011: Solvej Helweg Ovesen und Katerina Gregos
2009: Esther Ruelfs und Tobias Berger
2007: Christoph Tannert
2005: Hansjoachim Nierentz

Screening: Oliver Ressler, Emergency Turned Upside-Down

mumok, Wien, Mittwoch, 30. November 2016, 19:00

Den Ausgangspunkt der beiden jüngsten Arbeiten von Oliver Ressler bilden die Fluchtbewegungen, die die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien (und anderen Staaten) hervorgerufen haben. Emergency Turned Upside-Down nimmt sich den zynischen und unmenschlichen Diskurs vor, der die Anwesenheit von Flüchtlingen in Europa als „Notstand“ (emergency) bezeichnet, wobei dieser Begriff doch dem Krieg, dem Terror und der wirtschaftlichen Strangulierung vorbehalten sein sollte – jenen Gründen also, die die Menschen zum Aufbruch zwingen. There Are No Syrian Refugees in Turkey ist Oliver Resslers neuester Film, der anlässlich seiner aktuellen Einzelausstellung im SALT Galata in Istanbul realisiert wurde. Darin wird die politische Vorgehensweise der EU und der Türkei einer Analyse von syrischen Flüchtlingen unterzogen, die in Europas größter Metropole als „Gäste“ leben.
Programm

Oliver Ressler
Emergency Turned Upside-Down, 2016, 16 min
There Are No Syrian Refugees In Turkey, 2016, 30 min

Anschließend Gespräch zwischen Oliver Ressler und Charles Esche

Oliver Ressler lebt in Wien. 2016 erhielt er den erstmals vergebenen Schweizer Kunstpreis Prix Thun für Kunst und Ethik. Ausstellungen (Auswahl): Centro Andaluz de Arte Contemporáneo – CAAC, Sevilla (2015); LENTOS Kunstmuseum, Linz (2014); Alexandria Contemporary Arts Forum (2010); Berkeley Art Museum (2006).

Charles Esche ist Kurator und Autor; Direktor des Van Abbemuseum in Eindhoven sowie gemeinsam mit Mark Lewis Herausgeber und Begründer von Afterall Journal und Afterall Books, Central St. Martins, London.

€ 6,– / ermäßigt € 4,50

Symposium: MATRYOSHKA EFFECT. Cultural Policies and its Ideologies

Zur Lage von Kunst und Kultur in zeitgenössischen kapitalistischen Gesellschaften.

Universität Graz, Universitätsplatz 2, 25. 11. 2016, ab 9:30 Uhr

IG Kultur Steiermark / In Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Uni Graz und der IG Kultur Steiermark.

Seit dem Aufschwung des Neoliberalismus befinden sich der Kunst- und Kulturbereich in einem ständigen Wandel. Die permanenten Änderungen der Reglementierung in diesen Gebieten beeinflussen nicht nur den Inhalt und die Bedeutung von Kunst und Kultur. Vielmehr bedingen sie auch neue Arten der Kunst- und Kulturproduktion. Im Symposium werden die Prozesse, die die kulturelle Produktion heute verändern wie bei einer Matrjoschka-Puppe aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Vorträge unter anderem von:

Franco Berardi (IT) Philosoph, Anita Hofer (A) Kulturschaffende, IG Kultur Österreich, Monika Mokre (A) Kulturwissenschafterin, Tim Renner (D) Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin, Vesna Vuković (CRO) Kuratorin und Wissenschafterin, Martin Wassermair (A) Politikwissenschafter, Kultur- und Medienaktivist

Der Eintritt ist frei. Symposiums-Sprachen sind Deutsch und Englisch. Mehr Information unter +43 316 8277 3422 oder office.igkultur@mur.at.

Ablauf Symposium:

09:30 Uhr:
Come Together

10:00 Uhr:
“Culture and the Arts – Between Societal Relevance and Economic Utilization” – Monika Mokre (Vortrag englisch)

10:40 Uhr:
“Financial aggression, social impoverishment, humiliation and social nationalism in Europe.” – Franco Berardi (Vortrag englisch)

11:10 Uhr:
Interview und Fragen moderiert von Lidija Krienzer-Radojević (englisch)

12:00 Uhr:
Kurzvorträge (deutsch) von:

Tim Renner, Vesna Vuković (“(Des)Illusion von Unabhängigkeit”), Martin Wassermair (Nach dem Wunderland. Für eine neue Politik der Kulturalität” )

Anita Hofer

13:00 Uhr:
Interview und Fragen moderiert von Stefan Benedik (deutsch)

15:00 Uhr:
Case Studies mit Stadtdenker*Innen Graz, SUb, Willy*Fred, WUK, alter Schl8hof Wels (deutsch),

15:35 Uhr:
Interview und Diskussion moderiert von Simon Hafner (deutsch)

16:45 Uhr:
Podium Reflexion mit Lisa Rücker, Claudia Klimt-Weithaler, Monika Mokre, Milica Tomić moderiert von Martin Wassermair (deutsch)

17:15 Uhr:
Plenardiskussion mit Martin Wassermair (deutsch)

18:00 Uhr:
Get Together mit Open End

Buchpräsentation: Manuel Gorkiewicz und Stefanie Seufert

Buchpräsentation, Performances, Screenings, Food, Special Cocktail by Maren Lübbke-Tidow

24.11.2016, 19.00 Uhr

Wiensowski & Harbord, Lützowstraße 32, 10785 Berlin

Manuel Gorkiewicz, Therapy Make-up works  Voluptuous U-turns on the street of Style, Beauty, and Greed, Verlag für moderne Kunst, Wien 2016. Text: Kerstin Cmelka, Christian Egger, Interview: Martin Guttmann with Manuel Gorkiewicz

Stefanie Seufert, Wood Survives in the Form of Postholes, Edition Camera Austria, Graz 2016. Text: Reinhard Braun, Maren Lübbke-Tidow and Stefan Panhans

Im Rahmen einer Ausstellung mit:
Kerstin Cmelka, Christian Egger, Glegg & Guttmann, Manuel Gorkiewicz, Stefan Panhans, Stefanie Seufert

 

Tagung: Vision-Producing Machines. Kritische Theorie als Archiv, Album und Atlas

Freitag, 11. November 2016, 13.30 – 18.00 Uhr
eikones Forum

 

1980 in Rom produzierte eine kleine Kooperative um die Filmkritiker Michele Mancini (1947–2005) und Giuseppe Perrella  (*1947) ein mysteriöses, gleichermaßen elaboriert und mühelos erscheinendes sechshundertseitiges Schwarz-Weiss-Bilderbuch mit dem Titel «Pier Paolo Pasolini: Corpi e Luoghi» (Theorema 1981). In einem seinerzeit vielfältigen Umfeld kultureller und politischer Praxis wurde die Publikation begrüßt als «für die zukünftige Pasolini-Forschung unverzichtbares Mittel.» Vergessen und längst vergriffen ist «Corpi e Luoghi» heute noch immer, wie es damals eine Rezension bezeichnete, «das pasolinischste Buch aller Zeiten.»

1986 publizierten Michele Mancini und Giuseppe Perrella ein kaum weniger aufwendiges Folgeprojekt, wieder einen schweren Bildband mit abermals tausenden von Filmstills: «Michelangelo Antonioni: Architetture della Visione» (Coneditor 1986). In ihrem selbstreflexiven Anspruch problematisieren beide Publikationen sowohl die Beschränkung des Buches als Form, als auch die Frage der «Regression» von Filmbild zum Einzelbild. Mancini/Perrella zufolge handelt es sich hier weder um zweckdienliche Kataloge noch um suggestiv-illustrative Bücher. Das Buch in dieser Form sei kein fertiges Produkt sondern ein Werkzeug zur Herstellung von Bezügen. Hier handle es sich um eine «macchina produttrice di visioni,» um eine «Vision-Producing Machine.»

Wie die beispiellose Anordnung des Materials sind auch die Kommentare aus «Corpi e Luoghi» – kritische Theorie zwischen Gesellschafts- bzw. Ideologiekritik, Psychoanalyse, und Visual Studies – bis heute selbst in Italien weitgehend ohne Rezeption geblieben. Im Frühjahr 2017 erscheint bei Edition Patrick Frey eine von Benedikt Reichenbach herausgegebene quasi-faksimilierte englische Neuauflage von «Corpi e Luoghi,» «Pasolini’s Bodies and Places.» Das Projekt versteht sich als erster Schritt zur Erschliessung dieses Werkes und einer Diskussion von Zusammenhängen nicht nur zu anderen Publikationen von Michele Mancini und Giuseppe Perrella, sondern auch zu einigen weitreichenderen, von den Autoren selbst möglicherweise ungeahnten Zusammenhängen.

Die «Vision-Producing Machine» in Form der beiden Bücher zeichnet eine mehr obsessive denn akademische Variante Kritischer Theorie aus. Unablässig präzise und verspielt zugleich, aus einer tiefen Bewunderung heraus, entspricht jedes der Bücher seinem jeweiligen Objekt: den Filmen von Pier Paolo Pasolini und Michelangelo Antonioni. Im Kontext von  Diskussionen um «Montage,» «(Medien-)Archäologie,» «Archiv,» «Album,» und «Atlas» prüft die Tagung den Begriff der «Vision-Producing Machine» als Anker gegenwärtiger Visual Studies. Was sind die Eigenschaften und Besonderheiten dieser Maschine? Was ist hier der Horizont von «Vision»?

 

Programm

13.30 – 14.00 Benedikt Reichenbach:

Begrüßung und Einführung

14.00 – 15.00 Antonio Somaini:

Archive, Album, Atlas, and the Idea of a «Vision-Producing Machine»

Elena Vogman:«Ein Fächer zyklischer Miniaturen»: Eisensteins «Kapital»-Projekt als Modell für ein Buch

15.00 – 16.00 Benedikt Reichenbach:

Ordnung, Bruch, und Überschwang; «Pier Paolo Pasolini: Corpi e Luoghi» (1981) und «Michelangelo Antonioni: Architecture in Vision» (1986).

Präsentation des Projektes «Pasolini’s Bodies and Places»

Toni Hildebrandt/Simon Vagts: Bild-Text-Konstruktionen in Michele Mancinis «Godard» (1969) und Alessandro Cappabiancas, Michele Mancinis, Umberto Silvas «Costruzione del Labirinto»(1974), mit einem Exkurs zu Pasolinis Eisenstein-Kritik

16.30 – 17.00 Till Gathmann:

Freie Assoziation, Projektion, «Vision-Producing Machines»

17.00 – 18.00 Roundtable:«Vision-Producing Machines,» Perspektiven

Apero

Stay With Me: Artists’ Diaries from Istanbul

Salon für Kunstbuch 21er Haus, Wien

Die Ausstellung „Stay with me“ versammelt Notiz- und Tagebücher von mehr als 60 Künstlerinnen und Künstlern, die im Zusammenhang mit ihren Erfahrungen während der Gezi-Park-Proteste 2013 in Istanbul entstanden sind.

Im Frühling kam es in Istanbuls Gezi-Park zu Protesten gegen Pläne für dessen städtebauliche Zukunft. Die sich in den folgenden Wochen über den Taksim-Platz ausbreitende Welle von Demonstrationen erfasste das ganze Land. Die Menschen kamen in dezentraler Organisation auf über 5.000 Veranstaltungen zusammen und geschätzte 3.5 Millionen gingen auf die Straße. Die mit ungewöhnlicher Gewalt niedergeschlagenen Demonstrationen forderten damals 11 Tote und mehr als 8.000 Verletzte. Seit dem Sommer 2013 hat sich die innenpolitische Lage weiter verschärft. Ist es möglich, die Hoffnung von damals zu bewahren?

An den Exponaten der Ausstellung lassen sich die unterschiedlichsten Herangehensweisen ablesen, in denen eine Kunst der Selbstbehauptung sich realisiert: den singulären Zauber gemeinsamer Momente festhalten, das Bedrohende auf Papier bannen, sich an einen anderen Ort projizieren, Erlebtes durch Abstraktion erinnern.

Mit Beiträgen: Ali Miharbi, Anti-Pop, Aslı Çavuşoğlu, Ata kam, Ayşe Küçük, Azra Deniz Okyay, Balca Ergener & Meltem Ahıska, Berkay Tuncay, Burçak Bingöl, Carla Mercedes Hihn, Ceren Oykut, Christine Kriegerowski, Çiğdem Hasanoğlu, Devrim Ck, Devrim Kadirbeyoğlu, Didem Erk, Eda Gecikmez, Ekin Saçlıoğlu, Elif Çelebi, Elmas Deniz, Endam Acar & Fırat Bingöl, Erdağ Aksel, Erhan Öze, Erdem Helvacıoğlu, Eser Selen, Fatma Belkıs, Fatma Çiftçi, Ferhat Özgür, Figen Aydıntaşbaş, Fulya Çetin, Genco Gülan, Gonca Sezer, Gökçe Süvari, Gökhan Deniz, Göksu Kunak, Gülçin Aksoy, Gül Kozacıoğlu, Gümüş Özdeş, Güneş Savaş & Eren Yemez, Güneş Terkol, Gözde İlkin, Hale Tenger, Hubert Sommerauer, İnci Furni, İpek Duben, Kınay Olcaytu, Melike Kılıç, Merve Çanakçı, Merve Şendil, Mischa Rescka, Murat Tosyalı, Nalan Yırtmaç, Nancy Atakan, Nazım Dikbaş, Neriman Polat, Nick Flood, Nurcan Gündoğan, Onur Ceritoğlu, Onur Gökmen, Özgür Atlagan & Bengi Güldoğan, Özgür Demirci, Özgür Erkök Moroder, Özge Enginöz, Rüçhan Şahinoğlu, Raziye Kubat, Sabine Küpher Büsch & Thomas Büsch, Seda Hepsev, Seçil Yersel, Sena Başöz, Senem Denli, Sevim Sancaktar, Sevil Tunaboylu, Sevgi Ortaç, Suat Öğüt, Sümer Sayın, Şafak Çatalbaş, Ulufer Çelik, Yaprak Kırdök, Yasemin Özcan, Yasemin Nur, Yavuz Parlar, Yeşim Ağaoğlu, Zeyno Pekünlü

„Stay with me“ wurde von der Künstlerin Selda Asal initiiert.

Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie 2016: Stephanie Kiwitt

Die Akademie der Künste vergibt das Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie 2016 an Stephanie Kiwitt. Das mit 20.000 Euro dotierte Förderungsstipendium für internationale junge Fotografinnen und Fotografen wird aus dem Nachlass von Ellen Auerbach finanziert und alle zwei Jahre vergeben. Der Nachlass befindet sich in Kunstsammlung und Archiv der Akademie. Die Ellen-Auerbach-Stipendiaten gehören dem Stipendiatenkreis der JUNGEN AKADEMIE an.
Am 16. November 2016 wird das Stipendium verliehen. Auerbach-Stipendiaten der letzten Jahre waren Julian Röder (2014), Natalie Czech (2012) und Anastasia Khoroshilova (2010).

Die Fotografin und diesjährige Stipendiatin Stephanie Kiwitt thematisiert den städtischen Alltag, die Fragilität urbaner Strukturen, Konsum, Waren- und Körperkultur in Bildgruppen, Serien und Künstlerbüchern. Ihre Fotografien arrangiert sie in Kompositionen im Innen- und Außenraum, zwischen Realität und Abbild. Kiwitt erhält das Stipendium auf Vorschlag der Akademie-Mitglieder Ute Eskildsen, Elfi Mikesch und Helga Paris. Die Jury lobt „eine scharfe und zugleich subtile Beobachtung unserer städtischen Lebenswelt. Im Wechsel von Totalen und Ausschnitten umkreist die Fotografin die urbane Gegenwart und fixiert geplante Zeichen und subjektive Spuren in der Großstadt. (…) Ihre Bilder sind keine statischen, kritischen Statements, sondern fließende Entdeckungen in der bunten Bilderwelt heutiger Urbanität.“

Stephanie Kiwitt wurde 1972 in Bonn geboren, lernte 1994 – 1998 im Fernstudium am Institute of Creative Photography in Opava, Tschechische Republik, 1997 – 2004 studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Fotografie, wo sie 2004 – 2007 Meisterschülerin von Timm Rautert war. 2002 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Bonn, ferner u. a. 2006 ein DAAD-Stipendium für Marseille, 2009 das Atelierstipendium am Wiels Contemporary Art Centre, Brüssel, 2011 den Stiftungspreis für Fotokunst, Stiftung Alison und Peter Klein, 2016 das Arbeitsstipendium Kunsten en Erfgoed. Brüssel. Einzelausstellungen waren von ihr in den letzten Jahren in Leipzig, Köln, Karlsruhe, Pforzheim, Gent, Prag und Arles zu sehen.

Verleihung

Mittwoch, 16. November 2016, 19 Uhr, Eintritt frei
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Mit u.a. Kathrin Röggla, Barbara Klemm, Ute Eskildsen und der Preisträgerin

Julian Röder: Recht und Raum

Haus am Waldsee, Berlin, 19. 11. 2016 – 12. 2. 2017

Seit fünfzehn Jahren baut der in Ostberlin aufgewachsene Fotokünstler Julian Röder (Jg. 1981) ein beeindruckendes Werk zum Thema Macht und Ökonomie auf, das bereits internationale Beachtung fand und nun zum ersten Mal in einer größeren Überblicksausstellung in Berlin zu sehen ist.

Nach dem Studium der Fotografie bei Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig entwickelt Röder, der zuvor bei Ostkreuz in Berlin als Fotograf ausgebildet wurde, in den frühen 2000er Jahren die künstlerische Haltung des distanzierten Beobachters. Im Fokus seiner seriellen Arbeiten stehen von Anfang an die subtilen gesellschaftlichen Veränderungen der globalisierten Gegenwart.

Beim G8 Gipfel 2001 in Genua war Röder noch selbst Teil der Demonstranten-Szene. Mehr und mehr wurde ihm jedoch bewusst, dass er nur mit dem Blick von außen zu relevanten Bildern finden konnte. Er versuchte das einzukreisen, was eigentlich in der Kritik stand. Wie sich im Laufe der Jahre zeigte, verliefen die Protestaktionen mit jedem weiteren G8 Gipfeltreffen jedoch zunehmend ins Leere. Die Veranstalter hatten die Tagungsorte in ländliche Gegenden verlegt, wo die Aktionen schließlich zu puren Verhaltensgesten erstarrten. Über das Mediale hinaus entwickelten die Aktionen kaum noch politische Wirkung. Röder hat diesen Prozess zwischen 2001 und 2008 beobachtet und in „The Summits“ festgehalten.

In „Human Resources“ hat Röder sich dann zwischen 2007 und 2009 auf Konsummessen begeben. Unbemerkt hat er dort Fachkunden und Verkäufer fotografiert und sein Augenmerk in der künstlichen Situation einer Messe ganz auf die Körpersprache der Beteiligten gelenkt. Röder löschte alle Logos und Namen, die im Hintergrund der Bilder erschienen, aus und legte so die Posen der Beteiligten frei, die von Künstlichkeit und medialer Konformität erzählen. Die Beobachteten werden zur Staffage einer austauschbaren Waren- und Marketingwelt.

2011 fotografiert Röder für die Serie „World of Warefare“ auf der International Defence Exhibition and Conference, IDEX, der größten Waffenmesse der Welt in Abu Dhabi. Bewusst versucht er in seinen Bildern die Situation bis zum Absurden zu überzeichnen. Ausgerechnet in einer Wüste kommen sich Macht und Ökonomie auf dieser von der Öffentlichkeit abgeschirmten Veranstaltung am nächsten.

In einer weiteren Serie, „Mission and Task“ arbeitet Röder 2012/13 mit Mitteln der Werbefotografie im Freien und setzt dabei Kunstlicht ein. Auf diese Weise führt er die geheime Infrastruktur zur Sicherung europäischer Außengrenzen vor, die wie ein Schutzwall unseres westlichen Wohlstandes fungiert. Unter harmlosen Oberflächen verbergen sich in Zeppelinen oder Heiligen-Kapellen, hinter Zäunen oder auf Satelliten modernste Überwachungssysteme, die zu Lande, zu Wasser, aus der Luft und aus dem All jeden, der in ihre Nähe kommt, beobachten und taxieren.

Ausstellung und Katalog stellen eine Kooperation zwischen dem Haus am Waldsee und der Akademie der Künste, Berlin dar. Im Rahmen des Ellen-Auerbach-Stipendiums der Akademie der Künste hat Julian Röder die neue Serie „Licht und Angst“ verwirklichen können, die in der Ausstellung vorgestellt wird. Dabei führt der Künstler seine Recherche zum Thema Macht und Ökonomie bis in die Bereiche Gedankenfotografie und Verschwörungstheorien fort. Er begibt sich zudem in ein Umfeld irrationaler mystisch überhöhter Gesellschaften, denen Intuition mehr gilt als rationales Denken. Er richtet sein Augenmerk auf Gruppen, für die altgermanische Mythen und magische Orte größere Bedeutung haben, als wissenschaftliche Argumente.

So gegensätzlich die parallel existierenden Welten von Managern, Demonstranten und Esoterikern auf den ersten Blick erscheinen, so überzeugend arbeitet er Gemeinsamkeiten heraus: Das nicht näher definierte Böse gefährdet die Freiheit und das Glück des Einzelnen. Das Feindbild nährt sich aus Behauptungen und Projektionen. Es ist somit Konstrukt menschlicher Imagination.

Es erscheint ein zweisprachiger Katalog, Verlag Walther König, Köln. 80 Seiten, Deutsch/Englisch, € 18. Diese Publikation wurde durch das Preisgeld des Ellen-Auerbach-Stipendiums der Akademie der Künste Berlin ermöglicht.

 

David Maljković: Again and Again

Curated by Bojana Piškur and What, How & for Whom/WHW

Opening: 25 October 2016 at 8 p.m., Moderna Galerija / Museum of Modern Art Ljubljana

Taking place a year after A Retrospective by Appointment in Zagreb, Again and Again offers a new take on the genre of retrospective exhibition, tracing narratives and methods that occur in David Maljković’s work. While the Zagreb retrospective opened a subtle dialogue with the Zagreb institutional landscape, the atmosphere of its sociability and rhythms of cultural life through engaging with small-scale institutions, Again and Again looks into the approaches and obsessions recurring in David’s works that offer various points of entry to the institutional and social history of Moderna galerija / the Museum of Modern Art in Ljubljana and the Museum of Contemporary Art Metelkova.

Again and Again brings together a range of works, as well as elements of installations from different stages of Maljković’s career, along the way deconstructing the genre of a “mid-career” retrospective by taking a nonhierarchical approach to all the works and objects, putting them side by side on seemingly inadequate, unlikely structures taken from the Museum’s storage areas. Defying expectations and taking a humorous approach to the retrospective format itself, Again and Again problematizes its own relation to the context and infrastructure by reusing and repurposing elements of previous exhibitions’ furniture and displays, thus probing institutional protocols and history.

Key concerns and methods of David Maljković’s work – individual and collective relationships towards the complexities of time, a collagist approach, self-referentiality, referencing the work of other artists, the use of his earlier works and exhibition displays as material, inquiry into the notion of art’s autonomy, exploring the nature of the gaze, carefully choreographing the exhibition experience – are all visible within the exhibition. Throughout his practice, David Maljković creates a web of relations that evoke the various metamorphoses of his work, calling attention to their formal aspects, as well as the circumstances of their production. The architectural reconfigurations of the space, as well as various exhibition constructions taken from the Museum’s storage areas, become elements in David’s method that works with the tensions between the procedures of exhibition display, which draw the viewers into the exhibition narrative, and those that are aimed at creating the estrangement effect. The rhythm and heightened physical presence of the exhibition elements that could equally be called exhibition architecture, scenography, or sculpture, direct the ways of looking and contextualize the individual works within a “choreographed” experience.

Again and Again is organized around subtle clues for tracing and reconstructing fragments, transformations, metamorphoses and references, but humor and a playful nonchalance allow for the “here and now” of the exhibition as an aesthetic and social experience that aims to see what is the core of contemporary art once the forms are disrespected and disrespectful, and how this could open the possibility to radically reimagine both exhibition practice and the future of cultural institutions.

David Maljković, born in Rijeka, Croatia in 1973, lives and works in Zagreb. His recent solo exhibitions include: The Exhibition is Becoming, VOX Centre de l’image contemporaine, Montreal (2016), In Low Resolution, Palais de Tokyo, Paris (2014), Kunstmuseum St. Gallen, St. Gallen (2014), Sources in the Air, Baltic Centre for Contemporary Art, Gateshead (2013), Sources in the Air, Van Abbemuseum, Eindhoven (2012), Exhibitions for Secession, Wiener Secession, Vienna (2011), Out of Projection, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid (2009). Maljković has participated in group shows such as: The Eighth Climate (What Does Art Do?), 11th Gwangju Biennale, Gwangju (2016), Scenes for a New Heritage: Contemporary Art from the Collection, Museum of Modern Art, New York, USA (2015), All The World’s Futures, 56th Biennale di Venezia, Venice (2015), Animism, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2012), The Present and Presence, Museum of Contemporary Art Metelkova, Ljubljana (2011), 29th São Paulo Art Biennial, São Paulo (2010), What Keeps Mankind Alive, 11th Istanbul Biennial, Istanbul (2009), When Things Cast No Shadow, 5th Berlin Biennial for Contemporary Art, Berlin (2008).

Maribor Art Gallery: Lectures by Nestan Nijaradze and Klavdij Sluban

UGM, Maribor Art Gallery, Strossmayerjeva ulica 6, Maribor, Slovenia

Nestan Nijaradze / Contemporary Photography from the Caucasus

Saturday, 22 October 2016, at 18:00

Nestan Nijaradze will present contemporary photography from the Caucasus area and the Tbilisi Photo Festival, which was established in 2010 with Nestan as its artistic director from the very beginning. The Tbilisi Photo Festival has already achieved extreme public visibility, and it isn’t only the region’s most important photo event – it is also the most important cultural event in the Caucasus. From the very beginning it has been supported by partners such as the prestigious Photo Festival in Arles. This year the Festival in Tbilisi hosted more than 200 photographers from 20 different countries. The main event of the festival is the Photography Night, which includes numerous outdoor projections and has had more than 10,000 visitors. The main aims of the festival are to create a meeting point for photography from different areas (Asia, Iran, Turkey, Europe, Russia and Saudi Arabia), to introduce the best in the field of world photography, and to promote young local photographers.

Nestan Nijaradze (b. 1971) is the co-founder and artistic director of TBILISI PHOTO FESTIVAL in Georgia, an internationally recognized curator of photography exhibitions, a writer, a TV broadcast host on Georgian national television, an expert in portfolio evaluations at various prestigious festivals, and a promoter of Georgian photography. Between 2007 and 2015, she worked as the director of the House of Photography; between 2007 and 2009, she worked as the main director of PHOTO Magazine; in 2007 she introduced the first permanent collection of Georgian photography; between 2008 and 2009, she coordinated a project for the MAGNUM agency in Georgia. She has a degree in visual art studies from the University of Tbilisi in Georgia, and a master’s degree from the University of Paris-Diderot in Paris. In Georgia, she has represented various Western photographers from numerous institutions (Robert Capa, Stanley Greene, Guiorgui Pinkhassov, Vanessa Winship, etc.), and she regularly promotes Georgian photography (Natela Grigalshvili, Newsha Tavakolian, Guram Tsibakhashvili, Shalva Alkhanaidze) during various world festivals.

The lecture will be held in English and will not be translated.

 

Klavdij Sluban / Presenting the Author’s Photographic Work
Saturday, 22 October 2016, at 19:00

Klavdij Sluban will present his new projects, including his „silent videos“ from Japan. At the beginning of this year he dedicated this project to Japanese poet Matsuo Bashō (1644–1694), who is known as one of the greatest experts in haiku poetry. Klavdij walked the Bash route, a 500 km journey on foot from Kyoto to Tokyo, and was able to immerse himself in Japan’s culture and countryside. He received an award for photography from the Academy of Fine Art for an intimate and poetic series called “Divagation – sur les pas de Bashō”.

For the first time he will also present his photgraphs from the juvenile detention centers, Mario Covas in Arujà in San Paulo, Brazil and from the Fleury-Mérogis Center in France. Between 1995 and 2000 he held photography workshops and also invited other well-known photographers, such as Henri Cartier-Bresson, Marc Riboud and William Klein to collaborate with him. The point of Sluban’s prison photography is not reportage. He focuses on the limitations of time and habitat, defined by the limits of a prison.

Klavdij Sluban (b. 1963) is a French photographer with Slovenian roots. He gained public and critical acclaim with his completely personal approach to photography. His works are seen all over the world in museums and galleries. Since 1995 he has been active in workshops for young prisoners. He has received important international photography awards, such as the European Publishers Award for Photography (EPAP, 2009), the Niepece Award (2000), which is the most important French award for photography, and the Leica Award (2004). One of the awards most dear to him is his Deklica s piščalko award from Kočevje, where he spent his childhood.

The lecture will be held in Slovene.

No entrance fee.

Prix Marcel Duchamp 2016: Les Nommés

Centre Pompidou, Paris, 12. 10. 2016 – 30. 1. 2017

For the very first time, the Centre Pompidou is showing all of this year’s four Prix Marcel Duchamp finalists: Kader Attia, Yto Barrada, Ulla von Brandenburg and Barthélémy Toguo. With this group exhibition the ADIAF and the Centre Pompidou bring a new dimension to the competition, the new formula allowing the shortlisted artists to exhibit at the Centre Pompidou – sometimes for the first time – so offering a wider public the opportunity to discover their work. This first collective presentation brings out a number of shared themes and approaches: an eye to the contemporary world, an anthropological approach, an interest in ritual, etc. Each year one of the Museum’s curators will help develop the group exhibition.

 

Yto Barrada : A Fondness for Magic

“I’m fascinated by the complex figure of Thérèse Rivière, a French ethnologist who undertook missions for the Musée de l’Homme, notably in North Africa, returning with a very large collection of objects and images, before being committed to mental hospital with agitated depression. It’s her fondness for magic and the poetic force of her work and of the things that caught her eye (wild flowers, toys, drawings, etc.) that underlie the development of this piece, which I envisage as a rebus. The installation I’m working on will take a form that’s new to me, while also bringing together a number of my usual preoccupations: the spirit of play, geographical and cultural shift, childhood, popular art, and more. I’m looking for a form of biography; I had the idea of creating a set dressed as in 1938, themagical restoration of the room of a young woman working at the Musée d’Ethnographie du Trocadéro (MET), living with her mother and studying under Marcel Mauss, the founder of French ethnology. The arrangement of the room is inspired by the idea of the “ecological unit” so important to the ethnological museums of the post-war years. An ecological unit was an ensemble of objects forming an interior, collected in the course of fieldwork and exhibited in its original configuration in the museum. One of the main theorists of the ecological unit was the museographer Georges-Henri Rivière, “magician of the vitrine” and founder of the Musée des Arts et Traditions Populaires de Paris, who was in fact Thérèse’s elder brother …”

Alicia Knock, Yto Barrada, in Code Couleur, n°26, september-december 2016, pp. 24-27.

Kader Attia : “A precisely judged and intimate relationship with the viewer”

“The new format of the Prix Marcel Duchamp offers all the short-listed artists the opportunity to show their work to a very broad public. The Centre Pompidou attracts a very diverse range of people, whom we can address emotionally, politically and poetically through a personal aesthetic statement. The 100 to 120 square metres we have each been given motivates us to emphasise the essential, the poetic, and to develop a precisely judged and intimate relationship with the viewer. A space in which we have no right to make mistakes, unless the mistake is part of the scenario, and in Art, everything is possible… Especially when it’s set in dialogue with other stories, with the other “libraries” represented by the other artists selected and by all those who make this museum such an essential agora of murmured conversation, of free speech! The synergies generated present the viewer with contemporary art under the aspect of its raison d’être, as regenerative: the quest and uncertainty of artistic discovery. Art has to recover its complex, absolute, unexpected aspect, far from the annihilating cacophony of a world saturated with false desires and false certitudes.”

Kader Attia, Alicia Knock, in Code Couleur, n°26, september-december 2016, pp. 24-27.

Ulla von Brandenburg : In Colour

“To view It Has a Golden Sun and an Elderly Grey Moon, visitors are invited to climb a set of stairs that are also an immaculate architectural platform. The exhibition at the Centre Pompidou sees the film presented for the first time in France and offers the opportunity for a new scenography. The film itself is a sequence-shot in Super 16 mm, joined end to end, without any editing, featuring dancers who have worked together for years. The idea was, first of all, to make a colour film about colour. The dancers handle coloured pieces of fabric that are exchanged and incorporated into ceremonies. Their costumes are dyed, literally made from colour. Their movements recall the memory of ancient rituals, their bodies traversed by instinctive rhythms, raised to a state of collective consciousness, recalling the choreographic forms of eurhythmics and of expressionist modern dance.”

Alicia Knock, Ulla von Brandenburg, in Code Couleur, n°26, september-december 2016, pp. 24-27.

Barthélémy Toguo : Beating the virus!

“I’m creating an installation to celebrate the enormous research effort going into combatting two great scourges, two viruses currently threatening Africa and the world: AIDS and Ebola. I wanted to pay tribute to the scientists involved in it. First, I spent time at the Institut Pasteur research laboratories and at their sister organisation in Dakar, to meet the scientists and gain inspiration from the work they were doing. I’ve produced a group of eighteen very large porcelain vases decorated with drawings. For me they emblematically represent vessels for water – purifying and revivifying when clean and pure, but a source of danger when polluted, contaminated. I started off with models of viruses and infected cells that I transformed using new 3D-printing techniques whose innovative character echoes that of the work of the researchers. Vastly oversized, making them more than real, these mutated forms celebrate and cheer on the courage, energy and beauty of medical research.”

Barthélémy Toguo, Alicia Knock, in Code Couleur, n°26, september-december 2016, pp. 24-27.

Sharon Ya’ari: Officers’ Pool

Galerie Martin Janda, Wien, 21. 10. – 19. 11. 2016

Strommasten in der Wüste, drei einzelne Palmen hinter einer Straßenverbauung, ein vorbeifahrendes Auto, ein von satten Bäumen und Sträuchern umgebenes Wasserbecken, an dem zwei junge Frauen sitzen. In Sharon Ya’aris neuen Arbeiten stehen sich Un-Orte und Schauplätze verlorener Utopien gegenüber. Sharon Ya’aris Fotografien entstehen ausschließlich in Israel, wo der Künstler lebt und aufgewachsen ist. Ya’ari verwendet Fotografie als ein Mittel „visuellen Denkens“, um Natur, Architektur, Politik, Gesellschaft und Geschichte zu untersuchen. 

Vergrößerungen von Dias aus den späten 1960er Jahren, die im Laufe der Zeit ihre Farben verloren und verändert haben, bilden den ersten Teil der Ausstellung. Diese „gefundenen“ Bilder wurden im Norden Israels von Soldaten und Amateurfotografen aufgenommen und als Unterrichtsmittel für didaktische Vorträge verwendet. Wasser und üppige Natur sind die dominierenden und verbindenden Elemente dieser Fotografien: die ins Rot verfärbten, ehemals grün-blauen Szenerien sind Zeugnisse der vergangenen Utopie eines „neuen Europas“ im Nahen Osten. Eine Idee von Natur und Landschaft, der viele der Immigranten aus Europa und Russland folgten und die sie, einmal angekommen, vor Ort umzusetzen versuchten. The Sea of Galilee 1969(2016) zeigt den See Genezareth von Osten her: ein Blick, der nicht nur die Bedeutung des Sees als wichtigste Wasserquelle der Region hervorhebt, sondern auch dessen religiöse, historische und ikonographische Aufladung betont. Officers’ Pool 1969 (2016) führt uns in die Golan-Höhen, wo in den 1960er Jahren an einer natürlichen Quelle ein Wasserbecken für Soldaten der syrischen Armee gebaut wurde. Jahrzehnte später ist der Pool zu einer Attraktion für Wanderer und Naturliebhaber geworden. Freizeit, Erholung und Eskapismus verschmelzen mit Politik und Geschichte. 

Dem satten Rot der ersten Werkgruppe der Ausstellung steht die staubig verblasste, gelbe Farbigkeit der Fotografien im zweiten Teil gegenüber. Diese wirken wie das Unterbewusste der Arbeiten im ersten Teil. Sharon Ya’ari hat diese Bilder während der letzten zwei Jahre im Süden des Landes entlang der Hauptstraße, die an die ägyptische Grenze führt, fotografiert. In jüngster Zeit wurde hier, nahe der Staatsgrenze, neben Militärlagern ein Auffanglager für afrikanische Flüchtlinge errichtet. Eine Sackgasse in beide Richtungen.

Mit der Serie der roten Fotografien im ersten Teil der Ausstellung bewegen wir uns auf einer bildlichen Zeitachse von der Gegenwart in die Vergangenheit. Im zweiten Teil wird unser Blick auf eine aktuelle, festgefahrene Situation gerichtet. Der Blick in die Zukunft bleibt verwehrt.

Matthias Müller: While You Were Out

Galerie Campagne Première, Berlin, 14. 10. – 3. 12. 14

In Matthias Müllers umfangreicher neuer Werkgruppe aus Fotoarbeiten, einem Multiple und einem Video arbeitet der Künstler mit einem Archiv von 1.500 Screenshots. Die Bilder entstammen den Streams aus privaten Chat Rooms des Web 2.0. Die hundert Postkarten der Edition „You Are Here“ gewähren Einblick in hundert dieser menschenleeren Chat Rooms, die eine Gemeinsamkeit teilen: An den Wänden sind geographische Karten jeglicher Art zu sehen – Stadtpläne, Landkarten, Ausschnitte aus Atlanten. Sie scheinen den Wunsch nach der Teilhabe an einer anderen, größeren Welt zu spiegeln und zeugen gleichzeitig von einer seltsamen Ambivalenz, die darin besteht, dass der virtuelle Raum im Internet, von den Akteuren durch Fantasienamen wie „Neverland“ oder „Somewhere“ verschleiert, mit Hinweisen auf den realen Standort verknüpft wird. Hier zeigt sich der unauflösbare Konflikt grenzenloser Nähe: Die Sehnsucht, gleichzeitig anonym und verortet zu sein, individuell und doch omnipräsent. Indem Müller die Screenshots in Postkarten verwandelt und so in die Hand des Betrachters gibt, der sie berühren und bewegen, auch versenden darf, stellt er eine Intimität und Verbindlichkeit von Kommunikation wieder her, die im World Wide Web bedroht ist.

Im Stil einer wissenschaftlichen Schautafel ordnet Müller in der Fotoarbeit „While You Were Out“ unzählige Bürostühle nach Form und Farbe. Auch in „Waiting Rooms“, einem Fries aus 27 einzelnen Prints, überführt Müller Interieurs in eine serielle Reihung, wobei er mit quasi filmischen Anschlüssen den Eindruck von Zusammengehörigkeit generiert. Die Selektion, Bearbeitung und Komposition seiner Bilder lässt ein Konzentrat der Realität entstehen, das in den Zufälligkeiten der Erscheinungen eine nahezu harmonische Ordnung sichtbar werden lässt. In leichte Unschärfen gelegt durch die low fi-Auflösung der Consumer-Webcams und als Standbilder in Inkjet-Prints transformiert – und damit in die Sphäre des Analogen zurückgeführt, erlangen Müllers Räume eine malerische Qualität. Krakelee-artige digitale Artefakte evozieren den Eindruck von Haarrissen in der Firnis von Gemälden und auch die Wahl der Bildmotive erinnert an Sujets und Darstellungsformen der Malerei – seien es die delikaten Lichtstimmungen der Räume Vermeers oder die melancholischen Interieurs des Symbolisten Hammershøi.

Der „niederen“ Herkunft und den trivialen Motiven des visuellen Materials steht – als elaboriertem Artefakt der Hochkultur – im Video-Loop „Air“ die Erhabenheit eines JohannSebastian-Bach-Stücks gegenüber. Doch wie die Bilder der leeren Räume den Anblick des Menschen vorenthalten, wurde die Komposition zum Teil ihrer melodischen Oberstimme entkleidet: Die minimalistische Basslinie wirkt mit ihrer vielfachen Variation eines einfachen musikalischen Motivs wie eine Etude. Der Titel „Air“ spielt auf den Modus der Internet-User an, deren Bildern das Video sein visuelles Material verdankt: Sie senden, sind on air. Gleichzeitig bezieht er sich auf die Effekte von Luftbewegungen, die wir beobachten – zuweilen scheint es, als sei es ein solch analoger Windhauch, der die digitalen Cluster und Artefakte der Webcam-Bilder durcheinander wirbelt.

Mit seinen Bearbeitungen von Bildmaterial aus dem Web 2.0 wendet sich Müller einem Teil der Bewegtbild-Produktion zu, der sich in verschiedener Hinsicht von denjenigen filmischen Gattungen unterscheidet, die im Zentrum seinen bisherigen Einzelarbeiten und Gemeinschaftsprojekte mit Christoph Girardet standen. Dieser große Sektor ist nicht Teil der professionellen Produktion, sondern wird von Amateuren bestimmt; die hier entstehenden Aufnahmen werden nicht mithilfe von Montage in eine neue narrative Abfolge gebracht, sondern entwickeln sich unbearbeitet in Echtzeit. Ihr Charakter ist ein flüchtiger; sie werden gewöhnlich nich aufgezeichnet. Meist steht nur eine Figur im Zentrum dieser Bilder, die diese produziert und gleichzeitig deren Gegenstand ist. Matthias Müller interessiert sich für jene Momente, in denen die Akteure die Szene verlassen haben. Chat Rooms haben als gleichzeitig private wie öffentliche Räume die Funktion, Intimität zu schützen, abgelegt, um zu virtuellen Kontakthöfen von Exhibitionisten und Voyeuren zu werden. In Müllers Bearbeitungen werden sie von ihrer dienenden Funktion als Szenenbilder der Performance befreit. Mit seinen Studien von Anwesenheit und Abwesenheit setzt der Künstler seine Erforschung und Darstellung von Räumen fort, die diese in verschiedenen seiner filmischen und fotografischen Arbeiten zu autonomen, suggestiven Anschauungs- und Erfahrungssphären hat werden lassen, zu Bühnen und Projektionsflächen von emotionale und psychischen Zuständen und Prozessen.

Matthias Müller (*1961) zählt zu den angesehensten experimentellen Filmemachern. Seine Filme waren u.a. auf die Festivals von Cannes, Venedig, Berlin, Toronto und Locarno eingeladen. Er hatte Werkschauen u.a. im Museum of Modern Art, New York, im Center for the Arts, San Francisco, im Nederlands Filmmuseum, Amsterdam, im Walker Art Center, Minneapolis, und im Image Forum, Tokio. Zu seinen Preisen u. Auszeichnungen zählen u.a. der Prix Canal + du meilleur court métrage, Cannes, der Preis der Deutschen Filmkritik, der Deutsche Kurzfilmpreis, der Preis des Verbandes der Deutschen Kritiker, der American Federation of Arts Experimental Film Award und verschiedene Preise bei den Kurzfilmtagen Oberhausen (u.a. Hauptpreis 1999). Einzelausstellungen hatte Matthias Müller u.a. in Tate Modern, London, dem Neuen Berliner Kunstverein, dem Sprengel Museum, Hannover, dem Fotomuseum Winterthur und der Timothy Taylor Gallery, London. Zu seinen zahlreichen Gruppenausstellungen zählen die Manifesta 3 in Ljubljana, sowie Ausstellungen im Migros Museum, Zürich, der Hayward Gallery, London, dem MCA Chicago, dem Hangar Bicocca, Mailand, dem Palais de Tokyo, Paris, und dem Haus der Kunst, München. Neben seinen Einzelarbeiten ist seit 1999 ein gemeinsames Werk mit dem Künstler Christoph Girardet entstanden. Arbeiten von Matthias Müller befinden sich u.a. in den Sammlungen des Centre Georges Pompidou, Paris, der Sammlung Goetz, München, der Sammlung Isabelle & JeanConrad Lemaître, London, und von Tate Modern, London. Seit 2003 lehrt Müller als Professur für experimentellen Film an der Kunsthochschule für Medien, Köln.

Josef Dabernig: Stabat Mater

Kunsthalle Winterthur, 16.10. – 27. 11, 2016

Seit sich Josef Dabernig (*1956, lebt und arbeitet in Wien) 1996 mit dem Medium Film zu beschäftigen begann, interessierte er sich immer wieder für die in der Dualität von Bild und Ton angelegten Möglichkeiten. In besonderem Masse gilt dies für die Filmauswahl in der Kunsthalle Winterthur: In den drei Filmen Stabat Mater (2016), Herna (2010) und Rosa coeli (2003) trifft das Bild auf grundsätzlich autonome Monologe – respektive einem Dialog in Herna  – des Schweizer Schriftstellers Bruno Pellandini.

Wie eigentlich alle Arbeiten von Dabernig, so werden auch die drei ausgewählten Filme von einer reduktionistischen, gänzlich unaufgeregten Bildsprache geprägt: Gefilmt in schwarzweiss, lange und mehrheitlich statische Kameraeinstellungen, ein überschaubares Ensemble von Darstellern. Die erzählten Geschichten handeln von der Beerdigung des Vaters im einstigen Heimatort, von zwei Freundinnen, die im Pub auf einen prahlerischen Anwalt stossen oder einem Auswanderer in Uruguay, dessen Sohn nicht mehr von der stürmischen See zurückkehrt. Die Melancholie der Geschichten wird kongenial von den gefilmten Sequenzen ergänzt: Die Erzählung über den Tod des Vaters korrespondiert mit nüchternen bis schäbigen Interieurs eines tschechischen Hotels; der Dialog der beiden Freundinnen mit einem jungen Mann, der Frau und Kind im Auto warten lässt, während er im Spielsalon an Automaten spielt; und die tragische Erinnerung an den Verlust des Sohnes mit Aufnahmen einer Hotelanlage in Santa Cesarea Terme in der Nachsaison.
In den drei Filmen wirkt der Mensch selbst in Kontexten, in denen man höchste Emotionalität erwarten würde, kontrolliert und kalkuliert. Während die sprachliche Ebene durch ihre formale bis theatralische Strenge eine literarische Qualität gewinnt, lässt derselbe Effekt die Darsteller formelhaft und unzugänglich wirken. Sie performen innerhalb normativer Strukturen korrekt und zweckmässig, doch werden sie gerade dadurch, verstärkt durch das Fehlen eines jeglichen Angebots an unser Einfühlungsvermögen, auf gewisse Weise unerträglich.

Die drei Filme werden in Winterthur in ein für Dabernig typisches Setting eingelassen, welches geradezu als Antithese zur heute üblichen Inszenierungswut in Kunstausstellungen erscheint: Klapptische und Konferenzstühle ergänzen Bilderrahmen aus dem Magazin, in welchen Drehortaufnahmen zu den drei Filmen gezeigt werden. Der Film Stabat Mater, aus Fördermitteln der Abteilung Film des Bundeskanzleramts Österreich basisfinanziert, wurde von der Kunsthalle Winterthur gemeinsam mit dem Badischen Kunstverein in Karlsruhe co-produziert, wo er nächstes Jahr ebenfalls gezeigt wird.