Camera Austria International
117 | 2012
What Can Art Do For Real Politics?
Gastredakteure / Guest-editors: Artur Żmijewski, Joanna Warsza
- JOANNA WARSZA, ARTUR ZMIJEWSKI
What Can Art Do For Real Politics? Editorial - JOANNA WARSZA, NOAH FISCHER, FLORIAN MALZACHER
Besetzt ein Museum in eurer Nähe! - OCCUPY MUSEUMS
- MIGUEL ROBLES-DURÁN, GABRIELA RENDÓN
Nicht Totzukriegen: Occupy Wall Street - OCCUPY WALL STREET
- DECLARATION BY OCCUPY BERLIN / ECHTE DEMOKRATIE JETZT / ACAMPADA
- ARTUR ZMIJEWSKI
Artists in Occupy Amsterdam. Braucht die Revolution Revolutionäre oder braucht sie auch Künstler? - ARTISTS IN OCCUPY AMSTERDAM
- UP TO THIS POINT AND NO FURTHER! THE DÜSSELDORFER MANIFESTO
- MARINA NAPRUSHKINA
- JAN VERWOERT
Zeuge Bild 1/4 Für deine Augen allein
Vorwort
»Es ist wichtig, dass wir als Körper – als die körperlichen Wesen, die wir sind – zusammen in der Öffentlichkeit auftreten, dass wir uns in der Öffentlichkeit versammeln. Wir kommen zusammen auf den Straßen und Plätzen als eine Allianz der Körper. Als Körper leiden wir, benötigen wir Nahrung, ein Dach über dem Kopf; und als Körper sind wir aufeinander angewiesen und begehren einander. Daher ist das, was hier passiert, eine Politik des öffentlichen Körpers, der Bedürfnisse des Körpers, seiner Bewegung und seiner Stimme.« (Judith Butler)
In ihrer Rede vom 23. Oktober 2011 im New Yorker Zuccotti Park betont Butler die Notwendigkeit der sprichwörtlichen Leibhaftigkeit der Occupy-Bewegung: Diese Leibhaftigkeit, die in den zu eigenständigen Organismen gewachsenen urbanen Zeltlagern im Herbst des vergangenen Jahres ihren Ausdruck fand, markiert ein im wörtlichen Sinne greifbares Interesse, sich – jenseits einer möglicherweise schwachen oder gar nicht gegebenen kollektiven Identität und aller Heterogenität der unterschiedlichen Stimmen und Gruppierungen, die sich hier versammelten, zum Trotz – in die Produktion von Politik zu involvieren, sie zu berühren, Teil von ihr zu werden und sie zu verändern.
In den Vorgesprächen zur vorliegenden Ausgabe von Camera Austria International Nr. 117 haben uns unsere Gastredakteure Artur Żmijewski und Joanna Warsza immer wieder darauf hingewiesen, dass es ihnen mit der Arbeit an diesem Heft nicht zwingendermaßen um Occupy selbst ginge, sondern darum – und das verbindet sie vielleicht mit der Wahrnehmung von Judith Butler –, die Körperlichkeit dieser Bewegung zu markieren: Occupy als eine Form der »sozialen Skulptur« zu begreifen, und ihr gestaltendes Potenzial herauszuarbeiten, mit dem hier in die Politik der Gegenwart durch eine sehr konkrete körperliche Geste – einer zum Leib gewordenen Geste der Verneinung – interveniert wird. Letztlich geht es aber auch darum, mit dem Bild und dem Wort von Occupy – so vordergründig einfach es zunächst zu dechiffrieren oder zu lesen sein mag – möglicherweise einen spezifischen Habitus auch der (politischen) KünstlerInnen zu re-aktualisieren, ihr Denken, ihre Sprache, auch ihr »Mit-Bildern-Sein« und ihr Handeln als künstlerisches Subjekt zu hinterfragen und ihr Potenzial der direkten Einmischung in gesellschaftliche Realität neu zu sondieren. Denn: »In einem bestimmten Moment wissen wir, dass wir uns angesichts der öffentlichen Ereignisse verweigern müssen. Diese Weigerung ist absolut, kategorisch. Sie diskutiert nicht und auch ihre Gründe legt sie nicht dar. Sie ist schweigsam und einsam und bleibt es selbst dann, wenn sie sich, wie sie es muss, vor aller Augen behauptet […] Was ihnen bleibt, ist die unbeugsame Weigerung, die Freundschaft dieses sicheren, unerschütterlichen und strengen Neins, das sie miteinander vereint und miteinander verbindet.« (Maurice Blanchot)
Nach unserer Zusammenarbeit mit Tobias Zielony über das Dokumentarische als politische Praxis im vergangenen Jahr, haben wir nun Artur Żmijewski und Joanna Warsza eingeladen die vorliegende Ausgabe von Camera Austria International als Gastredakteure mit uns zu gestalten. Dieses Heft ist damit auch zu einem Heft zur 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst geworden und in Kooperation mit ihr entstanden. Es ist als eine Einstimmung auf die Themen dieser Großausstellung zu lesen, die sich – so denken wir – unterscheiden wird von klassischen Ausstellungsformaten. Artur Żmijewski und sein Team an assoziierten KuratorInnen haben sich der Aufgabe verpflichtet, sich und uns den tiefgreifenden Wandel demokratischer Gesellschaftsordnungen zu gewärtigen, und die gesellschaftlichen Risse nicht auf künstlerisch vermittelter Ebene zu thematisieren, sondern Formen der direkten Intervention zu erproben. Die Denk- und Spielräume der Institution Biennale nutzend stehen damit auch die Grenzen (oder Potenziale?) des Betriebssystems Kunst selbst zur Disposition.
Wie aber verbindet sich diese Kooperation mit unseren Interessen und Aufgaben als ZeitschriftenmacherInnen, als Akteure, die sich der Debatte um die Rolle der Fotografie zwischen Kunst und Massenmedium, zwischen Ästhetik und sozialer Praxis, zwischen Dokument und Diskurs, Politik und Bild widmen?
Beiträge
Forum
Vorgestellt von Christine Frisinghelli und Manfred Willmann:
ALEXANDER GRONSKY
KAREN MIRZOYAN
LEO KLENIN
IRINA YULIEVA
MARGO OVCHARENKO
ALEXEY VANUSHKIN
Ausstellungen
Sanja Ivekovic: Sweet Violence
MoMA, New York
WALTER SEIDL
Zarina Bhimji
Whitechapel Gallery, London
PAOLO MAGAGNOLI
Erschaute Bauten. Architektur im Spiegel zeitgenössischer Kunstfotografie
MAK, Wien
MANISHA JOTHADY
CMRK
Judith Hopf. End Rhymes and Openings
Grazer Kunstverein, Graz.
Bernhard Frue: Phesbuk
Kunsterein Medienturm, Graz
Be Realistic, Demand the Impossible!
< rotor >, Graz
the Urban Cultures of Global Prayers
Camera Austria, Graz
SANDRA KRIŽIĆ ROBAN
David Maljković: Exhibitions for Secession
Secession, Wien.
Christian Wachter: ABPOPA / AURORA
MUSA, Wien.
Heidrun Holzfeind: Strictly Private
BAWAG Contemporary, Wien
REINHARD BRAUN
John Hililard: Two-Faced
Galerie Raum mit Licht, Wien
Michael Part: 2 {Ag (S2O3) 2}3- + S2O4 + 4OH- -> 2Ag + 4 S2O32- +2SO3-2 + 2H2O
Galerie Andreas Huber, Wien
Friedl vom Gröller
Studio International / Galerie der HGB, Leipzig
ANNE KÖNIG
Accomplices. The Photographer and the Artist Around 1970
Muzeum Sztuki Nowoczesnej w Warszawie, Warsaw
KRZYSTOF PIJARSKI
Goshka Macuga: Untitled
Zachęta Narodowa Galeria Sztuki
KRZYSTOF PIJARSKI
Laura Horelli
The Terrace, Galerie Barbara Weiss, Berlin
JULIA GWENDOLYN SCHNEIDER
Cindy Sherman: That´s me – That´s not me.
Frühe Werke 1975-1977
Vertikale Galerie der Verbund-Zentrale, Wien
STEFANIE SEIBOLD
All the Future Is Gone Socialism and Modernity: Art, Culture and
Politics 1950–1974
Muzej Suvremene Umjetnosti, Zagreb
NATASA ILIC
The Present and Presence
MUSUM Ljubljana, a permanent exhibition
Museum of Affects.
In the Framework of L´ Internationale
MUSUM, Ljubljana.
TANJA VERLAK
Sharon Lockhart I Noa Eshkol
The Israel Museum, Jerusalem
ADAM BUDAK
Annette Klem – Michaela Meise: Hallo aber
Bonner Kunstverien, Bonn
VANESSA JOAN MÜLLER
Parcific Standard Time
Sixty Cultural Institutions, Southern California
Oscar Castellio: Icons of the Invisible
Fowler Museum at UCLA, Los Angeles
Identity and Affirmation.
Post War African American Photography
California State University Northridge Art Galleries, Northridge
In Focus. Los Angeles, 1945-1980
J. Paul Getty Museum, Center for Photographs, Los Angeles
SANDRA WAGNER
Santu Mofokeng: Chasing Shadows
Bergen Kunsthall, Bergen
ARNE SKAUG OLSEN
Eyes on Paris. Paris im Photobuch 1890 bis heute
Haus der Fotografie, Deichtorhallen, Hamburg
Schweizer Fotobücher 1927 bis heute
Fotostiftung Schweiz, Winterthur
WOLFGANG BRÜCKLE
Bücher
Susanne Kriemann: Ashes and Broken Brickwork of a Logical Theory
ROMA Publications, Amsterdam 2010
Susanne Kriemann: One Time One Million
ROMA Publications, Amsterdam 2009
JAN WENZEL
Walter Grasskamp: Hans Haacke
Fotonatizen Documenta 2 / 1959
Duetscher Kunstverlag, München 2011
GISLIND NABAKOWSKI
Timm Rautert: No Photographing
Steidl Verlag, Göttingen 2011
Timm Rautert: New York 1969
only photography, Berlin 2011
FLORIAN EBNER
Mutations: Perspectives on Photography
Steidl Publishers, Göttingen; ParisPhoto, Paris 2011
MICHÉLE COHEN HADRIA
Abbildungen
Impressum
Herausgeber: Reinhard Braun
Verlag, Eigentümer: Verein CAMERA AUSTRIA. Labor für Fotografie und Theorie. Lendkai 1, 8020 Graz, Österreich
Chefredaktion: Maren Lübbke-Tidow (V.i.S.d.P.)
Gastredaktion: Artur Żmijewski, Joanna Warsza
Redaktion: Tanja Gassler, Margit Neuhold, Rebecca Wilton
ÜbersetzerInnen: Dawn Michelle d’Atri, John Doherty, Andy Jelcic, Ewa Kaningowska-Gedroyc, Emilia Ligniti, Wilfried Prantner
Deutsches Korrektorat: Daniela Billner
Englisches Lektorat: Dawn Michelle d’Atri, Aileen Derieg
Dank / Acknowledgments:
Artists in Occupy Amsterdam (AiOA), Stephané Bauer, Ernestine Baig, Joost Benthem, Rainer Bellenbaum, Agnieszka Borkiewicz, Doris Denekamp, Katja van Driel, Ulrich Ebli, Eshan Farjadniya, Jesko Fezer, Noah Fischer, Rike Frank, Christine Frisinghelli, David Goldblatt, Klaas van Gorkum, Alexander Gronsky, Anja Groten, Enver Hadzijaj, Jimini Hignett, Gabriele Horn, Emke Idena, Leo Klenin, Robert Kluijver, Verena Kuni, Chris Lee, Tatjana Macić, Florian Malzacher, Karen Mirzoyan, Golrokh Nafisi, Marina Naprushkina, Occupy Berlin, Occupy Düsseldorf, Occupy Museums, Occupy Wall Street, Wouter Osterholt, Merijn Oudenampsen, Margarita Ovcharenko, Walid Raad, Gabriela Rendón, Katja Reichard, Miguel Robles-Durán, Elke Uitentuis, Michaela Schwarz, Urok Shirhan, Jochen Steinhilber, Igor Stofiszweski, André Tchen / KRM Images, Jan Verwoert, Alexey Vanushkin, Denhart von Harling, Nguyen Vu Thuc Linh, Samuel Vriezen, Joanna Warsza, Jan Wenzel, Axel John Wieder, Manfred Willmann, Irina Yulieva, Artur Żmijewski
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ISBN 978-3-900508-01-2
ISSN 1015 1915
GTIN 4 19 23106 1600 5 00117
Kooperationspartner/Sponsoren
Camera Austria International Nr. 117 | 2012 ist in Medienpartnerschaft mit der 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst entstanden.