»Sie zweifeln an meinem Verstand, sie halten mich für verrückt.«
Lidia Beccaria Rolfi, Helena Kuchar-Jelka: Frauen und Widerstand – Unterdrückte Erinnerungen
Rebekka Bauer im Gespräch mit Reinhard Braun

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»Sie zweifeln an meinem Verstand, sie halten mich für verrückt.«
Lidia Beccaria Rolfi, Helena Kuchar-Jelka: Frauen und Widerstand – Unterdrückte Erinnerungen

Rebekka Bauer im Gespräch mit Reinhard Braun

Dienstag, 15.9.2026, 18:00
Ausstellungsraum Camera Austria
In deutscher Sprache
Eintritt frei

Rebekka Bauer,

Intro

Im Rahmen des EU-Projekts »Art of Remembrance. Contemporary Art Meets World War II Heritage« hatte Rebekka Bauer die Möglichkeit zu einem zweimonatigen Studienaufenthalt in Paraloup und Cuneo im italienischen Piemont. Im dortigen Archiv der Nuto Revelli Foundation stieß sie auf die Geschichte der jungen italienischen Lehrerin Lidia Beccaria, die sich 1944 der resistenza anschloss und im April 1944 aufgrund einer Denunziation verhaftet und über verschiedene Gefängnisse nach Ravensbrück deportiert wurde, wo sie im Juni 1944 eintraf. Gemeinsam mit Bildern und Zeichnungen sowie Tagebuchaufzeichnungen von Lidia Beccaria aus dem Privatarchiv der Familie Rolfi entwickelte Bauer im Jahr 2026 das Projekt »Erinnern, Sorge(n) Tragen, Widerstand Leisten (Lidia Beccaria Rolfi)«.

Gemeinsam mit Reinhard Braun spricht Rebekka Bauer darüber, was uns diese Geschichte heute erzählt und in welcher Form wir diese Form des Widerstands von Frauen in die Gegenwart holen können. Dabei geht es um das Verhältnis von Familienarchiven und deren Rolle für Erinnerung als lebendiger sozialer Prozess, nicht zuletzt aber darum, in welcher Weise Frauen im Widerstand die Rolle der Frauen in der Gesellschaft insgesamt verändert haben – und auf welche Widerstände und Formen der Ignoranz sie dabei stießen, um Teil einer kollektiven Erinnerungskultur zu werden. In gewisser Weise handelt es sich um die Archäologie eines historischen Feminismus, der sich angesichts von Verfolgung und Gewalt durchgesetzt hat – und der dennoch lange Zeit ein prekäres Dasein fristete.

Quergelesen werden die Geschichte der Resistenza und die Erinnerungen von Lidia Beccaria Rolfi, die sie in zwei Büchern dokumentiert hat, mit einer weiteren Frauenbiografie des Widerstands: Helena Kuchar-Jelka, die bekannteste Kärntner Partisanin, erzählte ebenso über die zentrale Rolle der Frauen im Widerstand, aber auch über die nach wie vor wenig bekannte Geschichte der slowenischen Minderheit und ihrer Unterdrückung und Verfolgung.

Beide Frauen belegen, in welchem Ausmaß es Frauen im Rahmen eines kollektiven Aufbegehrens gegen Unrecht und Gewalt gelang, das ihnen zugeschriebene Erdulden und Schweigen zu durchbrechen und damit die Grenzen traditioneller Weiblichkeit hinter sich zu lassen.