Aktuelles
Otto-Breicha-Preis für Fotokunst – Museum der Moderne Salzburg 2017 an Lisl Ponger
Das Museum der Moderne Salzburg hat sich als eines der ersten Museen in Österreich für Fotografie engagiert und seit 1981, somit zwei Jahre vor seiner Eröffnung im Jahre 1983, eine umfangreiche Sammlung aufgebaut. Gemeinsam mit der ebenfalls am Museum angesiedelten Fotosammlung des Österreichischen Bundes verwaltet das Museum der Moderne Salzburg den größten Bestand österreichischer künstlerischer Fotografie. Eine Auswahl aus den Beständen ist laufend im Museum auf der Sammlungsebene zu sehen und wird von regelmäßigen Sonderausstellungen zu Fotografie flankiert.
»Gemeinsam mit unseren einzigartigen Beständen und Ausstellungen sowie dem neu errichteten Kunstdepot, zählt der Otto-Breicha-Preis für Fotokunst zu einer der Hauptstützen, die das Museum der Moderne Salzburg als Kompetenzzentrum für Fotografie etablieren. Ich danke der Familie Breicha für ihre großzügige Unterstützung des Preises, mit der an die Arbeit des Gründungsdirektors des Museums erinnert wird. Mit Lisl Ponger wird nun eine herausragende zeitgenössische Fotokünstlerin Österreichs für ihr außergewöhnliches, interdisziplinäres Werk ausgezeichnet«, so Sabine Breitwieser, Direktorin Museum der Moderne Salzburg. »Ich freue mich sehr über die Verleihung des Otto-Breicha-Preis für Fotokunst durch das Museum der Moderne Salzburg und bedanke mich herzlich bei den Jury Mitgliedern, der Familie Breicha sowie Sabine Breitwieser«, so die diesjährige Preisträgerin Lisl Ponger.
Die Jury, bestehend aus Christa Breicha, Leo Kandl (Otto-Breicha-Preisträger 2015), Monika Faber (Institut Bonartes, Wien) und Christiane Kuhlmann (Museum der Moderne Salzburg), hat Lisl Ponger als diesjährige Preisträgerin nominiert. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass das Werk von Lisl Ponger durch die Vielfalt der Themen und Techniken besticht. Ponger ist Fotografin, Experimentalfilmerin, Medienkünstlerin und Autorin und untersucht sowohl mit der Fotokamera, als auch mit der Filmkamera die Kultur des »Fremdseins«. Sie setzt sich mit unterschiedlichen Vorstellungen von Heimat auseinander und hinterfragt die Darstellung von ethnologischen Zusammenhängen in Museen und Ausstellungen. Ihre Arbeit ist durch ihre Originalität und Bildästhetik einzigartig im Kanon österreichischer Kunst.
Das Museum der Moderne Salzburg vergibt seit 1983 alle zwei Jahre einen Preis für Fotokunst, der seit 2007 von der Familie Breicha gefördert und als »Otto-Breicha-Preis für Fotokunst – Museum der Moderne Salzburg« an einen österreichischen oder in Österreich lebenden Fotokünstler oder an eine Fotokünstlerin verliehen wird. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und mit einer Einzelausstellung der Preisträgerin vom 21. April bis 8. Juli 2018 im Museum der Moderne Salzburg am Standort Rupertinum verbunden. Zusätzlich erscheint ein Katalog zur Ausstellung. Bisherige Preisträger_innen sind u. a. Friedl Kubelka, Seiichi Furuya, Peter Dressler, Margherita Spiluttini, Ilse Haider, Matthias Herrmann und zuletzt Leo Kandl.
Ausstellung: Marianne Strobl. »Industrie-Photograph«, 1894-1914
Photoinstitut Bonartes, Wien, 20. 10. 2017 – 26. 01. 2018
Eröffnung: Donnerstag, 19. 10. 2017, 19 Uhr
Marianne Strobl stieg für ihre Auftraggeber in die Kanalisation, kroch in die Ötscherhöhlen und begleitete mit ihrer Kamera über Jahre die Errichtung des Gaswerks Wien-Leopoldau. Sie schuf vielteilige Porträts der Wäschefirma E. Braun und des Nobelhotels Meißl & Schadn. Ihre Beschlagenheit in der »Blitzlicht-Photographie« kam ihr zugute, um Neubauten wie eine mit historistischem Pomp ausstaffierte Semmeringvilla, ein Männerwohnheim oder eine Triester Nervenklinik zu dokumentieren. Strobls Spezialisierung auf Industriefotografie war eine sinnvolle Strategie, um auf dem extrem heftig umkämpften Wiener Markt um 1900 bestehen zu können. Diese selbstbewusste Fotografin, die sich nicht wie viele ihrer BerufskollegInnen im Atelier ›versteckte‹, gilt es wiederzuentdecken.
Kuratorin der Ausstellung: Ulrike Matzer
Spector Books erhält zwei Auszeichnungen beim DAM Architectural Book Award
Die Frankfurter Buchmesse und das Deutsche Architekturmuseum (DAM) haben 2017 zum neunten Mal den Internationalen DAM Architectural Book Award vergeben. Der in seiner Art einmalige und inzwischen hoch angesehene Preis zeichnet die besten Architekturbücher eines Jahres aus. Dem gemeinsamen Aufruf sind 89 Architektur- und Kunstbuchverlage weltweit gefolgt. Eine Fachjury aus externen Experten sowie Vertretern des DAM hat sich am 13. September 2017 getroffen und aus 215 Einsendungen nach Kriterien wie Gestaltung, inhaltliche Konzeption, Material- und Verarbeitungsqualität, Grad an Innovation und Aktualität die zehn besten Architekturbücher des Jahres ausgewählt.
Der Leipziger Verlag Spector Books erhielt dabei gleich zwei Auszeichnungen: für die anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im ZKM Karlsruhe erschienene Publikation Frei Otto. Denken in Modellen und für Hybrid Modernism. Movie Theatres in South India von Haubitz+Zoche.
Die anderen Preisträger 2017 sind:
> 50 60 70 / Architektur aus drei Jahrzehnten im Münchner Stadtbild \ Verlag: Dölling und Galitz Verlag, Hamburg
> Baukunst im Archiv. Die Sammlung der Akademie der Künste \ Verlag: DOM publishers, Berlin
> Bezahlbar. Gut. Wohnen: Strategien für erschwinglichen Wohnraum \ Verlag: JOVIS Verlag, Berlin
> The City between Freedom and Security. Contested Public Spaces in the 21st Century \ Verlag: Birkhäuser Verlag
> Fifty English Steeples. The Finest Medieval Parish Church Towers and Spires in England \ Verlag: Thames & Hudson Ltd, London
> Leistungen der Architektur \ Verlag: Quart Verlag, Zürich
> Patchwork. The Architecture of Jadwiga Grabowska-Hawrylak \ Verlag: Muzeum Architektury we Wrocławiu
> What’s so great about the Eiffel Tower? 70 questions that will change the way you think about architecture \ Verlag: Laurence King Publishing, London
Der externen Fachjury gehörten in diesem Jahr an: Nicola Ammon (Designerin), Christina Bösel (Lektorin), Amber Sayah (Kulturredakteurin Stuttgarter Zeitung), Gregor Theune (Fotograf) und Marietta Andreas (Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft der Freunde des DAM).
Die internen Juroren waren: Peter Cachola Schmal (Direktor DAM), Andrea Jürges (stellv. Direktorin DAM), Annette Becker (Kuratorin DAM) und Oliver Elser (Kurator DAM)
Das breite Spektrum der Themen und das hohe Niveau der Einsendungen hat die Jury vor eine große Herausforderung gestellt. Zum wiederholten Mal haben daher die Juroren entschieden, nicht nur zehn Preisträger zu bestimmen, sondern auch zehn weitere Einsendungen für die Shortlist des DAM Architectural Book Awards 2017 auszuwählen.
Sämtliche Preisträger werden vom 12. bis 15. Oktober 2017 auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert (Halle 4.1, Zentrum Bild, Stand K 109) und zusätzlich bis 14. Januar 2018 in der Ausstellung »Best of DAM Architectural Book Award« im 3. Obergeschoss des DAM.
Das Deutsche Architekturmuseum dankt der Gesellschaft der Freunde des DAM e.V. für ihre großzügige Unterstützung.
Duane Michaels erhält den DGPh Kulturpreis
Der in New York ansässige Duane Michals wird mit dem Kulturpreis 2017 der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) geehrt. Damit zeichnet die Gesellschaft einen der bedeutendsten zeitgenössischen amerikanischen Künstler aus. Die Preisverleihung findet am 21. Oktober 2017 in der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln statt. Die Laudatio wird Dr. Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck-Museums in Duisburg, halten. Mit dem seit 1959 jährlich von der DGPh vergebenen Preis werden bedeutende fotographische Leistungen, insbesondere auf künstlerischem, humanitärem, sozialem, technischem, pädagogischem oder wissenschaftlichem Gebiet geehrt.
Der bis heute hoch aktive Künstler Duane Michals arbeitet seit Ende der 1950er Jahre mit dem Medium der Fotografie. 1932 in McKeesport, Pennsylvania, USA geboren, studierte er zwischen 1949 und 1953 Grafikdesign an der University of Denver, danach diente er in der US-Army und war unter anderem in Deutschland stationiert. Ab 1956 erweiterte er seine Studien an der Parsons School of Design.
Die ersten Aufnahmen machte Michals 1958 auf einer Reise nach Russland. Das Medium der Fotografie sollte fortan ein wichtiges künstlerisches Ausdrucksmittel für ihn werden, an dem er bis in die Gegenwart festhält. Er wählt unterschiedliche Präsentationsformen, wobei dem Moment des seriell-erzählerischen eine zentrale Bedeutung zukommt. 1966 nimmt Michals zusammen mit Bruce Davidson, Lee Friedlander, Danny Lyon und Garry Winogrand an der bedeutenden Ausstellung »Towards a Social Landscape« im George Eastman House, Rochester, teil. »Stories by Duane Michals« hieß 1970 der Titel seiner ersten Einzelausstellung im Museum of Modern Art, New York.
Schon früh zeigt sich, dass die Bezeichnung »Fotograf« Michals’ komplexem Werkansatz mit seiner fantasievoll inszenierten Bildproduktion allein nicht gerecht wird. Denn immer wieder geht es ihm um die Inszenierung und Steigerung von Wirklichkeitseindrücken, die über das konkret Dokumentarische hinausgehen. Vornehmlich reizt ihn nicht das Einzelbild, sondern bereits seit den 1960er Jahren die in schwarz-weißen Bildern geschaffene Sequenz, eine eigene Form von Bilderzählung bzw. fotografischem »Bühnenstück«.
Ina Schoenenburg erhält Otto-Steinert-Preis 2017
Ina Schoenenburg setzt sich unter 165 Bewerbungen durch und erhält den Otto-Steinert-Preis 2017 der DGPh
Der Otto-Steinert-Preis 2017 der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) geht an Ina Schoenenburg. In der entscheidenden Runde am 26. September fiel die Wahl auf Ina Schoenenburg, die für ihr photographisches Langzeitprojekt „Blickwechsel“ ausgezeichnet wird. Die Arbeit von Ina Schoenenburg hat die Jury durch ihre hohe photographische Qualität überzeugt. Ina Schoenenburg photographiert ihre Familie bereits seit sechs Jahren und tut dies mit großer emotionaler Nähe und observierender Distanz zugleich. Mit einer ungewöhnlichen Bandbreite von dokumentarischer Beobachtung bis hin zu einer manchmal fast theatralen Inszenierung lässt uns die Photographin teilhaben an ihrem sowie dem Leben und den Emotionen ihrer Eltern und ihrer Tochter. Ein außergewöhnlich vielschichtiges Projekt mit einer ganz eigenen Bildsprache, die es schafft, intime Privatheit zu zeigen und zugleich ganz auf Voyeurismus zu verzichten. Der Otto-Steinert-Preis soll Ina Schoenenburg ermöglichen, an diesem Langzeitprojekt weiterzuarbeiten.
Ina Schoenenburg lebt und arbeitet in Berlin, wo sie 2012 ihr Photographiestudium an der Ostkreuzschule für Fotografie als Schülerin von Sibylle Fendt abschloss. Seit dem Herbst 2016 ist sie Mitglied der Photographen-Agentur Ostkreuz.
Neben der Preisträgerin beeindruckten die Arbeiten der beiden Nachwuchs-photographinnen Monika Hanfland und Ksenia Kuleshova. Monika Hanfland reichte den vielversprechenden Beginn ihrer Arbeit „The Perfect Match?“ ein. Sie setzt sich mit der Herstellung und Nutzung von Liebespuppen auseinander und wirft so die Frage auf, ob dadurch neue Arten von Beziehungen entstehen können, in denen die Puppen den menschlichen Partner ersetzen. Ein mit Ironie und Witz photographisch festgehaltenes Eintauchen in eine seltsame Welt.
Auch die Photostudentin Ksenia Kuleshovas hat mit einer eher spielerischen Arbeit überzeugt, in „ABKHAZIA“ widmet sie ihr Augenmerk unter anderem skurrilen Freizeitbeschäftigungen. Ihre genaue Beobachtungsgabe für die Absurditäten des Alltags gepaart mit dem Gefühl für den entscheidenden Moment haben die Jury überzeugt. Beide Teilnehmerinnen sind Studentinnen an der Fachhochschule in Dortmund.
Der mit 5000 Euro dotierte Otto-Steinert-Preis der DGPh wurde am 26. September 2017 durch die diesjährige Jury bestehend aus dem Preisträger 2015, Georg Brückmann, dem Photokünstler und Verleger Boris Becker, sowie dem Vorstand der Sektion Bild der DGPh, Bettina Flitner, Christoph Bangert und Manfred Linke, als Arbeitsstipendium für die Realisierung einer neuen Arbeit vergeben. Nach einem langen, mehrstufigen Auswahlprozess von über 165 Bewerbungen ist die Arbeit von Ina Schoenenburg in der finalen Auswahl als qualitativ herausragend befunden worden.
Exhibition and Symposium: The Photographic I. Other Pictures
S.M.A.K., Gent, 07. 10. 2017 – 07. 01. 2018
Symposium: 23. 11. – 24. 11. 2017
The Photographic I – Other Pictures comprises work by artists and photographers including Lewis Baltz, Tina Barney, Mohamed Bourouissa, Moyra Davey, Marc De Blieck, Sara Deraedt, Patrick Faigenbaum, Peter Fraser, Alair Gomes, Jitka Hanzlová, Roni Horn, Stephanie Kiwitt, Aglaia Konrad, Jochen Lempert, Zoe Leonard, Jean-Luc Moulène, Zanele Muholi, Jean-Luc Mylayne, Trevor Paglen, Doug Rickard, Torbjørn Rødland, Michael Schmidt, Arne Schmitt, Allan Sekula, Ahlam Shibli, Malick Sidibé, Danayata Singh, Wolfgang Tillmans, Marc Trivier, and Tobias Zielony.
The Photographic I – Other Pictures is the first part of a diptych spread over two years. The exhibition comprises new and existing work by around 20 international artists and photographers ranging from the 1960s to the present.
The selection demonstrates a lively interest in the power of the still image as a means of examining the world. It concentrates on indefinable images with an open view, whose multi-layering requires slow reading.
John Szarkowski once formulated the familiar distinction between photos that act as a window on the world and photos intended to reflect their maker. Other Pictures demonstrates that photographic images can perform both functions at the same time: they focus on the world and they invariably approach their subject in a subjective and sensory manner.
Photographic images not only show the world we live in, but are among its essential building blocks. New ways of producing and distributing images, and technological innovation in the civil and military spheres, make the medium repeatedly evolve in new directions and also seep into current artistic practice. The way photographers and artists handle these recent possibilities and challenges is one of the focal points of this exhibition.
To accompany this presentation, Roma Publications Amsterdam are publishing an exhibition magazine.
Symposium on the 23th and 24th of November 2017
A symposium organised in association with the Thinking Tools research group (KASK Antwerp) is being held on Thursday 23 and Friday 24 November 2017. In a programme comprising lectures, talks by artists and portfolio viewings, national and international speakers present a picture of where photography currently stands in the field of contemporary art. More details will follow.
Zwei Ausstellungen geben Einblick in Alexander Kluges Œuvre
Pluriversum, Museum Folkwang, Essen, 15. 9. 2017 – 7. 1. 2018
Gärten der Kooperation, Württembergischer Kunstverein Stuttgart, 14. 10. 2017 – 14. 1. 2018
Alexander Kluge versteht sich selbst als Autor. Mit Filmen, Texten, Interviews und vielem mehr inspiriert er seine Leser, Zuhörer und Zuschauer. Anlässlich seines 85. Geburtstags präsentiert das Museum Folkwang eine umfassende Ausstellung, die den Kern seines multimedialen Werkes sichtbar macht. Integraler Bestandteil der Ausstellung ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, welches das Zusammendenken im Klugeschen Kosmos performativ erfahrbar macht. Das begleitende Programm ist – wie auch die Ausstellung – in enger Zusammenarbeit mit Alexander Kluge entstanden.
Die Ausstellung Alexander Kluge. Gärten der Kooperation basiert auf der gleichnamigen umfassenden Einzelausstellung des Schriftstellers, Filmemachers und Theoretikers Alexander Kluge, die 2016 im Kunstzentrum La Virreina Centre de la Imatge in Barcelona zu sehen war. In enger Zusammenarbeit mit dem Direktor von La Virreina, Valentín Roma, sowie Alexander Kluge selbst hat der Württembergische Kunstverein eine Neufassung und Erweiterung von sieben Einzelaspekten dieses Projektes entwickelt. Die beiden zentralen inhaltlichen Bezugspunkte der Ausstellung kreisen um die Metapher des Gartens und die Idee des Gemeinsamen – der Kooperation – in Kluges Werk und Arbeitsweisen; sowie um Formen der Emanzipation, die nicht nur Gegenstand seiner theoretischen und künstlerischen Untersuchungen von Geschichte, Gegenwart und Zukunft sind, sondern an denen er unermüdlich selbst beteiligt ist.
Ausstellung: Willem de Rooij. Whiteout
KW Institute for Contemporary Art, Berlin
14. 9. – 17. 12. 2017
Der niederländische Künstler Willem de Rooij (*1969 in Beverwijk, NL) untersucht die Produktion, Kontextualisierung und Interpretation von Bildern. Seine Praxis umfasst Fotografie, Film, Video, Skulptur, Tonaufnahmen und Texte. Appropriierte Materialien, wie etwa gefundene Bilder, Objekte, die er kunstgeschichtlichen oder ethnografischen Sammlungen entnimmt, oder Arbeiten anderer Künstlerinnen und Künstler spielen eine bedeutsame Rolle. De Rooijs eigene Arbeiten nehmen die Form von Installationen oder vorübergehenden Zusammenstellungen an, die physische und kontextuelle Eigenschaften des Raumes reflektieren, den sie besetzen. De Rooij ist seit 2006 Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main. Im Jahr 2015 hat er zusammen mit Angela Bulloch und Simon Denny das BPA // Berlin Program for Artists gegründet und ist seit 2016 Visiting Advisor an der Rijksakademie in Amsterdam.
Diesen Herbst präsentieren die KW Institute for Contemporary Art Whiteout – eine Auswahl aus Willem de Rooijs Produktion der vergangenen zwanzig Jahre. Die Ausstellung verbindet jüngere Arbeiten mit zentralen Werken, die in seiner Zusammenarbeit mit Jeroen de Rijke (1970–2006) unter dem Namen de Rijke/de Rooij von 1994 bis 2006 entstanden sind.
Ausstellung: Tobias Zielony. Haus der Jugend
Von der Heydt-Kunsthalle, Wuppertal, 10. 9. 2017 – 14. 1. 2018
Der Fotograf und Filmemacher Tobias Zielony (geb. 1973) war einer von fünf Künstlern, die 2015 im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig ausstellten. Mit seinen Fotoarbeiten, die zwischen Dokumentar- und Kunstfotografie anzusiedeln sind, gilt er als ein Nachfolger von Größen der Fotografie wie Larry Clark, Nan Goldin und Wolfgang Tillmans.
Zielony fotografiert an den Orten, die in der kollektiven Wahrnehmung unserer Gesellschaft lieber gemieden werden. Oft sind es Jugendliche und junge Erwachsene, die aus diesem Umfeld heraustreten und öffentlich sichtbar werden, die mit ihrem Ringen um Selbstbewusstsein und Identität die Konfrontation suchen. Diese Menschen begleitet Zielony und fotografiert sie, so etwa Jugendliche am Stadtrand von Bristol, in einer Plattenbausiedlung in Halle, in Chemnitz, in Marseille und Rom oder in dem unwirklichen Ort Trona vor Los Angeles. Funktionslos gewordene Orte bekommen in diesen Bildern als Bühne und Schauplatz einen neuen Charakter.
Die Ausstellung in der Von der Heydt-Kunsthalle legt den Fokus auf ganz aktuelle Arbeiten Zielonys. Erstmalig wird eine Serie von Aufnahmen zu sehen sein, die Zielony 2016/2017 in der Ukraine gemacht hat. Diese neuen Arbeiten mit dem Titel »Maskirovka« beschäftigen sich mit der Techno- und queeren Szene in Kiew im Nachklang der Revolution von 2013. Der Begriff »Maskirovka« steht für eine russische Tradition der verdeckten Kriegsführung und militärischen Täuschung. Masken spielen in der Ukraine der Gegenwart eine wichtige Rolle: Gasmasken auf dem Maidan, vermummte Spezialeinheiten auf der Krim, in der Technoszene und beim Spiel sexueller Identitäten. Die jüngsten politischen Entwicklungen sowie die Einmischung der Russen in die inneren Angelegenheiten der Ukraine können als traurige Travestie gesehen werden, bei der alles möglich ist, aber nichts wirklich zu sein scheint. Alle Ebenen des Lebens verschmelzen in einem Zustand, in dem es kein Richtig oder Falsch mehr gibt.
Neben den Fotografien zeigt Zielony auch eine Stop-Motion-Animation mit Bildern, die er in der Ukraine aufgenommen hat, und er arbeitet an Texten, die aus Interviews mit Protagonistinnen der Revolution stammen. Die Ausstellung in der Von der Heydt-Kunsthalle gibt außerdem erstmalig einen Einblick in Tobias Zielonys Archiv mit Fotografien von Jugendlichen aus den Jahren 1997 bis 2005. Einige davon sind in Wuppertal entstanden, andere in Berlin, Köln, Halle, Leipzig und anderen ostdeutschen Städten.
Die Bilder sind uns räumlich und zeitlich zu nah, um sie zu historisieren. Vielmehr beschreiben sie einen Zustand, in dem die dramatischen Ereignisse der zurückliegenden 20 Jahre als zukünftige Möglichkeiten aufscheinen, aber noch nichts entschieden ist. Man könnte von einem »vorbewussten« Zustand sprechen, der auch Zielonys künstlerische Entwicklung und seine konzeptuelle Auseinandersetzung mit den Begriffen von Jugend und Jugendkultur einschließt.
Fotodoks – Festival für aktuelle Dokumentarfotografie
Lothringer13 Halle, München, 11. – 15. 10. 2017
Thema: ME:WE
Gastland: USA
Die Ausstellung ME:WE wird am 11. Oktober 2017 im städtischen Kunstraum Lothringer13 Halle eröffnet und ist der Auftakt für intensive Festivaltage mit Diskussionen, Vorträgen, Screenings und Workshops.
Teilnehmende FotografInnen:
Endia Beal (US)
Michael Danner (DE)
Tim Davis (US)
Thomas Dworzak (DE)
Annie Flanagan (US)
Gregory Halpern (US)
Paul Kranzler (AT)
Kristin Loschert (DE)
Mike Mandel and Chantal Zakari (US)
Harris Mizrahi (US)
Stefanie Moshammer (AT)
Andrea Ellen Reed (US)
Richard Renaldi (US)
Ruddy Roye (US)
Lisa Riordan Seville and Zara Katz (US)
Sofia Valiente (US)
Christina Werner (AT)
Mit dem Thema ME:WE beleuchtet FOTODOKS 2017 im Dialog mit dem Gastland USA das Spannungsverhältnis zwischen Individuellem und Kollektivem. Dokumentarfotografische Positionen zeigen, wie soziale Gemeinschaften durch äußere Einflüsse, wie Politik oder Konflikte geformt werden und Möglichkeiten einer hoffnungsvollen Verbindung schaffen. Der Blick wird darauf gelenkt, was Menschen verbindet oder trennt, auf Opposition, Vielfalt und Solidarität und auf die darin enthaltene Suche nach Motiven, die Zuschreibungen und Identitäten in einer komplexen Zeit definieren. Virtuelle Teilhabe wird kritisch betrachtet und Einflüsse von Nationalismus auf Gesellschaft und Medien gezeigt. Ebenso wird die persönliche Handlungsweise von FotografInnen thematisiert und welche Rolle ihnen im sozialen Miteinander zukommen kann. Die Themen der ausgewählten FotografInnen erzählen von der Suche nach Sicherheit und Liebe, beschreiben Ausnahmezustände, analysieren politisches Engagement und Positionen, beobachten Grenzen und Überschreitungen und nicht zuletzt nutzen sie das Medium Fotografie als Flucht nach Vorne – ME:WE beschreibt eine Bewegung, einen dynamischen Prozess. Fotodoks ist ein internationales und anspruchsvolles Festival, bei dem in lebendiger und persönlicher Atmosphäre über aktuelle Dokumentarfotografie reflektiert und diskutiert wird. Den Blick auf ein jeweils anderes Partnerland und Festivalthema gerichtet, versteht sich Fotodoks als unabhängiges Forum, das biennal in München stattfindet und das sich seit 2008 als größtes Festival für Dokumentarfotografie im deutschsprachigen Raum etabliert hat.
2017 präsentiert sich Fotodoks in einem Raum für zeitgenössische Kunst: in der Lothringer13 Halle & Rroom sind die umfangreiche Gruppenausstellung, die Veranstaltungen des Rahmenprogramms und ein Café mit Fotobüchern zum schmökern an einem Ort versammelt.
ABOUT US
Erstmals bei Fotodoks speiste sich der Pool an 150 diskutierten Projekten – und somit auch die von der Jury ausgewählten 19 FotografInnen – aus den Vorschlägen renommierter NominatorInnen, denen unser Dank für deren Kooperation gilt.
Mit Michaela Obermair aus Wien, Sabine Schwarzenböck aus München und Lene Harbo Pedersen aus Kopenhagen ist das Fotodoks-Headquarter 2017 auf schönste Weise erweitert und noch internationaler geworden.
Screening: Tatiana Lecomte. Hors-Champ
mumok, Wien, 11. Oktober 2017, 19:00
Tatiana Lecomte zeigt eine Auswahl von Filmen, die sie maßgeblich beeindruckt bzw. beeinflusst haben, und stellt diese ihrer Arbeit Ein mörderischer Lärm gegenüber. Ausgangspunkt von Lecomtes Film sind die Erlebnisse des Franzosen Jean-Jacques Boijentin (1920–2015) im KZ Gusen II in St. Georgen an der Gusen (östlich von Linz), einem Nebenlager des KZ Mauthausen. Die Häftlinge wurden dort beim Bau einer geheimen unterirdischen Fabrik zur Herstellung von Düsenjagdflugzeugen eingesetzt. Die Zustände im Lager waren unmenschlich, noch schlimmer die Arbeitsbedingungen unter Tage. Der titelgebende Begriff des Hors-champ bezieht sich hier auf den Raum, den wir im Film nicht tatsächlich sehen, aber imaginieren können; eine Fehlstelle, die wir durch Erfahrung und Wissen automatisch vervollständigen.
Hannes Böck, Fünf Skulpturen aus den ägyptischen Heiligtümern im Museo del Sannio, Benevento: n. 252 Hockender Pavian, Diorit; n. 253 Falke, Amphibolit; n. 255 Falke, Gabbro; n. 256 Hockender Pavian, Diorit; n. 280 Apis-Stier, Diorit, 2013, 9 min
Tatiana Lecomte, Ein mörderischer Lärm, 2015, 21 min
Morgan Fisher, Production Stills, 1970, 11 min
Rainer Wölzl, Die Linke, 2009, 3 min
Hans Schabus, Atelier, 2010, 8 min
James Benning & Bette Gordon, The United States of America, 1975, 27 min
Anschließend Gespräch mit Tatiana Lecomte und Maren Lübbke-Tidow
Tatiana Lecomte lebt in Wien. Ausstellungen (Auswahl): Nach einer wahren Begebenheit, Galerie Marenzi, Leibnitz (2017); Tselem ve-Tsilum, Museum Judenplatz, Jüdisches Museum Wien (2013); Šejla Kameric, Tatiana Lecomte, Camera Austria, Graz (2011).
Maren Lübbke-Tidow arbeitet zu Fotografie und visueller Kunst. Sie schreibt für diverse internationale Zeitschriften, Bücher, Kataloge sowie für Künstler_innen und kuratiert Ausstellungen in unterschiedlichen institutionellen Kontexten, unter anderem für Camera Austria (Graz).
Tagung: War of Pictures 1945 – 1955. Pressefotografie und Bildkultur im befreiten/besetzten Österreich
4. – 6. Oktober 2017, Universität Wien
Tagung des Institutes für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Kooperation mit dem
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
Konzept und Organisation: Marion Krammer, Margarethe Szeless
Mittwoch, 4.10.:
18:00 -19:00 Vortrag
Gerhard Paul: War of Pictures. Eine Visual History des Krieges
Donnerstag, 5.10.:
09:15 -10:00
Oliver Rathkolb & Fritz Hausjell: Begrüßung
Marion Krammer & Margarethe Szeless: Einführung
10:00-11:00
Panel I – Fotojournalismus nach 1945
Moderation: Anton Holzer
Anette Vowinckel: Produktion, Distribution und Zirkulation von Pressebildern
Silke Betscher: Der Kalte Krieg in den deutschen Nachkriegsillustrierten
11:00- 11:30 Kaffeepause
11:30 -13:00
Panel I – Fotojournalismus nach 1945
Moderation: Anton Holzer
Margarethe Szeless/Marion Krammer: Der US-amerikanische Bilderdienst als Motor der österreichischen Pressefotografie
Nadya Bair: Magnum Photos’ European Networks, 1947-1955
Karin Berger: Die Wiener Illustrierte
13:00 – 14:15 Mittagspause
14:15 – 16:00
Panel II Die viel gezeigten und die nicht gezeigten Bilder
Moderation: Oliver Rathkolb
Marion Krammer: Bildikonen nach 1945 revisited
Ina Markova: Was nicht gezeigt wurde. Nationalsozialismus und Holocaust in der illustrierten Presse nach 1945
Margarethe Szeless: War of Pictures. Bildpropaganda im besetzten/befreiten Österreich.
Carmen Hartl: Mythos Trümmerfrauen
16:00– 16:30 Kaffeepause
16:30 – 17:30 Podiumsdiskussion – Das Geschäft mit dem historischen Bild
Wie wird mit historischen Bildern Geschäft gemacht? Welche Bildarchive und Bildagenturen gibt es am österreichischen Medienmarkt? Woher bekommen JournalistInnen ihre Bildquellen? Wie sieht die konkrete Arbeit von Bildagenturen und von JournalistInnen aus? Sind Bilder Illustration für Geschichten oder auch deren Ausgangspunkt?
(Teilnehmende angefragt)
Kleiner Empfang
Freitag, 6.10.:
09:30 – 11:00
Panel III – Pressefotografien als historische Quelle
Moderation: Monika Faber
Anton Holzer: Fotojournalismus Revisited. Neue Ansätze in der Foto- und Mediengeschichte
Hans Petschar: Das USIS Archiv und der Marshall Plan
Jens Jäger: Visual History. Fotografien als historische Quelle
11:00-11:30 Kaffeepause
11:30 – 13:00 Panel IV – Rasender Stillstand oder Stunde Null. Biografien und Karrieren österreichischer PressefotografInnen
Marion Krammer: Moderation+ Einleitung
Caroline Schenk: Franz Fremuth
Saskia Etschmaier: Albert Hilscher
Antonia Hauenschild: Ferdinand Schreiber
Alexandra Unsinn: Herbert Kofler
13:00 – 14:00 Mittagspause
14:00 – 15:00
Podiumsdiskussion – Das Berufsbild Pressefotograf/in heute
Wie hat sich das Berufsbild des/der Pressefotografen/in seit 1945 gewandelt? Welche Herausforderungen ergeben sich durch Internet und soziale Medien? Wie funktionierte die Inszenierung von Politik früher und wie funktioniert sie heute? Fritz Hausjell im Gespräch mit Franz Goess, Fotograf ab 1955 für „Paris Match“ Petra Bernhardt, Politikwissenschafterin mit Schwerpunkt Politische Ikonografie Kristian Bisutti, nach 1955 Fotograf für „Die Presse“ (angefragt) PressefotografIn
Heftpräsentation: EIKON #99 mit Fokus »On Publishing Photography« in Kooperation mit Camera Austria International
Wann: 5.9.2017, 19:00 Uhr
Wo: EIKON Schaufenster, Q21 im MuseumsQuartier Wien / Schauräume, Museumsplatz 1, 1070 Wien
Als Auftakt in den Kunstherbst erscheint die dritte EIKON-Ausgabe des Jahres mit Hauptbeiträgen zu Jürgen Klauke, Jaakko Kahilaniemi, Elisabeth Czihak und Karin Fisslthaler sowie einem ausführlichen Interview mit Gerald Bast und Patrick Werkner anlässlich 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien.
Im Fokus: On Publishing Photography befasst sich – auch in Ausblick auf die im November erscheinende 100. Heftausgabe von EIKON – mit der Frage, weshalb zeitgenössische Fotomagazine in Zeiten der Digitalisierung und Kommerzialisierung weiterhin an der Printproduktion festhalten und welche programmatischen Strategien sie verfolgen. Hierfür lud EIKON gemeinsam mit Camera Austria International ausgewählte internationale Fotografiemagazine ein, sich und ihre Ideen zu präsentieren und den LeserInnen auch einen Blick hinter die Kulissen zu erlauben.
Neben Besprechungen, z.B. der Einzelausstellung von Shirin Neshat in der Kunsthalle Tübingen und der Themenausstellung „How To Live Together“ in der Kunsthalle Wien, sowie Rezensionen zu neuen Publikationen, finden Sie wie gewohnt auch in dieser Ausgabe aktuelle Meldungen, Ausschreibungen und Ausstellungsempfehlungen.
HANT-MAGAZIN NR. #10 sucht Einsendungen zum Thema: »HOME SWEET HOME«
Es ist soweit: Das HANT-Magazin für Fotografie feiert großes Jubiläum. Zehntes Magazin und keinen Tag älter. Wollt ihr mit uns feiern?
Dann sendet eure Fotografien, Bilderserien und Texte ein und werdet Teil der großen #Rückschau #BackToTheRoots #ZuhauseIstWoDasHerzIst #Jubiläums Ausgabe. Passend zu alledem das Thema:
»HOME SWEET HOME«
Dies selbst mutet bereits als Platitude an.
Was ist dran am Begriff Heimat?
Ist es ein Ort?
Oder ein Gefühl, gemäß dem Ausdruck:
Heimat ist da, wo das Herz ist?
Der Mensch braucht ein Plätzchen
Und wär’s noch so klein
Von dem er kann sagen
Sieh! Dieses ist mein
Hier leb‘ ich, hier lieb‘ ich,
hier ruh‘ ich mich aus
Hier ist meine Heimat
Hier bin ich zuhaus.
(UNBEKANNT, SPRUCH AUF EINEM BROTTELLER)
Während der Brotteller keinen Zweifel lässt, bleibt es für das HANT - Magazin für Fotografie offen. Für die kommende Zehnte (in Zahlen: 10) Ausgabe soll resümiert werden. Nach neun Magazinen des Suchens und Reisens durch verschiedene Welten und Da-Zwischens, kommt zurück und seid zu Gast, indem ihr BILDER UND FOTOSERIEN bis zum 18.09.2017 über die neuePlattform Picter einreicht, oder TEXTE wie gewohnt über unsere Homepage.
Seid dabei, wenn es heißt: HANT goes 10!
Lasst mit uns die Sektkorken knallen und freut euch über eine rappelvolle Jubiläums-Ausgabe.
Martha Rosler wird mit dem Lichtwark-Preis 2017 der Stadt Hamburg ausgezeichnet
Der Lichtwark-Preis 2017 geht an die US-amerikanische Künstlerin Martha Rosler. Die Auszeichnung wird alle vier Jahre von Senat und Bürgerschaft der Stadt Hamburg an Künstlerinnen und Künstler verliehen, deren Werke der bildenden Kunst sich durch besondere Innovationskraft auszeichnen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Benannt ist der Preis nach dem Gründungsdirektor der Hamburger Kunsthalle und wegweisenden Museumsvermittler Alfred Lichtwark (*14. November 1852). Die Preise werden einen Tag vor seinem Geburtstag, am 13. November 2017, in der Hamburger Kunsthalle an die Künstlerinnen und Künstler vergeben.
Martha Rosler: „Ich empfinde es als große Ehre und bin stolz darauf, Empfängerin des diesjährigen Lichtwark-Preises zu sein. Über die Wertschätzung für meine Beiträge zur Kunst und die daraus entstehenden Interventionen in öffentliche Debatten, einschließlich des Alltags von Frauen und anderen Bewohnerinnen und Bewohnern, freue ich mich sehr. Der Freien und Hansestadt Hamburg mit ihrer besonderen Geschichte als widerständige, in die Zukunft gerichtete und internationale Stadt fühle ich mich sehr eng verbunden. Ich danke dem Senat und den Bürgerinnen und Bürgern Hamburgs von Herzen für diese Anerkennung.“
Die US-amerikanische Künstlerin Martha Rosler hat sich in den vergangenen 40 Jahren in Fotomontagen und -serien, Videokunst, Performances und Installationen stets mit aktuellen politischen, sozialen und gesellschaftlichen Themen auseinandergesetzt und ein überaus vielschichtiges Werk geschaffen. Bekannt wurde sie durch ihre mittlerweile legendäre Collagenserie „House Beautiful: Bringing The War Home (1967 – 1972)“, in der sie Hochglanzansichten amerikanischer Wohnrauminterieurs aus der Zeitschrift „House Beautiful“ („Schöner Wohnen“) mit dokumentarischen Vietnam-Kriegsfotografien beispielsweise aus dem „Time“-Magazin kontrastierte. Zwischen 2004 und 2008 griff sie dieses Thema noch einmal auf, dieses Mal mit Dokumentarfotografien aus dem Irak-Krieg („House Beautiful: Bringing The War Home, New Series (2004 – 2008)“). Seit den 1960er-Jahren bezieht sie explizit feministische Positionen in Videos und Performances mit ein, wie zum Beispiel bei „Semiotics of the Kitchen“ (1975). Bekannt wurde sie auch als Autorin theoretischer Schriften, unter anderem zur Rolle des Politischen in der Fotografie.
Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit liegt in der kritischen Reflexion urbaner Verhältnisse und Strukturen. So hat sie 1993 und 2015 auch in Hamburg mit öffentlichen Interventionen Akzente gesetzt: 1993 organisierte sie im Rahmen des Projekts „Stadtfahrt“ eine kollektive Performance an Stätten jüdischer Kultur. Das Projekt (englischer Originaltitel: „An Empty Space in Ottensen: Contaminated by History, Capital, and Asbestos“) thematisierte das Verschwinden von jüdischer Kultur und Stadtgeschichte.
2015 entwickelte Martha Rosler gemeinsam mit dem Urbanisten Miguel Robles-Durán eine Posterkampagne in der Hamburger Innenstadt, die die Versprechen aktueller Stadtentwicklung in Hamburg und anderen europäischen Städten in den Blick nahm.
Für die Skulptur Projekte Münster hat sie 2007 mit der Installation „Unsettling the Fragments“ von Naziinsignien gereinigte Denkmale des Stadtraums neu kontextualisiert, um auf die historischen Wunden und Brüche der Stadtgesellschaft aufmerksam zu machen. Bei dem Projekt, das sie selbst als utopisch bezeichnete, ging es Rosler darum, die Geschichte der Stadt selbst neu zu denken.
Martha Rosler hat für ihr Werk zahlreiche Preise erhalten, darunter 2005 den SPECTRUM Internationalen Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen sowie 2006 die höchste Auszeichnung für Bildende Künstler in Österreich, den Kokoschka-Preis. Sie zeigte ihre Werke mehrfach auf der Documenta und war weltweit in vielen Museen und Ausstellungshäusern in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten. Martha Roslers Werk war und ist bis heute engagiert und bezieht Position, worin sie gerade jüngeren Generationen als Vorbild gilt.
Der Lichtwark-Preis wird alle vier Jahre von Senat und Bürgerschaft der Stadt Hamburg verliehen. Er wurde 1951, zum 100. Geburtstag Lichtwarks, gestiftet und ging in jenem Jahr an Oskar Kokoschka. Zu den Preisträgerinnen und Preisträgern zählen außerdem Joseph Beuys, Otto Dix, Max Ernst, Hanne Darboven und zuletzt Andreas Slominski (2013).
Stefanie Moshammer gewinnt C/O Berlin Talent Award
Nach zehn erfolgreichen Jahren wird das Nachwuchsprogramm Talents umfassend und neu strukturiert: Aus Talents wird der C/O Berlin Talent Award.
Der C/O Berlin Talent Award zeichnet ab sofort jährlich einen herausragenden jungen Fotografen und Kunstkritiker aus und ist mit 10.000 EUR (7.000 EUR für die Kategorie Fotografie und 3.000 EUR für die Kategorie Kunstkritik) dotiert. Mit größerer Gewichtung im Ausstellungsprogramm als bisher erhält der prämierte Fotograf zusätzlich zum Preisgeld eine Einzelausstellung bei C/O Berlin und wird mit einer umfangreichen und individuell erarbeiteten Publikation geehrt. Diese Publikation gibt dabei auch dem jurierten Kritiker eine Plattform und ermöglicht ihm mit den fotografischen Werken in den Dialog zu treten.
Der C/O Berlin Talent Award ist ein in Europa einmaliger Förderpreis, der angehende Fotografen und Kunstkritiker bis 35 Jahren gleichermaßen auszeichnet, sie auf ihrem kreativen Weg begleitet und Ausgangspunkt für internationale Ausstellungen bildet. Der Wettbewerb wird zukünftig nicht mehr öffentlich ausgeschrieben. Die nominierende Fachjury ermittelt die Teilnehmer am Auswahlverfahren des C/O Berlin Talent Award. Neben den Preisträgern für die Kategorien Fotografie und Kunstkritik werden zudem jährlich vier Positionen für die Shortlist festgelegt, deren Arbeiten werden in der C/O Zeitung veröffentlicht sowie im Rahmen der Kooperation von C/O Berlin mit dem Foto-Magazin Der Greif online präsentiert.
C/O Berlin freut sich, den ersten C/O Berlin Talent Award in der Kategorie Fotografie an die österreichische Künstlerin Stefanie Moshammer (*1988, Wien) zu vergeben. Stefanie Moshammer und ihre Arbeit konnten die diesjährige Jury, bestehend aus Diane Dufour (LE BAL, Paris), Shoair Mavlian (Tate Modern, London), Aaron Schuman (freier Kritiker und Kurator, London), Anne-Marie Beckmann (Deutsche Börse Photography Foundation) und Ann-Christin Bertrand (C/O Berlin) als außergewöhnliches Beispiel für eine aktuelle Auseinandersetzung im Diskurs zum Thema New Documentary Photography überzeugen. Die Gewinnerin erhält eine Einzelausstellung bei C/O Berlin und damit die Möglichkeit, ihr Werk einer breiten Öffentlichkeit auf internationalem Niveau zu präsentieren. ARTE wird den C/O Berlin Talent Award und die Ausstellung der Preisträgerin als Medienpartner begleiten.
Für die Shortlist wurden Sylvain Couzinet-Jacques (*1983, Frankreich), Joscha Steffens (*1981, Niederlanden), Stephan Bögel (*1983, Deutschland) sowie Mafalda Rakoš (*1994, Österreich) ausgewählt.
Stefanie Moshammers Fotografie ist ein Gefüge aus unterschiedlichen Medien, mit der sie die Komplexität unserer heutigen Wahrnehmung beleuchtet. Basierend auf vorhandenem Material, entwickelt sie eigene Fotografien, kartiert Bilder über Google Maps und verwendet Film-Footage, aber auch Video und fiktive Aufnahmen sowie Bilder aus ihrer Imagination. Damit schafft Stefanie Moshammer nicht nur neue Formen der Dokumentation, sondern vereint fiktionale sowie erzählerische Momente und berührt somit grundlegende Themen der Fotografie: Was ist Realität? Was ist Fiktion? Und welche Wahrheiten vermittelt das fotografische Bild?
Stefanie Moshammer ist 1988 in Wien geboren, lebt und arbeitet in Wien. Nach ihrem Abschluss an der Modeschule der Stadt Wien absolvierte sie an Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz ihren Bachelor of Arts in Visuelle Kommunikation und Fotografie sowie ein Studium zum Fotojournalismus an der Danish School of Media and Journalism in Aarhus. Neben der Nominierung im Rahmen des Festival Rencontres d’Arles, der Auszeichnung als Talent des FOAM Fotografiemuseum Amsterdam sowie der Nominierung für den ING Unseen Talent Award der Unseen Photo Fair in Amsterdam erscheinen ihre Fotografien in zahlreichen Magazinen, wie i-D, Collector Daily, GUP Magazine, It’s Nice That, ZEITmagazin, New York Magazine, FOAM Talent Issue, VICE uvm.
Nadine Wietlisbach wird Leiterin des Fotomuseum Winterthur
Per 1. Januar 2018 wird Nadine Wietlisbach als Direktorin die Gesamtleitung des Fotomuseum Winterthur übernehmen. Das Fotomuseum wurde 1993 in Winterthur gegründet und ist heute ein führender Ort für die Präsentation und Diskussion von Fotografie. Mittels Ausstellungen, Publikationen, Veranstaltungen und seiner Sammlung erforscht das Museum die Vielfalt fotografischer Medien und bietet Foren für den Aus- tausch und kritischen Diskurs.
Nadine Wietlisbach wurde im Rahmen eines Berufungsverfahrens vom Stiftungsrat des Fotomuseum Winterthur gewählt. Sie leitet heute das Photoforum Pasquart in Biel. Davor war sie drei Jahre stellvertretende Direktorin am Nidwaldner Museum in Stans. Zwischen 2007 und 2015 initiierte und leitete sie den unabhängigen Kunstraum sic! Raum für Kunst in Luzern, 2015 war sie Gastkuratorin am Museum of Contemporary Photography in Chicago. Nadine Wietlisbach konzipierte bisher zahlreiche Ausstellungen, Publikationen und andere Formate in den Bereichen zeit- genössische Fotografie und Kunst. Als Autorin schreibt sie regelmässig für Publikationen, lehrt an verschiedenen Hochschulen in der Schweiz sowie in Deutschland und ist international in Jurys engagiert. 2015 wurde sie vom Bundesamt für Kultur für ihre kuratorische, kritische Arbeit mit einem Swiss Art Award ausgezeichnet.
Dank hoher Fachkompetenz, breiter Kenntnis über die zeitgenössischen Entwicklungen der Kunst und ihrer reichen beruflichen Erfahrung verfügt Nadine Wietlisbach über ausgezeichnete Voraussetzungen, um das Fotomuseum Winterthur als Kompetenzzentrum für das Medium Fotografie weiter auszubauen. Bis zu ihrem Eintritt bleibt Thomas Seelig für die Leitung des Museums verantwortlich und übernimmt anschliessend kuratorische Aufgaben.
KW Institute for Contemporary Art kündigen »KW Productions Series« an
Die KW Institute for Contemporary Art freuen sich, die ‘KW Production Series’ anzukündigen – ein Projekt, das sich dem künstlerischen Bewegtbild widmet. In Kollaboration mit der Julia Stoschek Collection und OUTSET Germany_Switzerland konzentrieren sich die KW hierbei auf zwei künstlerische Neuproduktionen pro Jahr. Die Serie eröffnet mit den KünstlerInnen Jamie Crewe und Beatrice Gibson. Das Projekt nimmt seinen Ursprung im Gründungsprinzip der KW als einem Ort der Produktion und der Reflexion und des kritischen Austausches und Dialogs. Ausgehend von der historisch und institutionell geprägten Identität der KW werden neue Projekte ins Visier genommen, wobei die Serie für mehr als nur Auftragsarbeiten steht. Vielmehr möchten die KW damit ein Gespräch initiieren, das einen stabilen Rahmen für die KünstlerInnen und die Institution bietet, hochrangige Arbeiten für das Publikum zu produzieren. Die ‘KW Production Series’ setzen sich zum Ziel, ausgewählte KünstlerInnen zu unterstützen, deren Arbeit und Karriere sich vor einem wegweisenden Durchbruch befinden und die nicht nur von der finanziellen Unterstützung und dem institutionellen Renommee profitieren, sondern dieses Format auch nutzen, um den Tiefe- und Schärfegrad ihrer künstlerischen Arbeit maßgeblich und nachhaltig zu modifizieren.
‘KW Production Series’ wird organisiert von Mason Leaver-Yap, Assoziierte/r KuratorIn der KW.
Über die KünstlerInnen und Projekte
Jamie Crewes neue Arbeit besteht aus zwei parallel laufenden Videos, die sich der Allegorie und Animation bedienen, um über „Fortschritt“ nachzudenken und um die Entwicklung mythischer Erzählungen, (inter-) personelle Veränderungen und kollektive politische Zeit zu untersuchen. In Bezug auf die antike griechische Legende von Eurydike und Agostino Agazzaris Oper Eumelio aus dem 15. Jahrhundert wird Crewe im Laufe des kommenden Jahres täglich Bewegtbilder produzieren und sie mittels Filmaufnahmen von FreundInnen in Form von Reflexionen, Gesprächen und Kommentaren durchbrechen.
Jamie Crewe ist KünstlerIn, SängerIn, eine wunderschöne Bronzefigur mit glänzendem Cocotte-Kopf und wurde in Manchester (GB) geboren. Crewe lebt und arbeitet in Glasgow (GB), wo sie ihren BA in Contemporary Fine Art an der Sheffield Hallam University und ihren Master of Fine Art an der Glasgow School of Art abgeschlossen hat. Ihre Arbeiten wurden zuletzt in folgenden Einzelausstellungen gezeigt: Female Executioner, Gasworks, London, 2017; But what was most awful was a girl who was singing, Transmission, Glasgow, 2016. Ihre Performance Potash Lesson wird bei Tramway, Glasgow, den KW Institute for Contemporary Art, Berlin, Gasworks, London und Catalyst Arts, Belfast (IE) präsentiert (2016–17).
Anhand der Zusammenarbeit mit zwei der bedeutendsten lebenden LyrikerInnen US-Amerikas – CA Conrad und Eileen Myles – geht Beatrice Gibsons neuer Film Ideen zu Gender, Poesie und Gehorsamkeitsverweigerung nach. Dabei dient ihr das unerfüllte Skript Film: Deux Soeurs qui sont pas Soeurs (1929) der US-amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Stein als zusätzliche Inspirationsquelle. Gibson erkundet in ihrer Arbeit Lyrik als Mittel zur Abrechnung mit der Gegenwart und verwendet dabei Steins Skript als glücksbringendes Handbuch für einen Augenblick sozialer und politischer Unruhe.
Beatrice Gibson lebt und arbeitet in London. Sie hat zweimal den Rotterdam International Film Festival Tiger Award für Kurzfilme erhalten. 2013 war sie für den 2013–15 Max Mara Kunstpreis für Frauen nominiert und gewann 2015 den 17. Baloise Art Prize der Art Basel, Basel (CH). Ihre Arbeiten wurden kürzlich in Einzelausstellungen im MUDAM – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Luxemburg (2016), dem Grazer Kunstverein (AT), 2016 und der Collective Gallery in Edinburgh (GB), 2015 gezeigt. Gibsons Filme wurden national und international präsentiert, u.a. im Rahmen des Rotterdam International Film Festival, des Programms Experimenta des London Film Festival, Wavelengths, Toronto, Projections, New York, bei Light Industry, den Anthology Film Archives und dem LA Film Forum.
Die ‚KW Production Series’ werden durch die großzügige Unterstützung der Julia Stoschek Collection und OUTSET Germany_Switzerland ermöglicht.
Das Programm der KW Institute for Contemporary Art wird ermöglicht durch die Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.