Camera Austria International

155 | 2021

Preis

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  • SILVIA FRANCESCHINI
    Die Landschaft als Archiv. Über poetisches Erbe und interkulturelle Imagination
  • MATHIEU KLEYEBE ABONNENC
  • INES SCHABER
    Beobachten, teilnehmen, objektivieren – Fragen an die Funktion der Bilder im fotografischen Archiv Pierre Bourdieus
  • PHOTO ARCHIVE PIERRE BOURDIEU
  • JACOB KORCZYNSKI
    Interpreters and Interruptions*
  • JEAN-PAUL KELLY

Vorwort

Die in Camera Austria International Nr. 155 vorgestellten Arbeiten widmen sich verschiedenen Zugängen in der Auseinandersetzung mit Archiven und machen sichtbar, inwiefern solche stets auch von Prozessualität und nicht zwingend linearen Lesarten gekennzeichnet sind. So veranschaulichen die Beiträge der für diese Ausgabe eingeladenen Künstler*innen die Unabgeschlossenheit, das sich Überlappende und Impermanente, das Landschaften, Archiven und künstlerischen Werken gleichermaßen zu eigen ist.

Volltext

Camera Austria International 155 | 2021
Vorwort

Die in Camera Austria International Nr. 155 vorgestellten Arbeiten widmen sich verschiedenen Zugängen in der Auseinandersetzung mit Archiven und machen sichtbar, inwiefern solche stets auch von Prozessualität und nicht zwingend linearen Lesarten gekennzeichnet sind. So veranschaulichen die Beiträge der für diese Ausgabe eingeladenen Künstler*innen die Unabgeschlossenheit, das sich Überlappende und Impermanente, das Landschaften, Archiven und künstlerischen Werken gleichermaßen zu eigen ist.

Ausgehend von einem Zugang, der biografische Forschung, Archivmaterial, Artefakte und metafiktionale Elemente miteinander verbindet, beschäftigen sich viele der Arbeiten von Mathieu Kleyebe Abonnenc mit den Verstrickungen Frankreichs in die Geschichte seiner ehemaligen Überseekolonien, und speziell Französisch-Gu­a­­­yanas, sowie der Frage, wie postkoloniale Traumata in Landschaf­ten eingeschrieben sind. Silvia Franceschini bringt die poeti­schen 
Filme, Fotografien und Installationen Abonnencs in Zusammenhang mit den Schriften des britisch-guyanischen Autors Wilson Harris, die den Künstler bereits seit Längerem beeinflussen: »In Übereinstimmung mit Harris’ Verständnis von Land­­schaft als einer Matrix, auf der sich unendlich viele mögliche historische Beziehungen miteinander kreuzen, versucht er die Spuren, Geister und Auslöschungen von Geschichte zu materialisieren, die in ihrer Gesamtheit vielleicht jenes Gefühl von geografischem und kulturellem Verlust zu überwinden vermögen, das die Geschichte des Landes prägt.«

Ines Schaber wiederum lädt ein, sich mit ihr gemeinsam dem Fotoarchiv des französischen Soziologen Pierre Bourdieu und den Bildern, die er zwischen 1957 und 1961 im Zuge seiner Forschungen in Algerien aufgenommen hat, anzunähern. In ihrem Text tastet sie sich an die Vielschichtigkeit dieses während des Algerienkriegs entstandenen Archivs heran und arbeitet heraus, welche Rolle die Fotografie für Bourdieu in seiner Auseinandersetzung mit diesem ihm fremden Land und seinen Bewohner*innen gespielt haben mag und wie er das Medium nutzte, um sein Verhältnis zu den Menschen und Situationen, die ihm dort begegneten, zu verhandeln. »Warum fotografierte Bourdieu überhaupt in Algerien, was wollte er mit der Fotografie verstehen und zeigen? Auf was ›schaute‹ er? – Welche Studien betrieb er während er fotografierte? Waren die Fotografien Teil seiner Forschungen, oder verfolgte er mit ihnen ein anderes Projekt? Welche Funktion hatte die Fotografie für ihn?«

Jean-Paul Kelly und Jacob Korczynski haben in enger Zusammenarbeit einen Beitrag entwickelt, der im Raum der Zeitschrift die Grenzen der Lesbarkeit auslotet und zwischen Sprache und Bild changiert: Durch Methoden des Verdeckens, der Überlagerung und des Wiederaufgreifens bestehender Bilder macht Jean-Paul Kelly die Komplexität ethischer Fragen in der Beschäftigung mit unterschiedlichem Quellenmaterial – das sich von fotojournalistischen Dokumenten, Bildern aus Magazinen und Bildersuchmaschinen bis hin zu Überwachungsmaterial und FBI-Akten erstreckt – sichtbar und verhandelt gleichzeitig auch dessen Verhältnis zu verschiedenartigen Formaten und Räumen. »Meine Praxis ist die einer oppositionellen Kritik, was oft eine Verdoppelung erfordert, eine Art Annäherung mit Strategien der Appropriation, der Übersetzung, der Inversion, des Reenactment und der Abstraktion, um den ideologischen Apparaten zu begegnen, die die dokumentarische Repräsentation durchdringen.«

Schließlich möchten wir uns bei Ihnen, unseren Leser*innen, an dieser Stelle noch einmal für die Beteiligung an der im Zuge der vergangenen Ausgabe initiierten Leser*innenbefragung bedanken. Eine Auswertung der Ergebnisse liegt inzwischen vor und wir freuen uns darauf, diese in künftige Überlegungen zur Weiterentwicklung von Camera Austria International miteinzubeziehen.

Christina Töpfer und das Team von Camera Austria
September 2021

Cover: Mathieu Kleyebe Abonnenc, Forever Weak and Ungrateful (10), 2015. Heliogravüre, 47,4 × 30,7 cm. Copyright: der Künstler.

Beiträge

Forum

Vorgestellt von der Redaktion:
Julia Debus
Amy Touchette
Elisa Goldammer
Lucas Leffler
Sina Link
Cédrine Scheidig

Ausstellungen

Investigative Commons
HKW – Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 9. 6. – 8. 8. 2021
Laura Poitras: Circles
n.b.k. – Neuer Berliner Kunstverein, Berlin, 18. 6. – 8. 8. 2021
MIRA ANNELI NASS

Vika Kirchenbauer: Feelings that Move Nowhere
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, 29. 5. – 5. 9. 2021
KATRIN MUNDT

Stefan Panhans / Andrea Winkler: The Pow(d)er of I Am Klick Klick Klick Klick and a very very bad bad musical!
HMKV – Hartware MedienKunstVerein, Dortmund, 15. 5. – 5. 9. 2021
SABINE MARIA SCHMIDT

Ins Bewusstsein gepikst
RAY 2021: Ideologien
Verschiedene Orte, Frankfurt am Main und Rhein-Main-Gebiet, 3. 6. – 12. 9. 2021
PAUL MELLENTHIN

Syntax of Subjection (and Resistance)
Hexen / Witches
TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, Innsbruck, 26. 6. – 3. 10. 2021
KATJA KOBOLT

Mohamed Bourouissa: “HARa!!!!!!hAaaRAAAAA!!!!!hHAaA!!!”
Goldsmiths – Centre for Contemporary Art, London, 21. 5. – 1. 8. 2021
ORIT GAT

Tobias Zielony: The Fall
Museum Folkwang, Essen, 25. 6. – 26. 9. 2021
RADEK KROLCZYK

sonsbeek20 –› 24: Force Times Distance—On Labour and Its Sonic Ecologies
Various venues, Arnhem, 2. 7. – 29. 8. 2021
EVA MARIA OCHERBAUER

Zineb Sedira: Standing Here Wondering Which Way to Go
Jeu de Paume, Paris, 15. 10. 2019 – 19. 1. 2020
Bildmuseet, Umeå, 19. 6. – 24. 10. 2021
Calouste Gulbenkian Museum, Lisbon, February – April 2022
IVAM – Institut Valencià d’Art Modern, Valencia, 2022
KOSHIK ZAMAN

Shuruq Harb: Ghost at the Feast
Beirut Art Center, Beirut, 10. 6. – 10. 9. 2021
NATASHA GASPARIAN

Les Rencontres de la photographie: Summer of Fireflies
Various venues, Arles and environs, 4. 7. – 26. 9. 2021
MARGIT NEUHOLD

Jef Geys
Kunsthalle Bern, 29. 5. – 25. 7. 2021
Bergen Kunsthall, Bergen, 20. 11. 2020 – 5. 4. 2021
ARNE SCHMITT

Dóra Maurer: Minimal Movements, Shifts, 1970 – 2020
Haus Konstruktiv, Zürich, 10. 6. – 12. 9. 2021
DANIEL BERNDT

Tatjana Danneberg: Wait a Minute
Salzburger Kunstverein, Salzburg, 8. 5. – 11. 7. 2021
CHRISTIAN EGGER

Niemand blickt auf sein Leben zurück und erinnert sich an die Nächte, in denen er geschlafen habe: Ein Projekt von Fondation Coco Lafayette
Kunstraum am Schauplatz, Wien, 20. 6. – 12. 9. 2021
VANESSA JOAN MÜLLER

Bücher

The “Grandma” as Amateur and Author
Kathi Hofer, “Grandma” Prisbrey’s Bottle Village
Spector Books, Leipzig 2021
JIA YI GU

Laura Horelli, Changes in Direction – a Journal
Archive Books, Berlin 2021
JULIA GWENDOLYN SCHNEIDER

Ort der Verheißung
Harun Farocki, Hard Selling: In einer Aktualisierung von Elske Rosenfeld
Harun Farocki Institut, Berlin 2021
SABINE WEIER

A Slow Boat to China, Marion Scemama & David Wojnarowicz
Is—Land Édition, Paris 2021
EMILIE LAURIOLA

Christina Natlacen (Hg.), Reality under Construction: Fotografische und filmische Weltentwürfe sichtbar machen
Fotohof, Salzburg 2021
PETER KUNITZKY

Talking Books
Erik van der Weijde in Conversation with . . . Roger Willems
Batia Suter: Parallel Encyclopedia #1
Roma Publications, Amsterdam 2007
Aglaia Konrad: Japan Works Roma
Publications, Amsterdam 2021
Dana Lixenberg: Imperial Courts 1993–2015
Roma Publications, Amsterdam 2015

Impressum

Herausgeber: Reinhard Braun

Verlag, Eigentümer: Verein CAMERA AUSTRIA. Labor für Fotografie und Theorie.
Lendkai 1, 8020 Graz, Österreich

Chefredaktion: Christina Töpfer.
Redaktion: Margit Neuhold.

Übersetzer*innen: Dawn Michelle d’Atri, Amy Klement, Sarah Moroz, Katrin Mundt, Wilfried Prantner.

Englisches Lektorat: Dawn Michelle d’Atri.

Dank: Mathieu Kleyebe Abonnenc, Akinbode Akinbiyi, Kaat Celis, Julia Debus, Silvia Franceschini, Christine Frisinghelli, Elisa Goldammer, Aglaia Konrad, Lucas Leffler, Sina Link, Maren Lübbke-Tidow, Lissa Kinnaer, Jean-Paul Kelly, Stephan Keppel, Jacob Korczynski, Katrin Mundt, Yves Sambu, Ines Schaber, Cédrine Scheidig, Franz Schultheis, Arash Shahali, Cauleen Smith, Nina Strand, Brita Täljedal, Amy Touchette, Daniela Zehetner, Arnisa Zeqo.

Copyright © 2021
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit vorheriger Genehmigung des Verlags. Für übermittelte Manuskripte und Originalvorlagen wird keine Haftung übernommen.

ISBN 978-3-902911-64-3
ISSN 1015 1915
GTIN 4 19 23106 1600 5 00155