Ausstellungsprogramm 2022

Infos

Tizza Covi & Rainer Frimmel
19. 3. – 22. 5. 2022
In Kooperation mit Diagonale – Festival des österreichischen Films

Intersections in Theory, Film, and Art
Laura Mulvey and Peter Wollen
11. 6. – 14. 8. 2022
Kuratiert von Oliver Fuke und Nicolas Helm-Grovas

Belinda Kazeem-Kamiński
3. 9. – 20. 11. 2022

Günther Selichar
10. 12. 2022 – 12. 2. 2023

Intro

Wenn Gesellschaften ihre typischen Prägungen an ihren Rändern erfahren, was erwartet die Fotografie selbst an ihren Rändern, sollten sich diese überhaupt noch ausmachen lassen? Im Jahr 2022 jedenfalls bewegt sich das Ausstellungsprogramm von Camera Austria in Richtung zeitgenössisches Kino, experimentellen Film der 1970er- und 1980er-Jahre, in koloniale Gegenwarten und entlang von Oberflächen tief in die Medienapparaturen unserer Gegenwart. Auf dem Spiel stehen Dokumentarismen, die Psychoanalyse von Bildern, die Gespenster des Kolonialismus und die Verführung der Apparate.

 

Tizza Covi & Rainer Frimmel
19.3. – 22.5.2022

Eine Koproduktion mit Diagonale – Festival des österreichischen Films

Vielfach ausgezeichnet und auf internationalen Filmfestivals vorgestellt, gehören die Filme des Wiener Regie-Duos Tizza Covi und Rainer Frimmel zu den interessantesten und sinnlichsten Arbeiten der jüngeren österreichischen Filmgeschichte. Sozialrealistisch und poetisch zugleich faszinieren die Filme nicht zuletzt durch ihre zärtliche Hinwendung und Zuneigung zu ihren Protagonist*innen. Weniger bekannt ist das fotografische Œuvre von Covi und Frimmel, das nicht nur als Vorstudie zu ihren Filmengesehen werden muss, sondern eigenständigen Betrachtungsweisen und künstlerischen Konzepten folgt.

2022 wird die Diagonale – Festival des österreichischen Films den beiden Regisseur*innen ein umfangreiches Programm widmen und Camera Austria erstmals eine Ausstellung ihrer Fotografien zeigen. Das gemeinsame Vorhaben ist die erste umfassendere Werkschau zu Tizza Covi und Rainer Frimmel überhaupt.

 

Intersections in Theory, Film, and Art
Laura Mulvey and Peter Wollen
11.6. – 14.8.2022

Kuratiert von Oliver Fuke und Nicolas Helm-Grovas

Laura Mulvey und Peter Wollen sind vor allem als Filmtheoretiker*innen und Filmemacher*innen bekannt. Sie haben zum Beispiel mit Mulveys Visual Pleasure and Narrative Cinema (dt. »Visuelle Lust und narratives Kino«) und Wollens The Two Avant-Gardes (beide 1975) enorm einflussreiche Beiträge zur Filmtheorie verfasst und zwischen 1974 und 1983 sechs Filme miteinander gedreht: Darin suchten sie nach Formen, die den herrschenden Sprachen des Schauens, der Signifikation und der Narration nachspürten und ihnen etwas entgegensetzten, das den/die Betrachter*in in eine theoretische Debatte verwickelte. In ihren Schriften wie in ihrer Filmarbeit lassen sie Semiotik, Feminismus, Psychoanalyse, Geschichte und Theorie der Avantgarde miteinander in Kontakt treten. Diese Interessen werden – wiewohl unterschiedlich moduliert und umgearbeitet – auch in den Projekten fortgeführt, die sie ab Mitte der 1980er-Jahre unabhängig voneinander realisierten. Die Ausstellung bei Camera Austria eröffnet neue Wege zum Verständnis ihres Werks, indem sie Mulveys und Wollens vielfältige Auseinandersetzung mit Fotografie ins Zentrum rückt: Dokumentationen über Künstler*innen, die mit Fotografie arbeiteten (z.B. Tina Modotti und Milton Rogovin); Theoriefilme, die den kinematografischen – und also fotografischen – Blick reflektieren und hinterfragen; zahlreiche kritische Essays zur Fotografie sowie ihrer Beziehung zu anderen kulturellen Formen; und ihre Rolle als Gesprächspartner*innen für mit Fotografie arbeitende Künstler*innen.

 

Belinda Kazeem-Kamiński
3.9. – 20.11.2022

Belinda Kazeem-Kamiński wurde 2021 mit dem alle zwei Jahre vergebenen Camera Austria-Preis für zeitgenössische Fotografie der Stadt Graz ausgezeichnet. Ihre ebenso eindringlichen wie poetischen Arbeiten sind eng mit der Erforschung und Hinterfragung kolonialer Geschichte und deren Erbe verknüpft und ermöglichen es, Geschichte(n) aus der Perspektive derjenigen zu teilen, die in diesen Geschichte(n) verschwiegen wurden. Dabei geht es nicht nur um das Sichtbar-Machen von Unterdrücktem, sondern um die Rekonstruktion von Subjekten und deren Handlungsfähigkeiten, die ihnen durch die Moderne/Kolonialität (Walter D. Mignolo) aberkannt wurden. Es sind Werke, die kritische Einsichten in das Fortleben kolonialer Perspektiven und Machtgefüge ermöglichen und zugleich neue, in der Black Radical Tradition begründete Imaginationen eröffnen. Nicht zuletzt schafft Kazeem-Kamiński dadurch Möglichkeiten, aus einer anders entworfenen Zukunft von einer anderen Gegenwart zu träumen, die nicht mehr unentwegt von den Gespenstern der kolonialen Vergangenheit heimgesucht wird.

 

Günther Selichar:
Nächtliches Realitätenbüro (1983)
10.12.2022 – 12.2.2023

Seit Anfang der 1980er-Jahre beschäftigt sich Günther Selichar ungemein konsequent mit den uns überflutenden medialen Bildproduktionen und deren Konsequenzen für sich ständig verändernde Mediendemokratien. Den Schwerpunkt seiner fotografischen Arbeiten bilden vor allem die materiellen Komponenten von Bildproduktionen und die Frage nach ihren technologischen Grundlagen. Doch interessieren Selichar nicht primär die ästhetischen Aspekte von Apparaturen, sondern eine Analyse der technischen Rahmenbedingungen von Repräsentation und die Erarbeitung einer Art visuellen Grammatik medialer Bildproduktionen. In den Arbeiten von Selichar scheint ein Begehren am Realen als Begehren am Bild zu einem Endpunkt zu gelangen und sich endlos um sich selbst zu drehen, weil dahinter nichts mehr zu sehen sein kann. Mit der Präsentation des Projekts Nächtliches Realitätenbüro aus dem Jahr 1983 begeben wir uns mit Selichar an den Anfang der Untersuchung dieses Begehrens zurück. Begleitet wird die Ausstellung von einer Publikation mit dem Katalogtext aus dem Jahr 1984 sowie einem Gespräch des Künstlers mit Kurator Reinhard Braun. Parallel zur Ausstellung in Graz zeigt das Museum der Moderne in Salzburg eine umfassende Retrospektive des Künstlers.

 

Volltext

Ausstellungsprogramm 2022

 

 

 

Ausstellungsansichten

  • Tizza Covi und Rainer Frimmel, o.T., aus der Serie: Dorffest in Jasnaja Poljana, 1998.

  • Laura Mulvey und Peter Wollen, Still aus: Penthesilea. Queen of the Amazons, 1974.

  • Belinda Kazeem-Kamiński, Still aus: Unearthing. In Conversation, 2017.

  • Doppelseite aus dem Katalog: Günther Selichar, Nächtliches Realitätenbüro, 1984.

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