Ausschreibung Msgr. Otto Mauer-Preis 2017

In Weiterführung der Anliegen Msgr. Otto Mauers (1907-1973), der durch sein Engagement für zeitgenössische Kunst und junge KünstlerInnen internationale Anerkennung gefunden hat, verleiht der Otto Mauer Fonds Ende des Jahres zum siebenunddreißigsten Mal den Msgr. Otto Mauer-Preis für bildende Kunst (Malerei, Grafik, Skulptur, Objekte, Installationen, Neue Medien). Der Preis ist mit € 11.000,- dotiert und mit einer Ausstellung der Preisträgerin/des Preisträgers im JesuitenFoyer (1010 Wien) sowie umfangreicher Pressearbeit verbunden.

Die Jury für den Msgr. Otto Mauer Preis 2017 besteht aus Veronika Dirnhofer, Hemma Schmutz, Esther Stocker, Johanna Schwanberg und Gustav Schörghofer SJ.

In der Zeit von 9. bis 11. Oktober 2017 besteht die Möglichkeit, Bewerbungen für den Preis, der eine Anerkennung für das bisher geschaffene Werk des prämierten Künstlers/der prämierten Künstlerin sein soll, einzureichen. Bewerben können sich österreichische StaatsbürgerInnen und italienische StaatsbürgerInnen deutscher Sprache, geboren in der Provinz Bozen, sowie Personen, deren ordentlicher Wohnsitz sich seit mindestens fünf Jahren in Österreich befindet. Die BewerberInnen dürfen am 31. Dezember 2017 das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben (d.h. Geburtsjahrgang 1978 und jünger); bewerben sich mehrere KünstlerInnen gemeinsam als Gruppe, so darf kein Mitglied dieser Gruppe dieses Alterslimit überschreiten. Jede Bewerbung erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges.

Einzureichen ist eine Dokumentation, die eine Beurteilung des bisherigen künstlerischen Schaffens ermöglicht (Kataloge, Fotos, Texte, Videos; keine Originale) sowie ein Lebenslaufmit Foto der Künstlerin/des Künstlers. Diese Unterlagen sind mit Name, Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum und der Aufschrift “Msgr. Otto Mauer-Preis 2017” zu versehen und vom 9. bis 11. Oktober 2017 in der Zeit von 10 bis 13 und 16 bis 17.30 Uhr abzugeben oder per Post einzusenden, wobei diese Sendungen spätestens am Mittwoch, den 11. Oktober 2017 eingelangt sein müssen.Der Otto Mauer Fonds übernimmt keine wie immer geartete Haftung für die eingereichten Unterlagen. Die eingereichten Unterlagen bilden die Grundlage für die Beurteilung durch die Jury. Erscheint kein Werk als preiswürdig, so wird kein Preis verliehen.

Bisher wurde der Msgr. Otto Mauer-Preis verliehen an:Alfred Klinkan (1981), Gottfried Mairwöger (1982), Erwin Bohatsch (1983), Erwin Wurm (1984), Gunter Damisch (1985), Franz West (1986), Gustav Troger (1987), Peter Kogler (1988), Brigitte Kowanz (1989), Christoph Luger (1990), Martin Walde (1991), Lois Renner (1992), Heimo Zobernig (1993), Tobias Pils (1994), Maria Hahnenkamp (1995), Otto Zitko (1996), Aglaia Konrad (1997), Gregor Zivic (1998), Manfred Erjautz (1999), Florian Pumhösl (2000), Michael Kienzer (2001), Dorit Margreiter (2002), Simon Wachsmuth (2003), Esther Stocker (2004), Jun Yang (2005), Bernhard Fruehwirth (2006), Ursula Mayer (2007), Isa Rosenberger (2008), Siggi Hofer (2009), Katrina Daschner (2010), Kamen Stoyanov (2011), Ralo Mayer (2012), Luisa Kasalicky (2013), Nilbar Güres (2014), Catrin Bolt (2015) und Andreas Fogarasi (2016).

Im Interesse der Fortführung der Sammlung Otto Mauer im Dom Museum Wien beabsichtigt der Otto Mauer Fonds eine repräsentative Arbeit der Preisträgerin/des Preisträgers zu erwerben.

Die Dokumentationen sind einzureichen bei: Otto Mauer Fonds,

p. A. Otto Mauer Zentrum, Währinger Straße 2-4, A-1090 Wien.

Für Rückfragen zur Ausschreibung wenden Sie sich bitte an:

Wolfgang Deutsch BA, Geschäftsführer, Otto Mauer Fonds
Otto Mauer Zentrum
Währinger Straße 2-4, A-1090 Wien
T (+43 1) 51 552-51 03
E-Mail: office@otto-mauer-fonds.at
www.otto-mauer-fonds.at

Nadine Wietlisbach wird Leiterin des Fotomuseum Winterthur

Per 1. Januar 2018 wird Nadine Wietlisbach als Direktorin die Gesamtleitung des Fotomuseum Winterthur übernehmen. Das Fotomuseum wurde 1993 in Winterthur gegründet und ist heute ein führender Ort für die Präsentation und Diskussion von Fotografie. Mittels Ausstellungen, Publikationen, Veranstaltungen und seiner Sammlung erforscht das Museum die Vielfalt fotografischer Medien und bietet Foren für den Aus- tausch und kritischen Diskurs.

Nadine Wietlisbach wurde im Rahmen eines Berufungsverfahrens vom Stiftungsrat des Fotomuseum Winterthur gewählt. Sie leitet heute das Photoforum Pasquart in Biel. Davor war sie drei Jahre stellvertretende Direktorin am Nidwaldner Museum in Stans. Zwischen 2007 und 2015 initiierte und leitete sie den unabhängigen Kunstraum sic! Raum für Kunst in Luzern, 2015 war sie Gastkuratorin am Museum of Contemporary Photography in Chicago. Nadine Wietlisbach konzipierte bisher zahlreiche Ausstellungen, Publikationen und andere Formate in den Bereichen zeit- genössische Fotografie und Kunst. Als Autorin schreibt sie regelmässig für Publikationen, lehrt an verschiedenen Hochschulen in der Schweiz sowie in Deutschland und ist international in Jurys engagiert. 2015 wurde sie vom Bundesamt für Kultur für ihre kuratorische, kritische Arbeit mit einem Swiss Art Award ausgezeichnet.

Dank hoher Fachkompetenz, breiter Kenntnis über die zeitgenössischen Entwicklungen der Kunst und ihrer reichen beruflichen Erfahrung verfügt Nadine Wietlisbach über ausgezeichnete Voraussetzungen, um das Fotomuseum Winterthur als Kompetenzzentrum für das Medium Fotografie weiter auszubauen. Bis zu ihrem Eintritt bleibt Thomas Seelig für die Leitung des Museums verantwortlich und übernimmt anschliessend kuratorische Aufgaben.

KW Institute for Contemporary Art kündigen »KW Productions Series« an

Die KW Institute for Contemporary Art freuen sich, die ‘KW Production Series’ anzukündigen – ein Projekt, das sich dem künstlerischen Bewegtbild widmet. In Kollaboration mit der Julia Stoschek Collection und OUTSET Germany_Switzerland konzentrieren sich die KW hierbei auf zwei künstlerische Neuproduktionen pro Jahr. Die Serie eröffnet mit den KünstlerInnen Jamie Crewe und Beatrice Gibson. Das Projekt nimmt seinen Ursprung im Gründungsprinzip der KW als einem Ort der Produktion und der Reflexion und des kritischen Austausches und Dialogs. Ausgehend von der historisch und institutionell geprägten Identität der KW werden neue Projekte ins Visier genommen, wobei die Serie für mehr als nur Auftragsarbeiten steht. Vielmehr möchten die KW damit ein Gespräch initiieren, das einen stabilen Rahmen für die KünstlerInnen und die Institution bietet, hochrangige Arbeiten für das Publikum zu produzieren. Die ‘KW Production Series’ setzen sich zum Ziel, ausgewählte KünstlerInnen zu unterstützen, deren Arbeit und Karriere sich vor einem wegweisenden Durchbruch befinden und die nicht nur von der finanziellen Unterstützung und dem institutionellen Renommee profitieren, sondern dieses Format auch nutzen, um den Tiefe- und Schärfegrad ihrer künstlerischen Arbeit maßgeblich und nachhaltig zu modifizieren.

‘KW Production Series’ wird organisiert von Mason Leaver-Yap, Assoziierte/r KuratorIn der KW.

Über die KünstlerInnen und Projekte

Jamie Crewes neue Arbeit besteht aus zwei parallel laufenden Videos, die sich der Allegorie und Animation bedienen, um über „Fortschritt“ nachzudenken und um die Entwicklung mythischer Erzählungen, (inter-) personelle Veränderungen und kollektive politische Zeit zu untersuchen. In Bezug auf die antike griechische Legende von Eurydike und Agostino Agazzaris Oper Eumelio aus dem 15. Jahrhundert wird Crewe im Laufe des kommenden Jahres täglich Bewegtbilder produzieren und sie mittels Filmaufnahmen von FreundInnen in Form von Reflexionen, Gesprächen und Kommentaren durchbrechen.

Jamie Crewe ist KünstlerIn, SängerIn, eine wunderschöne Bronzefigur mit glänzendem Cocotte-Kopf und wurde in Manchester (GB) geboren. Crewe lebt und arbeitet in Glasgow (GB), wo sie ihren BA in Contemporary Fine Art an der Sheffield Hallam University und ihren Master of Fine Art an der Glasgow School of Art abgeschlossen hat. Ihre Arbeiten wurden zuletzt in folgenden Einzelausstellungen gezeigt: Female Executioner, Gasworks, London, 2017; But what was most awful was a girl who was singing, Transmission, Glasgow, 2016. Ihre Performance Potash Lesson wird bei Tramway, Glasgow, den KW Institute for Contemporary Art, Berlin, Gasworks, London und Catalyst Arts, Belfast (IE) präsentiert (2016–17).

Anhand der Zusammenarbeit mit zwei der bedeutendsten lebenden LyrikerInnen US-Amerikas – CA Conrad und Eileen Myles – geht Beatrice Gibsons neuer Film Ideen zu Gender, Poesie und Gehorsamkeitsverweigerung nach. Dabei dient ihr das unerfüllte Skript Film: Deux Soeurs qui sont pas Soeurs (1929) der US-amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Stein als zusätzliche Inspirationsquelle. Gibson erkundet in ihrer Arbeit Lyrik als Mittel zur Abrechnung mit der Gegenwart und verwendet dabei Steins Skript als glücksbringendes Handbuch für einen Augenblick sozialer und politischer Unruhe.

Beatrice Gibson lebt und arbeitet in London. Sie hat zweimal den Rotterdam International Film Festival Tiger Award für Kurzfilme erhalten. 2013 war sie für den 2013–15 Max Mara Kunstpreis für Frauen nominiert und gewann 2015 den 17. Baloise Art Prize der Art Basel, Basel (CH). Ihre Arbeiten wurden kürzlich in Einzelausstellungen im MUDAM – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Luxemburg (2016), dem Grazer Kunstverein (AT), 2016 und der Collective Gallery in Edinburgh (GB), 2015 gezeigt. Gibsons Filme wurden national und international präsentiert, u.a. im Rahmen des Rotterdam International Film Festival, des Programms Experimenta des London Film Festival, Wavelengths, Toronto, Projections, New York, bei Light Industry, den Anthology Film Archives und dem LA Film Forum.

Die ‚KW Production Series’ werden durch die großzügige Unterstützung der Julia Stoschek Collection und OUTSET Germany_Switzerland ermöglicht.

Das Programm der KW Institute for Contemporary Art wird ermöglicht durch die Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

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Ausstellungen: »Hans Hansen. Still Life« und »Optical Illusions. Contemporary Still Life« mit Lucas Blalock, Annette Kelm, Antje Peters und Oskar Schmidt

C/O Berlin präsentiert vom 13. Juli bis 10. September 2017 die Ausstellung Hans Hansen . Still Life. Die Eröffnung findet am Mittwoch, den 12. Juli 2017, um 19 Uhr im Amerika Haus in der Hardenbergstraße 22–24, 10623 Berlin statt.

Ein VW Golf, Baujahr 1988, fein säuberlich und in knapp 7.000 Einzelteile zerlegt, grafisch arrangierte Glasblöcke, der Schattenriss einer Blüte oder die Aufnahme einer japanischen Holzmaske – Hans Hansens Blick auf die Dinge ist stark reduziert, linear und gleichzeitig voller Energie. Industriell hergestellte Produkte, natürliche Dinge und handwerkliche Gebrauchsgegenstände behandelt er stets mit der gleichen Präzision und Hingabe. Technische Genauigkeit und gra scher Minimalismus verleihen den Objekten ein visuelles Leben. Kaum ein anderer Fotograf seines Metiers hat unsere Wahrnehmung der alltäglichen Dingwelt seit den 1960er- Jahren so entscheidend geprägt wie Hans Hansen.

Hansen setzte als einer der ersten Fotografen neue ästhetische Standards in freier wie angewandter Fotografie und schafft es bis heute, beide Felder gleichberechtigt miteinander zu verbinden. 1968 lichtete er einen zerlegten Käfer für die bekannte Volkswagen-Kampagne der New Yorker Agentur Doyle Dane Bernbach ab und setzte dieses Projekt Ende der 1980er-Jahre nochmals mit einem Golf im Auftrag von VW um. Mit dieser Arbeit erlangte er internationale Anerkennung und verknüpfte erstmals Werbefotogra e mit bildender Kunst und Design. Hans Hansen lichtet vorzugsweise „unbelebte“ Dinge ab. Seine Bildgegenstände sind stets radikal isoliert und perfekt ausgeleuchtet – das ist bei Hansen Programm. Unabhängig davon, ob er Produkte für Porsche, Erco oder Vitra fotogra ert, immer ordnet, strukturiert und vergleicht er minutiös die Form, die Farben und das Material der Objekte. Darüber hinaus werden seine Aufnahmen häu g fotogra sch im Positiv-Negativ-Verfahren entwickelt.

Die kontinuierliche Beschäftigung mit Materialien wie Glas und Wasser führte neben Auftragsarbeiten für Tapio Wirkkala zu der Fotosequenz Glaswasser, in der er die beiden organischen Stoffe bildnerisch in Beziehung setzt. Hansens Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Haaren, Körperfalten und Trägerschnecken ebenso wie seine Farbfotogra en von Gemüse, Früchten oder P anzenmodellen visualisieren seine Faszination für die Stof ichkeit der einzelnen Objekte. Hans Hansens typisch minimalistische Licht-Dramaturgie, aus denen er oft grafische Gebilde formt und eigenwillige Architekturen entstehen lässt, zeichnet sein künstlerisches Vorgehen aus. Während er seine Auftragsarbeiten dezidiert im Bereich der angewandten Fotogra e an- siedelt, widmet er sich seit einigen Jahren verstärkt der freien Studiofotogra e und bezeichnet diese gern als Experimentierfeld und kreativen Spielraum. Ein Spiel mit Form und Licht, in dem er die Naturobjekte und menschlichen Artefakte hervortreten lässt.

Mit der Ausstellung Hans Hansen . Still Life widmet C/O Berlin dem vielfältigen Schaffen des deutschen Fotografen eine Werkschau, die sich sowohl mit seinen freien als auch mit angewandten Arbeiten auseinandersetzt. Die Auswahl gibt Einblick in die stof iche, materielle und sinnliche Qualität seiner Objekte, aber auch in die gestalterische sowie technische Bildproduktion und führt durch die Sichtweisen der Sachfotografie von industriellen, handwerklichen wie natürlichen Gegenständen.

Die Ausstellung wurde von Felix Hoffmann und Hendrik Schwantes kuratiert. Begleitend erscheint eine Publikation bei Spector Books, Leipzig, mit Texten von Hartmut Böhme, Hannes Böhringer, Falk Haberkorn, Axel Kufus, Juhani Pallasmaa und Anna Voswinckel.

 

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C/O Berlin präsentiert vom 13. Juli bis 10. September 2017 die Ausstellung Optical Illusions . Contemporary Still Life mit Arbeiten von Lucas Blalock, Annette Kelm, Antje Peters und Oskar Schmidt. Die Eröffnung findet am Mittwoch, den 12. Juli 2017, um 19 Uhr im Amerika Haus in der Hardenbergstraße 22–24, 10623 Berlin, statt.

Gedeckte Tische, aufwendige Blumenarrangements, prunkvolle Kompositionen aus Büchern, Pokalen, Gläsern und Instrumenten zählen zu den bekannten Motiven des klassischen Stilllebens und gehören seit Jahrhunderten zum Kanon der europäischen Kunstgeschichte. Die einst kostbaren und symbolisch aufgeladenen Objekte sind zunehmend den Alltagsgegen- ständen gewichen. Inzwischen bilden Parfümflaschen, Murmeln, Kaubonbons, Haarsham- poo, Starbucks-Becher und Pizza-Kartons die Objekte heutiger Stillleben.

Das traditionell malerische Sujet erlebt in der zeitgenössischen Fotografie derzeit eine Renais- sance, wobei sich die Grenzen zwischen künstlerisch arrangiertem Stillleben auf der einen und kommerzieller Produktfotografie auf der anderen Seite immer weiter auflösen.

Schon Künstler der 1920er- und 30er-Jahre wie Man Ray, László Moholy-Nagy oder Florence Henri experimentierten im Studio mit der Kleinbildkamera und schufen neue Formen des Still- lebens, die sowohl als künstlerische wie auch als Werbefotografie verwendet wurden. Hans Hansen, dessen Ausstellung Still Life im Dialog zu Optical Illusions . Contemporary Still Life gezeigt wird, führte diese Herangehensweise ab den 1970er-Jahren als künstlerische Pro- duktfotografie erfolgreich weiter. Heute gehören Werbe- und Produktfotografie zum visuellen Alltag unserer digitalisierten Gesellschaft, und damit ist auch das Stillleben für junge Künstler wieder ein attraktives Genre. So werden kunstvolle Arrangements über das abgebildete Sujet hinaus zum Experimentierfeld: Neue technische Möglichkeiten werden ausgelotet, visuelle Codes ad absurdum geführt und unsere Wahrnehmungsgewohnheiten in einer Zeit unter- sucht, in der Bilder zu machen und zu veröffentlichen für fast jeden zum Alltag geworden ist.

Die von Ann-Christin Bertrand kuratierte Ausstellung Optical Illusions . Contemporary Still Life bei C/O Berlin präsentiert mit Werken von Lucas Blalock, Annette Kelm, Antje Peters und Oskar Schmidt vier künstlerische Positionen, die das Genre nicht nur medial neu denken, son- dern auch künstlerisch aktualisieren. Allen gemein ist ihre bestechende Präzision und strenge methodische Formalisierung, mit der sie bildnerische Konventionen auflösen. Indem sie sich einer Rhetorik und Ästhetik der Alltagsfotografie bedienen und gleichzeitig die Mechanismen der Herstellung von fotografischen Bildern hinterfragen, eröffnen sie neue Denk- sowie Wahrnehmungsräume und setzen sich mit den unterschiedlichen Bedingungen der digitalen Bildproduktion und den ästhetischen Normen der Fotografie neu auseinander.

Der amerikanische Fotokünstler Lucas Blalock veranschaulicht in seinen Arbeiten den Arbeitsprozess hinter fotografischen Bildern. Gleichermaßen an der Geschichte wie auch an den Möglichkeiten der Fotografie interessiert, bedient er sich zunächst der klassischen Studiofotografie mit analoger Großbildkamera, scannt anschließend die Negative ein und bearbeitet sie digital weiter. Statt diese digitalen Arbeitsprozesse zu verschleiern, belässt er sie jedoch nachvollziehbar, wodurch eigenartige Zwitterformen zwischen klassischer Objektdarstellung und deren totaler Verfremdung entstehen. Auf diese Weise reflektieren seine Arbeiten nicht nur zeitgenössi- sche Produktionsmethoden fotografischer Bilder, sondern stets auch das Sehen und die hohe Komplexität fotografischer Realität.

Auch Annette Kelm geht es um die Annäherungen an unsere optische Wahrnehmung. Wie schon Elad Lassry oder Roe Etheridge auf die bildnerischen Konventionen der Werbefotografie zurückgreifend, wirken ihre Arrangements im Allgemeinen kühl und kalkuliert. Ihre Fotografien entstehen mit Mitteln der Industrie- und Werbefotografie. Statt jedoch ihre Gegenstände vor neutralem Fond freizustellen, macht Annette Kelm den Hintergrund meistens selbst zum Bildge- genstand. Was sich aus der Realität zu speisen scheint, wird hier zu einer formal ausgearbeite- ten Hyperrealität umgebaut, die dabei ihre Lesbarkeit verliert. Aber gerade die strikte Orientie- rung an formalen Kriterien, der Verzicht auf erzählerische Elemente und die bewusste Irritation durch das Einfügen bildfremder Requisiten lässt den Betrachter ins Leere laufen. So werden ihre Fotografien zu neuen (Denk-)Räumen zwischen Präzision und Mehrdeutigkeit, Raum und Fläche sowie Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Antje Peters’ Arbeiten folgen dem Konzept einer ganz bewussten Dekonstruktion der per- fekten Hochglanzfotografie: Teure Kosmetikprodukte werden mit Filzstiften bemalt und zu ei- nem amorphen Bündel mit Klebeband zentral ins Bild gesetzt, bunte Farbstifte mit einer Swatch-Armbanduhr zu einem Paket geschnürt. Ein verschüttetes Glas Wasser, exotische Früchte, Parfüm, Murmeln, Geldscheine und CDs werden mit Kaubonbons, Spielkarten und Haarshampoo eher chaotisch als perfekt choreografiert auf schwarzem Untergrund verteilt – immer geht es um das handwerkliche „Basteln“ hinter der perfekten, glatten und kühlen Er- scheinung digitaler Produktfotografie. Gerade durch dieses künstlerische Aufbrechen bekann- ter visueller Strategien der Werbewelt werden Antje Peters Arbeiten bei C/O Berlin als raumgreifende Stillleben umgesetzt. Auf diese Weise balanciert ihre Präsentation der gerahm- ten Werke zwischen Schaufensterdekoration und Kunstinstallation.

Die klaren und streng reduzierten Bilder von Oskar Schmidt erinnern an klassische Tafelbilder. Sie sind das Ergebnis sorgfältiger Arrangements und zeigen spiegelglatte Oberflächen, ent- rückte Objekte oder isoliert dargestellte Porträts. Schmidt bezieht sich dabei häufig auf Ikonen der Malerei- oder Fotografiegeschichte. Zugleich stehen seine Aufnahmen in direkter Referenz zur sogenannten „stock photography“ – makellose und massenhaft vorproduzierte Studioauf- nahmen, die lizenzfrei und autorenlos auf digitalen Bilddatenbanken stehen oder über Agentu- ren kostenfrei abrufbar sind. Jedoch geht es Schmidt weniger um die perfekte Wiedergabe des Originals oder die Inszenierung des Objektes und der Figuren selbst, sondern um eine fotografi- sche Übersetzung und deren künstlerische Variation. Mit seinen sachlichen und geradezu mini- malistischen Fotoarbeiten entstehen somit Fragestellungen, die über die bloße Abbildungstech- nik der Fotografie hinausgehen.